Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VII
1. Einleitung 1
2. Personalarbeit im Wandel der Zeit 2
2.1 Veränderungen der Rahmenbedingungen 2
2.2 Die Entwicklung der Personalarbeit bis heute 4
2.2.1 Bürokratisierung 5
2.2.2 Institutionalisierung 5
2.2.3 Humanisierung 5
2.2.4 Ökonomisierung 6
2.2.5 Entre- und Intrapreneuring 6
2.2.6 Weitere Entwicklungsansätze 7
2.3 Klassische Organisationsformen betrieblicher Personalarbeit 8
2.3.1 Verrichtungsorientierte funktionale Organisation 9
2.3.2 Objektorientierte divisionale Organisation 10
3. Humanvermögen und Unternehmenserfolg 11
3.1 Begriffsabgrenzung 12
3.1.1 Humanvermögen 12
3.1.2 Humankapital 13
3.2 Erklärungsansätze zum Unternehmenserfolg 14
3.2.1 Ressourcenorientierter Ansatz 16
3.2.2 Wettbewerbsvorteile durch Humanvermögen 17
4. Die Notwendigkeit eines Human Ressources Managements 18
4.1 Grundlagen und Ansätze zum HRM 19
4.2 Neue Herausforderungen für das HRM 24
4.2.1 Wertorientierung 24
4.2.2 Kundenorientierung 25
4.2.3 HRM als strategischer Partner der Geschäftsleitung 26
4.2.4 HRM als Change Agent 27
4.2.5 Mitunternehmertum 27
5. Neustrukturierung der Personalarbeit 28
5.1 Unternehmerisches Personalmanagement 28
5.2 Organisationsstrukturen im Personalbereich 31
5.2.1 Träger der Personalarbeit 33
5.2.2 Das Referentensystem 33
5.2.3 Personalarbeit als Wertschöpfungscenter 35
5.2.4 Virtuelle Personalorganisation 38
5.3 Prozessmanagement im Personalbereich 40
5.3.1 Das Modell der Wertkette 41
5.3.2 Wertschöpfungsaktivitäten 42
5.3.2.1 Primäre Wertaktivitäten 42
5.3.2.2 Unterstützende Wertaktivitäten 43
5.4 Unternehmenskultur als Fundament 46
6. Die Bedeutung der zukünftigen Personalarbeit für
die Wertschöpfung 48
6.1 Der Personalleiter und seine Abteilung 48
6.1.1 Zukünftige Personalaufgaben 48
6.1.2 Anforderungen an den Personalleiter 50
6.2 Der Begriff Wertschöpfung 51
6.3 Wertschöpfungsdimensionen 52
6.3.1 Management- und Service Dimension 53
6.3.2 Business Dimension 54
6.4 Direkte und Indirekte Wertschöpfung 56
6.5 Ansätze zur Steigerung der Wertschöpfung 56
6.6 Personalcontrolling 58
6.6.1 Der Begriff Personalcontrolling 58
6.6.2 Ziele und Aufgaben 59
6.6.3 Ebenen des Personalcontrollings 61
6.6.4 Ergebnis- und Prozessorientiertes Personalcontrolling 64
6.6.5 Quantitatives und Qualitatives Personalcontrolling 65
6.6.6 Operatives und Strategisches Personalcontrolling 66
7. Die Profit Center Konzeption 67
7.1 Bedeutung und Zielsetzung der Profit Center Organisation 67
7.2 Voraussetzung für eine Profit Center Organisation 69
7.3 Ausgestaltung der Profit Center Organisation 70
7.3.1 Funktionale Organisation 70
7.3.2 Divisionale Organisation 71
7.4 Chancen und Risiken der Profit Center Organisation 71
7.4.1 Chancen 72
7.4.2 Risiken 73
7.5 Marketing- und Dienstleistungsorientierung als Konsequenz der
Profit Center Organisation 74
8. Die Evaluierung der Neustrukturierung und der Wertschöpfung
im Personalmanagement 77
8.1 Die Organisationsstruktur als Grenze für die Wertschöpfung 78
8.2 Die Wertschöpfung als Determinante für den Unternehmenserfolg 80
9. Schlussbetrachtung 80
Literaturverzeichnis 83
1
1. Einleitung
In zahlreichen Diskussionen wird derzeit die Frage gestellt, wie das Personalmanagement, aufgrund des sich vollziehenden Wandels, im Unternehmen auszurichten ist, wie ihr Nutzen für die Organisation erhöht und gleichzeitig die Kosten für ihre Dienste gesenkt werden können. Es wurde erkannt, dass Personalmanagement der Schlüssel zum langfristigen Erfolg des Unternehmens ist, doch wie sollen zukünftige Herausforderungen gemeistert werden? Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Fokus von den rein administrativen Aufgaben auf die strategische Bedeutung und Leistung verlagert werden.
Zunächst wird in Kapitel 2 ein Überblick über den sich vollziehenden Wandel und über die historische Entwicklung der Personalarbeit gegeben. Der Wandel erfordert ein Umdenken über die Bedeutung der Personalarbeit für den Unternehmenserfolg, daher wird in Kapitel 3 das "Personal" als Humanvermögen verstanden und ein Bezug zum Unternehmenserfolg aufgezeigt. Aus der Entwicklung der Personalarbeit und der zunehmenden Bedeutung des Faktors "Personal" wird das Human Ressources Management entwickelt, welches in Kapitel 4 dargestellt wird. Neue Herausforderungen machen ein unternehmerisches Personalmanagement notwendig und erfordern auch neue und flexible Organisationsstrukturen. Hierüber gibt Kapitel 5.1 und 5.2 einen Überblick. Um dem Anspruch, dass die Personalabteilung ihren Nutzen für das Unternehmen transparent machen und erhöhen soll, gerecht zu werden, wird in Kapitel 5.3 zunächst die Wertkette analysiert. An dieser Stelle sind nun die Grundlagen für das Verständnis der Neustrukturierung und der Wertschöpfung im Personalmanagement vermittelt worden. In Kapitel 6 wird daher auf die Bedeutung der Personalarbeit für die Wertschöpfung eingegangen. Hierzu wird der Begriff geklärt und das Wertschöpfungs-Center-Konzept, als neues Organisationskonzept, vorgestellt. Empirische Untersuchungen zeigen, dass mehr und mehr Unternehmensfunktionen als Profit Center organisiert werden. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung dieser Organisationsform, wird in Kapitel 7 eine tiefergehende Darstellung des Profit Centers vorgenommen. In Kapitel 8 wird schließlich versucht eine Evaluierung der Neu- strukturierung und der Wertschöpfung im Personalmanagement zu erörtern.
2
2. Personalarbeit im Wandel der Zeit
2.1 Veränderungen der Rahmenbedingungen
In den vergangenen Jahren wurden Unternehmen weltweit durch einen fundamentalen Umbruch wesentlicher Rahmenbedingungen geprägt, die alle Bereiche wirtschaftlicher Unternehmenstätigkeit betreffen. Die Wirtschaftsentwicklung ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Verdichtung der Märkte, einen steigenden Konkurrenzdruck und ein rückläufiges Wirtschaftswachstum. In dieser Situation kommt dem Mitarbeiter als Wettbewerbsfaktor, der in der Lage ist, sich weiterzuentwickeln, zu lernen und sich geänderten Rahmenbedingungen anzupassen, eine entscheidende Rolle zu. Dies wiederum erfordert eine Personalarbeit, die befähigt ist, diese Ressource Mitarbeiter optimal bereitzustellen, zu betreuen, aus- und weiterzubilden und zu verwalten. "[…] diese Ressource Personal so zu managen, dass diese einen wesentlichen Beitrag zum ökonomischen Prinzip der Betriebswirtschaftslehre leisten kann. Das geeignete Werkzeug dafür bildet ein sowohl funktional als auch organisatorisch-institutionell optimal ausgerichtetes Personalmanagement." 1
Auch für die Personalabteilung haben sich die Umfeldbedingungen grundlegend geändert. Zu den wesentlichen Rahmenbedingungen und wichtigen Trends gehören nach Jung: 2
Abb.1 Trends und Rahmenbedingungen der Personalpolitik,(Quelle: In Anlehnung an Jung 1997, S.821)
1 Femppel 2003, S.18
2 Vgl. Jung 1997, S.821ff
3
Eine weitere Darstellung bietet Ulrich 3 . Er fasst die wesentlichen Rahmenbedingungen wie folgt zusammen:
• Globalisierung
Mit der Entwicklung der globalen Märkte werden Mitarbeiter, Ideen, Konzepte, Produkte und Informationen weltweit eingesetzt. Hier entsteht der Anspruch nach globalem Denken und lokalem Handeln der Unternehmen, um entsprechende Wettbewerbsvorteile zu sichern.
• Rentabilität durch Wachstum
Im Zuge von Fusionen steigern Unternehmen ihre Effizienz und senken ihre Kosten. Die Rentabilitätsgleichung fordert nun die Steigerung der Erträge, was wiederum an die Organisation hohe Anforderungen stellt. Um neue Kunden zu gewinnen und neue Produkte zu entwickeln, müssen Unternehmen kreativ und innovativ sein sowie das Lernen unter den Beschäftigten fördern. Des Weiteren ist eine stärkere Orientierung am Markt und eine engere Bindung zum Kunden und dessen Bedürfnisse nötig, um zu wachsen und Erträge zu erwirtschaften.
• Technik
Neue und moderne Informations- und Kommunikationstechnologie ermöglicht es immer schneller auf Veränderungen zu reagieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Es gilt hierbei herauszufinden, wie diese Techniken effizient in die Arbeitswelt integriert werden können. Speziell für den Personalbereich ergeben sich neue Möglichkeiten die Personalarbeit effektiv und effizient zu gestalten.
• Geistiges Wissen
Wissen kann als direkter Wettbewerbsvorteil und als indirekter Wettbewerbsvorteil genutzt werden. Wissen über spezielle Software bspw. wirkt sich direkt aus, wobei
3 Vgl. Ulrich 1999, S.35ff
4
Wissen über die Art, wie Kunden bedient werden sollten, damit sich das Unternehmen von der Konkurrenz abhebt, indirekt zu Erfolgen führt.
• Wandel
Die wohl bedeutendste Rahmenbedingung im Zusammenspiel von Unternehmen und Umwelt ist der sich ständig vollziehende Wandel. Alle Unternehmensbereiche (auch die Personalabteilung) sind gezwungen sich selbst auf Aktualität zu überprüfen und an die anhaltenden Veränderungen anzupassen.
Diese Einflussfaktoren haben dabei nicht nur Auswirkungen auf Strategie, Struktur und Kultur des Gesamtunternehmens, sondern wirken sich auch auf jeden einzelnen Teilbereich aus. Um diesen veränderten Anforderungen gerecht zu werden, wurde in den vergangenen Jahren die Struktur, aber auch die fundamentale Rolle der Personalabteilung angepasst oder völlig neu konzipiert. Die neuere Personalmanagementliteratur fordert zunehmend, dass Personalmanagement mehr und mehr als strategischer Partner gesehen wird. Um diesen Anspruch zu verstehen, bedarf es einer Darstellung der Entwicklungslinie der Personalarbeit.
2.2 Die Entwicklung der Personalarbeit bis heute
Das Personalwesen hat sich erst in den letzten 40 Jahren als organisatorische Institution entwickelt. Dabei ist unbestritten, dass die Personalarbeit im Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewonnen hat und heute einen zentralen betrieblichen Erfolgsfaktor darstellt. 4 Die ständige Verknappung von qualitativ hochwertigen Mitarbeitern führte zu einer steigenden Anerkennung dieser und zu einer Etablierung einer eigenen Stelle für den Personalleiter. 5 Das wohl bekannteste Modell zur Darstellung der idealtypischen Phasen der Entwicklung des Personalwesens ist das Modell von Wunderer. 6 Hierbei werden folgende Phasen unterschieden:
4 Vgl. Rohr/Surrey 2000, S.26f
5 Vgl. Hobmaier 1995, S.55
6 Vgl. Wunderer/von Arx 1998, S.7f
2.2.1 Bürokratisierung
In dieser Phase wurden bis ca. 1960 vorwiegend administrative Personalfunktionen aufgebaut, welche lediglich der kaufmännischen Bestandspflege von Personalkonten dienten. Zu den Hauptfunktionen zählten demnach die Verwaltung der Personalakten sowie die Durchführung von personalpolitischen Entscheidungen, zum Teil nur als Nebenfunktion. Die Verantwortung für diesen Bereich übernahm in der Regel der Kaufmännische Leiter.
2.2.2 Institutionalisierung
Diese Phase, ab ca. 1960, war geprägt von verschiedenen Sozialisationskonzepten, deren Anliegen es war, das Personal an organisatorische Anforderungen anzupassen. Hierzu erfolgten die Zentralisierung des Personalwesens und die Professionalisierung des Personalleiters unter Spezialisierung der Personalfunktionen. Zu den Personalfunktionen gehörten die Verwaltung, die Einstellung und der Einsatz von Personal sowie die Entgeltfindung und die juristische Konfliktregelung. Zusätzlich war die qualitative Sozialpolitik, wie Bildung, Freizeit und Arbeitsplätze, auszubauen. In großen und mittelständischen Betrieben zeichneten sich die Personalleiter für den Bereich verantwortlich.
2.2.3 Humanisierung
In dieser Phase, ab ca. 1970, kam nun die umgekehrte Philosophie zum Tragen, d.h. die Organisation wurde an das Personal angepasst. Die Personalfunktionen wurden spezialisiert, ausgebaut und am Mitarbeiter orientiert. Zu den Personalfunktionen gehörten:
6
- die Humanisierung der Arbeitplätze, -umgebung, - zeit,
- die Partizipation der Mitarbeiter,
- der Ausbau von qualitativen Funktionen, wie Aus- und Weiterbildung und kooperative Mitarbeiterführung, - Personalbetreuung sowie - Organisations- und Personalentwicklung.
In dieser Phase waren für diesen Bereich, soweit vorhanden, das Personalressort in der Geschäftsleitung oder die einzelnen Personalstäbe verantwortlich. Diese Verantwortung wurde gemeinsam mit der Personalvertretung wahrgenommen, die im Rahmen ihrer Mitwirkungs- bzw. Mitbestimmungsrechte zu beteiligen waren.
2.2.4 Ökonomisierung
Durch Dezentralisierung, Generalisierung, Entbürokratisierung und Rationalisierung von Personalfunktionen versuchte man in dieser Phase, ab ca. 1980, nach Wirtschaftlichkeitsaspekten auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Im Vordergrund stand die Anpassung von Organisation und Personal an externe Umwelteinflüsse, wie Veränderungen der Märkte oder des politisch-rechtlichen Umfeldes. Als Hauptfunktionen des Personalwesens wurden die Flexibilisierung und Rationalisierung der Arbeit und der Arbeitsplätze sowie die Bewertung des Arbeits-und Entwicklungspotenzials gesehen. Des Weiteren gehörten der Aufbau quantitativer und freiwilliger Sozialleistungen sowie die Orientierung auf die Freisetzungspolitik zu den Aufgaben des Personalwesens. Neben der Geschäftsleitung und dem institutionalisierten Personalwesen wurde nun auch der Linienmanager in die Personal-verantwortung einbezogen.
2.2.5 Entre- und Intrapreneuring
Diese Phase, die seit ca. 1990 anhält, sieht den Mitarbeiter als wichtigste, wertvollste und sensitivste Unternehmensressource. Das Personalmanagement soll den Mitarbeiter als Mitunternehmer gewinnen, entwickeln und erhalten. Als Oberziel gilt die Wertschöpfung. Erreicht wird dies durch Zentralisierung des strategischen und
7
konzeptionellen Personalmanagements bei gleichzeitiger Delegation operativer Personalarbeit an die Linie. Als Hauptfunktionen gelten die Entwicklung von Mitwissen, -denken, -handeln und -verantworten in allen wesentlichen Unternehmensentscheidungen. Damit soll eine integrierte und gleichberechtigte Mitwirkung bei der Unternehmensphilosophie, -politik und -strategie mit besonderer Berücksichtigung von "Mensch und Arbeit" erreicht werden. In diesem Zusammenhang wird ein qualitatives Personalcontrolling eingeführt und evaluiert. Die Personalverantwortung soll hierbei von einem speziell für den Personalbereich zuständigen Mitglied der Geschäftsleitung getragen werden, der das Personalmanagement als "Wertschöpfungs-Center" führt. Auch die Führungskräfte der Linie sollen Personalverantwortung übernehmen.
2.2.6 Weitere Entwicklungsansätze
Einen weiteren Ansatz zur Darstellung der tendenziellen historischen Entwicklung des Personalwesens bietet Scholz. 7
Hierbei muss jedoch davon ausgegangen werden, dass nicht alle Unternehmen mit dieser klaren Sukzessivität diese Phasen durchliefen und durchlaufen werden. 8 Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bis zu Beginn der 80er Jahre der Funktionsbereich Personal als ein betriebliches Aufgabengebiet, wie Beschaffung,
7 Vgl. Scholz 2000, S.33
8 Vgl. Scholz 2000, S.33
8
Produktion und Absatz, behandelt wurde. Dieser Bereich erfuhr eine Neuorientierung hin zu einer integrativen, proaktiven und strategischen Sichtweise des Faktors Arbeit im Unternehmen. Damit reduziert sich Personalarbeit nicht länger nur auf die bloße Anwendung von Personaltechniken, wie Personalplanung, -einsatz, -entwicklung oderentlassung, sondern wird zu einer qualifizierten Managementaufgabe. Aus einer administrativ-verwaltenden Personalabteilung wird ein kundenorientiertes Dienstleistungszentrum. 9
Mit der Entwicklung des Personalmanagements geht zwangsläufig eine Änderung der Organisationsstrukturen im Unternehmen einher. Im folgenden Kapitel soll daher auf die klassischen Organisationsformen eingegangen werden.
2.3 Klassische Organisationsformen betrieblicher Personalarbeit
Um zu verstehen, welche zukünftigen Organisationsformen im Personalmanagement den Beitrag zur Wertschöpfung erhöhen können, werden zunächst die klassischen Organisationsformen vorgestellt. Die Gliederung sowie die Stellung des Personalwesens in der Gesamtorganisation des Unternehmens sind abhängig von der Bedeutung die ihm beigemessen wird. Aufgrund der veränderten Sichtweise des Personals als ein Erfolgsfaktor für das Unternehmen und der Verlagerung der Aufgabenstellung vom Personalverwalter hin zum Personalgestalter wuchsen die Personalabteilungen in ihrer Größe an und mussten entsprechend gegliedert und in die Unternehmenshierarchie eingeordnet werden. 10 In der Literatur gibt es eine Vielzahl von Gliederungsmöglichkeiten, die am Schluss auf die zwei klassischen Grundprinzipien funktionsorientierte oder objektorientierte Organisationsform zurückzuführen sind. 11 Genauer ist die Darstellung von Neuberger 12 . Zum einen gibt es die verrichtungsorientierte funktionale und zum anderen die objektorientierte divisionale Organisation. Hierzu kommen jeweils die verschiedenen Varianten zentral oder dezentral hinzu. In der Wirtschafts- und Verwaltungspraxis sind jedoch Mischformen kombiniert aus beiden Merkmalen anzutreffen. 13
9 Vgl. Staehle 1999, S.777
10 Vgl. Jung 1997, S.29
11 Vgl. Thom/Nadig 1993, S.87
12 Vgl. Neuberger 1997, S.155
13 Vgl. Thom/Nadig 1993, S.89
9
2.3.1 Verrichtungsorientierte funktionale Organisation
Die funktionale Organisation stellt heute die dominante Organisationsform dar und geht von der Zerlegung der Gesamtaufgabe der Personalabteilung in Teilaufgaben, wie Personalplanung oder Personalentwicklung, aus. Die auf bestimmte Teilbereiche spezialisierten Mitarbeiter unterstehen dem Personalleiter für das gesamte Unternehmen. Sie wird wegen diesem zentralistischen Elements auch als funktionalzentrale Personalorganisation bezeichnet. 14
Abb.3 Funktionale Organisationsstruktur, (Quelle: In Anlehnung an Jung 1997, S.37)
Die Vor- und Nachteile dieser Organisationsform erstrecken sich über mehrere Ebenen. Zum einen aus der Sicht der Personalabteilung selbst, auf Basis von praktischen Erfahrungen und auch aus der Sicht der betroffenen Fachabteilungen und Mitarbeiter. 15
Erwartete Vorteile:
- einheitliche Prinzipien und Regeln im gesamten Unternehmen, - Reduzieren und Kontrollieren von Egoismen in den Unternehmensbereichen, - Erarbeitung von komplexen Lösungen und das Gesamtinteresse wird im Auge behalten,
- unternehmensweite Klarheit, wer wofür zuständig und kompetent ist, - eine derartige Personalorganisation ist leicht zentral zu führen und schlagkräftig, - die verschiedenen Personalfunktionen können sich unbeirrt durch lokale Rücksichten und Kompromisse profilieren.
14 Vgl. Metz 1995, S.131
15 Vgl. Metz 1995, S.131
10
Befürchtete Nachteile:
- die Erarbeitung und Anwendung passgenauer Lösungen wird erschwert oder unmöglich,
- es kommt zu einer Gleichschaltung - innovative lokale Lösungen werden behindert, - einfache Probleme werden verkompliziert,
- Lösungen, Verfahren und Programme entfernen sich von den Bedürfnissen der Praxis, - Zersplitterung der Betreuungsfunktion gegenüber Mitarbeitern und Führungskräften, die mehrere Ansprechpartner haben,
- mangelnde Berücksichtigung von Interdependenzen zwischen den einzelnen Teilaufgaben. 16
2.3.2 Objektorientierte divisionale Organisation
Bei dieser Organisationsform wird zusätzlich nach Mitarbeitergruppen und nach Unternehmensbereichen unterschieden. Nachstehende Abbildungen verdeutlichen dies noch einmal.
Abb.4 Gliederung des Personalwesens nach Mitarbeitergruppen, (Quelle: In Anlehnung an Jung 1997, S.39
Abb.5 Gliederung des Personalwesens nach Bereichsgruppen, (Quelle: In Anlehnung an Jung 1997, S.40)
16 Vgl. Neuberger 1997, S.157
11
Vorteile:
- Spezialisierung der Mitarbeiter im Personalbereich auf die besonderen Belange der einzelnen Mitarbeitergruppen,
- die Breite der Aufgaben und die hohe Verantwortung wirken motivierend, - Mitarbeiter habe in allen Fragen den gleichen Ansprechpartner und - daraufhin baut sich ein bedeutendes Vertrauensverhältnis auf.
Nachteile:
- Mangel an detaillierten Sachkenntnissen aufgrund der Generalisierung, - Gefahr der Verselbständigung der Personalarbeit des Bereiches, - Kompetenzkreuzung zwischen den Dimensionen, - großer Kommunikationsbedarf 17 .
Eine spezielle Art der objektbezogenen divisionalen Organisationsform und zugleich die wohl bekannteste Form der Personalorganisation stellt das Referentensystem dar, welches an späterer Stelle noch einmal genauer dargestellt werden soll.
3. Humanvermögen und Unternehmenserfolg
Erst seit Anfang der 60er Jahre begann die Betriebswirtschaft in den USA sich mit dem Begriff Humanvermögen auseinander zusetzen. In Europa waren diese Diskussionen bis 1972 weitestgehend unbekannt. Gutenberg unterscheidet in seinem klassischen System der Produktionsfaktoren den Faktor menschliche Arbeit zum einen in objektbezogene menschliche Arbeitsleitung und dispositive menschliche Arbeitsleistung. Diese Trennung wird heute nicht mehr befürwortet. 18 Grundsätzlich ist der Mensch im Mittelpunkt unternehmerischer Tätigkeiten zu sehen. 19 Der Unternehmenserfolg ist nicht mehr länger nur von der richtigen Kombination des Sachkapitals im Unternehmen abhängig, sondern wird zu einem Grossteil von den Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeiter mitgetragen. Die Unternehmen müssen eine bedürfnis-orientierte Produktion gewährleisten, dabei die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens
17 Vgl. Jung 1997, S.39
18 Vgl. Aschoff 1978, S.27f
19 Vgl. Bullinger 1996, S.4
12
sichern und die Interessen der Mitarbeiter berücksichtigen. Zur Lösung dieser Aufgabe sind folgende unternehmerische Fähigkeiten nötig:
• Innovationskraft
• Kooperationsfähigkeit
• Flexibilität
• Transparenz
Diese Fähigkeiten lassen sich jedoch nur dann ausbauen, wenn das vorhandene Personal über entsprechende Qualifikationen verfügt. Demnach hängen die Wettbewerbsfähigkeit und der Unternehmenserfolg im Wesentlichen davon ab, inwieweit es dem Unternehmen gelingt, schwer imitierbares Know How aufzubauen und vorhandenes Spezialwissen sowie Managementpotenziale zielorientiert auszunutzen. 20 Als Grundlage hierzu sollen nachstehend der Begriff Humanvermögen und Humankapital abgegrenzt werden.
3.1 Begriffsabgrenzung
3.1.1 Humanvermögen
Teilt man den Begriff Humanvermögen in seine Bestandteile, so ergibt sich zum einen das Wort Human und zum anderen der Begriff Vermögen. Human geht auf das lateinische Wort "humanus" zurück, was soviel bedeutet wie "menschlich". Oder auf das Wort "homos", was wiederum "Mensch" bedeutet. Dagegen gibt es für den Begriff Vermögen keine einheitliche Definition in der Literatur. Es existierten zwei Sichtweisen sich dem Begriff zu nähern. Der wirtschaftsgutorientierte Vermögensbegriff umfasst dabei das Vermögen aller Wirtschaftsgüter eines Unternehmens, über das es verfügen kann. Zum einkommensorientierten Vermögensbegriff gehören alle Ressourcen, die geeignet sind, durch ihre Verwendung zur Einkommenserzielung des Unternehmens beizutragen. Demnach umfasst das Humanvermögen eines Unternehmens alle Organisationsmitglieder, die durch ihr Tätigwerden oder ihre Duldung auf direkte oder indirekte Weise zur Erwirtschaftung eines Überschusses für das Unternehmen
20 Vgl. Bühner 1997, S.24
13
beitragen. 21 Das individuelle Humanvermögen setzt sich unter anderem zusammen aus Profession, Kompetenz, Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Eigenantrieb, Loyalität und Lernfähigkeit. Der Nutzen, der aus dem individuellen Humanvermögen der Mitarbeiter gezogen werden kann, ist abhängig von der Kompetenz der Mitarbeiter selbst und dem Umfang, wie diese Kompetenz auf einen bestimmten betrieblichen Bedarf passt. 22 Die Gesamtheit aller Fähigkeiten einer Person, die ihn in die Lage versetzen, sein Leben und die Gesellschaft zu gestalten, bildet das Humanvermögen. Es ist subjekt- bzw. personenbezogen und setzt sich aus dem Arbeitsvermögen und dem Vitalvermögen zusammen. Das Arbeitsvermögen umfasst dabei die Fähigkeit, sich aufgrund der eigenen Fachkompetenzen im Berufsleben zu behaupten. Das Vitalvermögen beschreibt die "Daseinskompetenz", die die im Lernprozess erworbenen Schlüsselqualifikationen beinhaltet. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Humanvermögensbildung die Flexibilität, die Selbständigkeit und die Eigenverantwortlichkeit steigert. 23
3.1.2 Humankapital
Was bedeutet Humankapital bzw. Human Capital? Wenn man die Bedeutung dieses Wortes in seine Bestandteile zerlegt, bekommt man eine Antwort auf diese Frage. Das Wort "Human" wurde bereits im vorangegangenen Kapitel hergeleitet. Der zweite Bestandteil "Kapital" wird vom lateinischen Wort "caput" gleich "Kopf" abgeleitet und hat viele Nuancen. Als der Begriff "Kapital" das erste Mal in einen wirtschaftlichen Zusammenhang gebracht wurde, bedeutete es Reichtum für den Besitzer. Zusammengesetzt kann auf einen Reichtum an menschlicher Kraft geschlossen werden. 24 Betrachtet man den Gedanken aus Abschnitt 3.1.1 weiter, so setzte sich das betriebliche Humankapital aus der Summe alle individuellen Humanvermögen der Mitarbeiter im Unternehmen sowie der Bindung an das Unternehmen zusammen. Der Wert für das Unternehmen wird durch das Aufsummieren des Nutzens der individuellen Humanvermögen der Mitarbeiter gebildet. Hierbei ist es wichtig zu erkennen, dass es auch davon abhängt, ob Mitarbeiter bereit und fähig sind, ihre Kompetenzen dauerhaft in das Unternehmen einzubringen. Die Höhe des Humankapitals ist also abhängig von
21 Vgl. Aschoff 1978, S.39f
22 Vgl. http://www.dr-jancik.de/html/humankapital.html vom 29.07.2003
23 Vgl. FiO 2001, Arbeitspapier Nr.11, S.2
14
der Leistungsfähigkeit, der Leistungsbereitschaft und der Bindung an das Unternehmen. 25 Das Humankapital wird gängigerweise als funktionale Bestandsgröße verstanden, also objektbezogen. 26
Zusammenfassend soll nachstehendes Schema die beiden Begriffe Humanvermögen und Humankapital gegenüberstellen. 27
3.2 Erklärungsansätze zum Unternehmenserfolg
Der Unternehmenserfolg wird immer mehr durch das vorhandene Personal im Unternehmen mitbestimmt. Die Kenntnisse, die Fähigkeiten und das Know How der Mitarbeiter tragen entscheidend zum Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten bei. Um diese Mitarbeiter weiterzuentwickeln und zu fördern, bedarf es eines qualitativen und langfristig angelegten Personalmanagements. "Erfolgreiches strategisches Personal-
24 Vgl.Friedman/Hatch/Walker 1999, S.6ff.
25 Vgl. http://www.dr-jancik.de/html/humankapital.html vom 29.07.2003
26 Vgl. FiO 2001, Arbeitspapier Nr.11, S.2
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Jessica Jahn, 2003, Die Entwicklung und Bedeutung des Personalmanagements - Ihre Neustrukturierung und ihr wertschöpfender Beitrag, München, GRIN Verlag GmbH
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