Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definition. 3
3. Die umstrittene Pränataldiagnostik. 3
4. Die Pränataldiagnostik als ethisches Problem 4
5. Krankheiten/Behinderungen und ihre Diagnosemethoden. 5
a) Fruchtwasserentnahme (Amniozentese) 5
b) Entnahme von Mutterkuchengewebe (Chorionzottenbiopsie) 5
c) Ultraschall 6
6. Rechtliches 6
7. Der Embryozid/Fetozid 7
8. Pränataldiagnostik aus der Sicht des Gynäkologen und Humangenetikers. 7
9. Pränataldiagnostik aus der Sicht von Eltern 11
10. Der ethische Aspekt. 14
11. Conclusio 19
12. Literaturverzeichnis 21
Alexander Weber, PND, SS 04 2
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit soll das Thema Pränataldiagnostik etwas eingehender betrachtet werden. Handelt es sich bei ihr um einen noch gar nicht so alten Wissenschaftsstrang, so haben sich seit ihrer Entwicklung doch mehr und mehr Gegner und Kritiker gefunden, die besonders auf ethische Aspekte hinweisen und sowohl Untersuchungsmöglichkeiten als auch Konsequenzen aus dem enormen Wissenszuwachs in Frage stellen.
Das Erstellen dieser Seiten über die Pränataldiagnostik haben nicht nur Zeit in Anspruch genommen; sie haben mich dem Thema ein ganzes Stück näher gebracht. Viele Dinge waren mir neu und mussten erarbeitet werden, aber am Ende stand das Gefühl ein Stück Wissen dazu gewonnen zu haben. Dieses Wissen soll an den Leser weitergegeben werden damit auch er sich zum Thema eine festere Meinung bilde, werden doch wichtige Bereiche gestreift: Schwangerschaft, Kinderwunsch und Behinderung. Bereiche, die in unserer sich mehr und mehr individualisierenden Gesellschaft kaum noch Gehör finden.
In Deutschland sind Menschen rar geworden, die einen Kinderwunsch äußern und ihn verwirklichen; die wenigsten von ihnen wären dann auch noch bereit ein behindertes Kind groß zu ziehen. Trotzdem gibt es diese Menschen und sind auch mir begegnet, und so sollen auch die Gedanken der Mutter eines behinderten Kindes mit in diese Hausarbeit einfließen.
Vielleicht täten sich dem einen oder anderen eine neue Sichtweise auf, würde er/sie sich mehr mit diesem Themenbereich befassen, um den eigenen Horizont zu erweitern, diese Problematik kritischer zu betrachten und Menschen mit Behinderungen oder deren Angehörigen beizustehen, unter die Arme greifen oder als Freund einfach nur da zu sein.
2. Definition
„(engl.) prenatal diagnostics, prenatal screenig; Untersuchung des ungeborenen Kindes; Meth. U. Ind.: 1. Ultraschalldiagnostik [...] Routineverfahren, nach den Mutterschaftsrichtlinien mind. dreimal während jeder Schwangerschaft, gestattet neben deren Nachweis die Plazentalokalisation, Bestimmung der Kindsgröße u. -form, Nachw. Von Mehrlingen sowie Beurteilung einzelner Organe (Fehlbildungen) [...]“ 1 Unter Pränataldiagnostik versteht man die medizinischen Untersuchungen, die während der Schwangerschaft durchgeführt werden können, um eine mögliche Komplikation oder Erkrankung des ungeborenen Kindes erkennen zu lassen. Zu den Untersuchungsmethoden gehören sowohl bildgebende Verfahren wie Ultraschall als auch die Fruchtwasseruntersuchung und andere Arten von Gewebeentnahme.
3. Die umstrittene Pränataldiagnostik
Anfang der 80er Jahre fanden die ersten Untersuchungen dieser Art statt. Mithilfe der Pränataldiagnostik (im weiteren als „PND“ abgekürzt) in Verbindung mit invasiven, also chirurgischen Maßnahmen, können heute gravierende
1 Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, Walter de Gruyter, S. 1350
Alexander Weber, PND, SS 04 3
Entwicklungsschäden am und in der Umgebung des Kindes behoben werden und eine Schwangerschaft in vielen Fällen problemlos zuende geführt werden. Trotzdem ist die PND nicht unumstritten, da sie die werdenden Eltern vor gravierende Entscheidungen stellen kann, nämlich ob ihr Kind weiter leben soll oder nicht. Als selektierende Methode lehnen viele Menschen, die Pränataldiagnostik ab. Da bei einem auffälligen Befund oftmals eine Abtreibung die Folge ist, sind auch die Kirchen, v.a. die katholische, gegen derartige Untersuchungen, wenn sie denn die Abtötung der Leibesfrucht zur Konsequenz hätten. Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass viele Frauen sich jahrelang oft sogar ein ganzes Leben lang mit Vorwürfen und Selbstzweifeln wegen einer Abtreibung herumquälen. Auf diese beiden Punkte soll im folgenden vertiefter hingewiesen werden.
Nicht alle Kinder mit genetischen Defekten kommen zur Welt. Bei Vielen kann ihre Fehlentwicklung erst gar nicht mithilfe einer PND diagnostiziert werden: „Oft läuft ein Abort spontan ab, d.h. dass nach der Befruchtung der Eizelle in den ersten Tagen und Wochen ca. 80 % der Schwangerschaften mit genetischen Defekten durch einen Spontanabgang vom Körper selbst beendet werden. Oft wird dies von den betroffenen Frauen gar nicht bemerkt, weil es in den ersten Tagen oder Wochen der Schwangerschaft passiert.“ 2
4. Die Pränataldiagnostik als ethisches Problem
So einfach die Frage gestellt ist, so komplex ist ihre Antwort: Ist die Pränataldiagnostik ethisch vertretbar? Kann man werdenden Eltern raten oder gar Mut machen die werdende Mutter einer PND zu unterziehen? Sind sich die werdenden Eltern über Tragweite und Konsequenzen bewusst, wenn sie über Leben oder Tod des werdenden Kindes entscheiden? Ist es sinnvoll werdende Eltern über eine möglichen Erkrankung ihres Kindes zu informieren wenn es für diese noch gar keine Behandlungsmöglichkeiten gibt?
Einerseits ist es wichtig ein wenig vom Schrecken zu nehmen den der Begriff PND immer wieder verbreitet, laufen doch die meisten Schwangerschaften völlig normal ab. Andererseits muss aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass die PND auch nicht das Maß aller Dinge ist und es auch niemals sein wird und eben nicht nur diagnostizieren und therapieren sondern auch zerstören und verletzen kann. Hierbei muss mehr als eine Sichtweise angestrengt werden werden, sind doch Meinung und Ausübung der PND in unseren Breiten, in denen mehr oder weniger gebildete und selbstbewusste Menschen leben, eine Sache, weit weg von uns jedoch eine ganz andere. Als Beispiel dien die Abtreibung von weiblichen Föten in China. Auf diese Problematik wird noch eingegangen.
Bevor der Versuch einer Bewertung der PND in hilfreich, gut oder gar schädlich unternommen werden kann, sollen nun einige Grundbegrifflichkeiten zum besseren allgemeinen Verständnis dargestellt werden.
2 Vorgeburtliche Untersuchungen im Überblick, Medicine worldwide, Mai 2004
Alexander Weber, PND, SS 04 4
5. Krankheiten/Behinderungen und ihre Diagnosemethoden Welchen Frauen rät die Schulmedizin zu einer PND?
• denjenigen, die älter als 35 Jahre sind
• die bereits Schwangerschaften mit Chromosomenstörungen hatten
• bei denen Chromosomentranslationen 3 erkannt sind bzw. vermutet werden
• eine familiäre Disposition besteht für pränatal diagnostizierbare Erkrankungen
• ein Familienmitglied einen Neuraldefekt hat, z.B. einen offenen Rücken (Spina bifida)
a) Fruchtwasserentnahme (Amniozentese)
Feststellung von:
• Chromosomenveränderungen, z.B. das Down-Syndrom („Mongolismus“)
• Neuraldefekte wie der offene Rücken (Spina bifida)
• erbliche Stoffwechselerkrankungen Durchführung ab 14. Schwangerschaftswoche Absaugen von 15-20 ml Fruchtwasser
Untersuchung von abgeschilferten Hautzellen des Fötus sowie Zellen des umgebenen Fruchtwassersacks (Amnion)
Vermehrung dieser Zellen im Labor und anschließende Untersuchung der sich darin befindlichen Chromosomen
Ergebnisse liegen 2-3 Wochen nach Fruchtwasserentnahme vor Diagnostische Genauigkeit liegt um 90 %
Gefahr einen durch Fruchtwasserentnahme Abort auszulösen liegt bei 0,5-1 % Methode wird etwa 100mal öfter vorgenommen als die im folgenden erwähnte Chorionzottenbiopsie - Abb. 4
b) Entnahme von Mutterkuchengewebe (Chorionzottenbiopsie)
Feststellung von:
• Chromosomenveränderungen, z.B. das Down-Syndrom (Mongolismus)
• erbliche Stoffwechselerkrankungen ab 11. bis 12. SSW
Punktion durch die Bauchdecke und Entnahme von entsprechendem Gewebe Ergebnis liegt schon nach 1-2 Tagen vor Abortrisiko liegt bei 1-1,5 % - Abb. 5
3 Chromosomentranslation: Veränderung des Erbgutes eines Kindes mit welcher gravierende Gesundheitsschäden an Mutter und Kind einhergehen können.
4 http://m.i4o.de/amnio.gif
5 http://m.i4o.de/laparoskopie.jpg
Alexander Weber, PND, SS 04 5
c) Ultraschall
Feststellung von sichtbaren Fehlbildungen (Brustkorbfehlbildungen, Hydrocephalus etc.) und Blutflussstörungen (Herz-Kreislauf-Fehlbildungen) mithilfe des Farbdopplers, einem speziellen Ultraschallgerät.
Der Vollständigkeit halber seien auch die restlichen Formen der PND namentlich genannt: die Chordozentese, Embryo- bzw. Fetoskopie, Serumanalysen, Kardiotokograpie (mit und ohne Belastung), Mikroblutuntersuchung und die pränatale Lungenreifediagnostik.
6. Rechtliches
In den vergangenen 20 Jahren hat sich die PND in unserem schulmedizinischen System mehr und mehr etabliert. Da als Konsequenz aus dem Ergebnis einer PND, also einem von der Norm abweichenden Befund - nennen wir es Behinderung des heranwachsenden Kindes - nicht nur dessen Heilung sondern u.U. auch seine Vernichtung steht, musste sich der Gesetzgeber auf die neue Situation einstellen. Neu deshalb, damals bekannte Krankheiten erst am bereits geborenen Säugling erkann werden konnten.
Im Herbst 1995 wurde der § 218 so umgestaltet, dass heute eine werdende Mutter mit zwei ausgestellten Scheinen durch zwei voneinander unabhängige Beratungsstellen die Schwangerschaft während der ersten drei Monate abbrechen kann (Embryozid). Die Schwangerschaftsunterbrechung aufgrund einer beim Kind zu erwartenden Behinderung schließt dieser Paragraph des Strafgesetzbuches aus.
„§ 218a Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs. (1) Der Tatbestand des § 218 ist nicht verwirklicht, wenn
1. die Schwangere den Schwangerschaftsabbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung [...] nachgewiesen hat, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen, 2. [...]
3. seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind.“ 6 Eine Abtreibung in diesem Sinne ist rechtswidrig aber straffrei. Während die werdende Mutter in den ersten drei Monaten die o.g. Bescheinigungen in staatlich anerkannten Familienberatungsstellen erhalten kann, bekommt sie eine Bescheinigung über eine medizinische Indikation nur noch von einem Arzt. Mithilfe dieser Bescheinigung ist aber dann die Abtötung des Ungeborenen bis weit in die Fetalperiode möglich (Fetozid).
„Der mit Einwilligung der Schwangeren von einem Arzt vorgenommene Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, [...] um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen und seelischen
6 StGB, 38. Aufl. 2002, S. 102
Alexander Weber, PND, SS 04 6
Arbeit zitieren:
Alexander Weber, 2004, Die Pränataldiagnostik (PND) unter dem Blickwinkel humangenetischer, elterlicher und ethischer Aspekte, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Offener Unterricht und Unterrichtsplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Darstellung der neueren Diskussion um einen offenen Unterricht
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 25 Seiten
Motivation als Teil des Lernprozesses
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Referat (Handout), 17 Seiten
Integration behinderter Kinder in Regeleinrichtungen
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Zwischenprüfungsarbeit, 19 Seiten
Analyse des Märchens "Rumpelstilzchen" nach Max Lüthi
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Sprachvergleich Deutsch-Türkisch
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit, 21 Seiten
Sprachkontrastive Darstellung Deutsch-Türkisch
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 21 Seiten
Ethische Grundprobleme in der Behindertenpädagogik am Beispiel von prä...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 30 Seiten
Planung und Gestaltung einer Lesenacht mit Schülern und Schülerinnen e...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 41 Seiten
Konzepte des kulturellen Wandels. Die Entwicklung der Tischsitten nach...
Seminararbeit, 29 Seiten
Geschlechterdifferenzen in der Aggression und im aggressiven Verhalten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 17 Seiten
Das Gleichnis von der verlorenen Drachme, Lk 15,8-10
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Unterrichtsentwurf, 19 Seiten
Peter Singer - Weshalb ist Töten verwerflich ?
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Textanalyse unter Einbeziehung der Textualitätskriterien
Seminararbeit, 25 Seiten
Ernähren Abnehmen Zunehmen - aber bitte sportlich
Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung
Seminararbeit, 39 Seiten
Alexander Weber's Text Die Pränataldiagnostik (PND) unter dem Blickwinkel humangenetischer, elterlicher und ethischer Aspekte ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Alexander Weber hat den Text Die Pränataldiagnostik (PND) unter dem Blickwinkel humangenetischer, elterlicher und ethischer Aspekte veröffentlicht
Alexander Weber hat einen neuen Text hochgeladen
Ethische Aspekte der Forschung und Verwendung menschlicher Stammzellen
Der Text von der Stellungnahme
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
Vertragsänderungen unter dem Blickwinkel des Vergaberechts
Eine Untersuchung der Umgehung...
Verena Poschmann
A Ambuhl
Interdisziplinäre Aspekte des Übersetzens und Dolmetschens. Interdisci...
Judith Muráth, Agnes Oláh-Hubai
Ethische Aspekte der Gentechnik
Ein Handbuch für den Ethikunte...
Tilman Bechthold-Hengelhaup
Ethische Aspekte pflegerischen Handelns
Konfliktsituationen in der Alt...
Jörg Richter, Astrid Norberg, Ute Fricke
Ethische Aspekte der Verwendung von IKT
Implantaten im menschlichen Kö...
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
0 Kommentare