Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Auswirkungen der Computerfachsprache auf die Alltagssprache zu untersuchen und im Zuge dessen neue sprachliche Tendenzen und Entwicklungen aufzuzeigen, die direkt durch den Einzug des Computers ins tägliche Leben entstanden sind. Darüber hinaus soll gezeigt werden, an welchen Stellen der Computer in unser tägliches Leben eingreift und welche sprachlichen Fähigkeiten diesbezüglich von den Nutzern abverlangt werden.
Wichtig für die folgenden Ausführungen ist zunächst eine präzise Definition der Begriffe Computerfachsprache und Computerwortschatz. Unter Computerwortschatz verstehe ich in diesem Zusammenhang alle Termini, die eine auf den Computer bezogene Bedeutung haben. Da der Computer heute in nahezu allen Lebensbereichen präsent ist, kann man nicht mehr von einer reinen Gruppensprache reden, vielmehr haben inzwischen fast alle Sprachteilnehmer Teile des Computerwortschatzes in die Gemeinsprache aufgenommen. Während die Computerfachsprache also ursprünglich eine rein informatikinterne Fachterminologie ist, sind Teile davon heute allgemein als Computerwortschatz nicht mehr von der Gemeinsprache zu trennen.
Wie unsere Alltagssprache nun durch den Computerwortschatz ergänzt und verändert wird, soll im Folgenden gezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geschichte der Computersprachentwicklung
2.1 Anfangsphase:
2.2 Öffnungsphase:
2.3 Publikumsphase:
3 Computer im Alltag
3.1 Handel / Einkaufen
3.2 Finanzen
3.3 Kommunikation
3.4 Unterhaltung
3.5 Information
4 Computeralltagswörter
5 Fachliteratur als Sprachspiegel
6 Die Chatsprache
7 Überblick und Ausblick
8 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Computerfachsprache auf die deutsche Alltagssprache und analysiert, wie technische Entwicklungen sprachliche Tendenzen und Kommunikationsformen nachhaltig verändern.
- Historische Entwicklung der Computersprache in drei Phasen
- Integration von Informatiktermini in die allgemeine Umgangssprache
- Metaphorischer Gebrauch von Computerbegriffen im Alltag
- Veränderung von Kommunikationsstilen durch neue Medien und den "Computertalk"
- Untersuchung der "Chatsprache" als neues Hybridmedium zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Auszug aus dem Buch
6 Die Chatsprache
Durch das Medium des Computers hat sich im Interferenzfeld zwischen den Sprachformen der Mündlichkeit und denen der Schriftlichkeit eine neue herausgebildet: das Hybridmedium der Chatsprache. Charakteristisch dafür ist, dass ein als Redebeitrag formulierter und gedachter konzeptueller Sprachakt über das Medium der Schrift kommuniziert wird. Der Chatnutzer versteht sich selbst als Sprecher anstatt als Schreiber und passt seine Kommunikationsart diesem Selbstverständnis an. Daraus entwickeln sich einige Besonderheiten in der Kommunikation, die sowohl Kennzeichen schriftlicher als auch mündlicher Sprache enthalten. Wichtigstes Merkmal dabei ist die Synchronizität, die im Gegensatz zu anderen Medien schriftlicher Kommunikation, die ausschließlich diachron funktionieren, durch die direkte elektronische Übertragung nahezu vollständig erreicht wird.
Verzögerungen ergeben sich lediglich durch die Transformation des mündlichen Sprachaktes ins Medium der Schrift per Tastatur, was von der Tippgeschwindigkeit der Chatnutzer abhängt. Um die Synchronizität zu erhöhen, hat sich eine eigene Subkultur der Chatsprache entwickelt, die mit Akronymen, Kürzeln und Neologismen die Anzahl der zur Sinnübermittlung notwendigen Zeichen verkürzt. Durch die synchrone Kommunikation ergibt sich das Merkmal der Dialogizität sowie das der Reziprozität im Chat, obwohl jede Form von nonverbalem Feedback fehlt. Redebeiträge gehen direkt auf andere ein und fordern Antworten, Chatter sprechen andere direkt oder indirekt an und im Chat entstehen Dialoge zwischen zwei Chattern. Diese Merkmale von konzeptueller Mündlichkeit im Chat bewirken weiterhin, dass die Sprache spontan erzeugt wird, emotional, involviert sowie expressiv ist. Im Übrigen lassen Chatter sogar ihre regionale Herkunft dialektal verschriftlicht anklingen („wo steht dadd?“, „watt willste denn“).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert die zentralen Begriffe und skizziert die Zielsetzung, den Wandel der Alltagssprache durch den Einzug des Computerwortschatzes zu untersuchen.
2 Die Geschichte der Computersprachentwicklung: Die historische Entwicklung wird in eine Anfangsphase, eine Öffnungsphase und eine Publikumsphase unterteilt, um den Grad der fachsprachlichen Verbreitung zu veranschaulichen.
3 Computer im Alltag: In diesem Abschnitt wird analysiert, wie der Computer verschiedene Lebensbereiche wie Handel, Finanzen, Kommunikation und Unterhaltung durchdringt und sprachlich prägt.
4 Computeralltagswörter: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung neuer Wörter durch Lehnübersetzungen und Internationalismen sowie die zunehmende metaphorische Verwendung von Computerbegriffen.
5 Fachliteratur als Sprachspiegel: Hier wird anhand eines Vergleichs verschiedener Publikationsmedien aufgezeigt, wie der Anteil an Fachbegriffen je nach Zielgruppe und Medium variiert.
6 Die Chatsprache: Das Kapitel analysiert die Chatsprache als neues Hybridmedium, das Merkmale von Mündlichkeit und Schriftlichkeit vereint und eigene Kommunikationsnormen entwickelt.
7 Überblick und Ausblick: Der Autor resümiert, dass der Einfluss der Computertechnik auf Sprache und Denken unaufhaltsam voranschreitet und in Zukunft zu weiteren Sprachwandlungen führen wird.
8 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Quellen zur Untersuchung des Computerwortschatzes.
Schlüsselwörter
Computerfachsprache, Alltagssprache, Computerwortschatz, Sprachwandel, Informatik, Kommunikation, Fachbegriffe, Metaphern, Chatsprache, Hybridmedium, Synchronizität, Digitalisierung, Sprachwissenschaft, Internet, Sprachvarietät
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Computerfachsprache auf die deutsche Alltagssprache und wie der Einzug von Computertechnologien unsere sprachlichen Gewohnheiten beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung der Computersprache, die Integration von Fachtermini in den täglichen Gebrauch, die metaphorische Nutzung von Computerbegriffen und die Besonderheiten der modernen Chatsprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, sprachliche Tendenzen aufzuzeigen, die durch die Allgegenwart von Computern entstehen, und zu analysieren, welche neuen sprachlichen Fähigkeiten die Nutzer heute beherrschen müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen historisch-deskriptiven Ansatz sowie den direkten Vergleich von fachsprachlichen und allgemeinsprachlichen Textausschnitten, um den Grad der Integration von Computertermini zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Ausbreitungsphasen des Computerwortschatzes, die Auswirkungen in verschiedenen Lebensbereichen (Handel, Finanzen, Kommunikation etc.) sowie die spezifischen kommunikativen Merkmale der Chatsprache detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Computerwortschatz, Sprachwandel, Chatsprache, Hybridmedium, Metaphorik und Informatik.
Welche Rolle spielt die "Chatsprache" in der Untersuchung?
Die Chatsprache wird als Hybridmedium analysiert, das konzeptuelle Mündlichkeit in ein schriftliches Medium transformiert und somit neue, informelle Kommunikationsregeln und Ausdrucksweisen hervorbringt.
Wie unterscheidet sich der Sprachgebrauch in verschiedenen Zeitschriften?
Die Untersuchung zeigt, dass der Anteil an Fachtermini stark von der Zielgruppe abhängt: Während spezialisierte Magazine einen hohen Fachwörteranteil aufweisen, ist dieser in populären Medien wie dem Spiegel deutlich geringer, um eine breite Verständlichkeit zu gewährleisten.
- Citation du texte
- Christian Stein (Auteur), 2004, Auswirkungen der Computerfachsprache auf die Alltagssprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27020