Zusammenfassung
Hintergrund: Die Datenlage zur Versorgung mit technischen Hilfsmitteln ist unzureichend; besonders im Hinblick auf Qualtätsaspekte. Daher wird der Schwerpunkt dieser Arbeit sein, Möglichkeiten aufzuzeigen, mit denen man diese Datenlage verbessern kann. Am Anfang steht sinnvoller Weise die Analyse des Ist-Zustandes der derzeitigen Versorgungslage mit Pflegehilfsmitteln und die Feststellung der Relevanz auf Grund der Pflege- und Hilfsmittelstatistik. Hierbei muss auch die Sozialgesetzgebung berücksichtigt werden und die Versorgungsabläufe in der Realität.
Ziel und Fragestellung: Welche Instrumente sind geeignet, die Versorgungsqualität bei technischen Pflegehilfsmitteln in der häuslichen Pflege bei ab 65jährigen Versicherten zu messen? Und: Reicht deren Aussagekraft aus, um Rückschlüsse auf eine effizientere (optimalere) Pflegehilfsmittelversorgung in diesem Bereich zu bewirken?
Methodisches Vorgehen: Methodisch wurde nach einer Begriffsdefinition undeingrenzung die vorhandene Literatur zur Hilfsmittelversorgung, zur Versorgungsqualität und den in diesem Zusammenhang verwendeten Erhebungsinstrumente systematisch recherchiert. Die gefundenen Instrumente mussten zwei Kriterien genügen: (1) Messung der Zufriedenheit aus Nutzersicht, da diese ein Indikator für die Versorgungsqualität ist, und (2) allgemeine Einsetzbarkeit bei vielen Hilfsmittelkategorien. Die Studien wurden auf Hinweise zur Reliabilität, Validität und Anwendbarkeit geprüft.
Ergebnisse: Zwei verfügbare Instrumente wurden gefunden. Der international entwickelte Quebec User Evaluation of Satisfaction with Assisitive Technologies (QUEST2.0, 12 Items) und das in den Niederlanden entwickelte KWAZO-Instrument (7 Items) zur Messung der Zufriedenheit mit Hilfsmitteln bzw. der Hilfsmittelversorgung aus Nutzerperspektive. Beide Instrumente sind valide, reliabel und anwendbar. In Deutschland fanden sie bis auf zwei Studien im Reha-Bereich noch keine Anwendung in pflegerischen Settings. Es ist denkbar sie in pflegerische Assessments und z.B. in die MDK-Evaluation einzubinden.
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Inhalt
Einleitung 1
1 Theoretischer Rahmen 1
1.1 Statistischer Hintergrund 1
1.1.1 Die Pflegestatistik. 2
1.1.2 Demographische Entwicklung 2
1.1.3 Der Hilfsmittelreport 3
1.2 Forschungsfrage, Hypothesen und Begriffsbestimmungen. 4
1.2.1 Häusliche Pflege 5
1.2.2 Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel und technische Pflegehilfsmittel 6
1.2.3 Versorgungsqualität. 10
1.3 Probleme in der Hilfsmittelversorgung 14
2 Methodik 15
3 Ergebnisse. 20
3.1 "Quebec User Evaluation of Satisfaction with assistive Technology"
(QUEST) 20
3.1.1 Entwicklung des QUEST 1996 20
3.1.2 Studien zur Reliabilität, Validität und Machbarkeit (1998-2002) 23
3.1.3 Beurteilung des QUEST-Instrumentes anhand weiterer Studien 29
3.2 Studie zum niederländischen KWAZO. 31
3.2.1 Methodik 32
3.2.2 Ergebnisse. 33
3.2.3 Beurteilung 33
3.3 MDK-Prüfung nach SGB XI. 34
ii
3.3.1 Methodik 34
3.3.2 Beurteilung 36
4 Diskussion 36
4.1 Strategien zu einer optimaleren Hilfsmittelversorgung 36
4.2 Übertragbarkeit auf die häusliche Pflege in Deutschland 38
4.3 Ausblick 39
5 Zusammenfassung 39
Literaturverzeichnis. 41
Anhang 4
iii
Abkürzungsverzeichnis
€ ... Euro
Abb. ... Abbildung Abs. ... Absatz Anm. d. A. ... Anmerkung des Autors ATD ... Assistive Technology Device BARMER ... Barmer Krankenkasse BI ... Barthel Index BMG ... Bundesministerium für gesundheit bzw. ... beziehungsweise
C-QUEST ... Chinese Version of Quebec User Evaluation of Satisfaction with Technology ca. ... circa
Caregiver Burden ... Belastung der Pflegekräfte CHART ... Craig Handicap Assessment and Rating Technique-Revised COPM ... Canadian Occupational Performance Measure
D-QUEST ... Dutch Version of Quebec User Evaluation of Satisfaction with Technology EADL ... ebd. ... ebenda etc. ... ecetera
EuroQol EQ-5D ... Quality of Life mit fünf Dimensionen FEW ... Functioning Everyday with a Wheelchair ff. ... fortfolgende GBA ... Gemeinsamer Bundesausschuss GEK ... Gmünder Ersatzkasse gem. ... gemäß ggf. ... gegebenenfalls GKV ... gesetzliche Krankenversicherung Hilfsm-RL ... Hilfsmittelrichtlinie i.S.v. ... im Sinne von ICF ... inkl. ... inklusive
IRV ... Institute for Rehabilitation Research Kap. ... Kapitel Kap. ... Kapitel LEC ... Life Event Checklist LIFE-H ... Assessment of Life Habits max. ... maximal
MDK ... Medizinischer Dienst der Krankenkassen
iv
med. ... medizinisch mind. ...mindestens Mio ... Millionen MMST ... Mini Mental Status Test Mrd. ... Milliarden
PASIPD ... physical activity scale for individuals with physical disabilities pfleg. ... pflegerisch PflRi ... Pflegebedürftigkeits-Richtlinie PIADS ... Psychosocial Impact of Assistive Devices Scale QUEST ... Quebec User Evaluation of Satisfaction with Technology r ... Korrelationskoeffizient s ... Standartabweichung S. ... Seite
SERVQUAL ... Service Qualität (Fragebogen) SF-12 ... Short Form Health Survey (12 Items) SGB ... Sozialgesetzbuch SIPSOC ... mobility range and social behavior SMAF ... Functional Autonomy Measurement System sog. ... sogenannten SPV ... soziale Pflegeversicherung
T-QUEST ... Taiwanese Version of Quebec User Evaluation of Satisfaction with Technology Tab. ...Tabelle techn. ...technisch UAL ... Utrecht activity list Übers. d. A. ... Übersetzung des Autors vgl. ... vergleiche
WHO QoL-BREF ... World Health Organization Quality of Life (short version) WhOM ... Wheelchair Outcome Measure WST ... Wheelchair Skills Test wκ ... gewichter Kappa-Koeffizient z.B. ... zum Beipiel κ ... Kappa-Koeffizient χ ... Mittelwert
(SGB, 2007)
v
Tabellenverzeichnis
Tab.: 1 Kennzahlen der Jahre 2008 und 2009 für die BARMER GEK- Versicherten
(Sauer et al., 2010, ff. 19-21)....................................................................................... 3 Tab.: 2 Gegenüberstellung der Charakteristka von Hilfsmitteln und
Pflegehilfsmitteln (Kamps, 2010, S. 32 u. 37).......................................................... 7 Tab.: 3 Arten und Kosten von Pflegehilfsmitteln (gem. SGB XI) ............................... 8
Tab.: 4 Bewertung einer Leistung aus subjektiver und objektiver Sicht (Krämer &
Mauer, 1998) ............................................................................................................ 14
Tab.: 5 Aufstellung der Erhebungsinstrumente ...........................................................17 Tab.: 6 Ergebnisse weiterer Studien im Überblick..................................................... 29
Tab.: 7 Kriterien und Items des KWAZO ..................................................................31 Tab.: 8 Rechercheergebnisse der "Abstract"-Analyse................................................. 54
Tab.: 9 Die 24 QUEST-Items mit Übersetzung und die 12 QUEST2.0-Items (vgl. Demers, Weiss-Lambrou et al., 2000, S. 102; Demers, Wessels et al., 1999, S.
161; Pfeiffer, 2008) .................................................................................................. 57
Abbildungsverzeichnis
Abb.: 1 Entwicklungsschritte des QUEST (nach Demers et al., 1996, S. 6)............... 22
Abb.: 2 Das Assessment des QUEST-Instrumentes (vgl. Demers et al., 1996, S. 8) 22
vi
Einleitung
Durch den steigenden Anteil der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland, wird die effiziente Versorgung mit Hilfsmitteln immer wichtiger. Besonders die betroffenen Pflegekräfte, aber auch Angehörige müssen sich zunehmend damit auseinandersetzen. Effizient meint hierbei nicht nur den Versorgungsprozess, sondern auch die Versorgungsqualität. Es ist schon ein hoher bürokratischer Aufwand beim Beantragen der Hilfsmittel nötig (vgl. Kamps, 2010, S. 9), aber über die Nutzung, die Notwendigkeit und vor allem die Zufriedenheit liegen kaum oder keine Daten in Deutschland vor. Aber eben solche Qualitätskennzahlen, sind nötig, um sich ein umfassendes Bild über die Hilfsmittelversorgung in Deutschland machen zu können. Denn eine Über-, Unter- oder Fehlversorgung spiegelt sich nicht zuletzt in diesen Parametern wieder. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Möglichkeiten, diese Qualität zu erfassen. Denn erst auf Grundlage repräsentativer Daten kann man beginnen, die Hilfsmittelversorgung zu optimieren. Der Autor stellt hierfür Instrummente der Datenerhebung vor, die sich international bewährt haben (KWAZO, QUEST2.0). Zu Beginn werden jedoch die Rahmenbedingungen beschrieben, die sich in der ambulanten Pflege im Lichte der gesetzlichen Leistungen der Pflegeversicherung ergeben. Die derzeitige Versorgungssituation und ihre Probleme werden ebenso beleuchtet wie die Chancen und möglichen Strategien zu Verbesserung dieser Situation. Zum Schluss werden die Ergebnisse diskutiert und aufgrund dessen Handlungsempfehlungen aufgezeigt.
1 Theoretischer Rahmen
1.1 Statistischer Hintergrund
Um die Relevanz des Themas herauszuarbeiten, bezieht sich der Autor zunächst auf aktuelle statistische Erhebungen bzw. deren Verlauf in den letzten Jahren. Daraus geht besonders ein jährlich steigender Trend hervor. Das betrifft zum einen die Anzahl der Pflegebedürftigen Menschen in Deutschland und die Ausgaben für Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Allein diese Zahlen machen ein Nachdenken über Optimierungen im Bereich Versorgung mit Pflegehilfsmitteln notwendig (vgl. Pfaff, 2011, S. 6).
1
1.1.1 Die Pflegestatistik
Das Statistische Bundesamt führt seit Dezember 1999 zweijährlich die Pflegestatistik auf Grundlage des § 109 (1) SGB XI i.V.m. der Pflegestatistikverordnung durch (vgl. Destatis, 2011; Pfaff, 2011, S. 3). Am Verlauf 1 wird sichtbar, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen nach dem SGB XI kontinuierlich gestiegen ist. Im Vergleich zu 1999 gab es eine Zunahme von +16,0% (322.000) bis heute. Proportional dazu steigt die Anzahl der Pflegedienste, der Pflegeheime und die der Beschäftigten. Der Schwerpunkt liegt klar auf der ambulanten Pflege, die im Verhältnis zur vollstationären Pflege ca. 70% der Pflegebedürftigen betrifft. Man kann sogar von einer Verschiebung in Richtung der ambulanten Pflege sprechen. Die Verhältnisse in den einzelnen Pflegestufen ändern sich nur geringfügig. (vgl. Pfaff, 2011; Pfaff & Rottlaender, 2003, 2005, 2007, 2009). Aus der Pflegestatistik geht auch hervor, das Menschen mit zunehmenden Alter in der Regel eher pflegebedürftig werden. In der Gruppe der 70 bis unter 75 jährigen lag die Pflegequote 2009 bei 5%, während für die über 90-Jährigen eine Quote von 59% zu verzeichnen war (vgl. Pfaff, 2011, S. 7). Die Pflegequoten und die Versorgungsprävalenz mit Hilfsmitteln steigen mit zunehmenden Alter exponentiell an (vgl. Sauer, Kemper, Kaboth, & Glaeske, 2010, S. 72; Statistikportal, 2010, S. 25). Man könnte also schließen, das sich die Pflegequote proportional zu Hilfsmittelprävalenz verhält.
1.1.2 Demographische Entwicklung
"Die Wahrscheinlichkeit, dass ältere Menschen pflegebedürftig werden, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an." (Statistikportal, 2010, S. 5). Die künftige zahlenmäßige Entwicklung der Menschen im höheren Alter wird Auswirkungen auf die Zahl der Pflegebedürftigen haben. Vorausberechnungen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder haben ergeben, das sich im Jahr 2050 die Zahl der 60-Jährigen und Älteren auf vorraussichtlich 40% erhöhen wird. Besonders die Gruppe der über 80-Jährigen wird stark zunehmen - von ca. 4 Mio (2009) auf ca. 10 Mio (2050). Die Gesamtbevölkerung nimmt zahlenmäßig ab
1 Weitere Eckdaten dieser Statistik wurden in Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. (Anhang S. Fehler! Textmarke nicht definiert.) überführt.
2
und gleichzeitig nimmt der Anteil der älteren Bevölkerung stark zu (vgl. Statistikportal, 2010, S. 5).
1.1.3 Der Hilfsmittelreport
Die BARMER GEK, früher nur die Gmündner Ersatzkasse (GEK), gibt in Kooperation mit dem Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen jährlich den sogenannten Heil- und Hilfsmittelreport heraus. Dieser Bericht liefert repräsentative Daten über die Versorgungssituation und -entwicklung in Deutschland. Die BARMER und die GEK haben sich im Januar 2010 zur größten gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland vereinigt. (vgl. Sauer et al., 2010, S. 4). Die 8,8 Mio Versicherten der BARMER GEK stehen für fast 13% der GKV-Versicherten. Nach eigener Auffassung soll der Bericht dazu beitragen, "Über-, Unter- und Fehlversorgung" in der Hilfs- und Heilmittelversorgung aufzuzeigen (vgl. Sauer et al., 2010, S. 4). Eine Berechnung der letzten drei Jahrzehnten zeigt eine überdurchschnittliche Steigerungsrate (200%) im Hilfs- und Heilmittelbereich auf, diese stand "bisher kaum im Zentrum gesundheitspolitischer Initiativen" (SVR, 2005, S. 507). Auch dies liefert einen weiteren Grund, sich näher mit dem Thema dieser Bachelorarbeit zu beschäftigen (SVR, 2005, ff. 508, Ziffer 687). Der Ausgabenanteil der GKV insbesondere für Hilfsmittel mag mit 3,13% relativ niedrig wirken. Allerdings sprechen die absoluten Zahlen (5,5 Mrd. €) für sich und es muss aufgrund der demographischen Entwicklung mit weiteren Steigerungen gerechnet werden. Von 2008 zu 2010 haben sich nicht nur die Gesamtausgaben (4,91→5,5 Mrd.), sondern auch der prozentuale Anteil (3,05→3,13%) daran erhöht (Sauer et al., 2010, S. 8). Die folgende Tab.: 1 zeigt einige Daten der BARMER GEK. Hier wird besonders deutlich das nicht nur der Anteil der Versicherten mit Pflegehilfsmitteln steigt sondern auch die Ausgaben dafür steigen überdurchschnittlich um bis zu 20% (bzw. 16,67% siehe Tab.: 1). Aber auch bei den Hilfsmitteln, die für diese Betrachtung mit herangezogen wurden, sind Steigerungen zwischen 2008 und 2009 zu beobachten. Dieser Trend zeigt sich auch in den Jahren davor (z.B. Deitermann, Kemper, Hoffmann, & Glaeske, 2006, S. 11).
Tab.: 1 Kennzahlen der Jahre 2008 und 2009 für die BARMER GEK- Versicherten (Sauer et al., 2010, ff. 19-21)
1.2 Forschungsfrage, Hypothesen und Begriffsbestimmungen
Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet: Welche Instrumente sind geeignet, die Versorgungsqualität bei technischen Pflegehilfsmitteln in der häuslichen Pflege bei ab 65jährigen Versicherten zu messen? Fragen, die damit direkt verknüpft sind: Was ist ein geeignetes Instrument um die Versorgungsqualität zu messen? Diese Frage steht im Zentrum des Erkenntnisinteresses dieser Arbeit. Was ist Versorgungsqualität? Was sind technische Pflegehilfsmittel? Was ist häusliche Pflege? Die Alterseinschränkung wurde bei der Recherche berücksichtigt, da diese Gruppe am wahrscheinlichsten vom Risiko der Pflegebedürftigkeit betroffen ist (vgl. Statistikportal, 2010, S. 5) und um das Thema einzugrenzen. Sicherlich sind Menschen jeden Alters, die eine Einschränkung haben, auf eine gute Hilfsmittelversorgung angewiesen um besser am Leben teilhaben zu können. Gegenstand dieser Arbeit ist jedoch der pflegerische Kontext und weniger der Rehabilitative. Eine weitere Forschungsfrage ist: Reicht die Aussagekraft der Instrumente aus, um Rückschlüsse auf eine effizientere (optimalere) Pfle-gehilfsmittelversorgung in diesem Bereich zu bewirken? Die damit verbundenen Hypothesen lauten: 1.) Mit einem geeigneten Instrument kann der Bedarf an technischen Pflegehilfsmitteln und die Versorgungsqualität in der häuslichen Pflege umfassend dargestellt werden. 2.) Dies führt zu einer Optimierung (i.S.v. Effizienz) der Versorgungsqualität. Die Frage, inwiefern die gefundenen Instrumente zur Erhebung der Versorgungsqualität und der Effizienzsteigerung im Bereich technische Pflegehilfsmittel in der häuslichen Pflege dienen, wird am Ende dieser Bachelorarbeit diskutiert.
4
1.2.1 Häusliche Pflege
Die häusliche Pflege, oder auch ambulante Pflege, findet zu Hause statt. In § 3 SGB XI ist der Vorrang der häuslichen Pflege vor anderen Pflegeformen wie teil- oder vollstationären Pflege festgeschrieben. Diese beiden Formen werden in der vorliegenden Arbeit nicht näher beleuchtet. Es gibt drei Pflegestufen und die sog. Pflegestufe null im erweiterten Pflegebegriff. Der Gesetzestext beschreibt zunächst einen Personenkreis der Hilfe braucht und diese somit auch beanspruchen kann (vgl. § 14 (1) 1 SGB XI). Die Pflegebedürftigkeits-Richtlinien der Spitzenverbände der Krankenkassen definieren die Pflegebedürftigkeit wie folgt.
"Pflegebedürftigkeit ist regelmäßig kein unveränderbarer Zustand, sondern ein Prozess, der durch präventive, therapeutische, bzw. rehabilitative Maßnahmen und durch aktivierende Pflege beeinflussbar ist" (GKV-Spitzenverband, 2006, S. 2)
Hier wird ein veränderbarer und beeinflussbarer Zustand definiert der zugleich auch das Ziel der Pflege festlegt. Schon die Wahl des Begriffes aktivierende Pflege legt dies nahe. Seit dem 01.04.1995 wurden die Leistungen der SPV schrittweise eingeführt. Die Sozialhilfe greift subsidiär ein, wenn dies nötig wird (lt. § 2 SGB XII). Aus der SPV lassen sich eine Reihe an Geld- bzw. Sachleistungen ableiten. Die wohl zentralste Leistung der SPV ist die Sicherstellung der häuslichen Pflege durch geeignete Pflegekräfte. Diese Arbeit kann auch durch Angehörige Pflegepersonen getan werden. In diesem Fall kann der Pflegebedürftige Geldleistungen in Anspruch nehmen. Allerdings muss dann die Pflegequalität durch eine zugelassene Pflegekraft regelmäßig überprüft werden (§ 37 (3, 6) SGB XI). Zudem können Geld und Sachleistungen nach § 38 SGB XI auch im prozentualen Verhältnis kombiniert werden. Nach dem SGB XII werden eine Reihe von finanziellen Hilfen, die sog. Leistungen der Hilfe zur Pflege gewährt, auf die hier auch nicht näher eingegangen wird. Beispiele wären unter anderem auch diePflegehilfsmittelversorgung (§ 61 (2) SGB XII) (vgl. Krahmer, 2010, ff. 36-48). Die Pflegebedürftigkeit muss darauf beruhen, dass die Fähigkeit, bestimmte Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auszuüben, eingeschränkt oder nicht vorhanden ist. Maßstab der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit sind daher ausschließlich die Fähigkeiten zur Ausübung dieser Verrichtungen und nicht Art oder Schwere vorliegender Erkrankungen oder Schädigungen (vgl. GKV-Spitzenverband, 2006, S. 3).
5
Der Einsatz von Pflegehilfsmitteln muss genau diesen Kriterien entsprechen, anderenfalls greifen SGB V oder IX. Dann ist allerdings von Hillfsmitteln die Rede. In nächsten Kapitel wird der Hilfsmittelbegriff bestimmt. Hierzu werden einschlägige Definitionen herangezogen. Danach wird eine Eingrenzung auf die sog. techn. Pflegehilfsmittel vorgenommen.
1.2.2 Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel und technische Pflegehilfsmittel
Allgemeine Definition von Hilfsmitteln - Weder in der deutschen, noch in der angloamerikanischen Terminologie finden sich eindeutige Definitionen des Begriffes Hilfsmittel. Im Englischen werden Begriffe wie assistive aids, technical aids, assistive device, technical device oder assitive technoloy werden praktisch synonym verwendet. Genauso wie die ISO 9999 findet sich in der amerikanischen Gesetzgebung eine relativ breite Definition von Hilfsmitteln (vgl. Anja Bestmann, 2004, S. 9ff):
"The Act defines an assistive technology device as any item, piece of equipment, or product system, whether acquired commercially off the shelf, modified, or customized, that is used to increase, maintain, or improve functional capabilities of individuals with disabilities. Assistive technology service is defined as any service that directly assists an individual with a disability in the selection, acquisition, or use of an assistive device." 2 (The Assistive Technology Act, IATP, 2004)
Theoretisch kann hier jeder erdenkliche hilfreiche Gegenstand ein Hilfsmittel sein, welches funktionseingeschränkten Menschen zugänglich sein muss. "In Deutschland ist der Hilfsmittelbegriff sozialversicherungsrechtlich nicht eindeutig definiert." (Mischker, 2009, S. 13). Je nach Kostenträger werden ihm betimmte Eigenschaften zugeordnet. Der Hilfsmittelbegriff wird durch das SGB V nach weiter eingegrenzt, da es nur bestimmte im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführte Hilfsmittel zulässt.
Hilfsmittel im Kontext der Sozialgesetzgebung - Zunächst einmal definiert § 31 SGB IX Hilfsmittel als Hilfen, die von den Leistungsempfängern getragen und mitge-
2 [DiesesGesetz definiert Hilfsmittel als jedes Teil, Ausrüstung oder Produkt-System, ob kommerziell aus dem Regal erworben, verändert oder angepasst, mit der man Erhaltung oder Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen erhöht. Hilfsmittelversorgung ist jeder Dienst, der Menschen mit einer Behinderung bei der Auswahl, Beschaffung oder Verwendung von Hilfsmittels direkt unterstützt.] Übers. d. A.
6
führt werden können. Hierzu zählen nicht die allgemeine Gebrauchgegenstände des täglichen Lebens (siehe auch § 33 SGB V). Bei diesem Begriff muss man zwischen den Leistungen nach SGB V und den Leistungen nach SGB XI unterscheiden. Bei der GKV haben Hilfsmittel immer einen therapeutischen, behinderungsausgleichenden und vorbeugenden Charakter. In der SPV werden sie als Pflegehilfsmittel bezeichnet, und sollen eher den Bedarf an Assistenz und Pflege verringern (vgl. Kamps, 2010, S. 37). In § 40 (1) SGB XI ist von "Erleichterung", "Linderung" und "selbständiger Lebensführung" die Rede. In Tab.: 2 (S. 7) sind die Charakteristika der Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel aufgeführt.
"Pflegehilfsmittel sollen helfen, eine Überforderung der Leistungskraft des Pflegebedüftigen und der Pflegenden zu verhindern." (Kamps, 2010, S. 27).
Tab.: 2 Gegenüberstellung der Charakteristka von Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln (Kamps, 2010, S. 32 u. 37)
Man unterscheidet einmal "zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel" und "nicht zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel". Letztere bezeichnen die sog. technischen Pflegehilfsmittel, auf die das Augenmerk dieser Arbeit gerichtet ist. Tab.: 3 (S. 8) zeigt die Arten der Pflegehilfsmittel nach dem SGB XI. Auch im SGB XII findet sich ein Anspruch auf Pflegehilfsmittel. Inhaltlich deckt sich der § 61 (2) SGB XII mit den Vorschriften der SPV. Zu diesem Punkt ist jedoch hinzuzufügen, das hier der sozialhilferechtliche Bedarf angesetzt wird, sodas das Hilfsmittelverzeichnis keinen abschließenden Charakter darstellt. Nach § 9 geht es im SGB XII um die individuelle Bedarfssituation. Auf Grund des Bedarfsdeckungsprinzips greift hier auch nicht die Kostenbeschränkung der SPV. Die notwendige Hilfe ist hier immer in vollem Umfang zu gewähren (vgl. Krahmer, 2010, S. 47).
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Arbeit zitieren:
Jens-Uwe Knorr, 2011, Messung der Versorgungsqualität im Hilfsmittelbereich mit technischen Pflegehilfsmitteln in der häuslichen Pflege, München, GRIN Verlag GmbH
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