Inhaltsübersicht:
Einleitung 3
1. Volatility Forschung nach Lane/ Ersson 4
1.1 Formen der Wahlstabilität 4
1.2 Lipset Rokkan: „frozen party system“ - Theorie 5
2. Analyseansatz nach Pedersen 6
3. Methodik der Berechnungen 7
4. Beschreibung und Analyse der Volatility Werte in Osteuropa 10
4.1 Volatility im Ländervergleic h 11
5. Probleme bei der Berechnung und Analyse der Volatility Werte 12
5.1 Mangel an Meßzeitpunkten 12
5.2 Problem der Präsenz kleiner Parteien 12
5.3 Problem der Parteisplitterungen und Parteizusammenschlüsse 14
6. Seat Volatility 15
6.1 Beispiele Ungarn und Polen 16
6.1.1 Ungarn 16
6.1.2 Polen 18
6.2 Fazit der Analyse von Seat Volatility Werten 19
7. Westeuropa 20
8. Schlußbetrachtung und Ausblick 23
Literaturverzeichnis 25
2
Einleitung
Diese Arbeit über Volatility Forschung ist entstanden aus einem gemeinsamen Referat im Seminar über „Wahlverhalten in Mittel- und Osteuropa “ im Sommersemester 2001 bei Prof. Dr. Müller-Rommel. Wir haben das Thema jedoch hier so erweitert, daß die Untersuchung jetzt auch einen kritischen Teil zu den Möglichkeiten und Begrenzungen der Volatility Forschung enthält. Hiermit ist auch schon eine Hauptstoßrichtung dieser Arbeit angedeutet: es geht um eine kritische Aufarbeitung der Möglichkeiten aber eben auch der Grenzen der Volatility Forschung, so wie sie aus dem Text von Lane/Ersson hervorgeht. Dies gilt vor allem für die Anwendung auf die Staaten Mittel- und Osteuropas denen wir uns hauptsächlich gewidmet haben, ist aber durchaus auch auf die Staaten Westeuropas anwendbar, denen wir jedoch nur einen kleineren Teil dieser Arbeit aus vergleichenden Aspekten widmen konnten. Wie bereits erwähnt dient der Aufsatz von Lane/Ersson als erster theoretischer Orientierungspunkt hinsichtlich der Volatility Forschung, der Beitrag Pedersens hingegen ist vor allem aus methodischen Gründen berücksichtigenswert.
Die Arbeit setzt ein mit einer Zusammenfassung der für uns wesentlichen Ergebnissen aus den Aufsätzen Lane/Erssons und Pedersens, um dem Leser einen ersten Überblick über Form und Ziele der Volatility Forschung zu geben. Infolge dessen haben wir die methodischen Vorgaben Pedersens auf Osteuropa umgesetzt und haben aus den bisher vorliegenden Wahlergebnissen der Staaten Mittel- und Osteuropas entsprechende Tabellen und Werte errechnet. Bei der Ana lyse dieser Werte kristallisierte sich der kritische Ansatzpunkt unserer Arbeit he raus, praktisch entstanden aus den vielfachen Problemen, die uns bei der Bewertung der erhobenen Volatility Werte begegnet sind. Wir haben versucht die auftretenden Probleme jeweils an eindeutigen Beispielen zu illustrieren, um unseren Thesen die nötige empirische Untermauerung zu verleihen. Trotzdem hat die Arbeit einen nicht rein kritischen Ansatz. Wir sind auch bemüht die Möglichkeiten der Volatility Forschung aufzuzeigen, ohne jedoch die Schwierigkeiten unter den Tisch fallen zu lassen.
Das abschließende Kapitel zu Westeuropa ist vor allem auf der vergleichenden Ebene interessant, es erlaubt einen groben Vergleich der in Westeuropa bzw. in Mittel- und Osteuropa von uns erhobenen Daten, jedenfalls soweit es statthaft ist diese beiden doch sehr unterschiedlichen Szenarien miteinander vergleichend zu bewerten.
3
1. Volatility Forschung nach Lane/Ersson
Der zentrale Gegenstand der Volatility-Forschung ist die Frage nach der Stärke der Bindung zwischen Wähler und Partei und die daraus resultierende Frage nach der voraussichtlichen Stabilität von Wahlergebnissen über mehrere Wahlperioden hinweg. Die Ergebnisse dieser Forschung sind zum einen natürlich für die Parteien interessant, denn sie wollen wissen, wie fest ihre Wähler mit der Partei verankert sind. Zum anderen können diese Werte aber auch dem Politikwissenschaftler bei der Untersuchung der Akzeptanz politischer Systeme behilflich sein. Aus diesem Aspekt ist die Volatility Forschung gerade für Osteuropa interessant, denn hier sind nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft neue politische Systeme ent-standen. Eine Hauptfrage ist hier die Frage nach der Stabilität und damit nach der Akzeptanz dieser relativ abrupt enstandenen Systeme. Bevor man diesen zweiten Punkt nachgeht, sollte man sich jedoch erst noch einmal vor Augen führen welche Formen der Stabilität es zu unterscheiden gilt. (Vgl. Lane/Ersson)
1.1 Formen der Wahlstabilität
Auf der Mikroebene kann man die "gross volatility" bestimmen. Dieser Wert gibt die proze ntuale Menge der Wähler an die von einer Wahl zur nächsten ihre Wahlentscheidung ändert; also eine andere Partei wählt als in der vorhergehenden Wahl oder sogar der Wahl fernbleibt. Auf der Makroebene mißt man die "net volatility". Dieser Wert bestimmt den tatsächlichen Gewinn bzw. Verlust einer Partei im Vergleich zur vorhergehenden Wahl. Dieser Wert soll auch in unserer folgenden Untersuchung im Vordergrund stehen.
Zu beachten ist, daß eine hohe „gross volatility“ in den meisten Fällen eine hohe „net volatility“ bedingt, daß dies aber logisch notwendig nicht der Fall sein muß. Denn es ist durchaus denkbar, daß auf der Mikroebene viele Wähler ihre Wahl im Vergleich zur Vorwahl ändern, doch ist es trotzdem möglich, daß sich diese Verschiebungen ausgleichen und es nur eine sehr geringe „net volatility“ gibt. Dieser Fall ist jedoch eher selten, in aller Regel implizieren steigende „gross volatilit“ Werte auch Steigerungen der „net volatility“. Man geht im Durchschnitt davon aus, daß die Werte von der „gross volatility“ ca. doppelt so hoch sind wie die von der „net volatility“.
4
1.2 Lipset & Rokkan: "frozen party system"- Theorie
Der einflußreichste Ansatz zur Erklärung von Wählerstabilität stammt von Lipset & Rokkan, ist aber in den letzten Jahren immer stärker angezweifelt worden, da die steigende Instabilität von Wahlergebnissen (Erhöhung sowohl von gross als auch net volatility) diese Theorie in ihrem Erklärungsgehalt immer weiter absinken läßt. Nach Lipset & Rokkan beruht die Wahlstabilität vor allem auf zwei Faktoren:
1) eine starke Partei-Wähler Bindung durch cleavages 2) cleavages spiegeln die Strukturen der vergangenen Jahrzehnte wieder
Nach diesem Ansatz erzielen etablierte Parteien stabile Wahle rgebnisse, weil sie sich auf über Jahrzehnte in der Gesellschaft entstandenen cleavages stützen. Die häufigsten dieser cleavages in Westeuropa sind:
1. Rechts (Konservativ) <-> Links (Sozial- Demokratisch) 2. Stadt <-> Land 3. Kirche <-> Staat 4. Ethnische cleavages
Lane/Ersson diagnostizieren für Westeuropa jedoch eine zunehmende Destrukturierung der Parteienlandschaft und eine stetige Veränderung der politischen Inhalte, welche die traditionellen cleavages langsam aber sicher als Wahldeterminanten ablösen. Da die Analyse von Lane/Ersson sich auf Westeuropa bezieht ist die erste Frage inwieweit man überhaupt von Wahlstabilität aufgrund von cleavages in Osteuropa ausgehen kann. Wie sich zeigt sind in Osteuropa in aller Regel weniger cleavages als vielmehr aktuelle politische Themen für das Zustandekommen des Wahlergebnisses bestimmend. Cleavages entstehen als Folge langer gesellschaftlicher Prozesse, die jedoch in den neuen Demokratien Osteuropas aufgrund der radikalen Veränderungen zu Beginn der 90er Jahre eine geringe Rolle spielen. Als einziges cleavage in den meisten Ländern Osteuropas vorhanden ist dasjenige zwischen den Konservativen und den reformorientierten Gruppen, das man als dem Links <-> Rechts cleavage ähnlich einordnen könnte. Beachtenswert ist jedoch, daß im Gegensatz zu Westeuropa in Osteuropa die Konservativen die Alt-Kommunisten sind und die Reformer, also die
5
westlich orientierten Kräfte, den Gegenpol hierzu bilden. Das westeuropäische Links/Rechts-Schema paßt also nicht besonders gut auf osteuropäische Verhältnisse.
Lane/Ersson interpretieren die steigenden Volatility-Werte in Westeuropa als empirische Absage an die "frozen party system"- Theorie von Lipset & Rokkan und plädieren für eine genauere Analyse der Wahlergebnisse als es der Rückgriff auf die cleavages bisher ermöglicht hat. Diese Ansicht erscheint auch für Osteuropa sinnvoll und es ist angebracht die Volatility Forschung voranzutreiben, damit man erst einmal die Größe der Gruppe der Wechselwähler erfassen kann. Die Ausarbeitung einer alternativen Theorie zur Erklärung des Wahlverha ltens von Wechselwählern ist allerdings eine viel größere Aufgabe, die vor allem im Bereich der gross volatility einen erheblichen Aufwand an Umfragen zur Klärung der Motivation des einzelnen Wählers bedarf, während es uns im folgenden mehr darum geht die Höhe der net volatility in Osteuropa zu bestimmen und zu analysieren und abschließend mit der Entwicklung in Westeuropa vergle ichend zu betrachten.
2. Analyseansatz nach Pedersen
Nachdem wir zu Beginn grundlegende Begriffe und Ansätze aus der Volatility Forschung vorgestellt haben, wollen wir uns im folgenden dem methodischen Aspekt widmen, das heißt wir werden erklären, wie wir die Zahlen, welche die Grundlage für unsere Analysen und Vergleiche zwischen den osteuropäischen und den westeuropäischen Ländern bilden, errechnet haben. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden wir auch auf Probleme eingehen, die sich durch die angewandte Methodik, ergeben. Zunächst soll jedoch rein deskriptiv vorgegangen werden. Der Methodik liegt ein Text von Mogens N. Pedersen „Changing Patterns of Electoral Volatility in European Party Systems, 1948- 1977: Explorations in Explanation“, von 1985 zugrunde.
Pedersen beschäftigt sich in seinen Text mit den westeuropäischen Ländern. Wie sic h aber zeigt, lassen sich sowohl grundlegende Aussagen über Volatility, als auch die Methodik für das Errechnen der Volatility Werte auf die osteuropäischen Länder anwenden. In der heutigen Zeit seien nicht zwei Parteiensysteme, sondern Multi- Parteien Systeme typischen für europäische Länder. Es sei jedoch äußerst schwierig generelle Theorien für Multi- Parteien Systeme zu entwerfen, die das Schicksal von Parteien voraussagen. Wenn wir dies versuchen wollen,
6
würde uns kein bestehendes theoretisches Gerüst weit bringen, so Pedersen. Er wendet sich also von der Idee ab, eine generelle Theorie aufzustellen und versucht statt dessen das Augenmerk auf die Beziehung zwischen Wechselwähler und Parteiensystem zu lenken. Dies sei zwar ein stark begrenztes Feld, will man jedoch zu Ergebnissen kommen, so müsse man sich zu Beginn auf wenige Variablen beschränken. Der beste Anhaltspunkt, um Wechsel zu betrachten, sei die Wahl. Die Wahl spiegele jeden Wechsel wider, der sich ereignet.
Pedersen Analyse erfolgt in drei Schritten. Als erstes betrachtet er die nationalen Wählermuster, die geprüft werden auf Stabilität, Fluktuationen und anderen Trends. Dies geschieht auf der Parteiebene. Ähnlichkeiten und Trends auf dieser Ebene lassen sich somit zwischen den Ländern erkennen. In einem zweiten Schritt geht er eine Stufe weiter und vergleicht Wahlen miteinander. Hiermit möchte er herausfinden in welchen Ländern Wechselwählern eine größere und in welchen eine geringere Rolle zukommt. Abschließend sollen im dritten Schritt verschiedene analytische Modelle formuliert und diskutiert werden, um empirische Muster für Wechselwähler zu erhalten. Wir beschäftigen uns in dieser Arbeit hauptsächlich mit dem zweiten Schritt der Analyse. Im Zuge der Analyse von Wechselwählermustern stellen sich zahlreiche Fragen, wie z.B.: Sind Fluktuationen verteilt über Zeit und Länder oder zeichnen sich Trends ab? Gibt es Zeiten des eindeutigen Wechsels oder der eindeutigen Stabilität? Wenn dem so sei, sind diese Befunde länderspezifisch oder allgemeine Trends?
3. Methodik
Im folgenden soll erklärt werden, wie die Volatility Werte in Tabelle 2 zustande gekommen sind. Wenn im Verlauf der Arbeit von Volatility die Rede ist, beziehen wir uns immer auf die „net volatility“. Für die in der Tabelle aufgeführten Lä nder standen uns drei bzw. in manchen Fällen vier Wahlergebnisse zu Verfügung. Alle Wahlen, die in die Berechnungen der Volatility Werte der osteuropäischen Länder eingegangen sind, fanden in den 90er Jahren statt, umfassen also circa einen Zeitraum von zehn Jahren. Um die Schritte der Berechnung leichter erklären zu können, haben wir als Beispiel die Tschechische Republik (Tabelle 1) ausgewählt.
7
Arbeit zitieren:
Stephan Kroll, 2001, Wahlverhalten in Osteuropa: Probleme der Volatilityforschung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Parteiensystem Polens und das Cleavage-Modell von Lipset/Rokkan
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Seminararbeit, 14 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Stephan Kroll hat den Text Wahlverhalten in Osteuropa: Probleme der Volatilityforschung veröffentlicht
Stephan Kroll hat einen neuen Text hochgeladen
Internationales Management in den Märkten Mittel- und Osteuropas
Harald Zschiedrich, Wilhelm Schmeisser, Thomas R. Hummel
Probleme des Einsatzes spezifischer technisch-physikalischer Mittel un...
Horst Männchen, Herbert Friedrich, Söhnke Streckel
Ausländische Direktinvestitionen und Regionale Industriecluster in Mit...
Harald Zschiedrich
Wohlfahrtsstaaten und Geschlechterungleichheit in Mittel- und Osteurop...
Kontinuität und postsozialisti...
Christina Klenner, Simone Leiber
Regierungssysteme in Mittel- und Osteuropa
Die neuen EU-Staaten im Vergle...
Florian Grotz, Ferdinand Müller-Rommel
0 Kommentare