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Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch

Title: Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch

Intermediate Examination Paper , 2003 , 28 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Reinhard Keßler (Author)

German Studies - Modern German Literature
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So deutlich eine Verbindung zwischen dem zerrissenen, sich scheinbar auflösenden Realitätsbezug des Autors und der Dissoziation des Karl Tubutsch auszumachen ist, so verschwommen erscheint in einer solchen Ausdeutung die spezielle poetische Auseinandersetzung mit der auf den Autor einwirkenden Wirklichkeit. Erst eine literarische Betrachtung ermöglicht es, die Figur Karl Tubutsch als fiktionalen Ausdruck radikaler Form zu verstehen und dem Text das literarische Element des Erdachten zuzugestehen. Der zugrunde liegende Problemkomplex kann in seiner tiefgründigen Gesamtheit nur vollständig erhellt werden, wenn sich das literarische Subjekt vom realen löst und in seiner einzigartigen, literarischen Gestalt zur Kenntnis genommen wird.
So wird im Folgenden der Versuch unternommen werden, Karl Tubutsch als dissoziertes Ich zu analysieren. Die Figur wird dabei in den kultur- geschichtlichen Hintergrund eingegliedert, um sie als Sinnbild eines desillusionierten, von der rational-zivilisatorischen Wirklichkeit der Jahrhundertwende zerrissenen Menschen darzustellen.
Das Werk, das Albert Ehrenstein schlagartig zu einem Wortführer des Expressionismus gemacht hat, wird aus literarischer Perspektive zu betrachten sein. Der kunstvollen Entwicklung der weltfremden und haltlosen Persönlichkeit des Karl Tubutsch wird dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet und erhält den Vorzug gegenüber einer Herangehensweise, die den Text als selbstanalytischen Ausdruck des Autors liest und versteht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tubutsch im heimatlichen Exil

2.1 Vorüberlegungen zu Figur Karl Tubutsch

2.2 Eine Existenz in gesellschaftlicher Isolation

2.3 Der doppelte Widerstreit in der Psyche des Protagonisten

2.4 Fluchträume

3. Der strukturelle Spiegel

3.1 Die Figur im Spiegel der Struktur

3.2 Die fragmentarische Struktur als Ausdruck einer gesellschaftlichen Kritik

3.3 Der Zusammenhang von gebrochener Struktur und dissoziierter Wahrnehmung

4. Abschließende Bemerkungen

5. Literaturangaben

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert Albert Ehrensteins Erstlingswerk "Tubutsch" (1911) als literarische Darstellung einer radikalen Ich-Dissoziation, wobei der Fokus gezielt auf der formalen Struktur und der psychologischen Verfassung des Protagonisten Karl Tubutsch liegt, anstatt ihn lediglich als autobiographisches Abbild des Autors zu interpretieren.

  • Die Analyse der psychologischen Spaltung des Protagonisten Karl Tubutsch.
  • Die Untersuchung der gesellschaftlichen Isolation und Entfremdung im Wien der Jahrhundertwende.
  • Die Analyse der formalen, fragmentarischen Struktur des Textes als Spiegelbild des inneren Zerfalls.
  • Die Erforschung der Funktion von Fluchträumen und der selbstreflexiven Kreisbewegung als Ausdruck existentieller Not.

Auszug aus dem Buch

2.2 Eine Existenz in gesellschaftlicher Isolation

Welche Ereignisse im Text sind es nun, die Tubutsch so endgültig der Unmöglichkeit einer Konsistenzbildung im Bewusstsein unterwerfen? „[…], ich verstehe überhaupt nicht wie ich in diesen Zustand versunken bin.“ (13), sagt er zu Beginn des Textes und attestiert sich somit persönliche Unschuld an dem tiefgründigen Dilemma. Es ist ihm jedoch von Beginn an bewusst, dass seine innere Leere in ihrem Ausmaß sein ganzes Wesen umfasst und sich der Veränderung durch persönliche Reflexionen entzieht. Es besteht keine Hoffnung auf eine „noch so geringe Änderung“ (13) seiner Situation. Er hat jede stabilisierende Instanz verloren und befindet sich in einem sozialen Zustand, der keine Integration ermöglicht. Tubutsch erkennt „nur die Wirkung und Folge“ (13) und die zeigt sich besonders deutlich in den fehlenden menschlichen Bezügen. Der Protagonist leidet, bedingt durch seine divergente psychologische Ausgangssituation, an Kommunikationsschwierigkeiten und ist nicht in der Lage, in konventionell normierte Kontakte mit seinen Mitmenschen einzutreten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Werk im Kontext der Moderne und etabliert die methodische Herangehensweise, den Protagonisten als fiktionalen Ausdruck einer Strukturkrise zu begreifen.

2. Tubutsch im heimatlichen Exil: Hier werden die psychologischen und sozialen Bedingungen beleuchtet, die Tubutsch in eine totale Isolation und eine entleerte Existenz führen.

2.1 Vorüberlegungen zu Figur Karl Tubutsch: Dieser Abschnitt analysiert das gesellschaftliche Spannungsfeld der Jahrhundertwende als Ursprung der Entfremdung der Hauptfigur.

2.2 Eine Existenz in gesellschaftlicher Isolation: Dieses Unterkapitel widmet sich den gescheiterten Versuchen des Protagonisten, durch auffälliges Verhalten Kontakt zu Mitmenschen herzustellen.

2.3 Der doppelte Widerstreit in der Psyche des Protagonisten: Es wird die Spaltung zwischen der rationalen Erkenntnis der Absurdität und dem Bedürfnis nach menschlicher Nähe thematisiert.

2.4 Fluchträume: Hier wird untersucht, wie Tubutsch versucht, durch phantastische Erfindungen und Rollenwechsel seiner Realität zu entkommen.

3. Der strukturelle Spiegel: Dieses Kapitel verbindet die psychologische Auflösung der Figur mit der formalen Komposition des Erzähltextes.

3.1 Die Figur im Spiegel der Struktur: Es wird dargelegt, wie die monologische Form und die fehlende Entwicklung den substanzlosen Zustand des Ichs unterstreichen.

3.2 Die fragmentarische Struktur als Ausdruck einer gesellschaftlichen Kritik: Dieser Abschnitt analysiert den bewussten Bruch mit literarischen Konventionen als Akt der Rebellion gegen bürgerliche Ordnungen.

3.3 Der Zusammenhang von gebrochener Struktur und dissoziierter Wahrnehmung: Hier wird die Korrelation zwischen der zerfallenen Außenwelt und der dissoziierten Wahrnehmung des Protagonisten expliziert.

4. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die formale Struktur des Werkes den Zerfall der Figur konsequent stützt und Tubutsch als radikale literarische Darstellung einer entrückten Existenz bestätigt.

5. Literaturangaben: Eine Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Fundierung der Analyse.

Schlüsselwörter

Albert Ehrenstein, Tubutsch, Expressionismus, Identitätszerfall, Ich-Dissoziation, gesellschaftliche Isolation, Entfremdung, Jahrhundertwende, fragmentarische Struktur, existentielles Unbehagen, Subjektivität, psychologische Spaltung, Selbstreflexion, Wahrnehmung, Nihilismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Zerfall von Figur und Struktur in Albert Ehrensteins Erzählung „Tubutsch“ und analysiert diesen als künstlerischen Ausdruck einer existentiellen Krise.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die psychologische Dissoziation, gesellschaftliche Entfremdung, die Fragmentierung des modernen Ichs und das Scheitern an gesellschaftlichen Normen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Protagonisten Karl Tubutsch nicht als bloße autobiographische Spiegelung des Autors zu lesen, sondern seine Radikalität als fiktionale Figur und strukturelle Komposition literaturwissenschaftlich aufzuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literarische Analyse angewandt, die den Text auf seine Strukturmerkmale, psychologische Fundierung und kulturgeschichtliche Einordnung hin untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Isolation des Protagonisten, die Bedeutung seiner Fluchträume sowie die Korrelation zwischen seiner dissoziierten Wahrnehmung und der fragmentarischen Textstruktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Ich-Dissoziation, Entfremdung, gesellschaftliche Isolation, Fragmentierung und Existenzkrise.

Warum versucht Tubutsch, sich durch Rollenspiele zu definieren?

Die Rollenspiele dienen Tubutsch als verzweifelte Kompensationsmechanismen, um in einer als sinnlos empfundenen Realität ein Minimum an Macht, Struktur und Handlungssicherheit zu gewinnen.

Weshalb scheitert der Protagonist laut der Analyse letztlich auch am Tod?

Tubutsch misstraut dem Tod als erlösendem Moment, da er sich bereits zu Lebzeiten in einem Zustand des „Existentiellen Todes“ befindet und auch dem Tod als letzte Instanz seine Sinnhaftigkeit abspricht.

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Details

Title
Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch
College
University of Münster  (Institut für Dt. Philologie)
Course
Albert Ehrenstein
Grade
2,0
Author
Reinhard Keßler (Author)
Publication Year
2003
Pages
28
Catalog Number
V26337
ISBN (eBook)
9783638286992
ISBN (Book)
9783638649049
Language
German
Tags
Zerfall Figur Struktur Ehrensteins Tubutsch Albert Ehrenstein
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Reinhard Keßler (Author), 2003, Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26337
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