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Der Bildbegriff am Beispiel des Videos „Merce by Merce by Paik“
1. Einleitung
2. Zum Thema „Tanz“
3. Beschreibung des Videos
4.0. Bild als Bewegung
4.1. Bild als Zeitphänomen
4.2. Bild als intermedialer Kommunikationsfaktor
5. Schlußbemerkung
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Nam June Paik war der erste Künstler, der den Fernseher in seine Kunst integrierte. Gegen Ende der 50er Jahre fügte er das Video hinzu und entwickelte eine Vielzahl von Möglichkeiten, Video als Kunst zu präsentieren. Seither gilt er als „Vater der Videokunst“.
Nam June Paik wurde 1932 in Seoul (Korea) geboren und studierte Musikwissenschaft. Seine manip ulierten Fernsehapparate von 1963 in der Galerie Parnass in Wuppertal waren die ersten Vorboten für den Einzug von Video in die Bildende Kunst. 1965 produzierte die Firma Sony eine tragbare Videoausrüstung, und Nam June Paik war einer der ersten Käufer. Im gleichen Jahr präsentierte er sein Do- it- yourself-Fernsehen im New Yorker Café A Go Go. Mit Shuja Abe entwickelte er 1969/70 einen Video-Synthesizer. Damit kann man jede Art von Formen, Farben und Bewegungsabläufen künstlich hervorrufen, steuern und verändern. Diese Technik konnten auch andere Videokünstle nutzen.
Seit 1974 gab es von ihm große Videoinstallationen, wie z. B. TV-Garden, die auch auf der Dokumenta 6, 1977 zu sehen war. Ab 1985 kamen figurative Video-Skulpturen, ab 1987 kompakte Multi-Screen Wände und seit Mitte der 90er Jahre eine Verbindung von Laser und Video zu seinem Œuvre hinzu.
Merce Cunningham ist Tänzer und Choreograph und gehört zu den Erneuerern des amerikanischen Tanzes. Er war der erste, der Video mit Tanz verband und somit einen wichtigen Zweig der Videokunst begründete.
John Cage ist Komponist. Paik begegnete ihm 1958 in Darmstadt und widmet ihm sein erstes wichtiges Stück 1959. Paiks Arbeit kann in Parallelen zu den Ideen Cages gesetzt werden, der auf dem Zufallsprinzip beruhe nd, eine gezielte Unordnung in seine Kompositionen setzt, um die Musik aus ihren tradierten Normen und Gesetzmäßigkeiten zu lenken.
Die Verbindung von Video und Kunst läßt intermediale Formen möglich werden. Die neuen Bildmedien erzeugebn nicht nur visuelle Effekte, sondern verändern den Bildbegriff der abenländischen Kultur. Häufig ist bei Paiks Videos von „Overkill“, von der Überwältigung des Betrachters durch die Masse der bewegten Bilder, die Rede. Wenig Beachtung finden dagegen die Bilder selbst. Anha nd des Beispiels „Merce by Merce by Paik“ wird durch Vergleiche zwischen Videobildern mit Arbeiten aus anderen Medien der Bildbegiff erörtert.
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2. Zum Thema „Tanz“
Den tanzenden Menschen gab es immer – in Ekstase, als Ausdruck, in Ergebenheit zur Natur und als Mittel zur Kontrolle der Natur. Alle Menschen bewegen sich und sehen ständig andere in Bewegung. Die Ursprünge des westlichen Tanzes finden wir im Mittelalter innerhalb religiöser Prozessionen oder Wettkämpfen, sowie in den traditionellen Volkstänzen. Katharina von Médicis inszenierte 1581 das Ballet Comique de la Reyne. Seitdem verbinden sich Drama, Musik und Bühnendekoration mit dem Tanz, der im Ballet durch formalisierte körperliche Stellungen und Bewegungen entfaltet wird. Isadora Duncan bricht mit den Konventionen des Ballets und präsentiert den „freien Tanz“, wie er sich in instinktiven Formen, z. B. den Bewegungen eines Kindes oder bei Tieren, manifestiert. Merce Cunninghams Choreographie ist von natürlichen Bewegungen wie Gehen, Laufen, Arme ausstrecken usw. geprägt. Er verbindet die zufälligen Bewegungen der verschiedenen Körperteile oder führt eine Bewegung schneller oder langsamer aus als gewöhnlich oder geht seitwärts. Freitanzbewegungen folgen unregelmäßig aufeinander, die von Volkstanzsprünge n und balletartigen Schritten unterbrochen werden. 1
3. Beschreibung des Videos
Das Video „Merce by Merce by Paik“ entstand im Oktober 1975 und zeigt tanzende Menschen. Die Laufzeit beträgt 30 Minuten, die Bilder sind farbig und schwarz-weiß und werden mit Ton untermalt.
Das Video besteht aus zwei Tielen. Der erste Teil läßt sich in fünf Segmente gleidern und trägt den Titel „Blue Studio: Five Segments“ und dauert 15 ½ Minuten. Merce Cunningham produzierte es zusammen mit seinem Videodirektor Charles Atlas. Der zweite Teil stammt von Nam June Paik und seiner Frau Shigego Kubota.
Im ersten Teil wird die Tanzauffassung von Merce Cunningham deutlich. In seiner Definition zum Tanz, vergleicht er den Tanz gerne mit Wasser, da beides unbständig und somit unfaßbar ist. Tanz spielt sich im unbewußten Gedächtnis vom Menschen ab und es
1 Kreitler, Hans, Psychologie der Kunst, Stuttgart, 1980, S. 155 ff.
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gibt z. B. keine Partitur, auf die man sich berufen kann, wie in der Musik. 2 Daher führt er seine Tanzbewegungen nicht zum Rhythmus der Muskik auf, sondern sie vollziehen sich eigenständig, emotionslos und lassen sich beliebig verändern. Der tanzende Körper ist auch nicht auf einen Raum begrenzt, sondern er bewegt sich in verschiedenen Umgebungen, was durch die Technik des „Blue-box and chroma key effects“ 3 ermöglicht wird. Eine andere Tecknik, die der Doppelung und Vervielfältigung, läßt die Vision zu, den Tänzer mit sich im Duett tanzen zu lassen, als hätte er einen Zwilling, und darüber hinaus fügt er am Ende noch fünf Klone hinzu, die in verschiedenfarbigen Tanzkostümen eine Tanzgruppe bilden.
Paik integriert in seine Arbeiten immer wieder Ausschnitte aus älteren Videobändern, wobei er nicht nur auf seine eigenen Arbeiten zurückgreift, sondern auch auf die anderer Produzenten. So zeigt er Sequenzen aus dem ersten Teil als Weiderholung, die mit schwarz-weiß Ausschnitten aus einem Interview zwischen Russel Connor und Marcel Duchamp gekoppelt sind. Ferner greift er verschiedene Tanzformen auf: Volkstänze, Charlesteon, Ballettänze, die durch den eingeblendeten Schriftzug „This is dance“ eindeutig als Tänze klassifieziert sind, sowie ungewöhnliche Tanzformationen, wie z. B. die ersten Geversuche eines Kleinkindes oder Bildsequenzen aus dem Video „Sweet Verticality“ (1974) 4 von Bill Gwin, welches fahrende Autos in Manhatten aus der Vogelperspektive, zeigt. Auf die zentrale, immer wieder gestellte Frage „Is this dance?“ erwiedert die eingeblendete Schrift: „It’s taxi dance?“ Aus diesem breitgefächerten Spektrum des Tanzes hat Nam June Paik ein Video gebastelt, das ausschnitthaft, anekdotisch, als Folge kleiner, zufällig erinnerter Geschichten den Bildbegriff artikuliert.
Die Bildvorstellung wird durch mehrere Faktoren spezifiziert: durch den Künstler, den Verwirklichungsprozeß und durch die Umwelt.
4.0. Bild als Bewegung
Ein asiatischer Boxkampf leitet den zweiten Teil von Paiks Video ein. Der Betrachter wird aufgeschreckt und zum Mitdenken aufgefordert, denn einen Boxkampf unter dem Thema Tanz aufzuführen, verwirrt zunächt, und auf die implizierte Frage, ob ein
2 Cunningham, Merce, Der Tänzer und der Tanz, Frankfurt, 1986, S. 136.
3 Decker-Phillips, Edith- Paik, Video, USA, 1998, S. 162.
4 Vgl. Decker-Phillips, Edith, Paik, Video, Köln, 1988, S. 162.
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Karoline Kmetetz-Becker, 2000, Der medienspezifische Bildbegriff am Beispiel des Videos: "Merce by Merce by Paik" von Nam June Paik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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