Berufsfelddidaktische Gestatlung von Unterrichtsinhalten
auf der Basis epochaltypischer Schlüsselbegriffe
von: Anke Schwöppe und Esther Schuldt
Inhaltsverzeichnis
1 Allgemeinbildungbildungskonzept nach W. Klafki 4
2 Epochaltypische Schlüsselprobleme nach Klafki 5
2.1 Funktion der epochaltypischen Schlüsselprobleme 8
2.2 Kriterien zur Bildung epochaltypischer Schlüsselprobleme 8
3 Bedeutung von Allgemeinbildung und epochaltypischen Schlüsselproblemen für die Pflegeausbildung 9
3.1 Epochaltypische Schlüsselprobleme der Pflege 11
3.2 Folgen der epochaltypischen Schlüsselproblem auf die Pflege und die Pflegeausbildung 15
4 Einflüsse auf die Didaktik der Berufsbildung 18
4.1 Definition Allgemeine Didaktik 19
4.2 Definition Fachdidaktik 20
4.3 Definition Berufsfelddidaktik 21
4.4 Begründungszusammenhänge von Allgemeiner- und Fachdidaktik 22
4.5 Umsetzung der epochaltypischen Schlüsselprobleme der Pflege im Bezug zur Didaktik 23
5 Fazit 27
6 Literaturverzeichnis 28
1 Allgemeinbildungbildungskonzept nach W. Klafki
Im Mittelpunkt des bildungstheoretischen Ansatzes nach Klafki steht das Allgemeinbildungskonzept, dessen Ziel es ist, Menschen Bildungsinhalte zu vermitteln, die sie befähigen, kritisch, sachkompetent, selbstbewusst und solidarisch zu denken und zu handeln. Klafki fordert, dem Lernenden zu einem Bewusstsein zu verhelfen, dass ihn die zentralen Probleme der Gegenwart und, soweit voraussehbar, auch der Zukunft erkennen lässt. Dieses Bewusstsein soll vor einem historischen Kontext vermittelt werden. Wird den Lernenden diese Problematik bewusst, muss, nach Klafki, die Einsicht zur Mitverantwortlichkeit aller angesichts solcher Probleme folgen und die Bereitschaft entstehen, an der Bewältigung mitzuarbeiten. Um diese Erkenntnis zu erreichen, bedarf es Bildung. Bildung ist in Klafkis Augen ein demokratisches Bürgerrecht, woraus ein Anspruch für alle auf Bildung besteht. Allgemeinbildung versteht Klafki als Bildung in allen grundlegenden Dimensionen, also als Bildung:
- der kognitiven Möglichkeiten
- der handwerklichen-technischen Produktivität
- der Ausbildung zwischenmenschlicher Beziehungsmöglichkeiten
- der ästhetischen Wahrnehmungs-, Gestaltungs- und Urteilsfähigkeit
- schließlich und nicht zuletzt der ethischen und politischen Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeit (Klafki, 1993, S. 54)
Inhaltlich bezieht sich die Allgemeinbildung also auf die „... Aneignung der die Menschen gemeinsam angehenden Frage- und Problemstellung ihrer geschichtlichen Gegenwart und der sich abzeichnenden Zukunft...“ (Klafki, 1993, 53). In dem Allgemeinbildungskonzept sind drei wesentliche Aspekte enthalten.
Zunächst fordert er Allgemeinbildung als Bildung für alle, was bedeutet, dass der Bildungsanspruch für alle einzulösen ist. Das didaktische Handeln soll sich nicht nur auf einen bestimmten Schülertyp konzentrieren, sondern alle Schüler in ihrer jeweiligen Verfassung miteinbeziehen. Des Weiteren ist der Aspekt der Allgemeinbildung als allseitige Bildung vertreten, d.h. der Schüler soll ganzheitlich angesprochen werden. Nicht nur seine kognitiven, intellektuellen Fähigkeiten sollen gefördert auch seine emotionalen und sozialen Seiten sollen mit einbezogen werden. Der dritte Aspekt des Allgemeinbildungskonzeptes ist die Allgemeinbildung als Bildung im Allgemeinen. Hier findet sich die Vorstellung wieder, dass nur der Inhalt bildend sein kann, der aus dem Besonderen über sich hinaus auf das Allgemeine verweist. Klafki fasst hier allerdings das Allgemeine etwas weiter. Er sagt, dass das Allgemeine, besonders aus der aktuellen historischen Sicht heraus, allgemein ist und die Gegenwart der jeweiligen Schüler betreffen muss. (Peterßen, 1996, 67). Ein Allgemeinbildungskonzept für die Weiterentwicklung unseres Bildungswesens könne, so formuliert er, „nur als ein umfassender, zugleich pädagogischer und politischer Entwurf im Blick auf Notwendigkeiten, Probleme, Gefahren und Möglichkeiten unserer Gegenwart und der voraussehbaren Zukunft“ begründet werden (Jank, Meyer, 2002, 231). All jene Allgemeinbildungsfähigkeiten sind notwendig, um die epochaltypischen Schlüsselprobleme der Gegenwart und Zukunft verstehen zu können und Verbindungen sowie Konsequenzen damit in Zusammenhang zu bringen. Schüler sollen lernen, und durch den Lehrenden auf den Weg gebracht werden, ein Bewusstsein für die Probleme ihrer Zeit, aber auch der Vergangenheit und Zukunft zu entwickeln. Mit diesen Allgemeinbildungsfähigkeiten sind Lernende in der Lage Inhalte in ihrer Ganzheitlichkeit zu erkennen. Bezogen auf Pflege ist das ein wesentlicher Aspekt, da Ganzheitlichkeit ein für die Pflege immanentes Prinzip ist. Auch Pflege muss eine globale und allgemeine Sichtweise einnehmen, um Professionalität zu erreichen. (e. A.)
(Anke)
2 Epochaltypische Schlüsselprobleme nach Klafki
Epochaltypische Schlüsselprobleme weisen auf die Vielschichtigkeit des Begriffs der (Allgemein-)Bildung hin. Sie werden als „Ziele bzw. Kriterien“ verstanden, „auf die hin... Lehrer und Schüler das Problem der Allgemeinbildung neu durchdenken sollen“ (vgl. Jank, Meyer, 1991, 178). Die Kriterien der epochaltypischen Schlüsselprobleme sollen verdeutlichen, dass die Bildung im Wandel der Zeit steht und sich den gesellschaftlichen und globalen Problemstellungen nicht entziehen kann. Schlüsselprobleme zeigen grundlegende Probleme der Menschen und der Gesellschaft in einer bestimmten Epoche auf. Mit dem Stichwort „epochaltypisch“ wird angedeutet, dass es sich um einen in der Zukunft wandelbaren Problemkanon handelt. Die Anzahl der Schlüsselprobleme ist nicht beliebig erweiterbar, sofern das Kriterium beachtet wird, dass es sich um Probleme von gesellschaftlicher, nationaler, oft sogar übernationaler bzw. weltumspannender Bedeutung handelt. Sie müssen stets der Gegenwart angepasst, d.h. ständig hinterfragt und modifiziert werden. (Klafki, 1996, 49 ff.) Die epochaltypischen Schlüsselprobleme, mit denen sich Klafki beschäftigt und die er entwickelt hat, werden nun im Folgenden genannt.
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Anke Schwöppe, Esther Schuldt, 2003, Berufsfelddidaktische Gestaltung von Unterrichtsinhalten auf der Basis epochaltypischer Schlüsselbegriffe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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