PEG-Sonde
Umgang und Pflegerische Aspekte
Medizinische Universität Graz
3. Universitätslehrgang Sonderausbildung in der Intensivpflege
Autorin: Martina Hippesroiter
Graz, 2012
Martina Hippesroiter
2011/2012
Seite II
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung und Zielsetzung ... 1
1.1
Einleitung... 1
1.2
Zielsetzung ... 2
2
Definition der PEG-Sonde... 3
2.1
Indikation der PEG-Sonde ... 3
2.2
Absolute und relative Kontraindikationen der PEG-Sonde... 4
3
Anlagetechnik einer PEG-Sonde ... 5
3.1
Vorbereitung des Patienten ... 5
3.2
PEG-Anlage ... 6
3.3
Nachsorge nach der PEG-Anlage ... 8
3.4
Mögliche Komplikationen bei der Anlage einer PEG-Sonde ... 8
4
Versorgung des Gastrostomas ... 10
4.1
Beobachtung und Versorgung der Gastrostomie am Tag der PEG-
Anlage... 10
4.2
Verbandswechsel bei Sondenneuanlage... 10
4.3
Nach Ausbildung des Stomas... 12
4.4
Komplikationen der Sondeneintrittsstelle ... 13
5
Applikationsformen der enteralen Ernährung... 14
5.1
Bolus Applikation... 14
5.2
Pumpengesteuerte Applikation ... 14
5.3
Schwerkraftapplikation... 15
6
Hygienemaßnahmen bei der enteralen Sondenernährung... 17
7
Ernährung über die Sonde... 19
7.1
Kostaufbau ... 19
7.2
Überwachung der enteralen Ernährung... 20
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III
7.3
Komplikationen durch die Sondenernährung ... 21
8
Medikamentengabe über die Sonde... 24
8.1
Prinzipien der Arzneimittelgabe über die Ernährungssonde ... 24
8.2
Medikamenten-Typen ... 25
8.3
Besonderes Vorgehen bei der Verabreichung von Medikamenten
über die Sonde... 27
8.4
Vorschlag zur Vereinfachung der Medikamentenapplikation ... 27
9
Schlussfolgerung ... 28
10
Zusammenfassung... 29
11
Literaturverzeichnis ... 30
12
Abbildungsverzeichnis ... 32
13
Tabellenverzeichnis ... 32
14
Anhang I: Langsamer enteraler Nahrungsaufbau... 33
15
Anhang II: Rascher enteraler Nahrungsaufbau... 34
16
Anhang III: Komplikationen bei Sondenernährung... 35
PEG-Sonde: Umgang und Pflegerische Aspekte
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1 Einleitung und Zielsetzung
1.1 Einleitung
Mit zunehmendem medizinischen Wissen und technischer Fortentwicklung ist die
enterale Ernährung mit Hilfe der perkutan endoskopischen Gastrostomie (PEG)
eine vergleichsweise einfache Methode, Patienten
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ausreichend mit Nahrung und
Flüssigkeit zu versorgen. Das war nicht immer so. Bis zum 19. Jahrhundert war es
sehr leidvoll, Menschen Nahrung zu verabreichen, die infolge einer Erkrankung
nicht mehr selber essen konnten. Im 12. Jahrhundert beschrieb der arabische Arzt
Avenzoar (1126-1162), wie er einen Patienten, der aufgrund eines stenosierenden
Ösophaguskarzinoms oral keine Nahrung mehr zu sich nehmen konnte, mit Hilfe
einer in den Schlund eingeführten Silberkanüle Nahrung einflösst. Später im 16.
Jahrhundert wurde Leder verwendet. Im 18. Jahrhundert konnten mit der
Entdeckung des Kautschuks im Vergleich zum Leder oder der Silberkanüle sehr
flexible und dünnere Sonden hergestellt werden. Es erfolgte eine ständige
Weiterentwicklung, vor allem von verschiedenen Sondenmaterialien. Im 20.
Jahrhundert wurden Sonden aus Silikon und Polyurethan erfunden. Im Jahr 1891
gelang es dem Chirurg Friedrich O. Witzel erstmals, einen durch die Bauchdecke
operativ angelegten Zugang zum Magen zu schaffen. Diese wird deshalb Witzel-
Fistel genannt. Als wohl entscheidender Fortschritt gilt die im Jahre 1979 von
Gauderer und Ponsky durchgeführte PEG-Anlage nach dem
Fadendurchzugsverfahren an einem vier Jahre alten Jungen in Cleveland. Diese
ursprüngliche Methode wurde verschiedentlich variiert und optimiert. Heute gilt die
PEG-Anlage aufgrund des minimalen invasiven Vorgehens als Mittel der Wahl,
eine langfristige enterale Ernährung zu gewährleisten (vgl. Kolb 2004, S. 60,
Jopke und Besser 2009, S. 169, Seidel 2008, S. 68f).
Die Pflege von Patienten mit einer PEG-Sonde stellt sich als sehr komplex dar. Im
Pflegealltag treten hier häufig Unsicherheiten auf. Die vorliegende Arbeit soll
dahingehend Abhilfe schaffen. Inhaltlich werden die pflegerischen Grundlagen des
Verbandswechsels, Kostaufbau, sowie mögliche Applikationstechniken über die
Sonde beschrieben. Des Weiteren werden hygienische Richtlinien von
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Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wird auf die Ausformulierung der weiblichen Form
verzichtet. Wenn die männliche Form verwendet wird, sind immer Männer und Frauen gemeint.
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Sondenahrung und Materialien aufgezählt. Eine sichere Arzneimittelverabreichung
über eine PEGSonde wird ebenfalls dargestellt.
Es gilt, durch eine sichere Handhabung von PEG-Sonden durch das
Pflegepersonal, Komplikationen für den Patienten zu minimieren und die
Lebensqualität zu erhöhen.
Zu Beginn meines Schreibens befasste ich mich mit zahlreicher Literatur zum
Thema. Ich wählte verschiedene Journale aus, welche ich vor allem im
Rudolfinerhaus und in der Schulbibliothek gefunden habe. Als medizinische
Quellen dienten mir einige Fachbücher, die ich in verschiedenen Bibliotheken
(Medizinische Universität Graz, Karl-Franzens Universität Graz, Österreichischer
Bibliothekenverbund) gefunden habe. Weiteres habe ich auch die Möglichkeit
genutzt Fachbücher über das Fernleiheservice der Medizinischen Universität Graz
zu beziehen. Auch die endoskopische Ambulanz der Barmherzigen Brüder, wo ich
auch beschäftigt bin, stellte sich als gute Informationsquelle zum Thema heraus.
Des Weiteren hilfreich war das Ernährungsteam des Landeskrankenhaus Graz.
In diesem Sinne wünsche ich dem Leser viel Vergnügen beim Lesen und viel
Freude bei der zukünftigen Umsetzung der in der Arbeit erlangten Erkenntnisse.
1.2 Zielsetzung
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die pflegerischen Aspekte in Bezug auf die
Perkutan-endoskopische Gastrostomie-Sonde, kurz PEG-Sonde, auf einen
aktuellen Wissensstand zu bringen. Die Schwerpunkte dabei konzentrieren sich
neben den allgemeinen Grundlagen zum Thema auf die Versorgung des Stomas,
die verschiedenen, Applikationsformen, die hygienischen Richtlinien, sowie die
Ernährung und Medikamentenverabreichung über die Sonde.
Nicht Ziel der Arbeit ist es, auf die rechtlich-ethischen Aspekte in Verbindung mit
dem Thema einzugehen, da dies das Ausmaß dieser Arbeit übersteigen würde.
Als Resultat soll anhand dieser Informationen ein sicheres Handling von PEG-
Sonden durch das Pflegepersonal möglich sein, um eine adäquate Versorgung
des Patienten zu sichern.
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2 Definition der PEG-Sonde
Wenn die orale Ernährung zur Deckung des Nährstoffbedarfs nicht mehr
ausreicht, weil der Pflegebedürftige nicht mehr essen kann, darf oder will, muss
künstlich über eine Sonde ernährt werden. Hierfür gibt es verschiedene Arten von
Ernährungssonden. Welche Ernährungssonde am besten geeignet ist, hängt von
der voraussichtlichen Dauer der Ernährungstherapie, sowie von dem Zustand und
der Grunderkrankung des Patienten ab. (vgl. Menche 2011, S. 407)
In dieser Arbeit wird speziell die PEG-Sonde (siehe Abbildung 1) behandelt,
welche wie folgt betrachtet werden kann:
,,Unter einer PEG-Sonde wird eine perkutan mit endoskopischer Hilfe gelegte
Gastrostomie-Sonde verstanden. Eine Gastrostomie-Sonde stellt eine künstlich angelegte
Fistel vom Magen durch die Bauchdecke nach außen dar." (Striebel 2007, S. 239)
Abbildung 1: PEG-Sonde (Pflegeteam Dismer 2009)
2.1 Indikation
der
PEG-Sonde
Die enterale Ernährung stellt, wenn über einen funktionierenden Darm Nährstoffe
aufgenommen werden können, die bevorzugte Ernährungsmethode dar. Mithilfe
der PEG-Sonde ist es möglich, Nährstoffe und Medikamente direkt in den Magen
einzubringen. Speziell im Fall von Langzeiternährung, welche länger als 3 Wochen
andauert, hat sich die PEG-Sonde durchgesetzt (vgl. Jonnalagadda und
Edmundowicz 2004, S. 417, Menche 2011, S. 411).
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Es muss immer im Einzelfall überprüft werden ob die Legung einer PEG-Sonde für
den Patienten sinnvoll ist (vgl. Stute et al. 2010, S. 150).
Typische Indikationen sind
¾ neurologische Erkrankungen mit Schluckstörungen (Schlaganfall),
¾ maligne Erkrankungen am oberen Gastrointestinaltrakt (Stenose),
¾ Traumatologie, HNO-Kiefer und Gesichtschirurgie,
¾ eine nicht ausreichende orale Nahrungsaufnahme bei chronischen
Erkrankungen (vgl. Jopke und Besser 2009, S. 170f).
2.2 Absolute und relative Kontraindikationen der PEG-Sonde
Man unterscheidet zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen.
Zu den absoluten Kontraindikationen zählen
¾ fehlende Einwilligung,
¾ Tumorinfiltrationen an der Anlagestelle,
¾ Peritonitis,
¾ Obstruktion am Dünn- und Dickdarm (Ileus) oder
¾ Akutphase einer kritischen Erkrankung.
Relative Kontraindikationen sind
¾ Blutgerinnungsstörungen,
¾ Ösophagusvarizen,
¾ Aszites,
¾ fehlende Diaphanie (durchscheinen von Licht),
¾ Peritonealkarzinose.
Diese können oft schon im Vorfeld korrigiert und behandelt werden.
(vgl. Jopke und Besser 2009, S. 171)
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3 Anlagetechnik einer PEG-Sonde
Es gibt verschiedene Techniken eine PEG-Anlage durchzuführen. Vorzugsweise
erfolgt noch immer die klassische Fadendurchzugsmethode, das sogenannte
(Pull-Prinzip). (vgl. Jopke und Besser 2009, S. 171) In dieser Arbeit wird nur die
klassische Fadendurchzugsmethode beschrieben.
3.1 Vorbereitung des Patienten
Aufgrund des operativen, invasiven Eingriffs der PEG-Anlage müssen im Vorfeld
einige Punkte abgeklärt werden, um das Risiko von Komplikationen möglichst
gering zu halten. Ein ausführliches Aufklärungsgespräch über mögliche Risken
und Komplikationen des Eingriffes muss mit dem Patienten, seinen Angehörigen
und eventuell seinem gesetzlichen Betreuer geführt werden. Weitere
Informationen über Sinn und Nutzen einer Ernährungssonde sind erforderlich.
Durch kompetente Aufklärung und Beratung wird dem Patienten ein Gefühl von
Sicherheit vermittelt. (vgl. Stolecki 2005, S. 224)
Die Vorbereitungen umfassen folgende Punkte:
¾ Rechtsgültige Einverständniserklärung des Patienten bzw. des gesetzlichen
Betreuers.
¾ Patienten 8 Stunden vor dem Eingriff nüchtern lassen.
¾ Letzte Heparin Gabe am Vorabend.
¾
Bei keiner akuten Indikation H
2
-Rezeptoren-Blocker oder
Protonenpumpenblocker und Thrombozytenaggregationshemmer
mindestens vier Tage vor der PEG-Anlage absetzen und am Tag nach dem
Eingriff wieder verordnen.
¾ Vor der Untersuchung ist eine ausgiebige Mundpflege des Patienten
erforderlich.
¾ Bei Bauchbehaarung ist eine Rasur im Bereich der Austrittstelle des
Katheters notwendig.
¾ Intravenöser Zugang zur Applikation einer Analgosedierung.
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