1. Einleitung
Der Tod beschäftigt die Menschen schon seit ihrer Entstehung. Mit der Möglichkeit, Organe verstorbener Menschen anderen zu transplantieren, ist die Frage, wann der Mensch tot ist, noch aktueller geworden. Den Todeszeitpunkt stellen natürlich Ärzte bei den einzelnen Menschen fest. Doch ist der Tod ein naturwissenschaftliches Faktum? Oder ist er ein soziokulturelles Phänomen, dass sich theologisch oder philosophisch erklären lässt? 1
2. Definition
Der Tod wird in Meyers großem Taschen Lexikon als „der Stillstand der Lebensfunktionen bei Mensch, Tier und Pflanze“ 2 definiert. „Das entgültige Erlöschen der Funktionen des Zentralnervensystems (Gehirntod) bestimmt den biologischen Tod, während Herz- oder Atemstillstand unter Umständen (durch Reanimation) reversibel sind (sog. klinischer Tod). Die Diagnose des Gehirntodes ist auch maßgeblich für die Todesfeststellung, was besonders im Hinblick auf eine etwaige Organentnahme zu Transplantationszwecken Bedeutung haben kann“ 3 .
In der Philosophie versucht man die Sinnbedeutung des Todes herauszufinden, die „die Weisung für die Lebensgestaltung und Antwort auf die Frage nach dem Weiterleben nach dem Tod einschließt: Tod als endgültiges Erlöschen, als Durchgangsstadium zur Wiederverkörperung, als Befreiung der Seele zur Unsterblichkeit oder als unübersehbare Grenzsituation“ 4 .
„In fast allen Religionen herrscht der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod in einer veränderten Existenz“ 5 .
1 vgl. Hoff, 1994, S. 10
2 Meyers Lexikonredaktion, 1992, S. 130
3 http://www.wissen.de
4 http://www.wissen.de
5 Meyers Lexikonredaktion, 1992, S. 130
2
3. Der Hirntod in der Medizin
Bei einem Hirntoten kann die Herz- und Kreislauffunktion durch künstliche Beatmung aufrecht erhalten werden. Die Gesamtfunktion des Gehirns ist jedoch irreversibel erloschen. Dies bedeutet ebenso wie der Herztod den Tod des Menschen. Durch den Hirntod „fehlt dem Menschen die unersetzbare und nicht wiederzuerlangende körperliche Grundlage für sein geistiges Dasein in dieser Welt“ 6 Ein hirntoter Mensch kann nichts mehr wahrnehmen, verarbeiten oder äußern, kann keine Gefühlsregungen empfinden oder zeigen, kann nie mehr irgend etwas entscheiden. Das Gehirn ist Sitz des menschlichen Geistes und macht den individuellen Menschen aus 7 .
Befürworter des Hirntodes als Todeskriterium sehen das Gehirn als Träger des Geistes und argumentieren damit, dass die Lebensfunktionen ja nur künstlich aufrecht erhalten werden. Hirntod heißt ja auch, dass die künstlichen Beatmung abgebrochen werden muss. Der Hirntote muss also tot sein, sonst dürfte man die Apparate nicht abstellen. Kritiker sehen das Gehirn nicht unbedingt als Zentralorgan, vielmehr ist der Mensch mehr als die Summe seiner Organe. Der Sitz von Gefühlen und Empfindungen ist nicht bestimmbar. Das Lebensende wird nicht als punktuelles Ereignis, sondern als ein Prozess empfunden. Der Hirntod wird als Entnahmekriterium von Organen und nicht als Todeskriterium verstanden.
4. Der Tod in den Religionen
In fast allen Religionen herrscht der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod, zum Beispiel in Form einer Auferstehung oder einer Unsterblichkeit, die entweder mit der Erhaltung des Körpers verbunden ist oder die Seele betrifft, die nach ihrer Trennung vom Körper als Geistwesen oder in einem anderen Lebewesen weiter existiert 8 .
4.1 Der Tod in der christlichen Theologie
Der Tod erscheint im Christentum als Folge und als Strafe der Sünde. Durch den ungehorsam Adams ist der Tod als eine Folge seiner Sünde in die Welt gekommen. Deshalb ist die
6 Schlake / Roosen, 2001, S.14
7 vgl. Schlake / Roosen, 2001, S.14
8 vgl. Mayers Lexikonredaktion, 1992, S. 130f
3
Menschheit der Herrschaft des Todes unterworfen. Der Tod wird also nicht als Naturphänomen, sondern vor allem als eine geistige Macht, die Ursache und Folge der Nichterfüllung der Gesetze Gottes durch die Sünder ist, verstanden 9 . Durch den Opfertod Jesu konnte Gott aufheben, was der Teufel durch Adam in die Menschheit eingeführt hat, die Sünde und den Tod. Jesus selbst hat sein eigenes Schicksal, die Ablehnung seiner Botschaft, die ihm widerfahrenen Leiden und seine Hinrichtung am Kreuz, als die einzigartige göttliche Bestimmung verstanden. So schrieb der Apostel Paulus, dass Jesu Tod für unsere Sünden geschehen sei und sich dadurch die göttliche Verheißung, jenseits dieses Lebens erfüllen wird. Dem Tod Jesu kommt eine Art Heilsbedeutung zu, da er eine Auferstehung und so ein Überwinden des Todes möglich macht. Wer seinen Glauben ausübt und getauft wird, wird symbolisch mit Jesus begraben und zu neuem Leben erweckt 10 . Martin Luther schrieb in seiner Theologie des Todes, dass die Menschen solange ihr Leben währt, immer in Sünde leben, aber Gott den Leib der Sünde hasst und ihn durch einen anderen ersetzt und uns gebietet, ihn ebenfalls zu hassen, zu zerstören und in den Tod zu geben. Im realen Tod wird der Leib der Sünde ganz untergehen. Gleichzeitig wirkt Gott in uns den neuen Menschen. Der Tod, der die Trennung von Leib und Seele bewirkt, ist somit kein Übel, sondern gut, weil er die Befreiung von einem Leben bringt, das eigentlich ein Sterben ist. Sterben ist deshalb für den Christen der Gewinn neuen Lebens. Der Mensch wird von dem irdischen Sein befreit und in das Göttliche versetzt 11 .
Die Apostel Paulus und Johannes sprechen aber noch von einem zweiten Tod. Dieser zweite und ewige Tod ist der Tod der Verdammten, der Tod der Sünder, in dem nicht die Sünde stirbt, sondern vielmehr der Mensch, der dann nicht mehr ins ewige, vollkommene Leben auferstehen kann 12 . Auch der zum Katholizismus übergetretene Mystiker Angelus Silesius sah das wahre Leben nur durch den realen Tod kommen, da dieser die Auferstehung bringt. Er verneinte sogar den Tod, weil er immer der Übergang zu neuem Leben ist. Als „ewiger Tod“ bezeichnete er ähnlich wie Luther den Tod, der nicht zu einem neuen Leben führt 13 . Jesus Christus erwies sich dem Tod gegenüber als der „Lebendige“. Er besitzt die Schlüssel des Todes und des „Hades“, womit seine dem Tod überlegene Macht ausgesagt wird. Im „Hades“ befinden sich symbolisch die durch den realen Tod vom Leib getrennten Seelen. Die „Gehenna“ symbolisiert den zweiten und endgültigen Tod 14 .
9 vgl. Meinhold, 1980, S. 150f
10 vgl. Meinhold, 1980, S. 145ff
11 vgl. Meinhold, 1980, S. 145ff
12 vgl. Meinhold, 1980, S. 152ff
13 vgl. Meinhold, 1980, S. 160f
14 vgl. Meinhold, 1980, S. 163f
4
4.2 Der Tod im Islam
Der Lehren des Islam sind der christlichen Theologie im Bezug auf ein Leben nach dem Tod recht ähnlich. Muslime glauben ebenfalls, dass die Seele eines Verstorbenen weiterlebt. Die Seele des Toten geht an einen Ort oder in den Zustand, in dem die Menschen nach dem Tod und vor dem Gericht Allahs sein werden. Dort ist die Seele bei Bewusstsein und wartet auf das Jüngste Gericht. Nach dem Koran kann die Seele verschiedene Geschicke haben: Der gläubige Muslim darf in einem himmlischen Paradies weiterleben, während den ungläubigen das Höllenfeuer und ewige Qualen drohen. Wer allerdings für die Ausbreitung des Islams und somit als Märtyrer stirbt, kommt unmittelbar in das Paradies 15 .
4.3 Der Tod und die Wiedergeburt in der Vorstellung der schwarzafrikanischen Völker
Der Schwarzafrikaner besitzt eine Art Ganzheitsdenken, das die Bereiche von religiös und profan, sowie Diesseits und Jenseits nicht scheidet und unterscheidet. Dem liegt das angestrebte Ideal einer geordneten und heilen Welt, die sich im Gleichgewicht befindet, zugrunde 16 .
Viele afrikanische Völker haben ähnliche Riten und Bräuche. So werden Jungen meist im Alter von 8-10 beschnitten. Die Beschneidung ist nicht nur Symbol für das Erwachsenwerden, sondern auch Symbol der Wiedergeburt zu einem neuen Leben. Sie bedeutet einen rituellen Tod. Die beschnittenen Jungen leben für drei bis vier Monate außerhalb des Dorfes im Wald, wo sie gleichsam mit der Schöpfung auf die Wiedergeburt in den neuen Zustand hinein warten. Sie bemalen dort ihren ganzen Körper mit weiser Farbe und bekommen Zugang zu einem neuen Zustand der Existenz. Später verbrennen die Jungen ihr Zeltlager mit allen Gegenständen, die in der Zeit des rit uellen Todes und der Belehrung verwendet wurden 17 . Der Beschneidungsmeister eines Stammes symbolisiert den Urahn. Die Geister- und Ahnenverehrung spielt für alle eine wichtige Rolle. In jedem Stamm gibt es Experten des Ahnenkults, die Medizinmänner und Wahrsager. Sie sorgen für den Lebensaustausch und den Beziehungen zwischen den Ahnen und den Lebenden. Der Häuptling symbolisiert nicht nur die diesseitige und jenseitige Gemeinschaft, sondern durch ihn statten die Ahnen den Stamm mit Kraft aus dem Jenseits aus. So versuchen die Stammesmitglieder mit dem Jenseits, der
15 vgl. http://www.wissen.de
16 vgl. Vorbichler, 1980, S. 229
17 vgl. Vorbichler, 1980, S. 238ff
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Diplom-Sozialpädagoge Benjamin Kriwy, 2003, Wann ist der Mensch tot?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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