Philipps-Universität Marburg Fachbereich 09 Medienwissenschaft
HS Das Duo Tom Tykwer (Regie) und Frank Griebe (Kamera) WS 2002 / 2003
Valerie Schmidt
Fachsemester 9
Hauptfach Ndl & Medien (Schwerpunkt Medien)
Inhaltsverzeichnis
Kurzdaten. 4
1. Einleitung. 4
2. Die Inszenierung der Maria. 6
3. Der patriarchalische Vater als Angstbild 8
4. Der hässliche Ehemann. 11
5. Der sympathische Nachbar 12
6. Schlusswort 13
7. Bibliografie 15
3
Kurzdaten
Die tödliche Maria BRD 1993 Regie und Drehbuch: Tom Tykwer Produzenten: Stefan Arndt, Tom Tykwer Kamera: Frank Griebe Schnitt: Katja Dringenberg Produktion: Liebesfilm / ZDF Verleih: Sputnik
Darsteller: Nina Petri (Maria), Katja Studt (Maria, 16 Jahre), Juliane Heinemann (Maria, 10 Jahre), Josef Bierbichler (Vater), Peter Franke (Heinz), Jean Maeser (Heinz, 26 Jahre), Joachim Krol (Dieter), Rolf Peter Kahl (Jürgen)
1. Einleitung
Tom Tykwers Regiedebüt Die tödliche Maria lässt bereits deutlich den individuellen Stil des Regisseurs sichtbar werden. Der Spielfilm aus dem Jahr 1993 ist ganz auf die Protagonistin Maria (Nina Petri) ausgerichtet. In einem Zeitraum von nur sechs Tagen erzählter Zeit wird vor den Augen des Zuschauers ein eindringliches Bild ihres Lebens entworfen. In Form von Rückblenden erfährt der Zuschauer, welche unglücklichen Ereignisse Marias Leben geprägt haben. Marias Leben scheint unter einem schlechten Stern zu stehen: ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, ihr Vater erlitt einen Infarkt als er Maria bei ihrem ersten Kuss mit einem Klassenkameraden erwischte. Später presst der bettlägerige Vater seiner Tochter ein Eheversprechen ab. Mit den Worten „Du willst doch, dass es mir gut geht“ bringt er das 16jährige Mädchen dazu, einen Skatkumpel zu heiraten und sichert so vor allem seine eigene Zukunft.
Die tödliche Maria ist ein bedrückendes Hinterhofdrama. Der Film spielt zum größten Teil in der düsterkargen Wohnung eines Mehrfamilienhauses der fünfziger Jahre. In ruhigen Momenten sitzt Maria am Fenster und schaut auf den kahlen Baum im ebenso kargen Hinterhof.
4
Marias Alltag scheint sich Tag für Tag zu wiederholen. Sie steht gemeinsam mit ihrem Mann auf, bereitet sein Frühstück vor, ihr Mann streicht ihr zum Abschied über die Wange und legt ihr dreißig Mark auf die Kommode. Während ihr Mann arbeitet pflegt sie ihren Vater, besorgt Einkäufe und schreibt tagebuchähnliche Briefe an einen imaginären Adressaten. Gleich zu Beginn des Films offenbart sich in einem solchen Brief, dass Maria übersinnliche Kräfte an sich bemerkt hat. Die Existenz dieser Kräfte verleiht den Widerwärtigkeiten ihres Alltags eine unheimliche Dimension. Die innere und äußere Schönheit der Protagonistin stehen im schmerzlichen Gegensatz zu ihren Lebensumständen und verstärken den Eindruck, dass sich Maria in einem Käfig befindet.
Die inhaltliche Ebene des Films spiegelt sich in der Kameraarbeit Frank Griebes wider. Die fantasievolle Anwendung verschiedenster Kameraaktionen, lassen die Gefühle der Protagonistin in den Bildern sichtbar werden. Die Mittel der Bildgestaltung sind derart vielfältig, dass es an mancher Stelle gekünstelt wirkt. Das Frühstücksgeschirr, die Marias Leben diktierende Wanduhr, sowie andere Gegenstände und Szenen des alltäglichen Lebens werden durch Zooms, Horizontal- und Vertikalbewegungen, Kreisfahrten und Weitwinkelverzerrungen eindringlich in Szene gesetzt. In Bezug auf die subjektive Perspektive der Protagonistin entsteht der Eindruck, dass sich ihr eigentlich so eintöniger Alltag nach und nach in einem unaufhaltsamen Strudel auflöst.
Neben dem Alltag der Protagonistin wird den Drehorten selbst durch die Kameraführung eine tiefere Dimension gegeben. Die sparsam ausgeleuchtete Wohnung, in deren Winkeln sich der Blick der Kamera zu verkanten scheint, symbolisiert einen Mikrokosmos von bedrohlicher Enge. Die Innenansichten der Wohnung erinnern an die Filme David Lynchs. Das grelle Licht, das durch die Fenster scheint, wird von den braunen Wänden der Wohnung verschluckt ohne sie zu erhellen. Die Lichtgebung verstärkt den Eindruck der strikten Abgrenzung von innen und außen.
Der Film Die tödliche Maria lebt von seiner rätselhaften Atmosphäre. Die Rückblenden geben einerseits Aufschluss darüber, warum Marias Leben so geworden ist, wie es sich dem Zuschauer zeigt, andererseits geben sie dem Zuschauer immer neue Rätsel auf. Tom Tykwer und Frank Griebe brechen auf visueller und narrativer Ebene mit tradierten Gewohnheiten der Rezipienten.
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Arbeit zitieren:
Valerie Schmidt, 2003, Inszenierung von Personen und Räumen in Tom Tykwers Die tödliche Maria, München, GRIN Verlag GmbH
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