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Die folgende Arbeit hat das Ziel, die Kindheitsbilder der Romantik anhand des Textes „Das fremde Kind“ von E.T.A. Hoffmann darzustellen, so wie den Text in Bezug auf diese Thematik zu durchleuchten.
Dazu werde ich zunächst einen kurzen Überblick über die literarische Epoche der Romantik und ihre Besonderheiten geben. Danach gehe ich speziell auf die Bedeutung der Kindheit in dieser Zeit ein, um die Darstellungen der Kindheitsbilder in Hoffmanns Text in den Gesamtkontext einordnen zu können.
Bevor ich konkret auf die Kindheitsbilder im Text eingehe, werde ich zuerst den Autor sowie den Text in den wesentlichen Zügen vorstellen. Ich werde mich hierbei und im folgenden so weit wie möglich auf die für das Thema relevanten Punkte beschränken.
Im weiteren Verlauf der Arbeit werden dann die unterschiedlichen Kindheitsbilder aus dem Text heraus gearbeitet. Ich beziehe mich hierbei auf die Ausführungen Dieter Richters aus seinem Buch „Das fremde Kind. Zur Entstehung der Kindheitsbilder im bürgerlichen Zeitalter“.
In Punkt 3.4 werde ich dann auf den eigentlichen hintergründigen Inhalt des Hoffmann`schen Textes zu sprechen kommen, den Verlust der Kindheit, der hier an Hand der Kinder aufgezeigt wird und auch in der Abfolge der Kindheitsbilder deutlich wird.
Der Text gibt sicher noch viele Anhaltspunkte, z. B. auf bestimmte stilistische Mittel, oder andere Details einzugehen, was hier jedoch vernachlässigt werden soll.
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Wenn im nun folgenden Kapitel die Rede von der Romantik ist, so ist stets die literarische Epoche gemeint, die dieser Begriff zu umschreiben versucht. Außerdem werde ich mich auf den deutschen Zweig derselben konzentrieren.
Die Romantik ist zeitlich zwischen 1797 und 1830 anzusiedeln. Sie läßt sich grob in drei Abschnitte unterteilen. Man unterscheidet üblicherweise „die frühe oder ältere Romantik in Jena und Berlin, die jüngere Romantik in Heidelberg und die Spätromantik.“ (Grabert, 1961, S. 255) Hoffmann ist mit seinen Werken der Spätromantik zuzuordnen. Ich werde mich daher in den weiteren Ausführungen hierauf konzentrieren, zumal die Grundzüge des romantischen Denkens in allen Phasen der Romantik in unterschiedlichen Tendenzen zu erkennen sind (vgl. Bertelsmann-Lexikothek, 1987, S.145).
Wichtigster Sammelpunkt der Spätromantik war Berlin. Von hier aus wirkten unter anderem Arnim, Kleist, Eichendorff, Chamisso, Brentano und Hoffmann.
Sie alle vereinigte der Wille, die traditionellen Muster bestimmter literarischer Gattungen zu durchbrechen und zu den eigentlichen „ursprünglichen ‚Naturformen‘“ (dtv-Atlas, 1994, S. 181) zurückzufinden. Am besten schien sich hierzu die Gattung des Romans zu eignen, die keinen konkreten Mustern unterworfen war. Es ist daher nicht verwunderlich, das die Epochenbezeichnung auf diese Kunstgattung zurückzuführen ist (vgl. dtv-Atlas, 1994, S. 183) und der Roman von nun an seinen Siegeszug antrat.
In den romantischen Romanen tritt ein romantisches Prinzip immer wieder in den Vordergrund, das auch für Hoffmann enorme Bedeutung hatte. Es wird hier der Zwiespalt zwischen Ideal und Wirklichkeit deutlich, welchen die Romantiker nie wirklich überwinden konnten. In seinen Erzählungen und Kunstmärchen tritt Hoffmann diesem mit dem Stilmittel der „subjektiven Ironie als Erhebung über die
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eigene Unfähigkeit“ (dtv-Atlas, 1994, S.179) gegenüber. Die Grenzen zwischen Realität und Wunderbarem scheinen so weit zu verschwimmen, daß man „letztlich auch zum Zweifel an der Fiktion des Wunderbaren verleitet wird.“ (Bertelsmann- Lexikothek, 1987, S. 147) Es wird hier ein Grundmotiv der Romantik ganz deutlich, daß auch in Hoffmanns fremdem Kind auftaucht:
der Gegensatz zwischen dem Künstlertypus, dem ästhetisch empfindenden
Menschen, und dem beschränkten, vor allem auf praktischen Nutzen
ausgerichteten „Philister“. (Bertelsmann-Lexikothek, 1987, S. 147)
Die Romantiker widersetzten sich also allen bis dahin gängigen Mustern literarischer Gattungen und betonten in ihren Werken die Verbindung zwischen Realität und Fiktion, zwischen Natur und Wunderbarem und übten zugleich Kritik an den bestehenden politischen und sozialen Gegebenheiten.
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Das Motiv der Kindheit war in der Romantik von großer Bedeutung.
Die Romantiker sahen im Kind das „Ideal reiner, unverbildeter Entfaltung der Individualität, der Urwüchsigkeit des Gefühlslebens und seiner spontanen Äußerungen“ (Driesch, 1964, S. 170) verwirklicht. Sie verehrten das „Phantasievolle und Göttliche im Kinde.“ (Handbuch Bildungsgeschichte, 1987, S. 60)
Die Kindheit war die Zeit, in der alles Unheil vom Kind ferngehalten werden sollte. Auch dem Wissensdurst der Kinder sollte man vorsichtig gegenübertreten. So hält Fröbel dazu an, das Kind nicht durch Worte zu einem Scheinverständnis zu führen, sondern es viel mehr zum eigenständigen Nachdenken anzuregen (vgl. Bollnow, 1977, S. 132). Es ist die Warnung davor, daß das Leben in totem Wissen erstarren wird. Allein die Lebendigkeit der Kinder vermag sich dem entgegen zustellen (vgl. Bollnow, 1977, S. 132f.).
Die Kindheit stellt hier das Ideal des Natürlichen dar.
Dem wirkten jedoch die Erziehungsziele vornehmlich des Adels entgegen. Die Kinder wachsen hier nicht unbeeinflußt auf, sondern in einem durch mütterliche
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Catrin Schmitz, 1999, Märchen der neuen Kindheit: E.T.A. Hoffmann "Das fremde Kind", Munich, GRIN Publishing GmbH
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