Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Grundlagen zum Thema Schmerz 2
1.1 Definition des Begriffes Schmerz 2
1.2 Epidemiologische Daten des Schmerzes in Deutschland 2
2 Der Schmerz aus ärztlicher Sicht 3
2.1 Schmerzentstehung und Schmerzweiterleitung im menschlichen Körper 4
2.2 Darstellung der Schmerzarten 4
2.3 Medizinische Schmerzbewältigung 5
3 Der Schmerz aus pflegerischer Sicht 6
3.1 Pflegerischer Umgang mit chronischen Schmerzpatienten 6
3.2 Pflegerische Schmerzbewältigung 6
4 Der Schmerz in Bezug auf interkulturelle Pflege und Therapie 7
4.1 Die kulturgeschichtliche Bedeutung des Schmerzes 7
4.2 Schmerzwahrnehmung unter kulturellen Aspekten 8
4.3 Sprache und Schmerz 9
5 Schmerz bei Migranten aus der Türkei 10
5.1 Kulturelle Grundlage bei Migranten aus der Türkei 10
5.2 Umgang mit dem Schmerz bei türkischen Migranten 11
6 Verbesserung des interkulturellem Umgangs bei Schmerzen 12
6.1 Allgemeine Maßnahmen 12
6.2 Pflegetheorie für den interkulturellen Umgang mit Schmerz 13
7 Schlussbemerkungen 14
Literaturverzeichnis 16
Einleitung
Unser Kulturkreis ist von einem biomedizinischen Schmerzbild geprägt, welche das Schmerzerleben der an Schmerzen Leidenden vernachlässigt. Wic htige Fragen, z.B. wie der Schmerzleidende seinen Schmerz individuell deutet, mit welchen Gefühlen er ihn verbindet, welche Rolle er in seinem Leben spielt und wie diese und weitere As- pekte seinen Umgang mit dem Schmerz und der Schmerzbewältigung beeinflussen, werden nicht gestellt.
Schmerz ist immer subjektiv. Man kann zwar wissen, dass jemand an einer Krankheit leidet die mit Schmerzen verbunden ist – aber wie die Person den Schmerz wahr- nimmt und was er für sie bedeutet weiß man dadurch nicht. Gerade die subjektive Schmerzwahrnehmung ist stark von der kulturellen Zugehörigkeit der Peson geprägt. Diesen Zusammenhang gilt es zu erkennen um kulturellen Verständigungsschwierig- keiten in der Pflege und Therapie der Schmerzkranken vorzubeugen und eine effekti- vere pflegerische und ärztliche Betreuung zu gewährleisten.
Gerade auch in Deutschland wird es aufgrund der zunehmenden Einwanderer immer wichtiger den Schmerz auch in einem interkulturellen Kontext zu sehen und die Be- deutungen, Einstellungen und Werte der anderen Kultur zu berücksichtigen. Hierzu ist es notwendig, erst den Umgang mit Schmerz in der eigenen Kultur zu reflektieren, damit man diesen in Bezug zu anderen kulturellen Gegebenhe iten setzen kann. Zuerst werden in dieser Hausarbeit Grundlagen zum Thema Schmerz, d.h. eine Defi- nition und epidemiologische Daten gegeben. Danach folgen zwei Kapitel über den ärztliche n und pflegerischen Umgang mit dem Schmerz, um dieses Grundwissen in einem weiteren Schritt in einen interkulturellen Bezug zu setzen. Dabei wird zuerst kurz auf den kulturgeschichtlichen Hintergrund des Schmerzes in den christlich ge- prägten westlichen Industriestaaten eingegangen. Anschließend wird besonderes Au- genmerk auf den Umgang mit Schmerz bei türkischen Migranten gelegt, da diese den größten Teil der Einwanderer in Deutschland einnehmen. 1 Das letzte Kapitel stellt theoretische und praktische Möglichkeiten zur Verbesserung einer interkulturellen Pflege und Therapie bei Schmerzen dar.
1 Vgl. Gier/ Erim 2004, S. 227
1
1 Grundlagen zum Thema Schmerz
Um später ein besseres Verständnis zur besonderen Schmerzproblematik im interkul- turellen Kontext zu entwickeln, ist es wichtig, die Grundlagen des Themas Schmerz herauszuarbeiten und den Begriff Schmerz zu definieren.
1.1 Definition des Begriffes Schmerz
Die Beschäftigung mit dem Thema Schmerz hat eine lange Tradition und so wurden auch schon viele Versuche unternommen, diesen Begriff zu definieren. Unter den vorhandenen Definitionen der letzten Zeit ragt die der International Association for the Study of Pain (IASP) heraus. Nach ihr „…ist Schmerz ein unangenehmes Sinnes und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potenzieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“. 2 So definiert tre- ten Schmerze n dann auf wenn Gewebe akut geschädigt wird oder auch in der Nähe ei- ner möglichen Gewebsschädigung, die noch nicht eingetreten ist. Die Schädigung ist also keine Voraussetzung für Schmerz. Somit liegt Schmerz also auch allein dann vor, wenn davon berichtet wird, ohne dass hierfür eine offensichtliche Gewebsschädigung vorliegen muss. 3 Dadurch werden der emotionale Aspekt von Schmerz, sowie die Pri- vatheit und die Subjektivität des Schmerzerlebens hervorgehoben. 4 Es ist also völlig belanglos für das Schmerzgeschehen, ob eine Gewebsschädigung vorliegt oder nicht und es wäre auch völlig falsch in dem einen Fall von echten und in dem anderen von eingebildeten Schmerzen zu sprechen. 5 Diese Erkenntnis der Subjektivität von Schmerzen ist gerade auch in dem Zusammen- hang eines interkulturellen Verständnisses von Schmerz wichtig.
1.2 Epidemiologische Daten des Schmerzes in Deutschland
Es ist davon auszugehen, dass ca. 8-10% der in der Bundesrepublik Deutschland l e- benden Bevölkerung wegen chronischer Schmerzen in Behandlung sind, dies ent- spricht einer Zahl von ungefähr 6–7 Millionen. Von diesen sind etwa 10% durch die
2 Statt vieler Kröner-Herwig 2004, S. 3, siehe auch Hüper 1997, S. 175
3 Vgl. Heidenfelder 1991, S. 17-18
4 Vgl. Körner-Herwig 2004, S. 3-4
5 Vgl. Hüper 1997, S. 176
2
traditionellen Behandlungsmethoden nicht ausreichend therapiert und bedürfen einer spezifischen Schmerztherapie. 6 Es ist anzunehmen, dass der höchste Behandlungsbedarf bei der Gruppe der 45- bis 64 jährigen liegt. Chronische Schmerzbeschwerden treten im Allgemeinen bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Die häufigste Erkrankung ist neben anderen Gelenk- schmerzen der Rückenschmerz. Dieser ist unter Einschluss der indirekten Sozialkos- ten, wie z.B. Arbeitsausfall, auch die teuerste Krankheit für die Versorgungssysteme der westlichen Industriestaaten. 7 Überhaupt haben chronische Schmerzen, gerade auch durch die Kosten die sie verursachen, eine enorme gesundheitspolitische Bedeutung. 8 Obwohl sich viele der türkischen Migranten in Deutschland unter dem Leitsymptom Schmerz in ärztliche Behandlung begeben, mangelt es an wissenschaftlich fundierten epidemiologischen Untersuchungen über chronische Schmerzpatienten unter Migran- ten. 9 Um weitere Einblicke in die Schmerzproblematik zu bekommen wird im Weiteren erst einmal der Schmerz aus ärztlicher und pflegerischer Sicht dargestellt.
2 Der Schmerz aus ärztlicher Sicht
Im biomedizinischen Kontext der Medizin wird das Wort Schmerz hauptsächlich als Wahrnehmungsinhalt und Sinnessystem sowie als Ausdruck für Krankheit und Le iden wahrgenommen. In seiner Funktion als Sinnessystem ist er ein Warnsignal für poten- zielle Schädigungen von innen und außen, 10 in der anderen Funktion ist er Zeichen ei- ner Regelwidrigkeit im menschlichen Körper. 11 Diese Regelwidrigkeit will die Medi- zin feststellen und beheben. Das Problem dabei ist, dass durch den Nominierungspro- zess der Medizin eine Entsubjektivierung des Schmerzes stattfindet, die wenig geeig- net ist für eine Selbstbestimmung des Patienten. 12 Gerade dadurch wird das Verständ- nis der individuellen Schmerzdeutung, die bei jedem Einzelnen auch durch die Kultur
6 Vgl. Kröner-Herwig 2004, S. 13-14
7 Vgl. Kröner-Herwig 2004, S. 13-14 8 Vgl. Hasebring/ Pfingsten 2004, S. 99 9 Vgl. Glier/ Erim 2004, S. 227-228 10 Vgl. Zimmermann 2004, S. 17 11 Vgl. Hüper 1997, S. 175 12 Vgl. Hüper 1994, S. 21
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beeinflusst ist, aber behindert und so auch eine interkulturelle Pflege und Therapie bei Schmerzen erschwert.
2.1 Schmerzentstehung und Schmerzweiterleitung im menschlichen Körper
Schmerzen haben ihre Ursache häufig im Versorgungsbereich des peripheren Nerven- systems, also z.B. der Haut. Dort liegen die Nozirezeptoren, die Schmerzempfindun- gen wahrnehmen. Als schmerzauslösender Reiz kommt hierbei alles in Betracht was zu einer Gewebsschädigung führt, wie z.B. Verletzungen oder den Körper schädigen- de hohe Temperaturen. Außerdem sind die Nozirezeptoren durch zahlreiche Stoffe er- regbar, die von außen oder innen kommen, beispielsweise Säuren oder das körperei- gene Histamin. Wichtig ist gerade bei dem Umgang mit chronischen Schme rzen, dass die Nozirezeptoren sich nicht an Schmerzen gewöhnen. 13 Die Informationen der Nozirezeptoren werden in Aktionspotentiale verschlüsselt und durch Nervenfasern in Rückenmarks und Hirnnerven weitergeleitet. Von dort gelan- gen sie zum Thalamus, als Verteiler, in das limbische System, den Hypothalamus und zu verschiedenen Arealen des Großhirns. Es existiert kein einheitliches Schmerzzent- rum im Gehirn.
2.2 Darstellung der Schmerzarten
Man unterscheidet zwischen akutem und chronischem Schmerz. Akute Schmerzen sind in ihrer Funktion durchaus sinnvoll, da sie auf Gefahren hinweisen. 14 Sie spielen in der Medizin eine erstrangige Rolle in der Erkennung und Behandlung von Krank- heiten. Der Betroffene hat meist eine genaue Vorstellung von Ursache und Verlauf der akuten Schmerzen. Da sie zudem meist gut behandelt werden können, stellen sie im Gegensatz zu den chronischen Schmerzen, keine große seelische Belastung dar. 15 Chronische Schmerzen wurden früher dadurch definiert, dass sie länger als 6 Monate bestehen. Aktuell werden sie durch die IASP folgendermaßen definiert: „Schmerzen werden als chronisch bezeichnet, die den erwartenden Zeitraum, in dem üblicherweise ein Heilung stattfindet, überdauern.“ 16 Oft resultiert der chronische Schmerz aus ei-
13 Dieses Kapitel basiert auf Speckmann/ Wittkowski 1998, S. 104-108 und Thomm 2001, S. 21-24
14 Vgl. Thomm 2001, S. 26
15 Vgl. Zimmermann 2004, S. 18
16 Thomm 2001, S. 26
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Dipl. Pflegewirt Daniel Fischer, 2004, Der Schmerz und seine Bedeutung in der interkulturellen Pflege und Therapie - Unter besonderer Berücksichtigung von türkischen Migranten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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