Die Bedeutung der Körpersprache unter
den Aspekten von Macht und Geschlecht
von: Peter-Michael Schulz
Inhalt
1. Einleitung 2
2. Die Autorin Nancy M. Henley und ihr Anliegen 4
3. Henley’s Thesen und Erkenntnisse 6
4. Geschlecht, Macht und nonverbale Kommunikation – Erläuterungen zu Henley’s Aussagen 8
5. Diskussion zum heutigen Geschlechterverhältnis und den Aussagen Henley’s 26
6. Zusammenfassung 31
7. Literaturangaben 33
1. Einleitung
„Body politics: Power, sex and nonverbal communication.“ lautet der Titel, den die Autorin Nancy M. Henley für ihr Buch gewählt hat. Es erschien 1977 in der USA, wurde aus dem Amerikanischen von Helga Herborth übersetzt und 1988 erstmalig auch in Deutschland gleichnamig unter: „Körperstrategien. Geschlecht, Macht und nonverbale Kommunikation“ verlegt. Henley analysiert Gesten der nonverbalen Kommunikation im alltäglichen Handeln und deren Beziehung zur Macht und dem Geschlecht. Sie untersucht die unbewussten Interaktionen insbesondere zwischen Mann und Frau und entlarvt jene Körperstrategien, die eine Dominanz oder Unterwerfung im patriachalen System kennzeichnen. Die Autorin bündelt ihre Thesen und Erkenntnisse in einem zusammenfassenden Kapitel in Form von achtzehn Aussagen (H., S. 258 – S. 287). Diese Aussagen möchte ich nun vorstellen und erläutern (in den Abschnitten 3 und 4 dieser Hausarbeit). Zuvor werde ich noch etwas zu der Person Nancy M. Henley und ihrem Anliegen sagen (Abschnitt 2). Vor der abschließenden Zusammenfassung (Abschnitt 6) werde ich aktuelle Daten, Überlegungen und Fragen zum heutigen Geschlechterverhältnis zur Diskussion stellen (Abschnitt 5). Sämtliche in der Hausarbeit folgenden Zitate stammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus diesem Text und werden von mir, zwecks besserer Übersicht, nur noch mit der Abkürzung „H.“ und der Seitenzahl angegeben. Personen werden in dieser Arbeit von mir meistens in der männlichen Ausdrucksweise genannt. Dies soll lediglich einer besseren Lesbarkeit dienen und nicht diskriminierend wirken.
2. Die Autorin Nancy M. Henley und ihr Anliegen
Nancy M. Henley ist Professorin für Psychologie an der „University of California“ in Los Angeles. Sie ist dort Leiterin der Abteilung für Frauenstudien. Ihren akademischen Grad erlangte sie 1968 an der John Hopkins University. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Kommunikation, Geschlechterforschung, nonverbales Verhalten. Sie bietet zu folgenden Themen Seminare an (http://henley.socialpsychology.org):
• Introduktion to Women´Studis
• Psychology of Language and Communikation
• Psychology of Language and Gender
• Psychology of Nonverbal Behavior
• Seminar on Language, Power and Oppression
• Women´s Studies Senior Seminar.
Henley möchte mit dem Buch „Körperstrategien. Geschlecht, Macht und nonverbale Kommunikation“ ein Nachdenken über nonverbales Verhalten anregen und über Zusammenhänge scheinbar harmloser Gesten, als Ausdrucksmittel hierarchischer Strukturen in unserer patriachalen Gesellschaft, aufklären. Sie wendet sich mit ihrem Text, nach eigener Bekundung, vorwiegend an folgende Personenkreise:
• „Frauen, die aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt werden“ (H., S. 7)
• „Menschen, die fühlen, dass sie unterdrückt werden, aber oft nicht wissen, welches die Mechanismen sind“ (H., S. 7)
• Personen, „die gegen offene und krude Machtausübung über ihr Leben protestieren und sich dagegen wehren, die aber gleichzeitig die Bedeutung vieler ihrer Interaktionen, an denen Macht beteiligt ist, ignorieren.“ (H., S. 7)
• Menschen, „die sich (...) über Ungerechtigkeiten und die Ungleichheit um sie herum empören“, auch „wenn sie nicht unmittelbar betroffen sind.“ (H., S. 7-8)
• Menschen, „die sich von der Flut von Buch- und Medienpublikationen beeinflussen ließen“ in denen verbreitet wird, die „Körpersprache sei trivial oder hauptsächlich ein Medium, Gefühle auszudrücken“ und Geschlechtsspezifisches Handeln rein genetisch begründen (H., S. 7-8)
• „alle, die mehr über nonverbale Kommunikation wissen möchten und etwas darüber erfahren wollen, was zwischen ihnen und anderen auf Ebenen geschieht, die ihnen nicht bewusst sind.“ (H., S. 8) Henley denkt hier u.a. an „Studenten und Forscher“ und hofft, dass sie „die Ideen, (..), weiterentwickeln werden.“ (H., S. 8)
Viele ihrer im Buch aufgestellten Thesen und Erkenntnisse entstanden aufgrund ihrer Forschungstätigkeit an der Harvard Universität, während ihres postdoktoralen Jahres und während ihrer Lehrtätigkeit an den Universitäten von Maryland (Baltimore County) und Lowell. Unterstützt wurde sie, in ihrer Forschung von der Special Research Fellowchip des National Institute of Mental Health. (H., S. 10)
Die geistigen Vorbilder der Autorin, auf deren Erkenntnisse und Lehre sie sich beruft und aufbaut, sind nach eigener Aussage u.a.: Erving Goffman, Roger Brown, Ray Birdwhistell und insbesondere Lynn O´Connor und Nicole Anthony. (H., S. 10-11)
Henley betont, dass ihr Buch keine Einführung in nonverbales Verhalten sein kann, keine „radikal-politische Analyse“ und letztlich auch keine „objektive“ Sozialwissenschaft bietet, denn „so etwas gibt es nicht“. (H., S. 8) Sie möchte die Körpersprache auch nicht unter den Aspekten der Sexualität betrachten, denn es geht ihr um die Bedeutung von Macht in nonverbalen Botschaften. (H., S.13) Sie steht zu der politischen Überzeugung, dass „unsere Sozialorganisation einer radikalen Umstrukturierung bedarf, damit jene zu ihrem Recht kommen, die deren Reichtum erarbeiten“ (H., S. 8) und bringt dies im Text auch zum Ausdruck. Deutlich ist ihr „Engagement für Frauenfragen“, wobei sie betont: „dass für Frauen zu sein und gegen Männerherrschaft nicht unbedingt heißt, dass man ein Männerfeind ist.“ (H., S.8-9) Schließlich bemerkt sie: „Dieses Buch richtet sich an Leser beiderlei Geschlechts und jeden Hintergrunds.“ (H., S. 9).
3. N. M. Henley’s Thesen und Erkenntnisse:
In dem zu besprechenden elften Kapitel (H., S. 258-293) bringt die Autorin ihre Erkenntnisse, Thesen und Schlussfolgerungen gebündelt zum Ausdruck. Zunächst möchte ich diese hier, in diesem Abschnitt kommentarlos abbilden. Aus Gründen des korrekten Bezuges, werde ich ihre Gliederung übernehmen, wenngleich hier beim Druck des Buches ein Fehler unterlaufen ist und der vierte Punkt ausgelassen wurde.
Henley kommt hier zu folgenden Aussagen:
1. „In unserem Alltag ist nonverbales Verhalten ein wichtiges Kommunikationsmedium“ (H., S. 258)
2. „Macht (Status, Dominanz) ist ein Hauptaspekt nonverbaler Kommunikation: Sowohl auf der großen Skala sozialer Herrschaft als auch auf der kleinen Skala interpersonaler Dominanz ist nonverbales Verhalten einer der Hauptkanäle des ‚Machtflusses’“. (H., S. 258)
3. „Weil unsere Kultur nonverbales Verhalten als bedeutungslos abtut (...), konstituiert es eine vage Stimulussituation. Die Interpretation solcher Situationen ist sehr anfällig für soziale Vorurteile (...), die dazu dienen, den Status quo aufrechtzuerhalten.“ (H., S. 258)
4. (fehlt)
5. „Nonverbale Machtbotschaften sind für Frauen von besonderer Bedeutung“ (H., S. 258) Frauen: - reagieren empfindlicher auf solche Botschaften (Kontrollen)
- sind häufiger deren Objekte
6. „Viele nonverbale Verhaltensweisen haben eine Doppelsymbolik: Davon abhängig, ob sie von Partnern in einer asymmetrischen oder symmetrischen Beziehung benutzt werden, können sie entweder Dominanz oder Intimität ausdrücken.“ (H., S. 258-259)
7. „Die Verhaltensweisen, die Dominanz und Unterordnung zwischen Ungleichen ausdrücken, laufen parallel zu jenen, die in der ungleichen Beziehung zwischen den Geschlechtern von Männern und Frauen gezeigt werden.“ (H., S. 259)
8. „Der überwältigend größte Anteil an geschlechtsdifferenziertem Verhalten ist also erlernt: Es entwickelte sich, um ansonsten kaum wahrnehmbare Unterschiede hervorzuheben.“ (H., S. 264)
9. „Wie bereits (...) betont, sind viele nonverbale Verhaltensweisen, die bedeutungslos zu sein scheinen und vermeintlich nichts mit Macht zu tun haben, in Wirklichkeit Ausdruck von Geschlechtsprivilegien; oder sie reflektieren gesellschaftliche Vorurteile, die ihren Ursprung in Machtunterschieden haben.“ (H., S. 268)
10. „Macht ist die Fähigkeit, andere zu beeinflussen und zu beherrschen. Diese Fähigkeit gründet sich auf die Kontrolle begehrter Ressourcen. (Macht, Status und Dominanz sind nicht dasselbe, auch wenn sie miteinander verknüpft sind und oft verwechselt werden.) “ (H., S. 269)
11. „Das stärkste Machtfundament ist Gewalt. Die Ressourcen, auf deren Kontrolle Macht sich gründet, sind die begehrtesten, und jene, die sie kontrollieren, müssen sie vor den Ansprüchen anderer verteidigen. Gewaltanwendung lauert im hintersten Schützengraben der Verteidigungslinie, an der Front zeigt sie sich selten.“ (H., S. 269)
12. „Macht wird entlang eines Kontinuums ausgeübt, das mit den mildesten Formen von Kontrolle beginnt und mit offener Gewaltanwendung endet.“ (H., S. 269)
13. „Allgemein kann man sagen, dass jeweils die mildeste Sanktionsform, die für wirkungsvoll gehalten wird, zum Tragen kommt.“ (H., S. 271)
14. „Nonverbales Verhalten nimmt eine Schlüsselstellung in diesem Kontinuum ein – zwischen verdeckter und offener Gewalt (und zwischen verdeckter und offener Rebellion).“ (H., S. 272)
15. „Sexuelle Attraktion erklärt nicht hinreichend, warum Männer häufiger jene Gesten benutzen, die sowohl Intimität als auch Dominanz ausdrücken.“ (H., S. 278)
16. „ Wenn Frauen (und andere machtlose Menschen) sich nonverbale Machtsymbole zu eigen machen, dann wird dies von anderen –statt akzeptiert- zumeist ignoriert, verleugnet oder bestraft.“ (H., S. 278)
17. „Die Verleugnung nonverbaler Machtbotschaften, die von Frauen ausgehen, sieht oft so aus, dass diese Signale nicht als Dominanz-, sondern als sexueller Annäherungsversuch interpretiert werden.“ (H., S. 278)
18. „Sehr viele der weiblichen Verhaltensweisen, die auf innere Kontrollmechanismen zurückgeführt werden, muss man viel eher als das letzte Glied einer Kette realer Erfahrungen betrachten, in denen Selbstbehauptung versucht und dann - auf nonverbaler Ebene - unterdrückt wurde.“ (H., S. 283)
Im folgenden Abschnitt möchte ich diese Aussagen etwas näher beleuchten und auf einige Punkte auch ausführlicher eingehen.
4. Geschlecht, Macht und nonverbale Kommunikation
[...]
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Diplom-Pflegewirt (FH) Peter-Michael Schulz, 2003, Die Bedeutung der Körpersprache unter den Aspekten von Macht und Geschlecht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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