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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: 3
2 Einführung in die Problematik 4
2.1 Stellung der Wahlforschung in Europa und den USA 4
2.2 Theoretischer politikwissenschaftlicher Hintergrund 6
2.2.1 Einfluss auf die Stimmabgabe 6
2.2.2 Einfluss auf die Wahlbeteiligung 7
2.3 Richtlinien zur Durchführung und Veröffentlichung von Umfragen 9
3 Situation in Frankreich 10
3.1 Gesetz zur Veröffentlichung von Wahlumfragen 10
3.2 Wahlforschungstradition in Frankreich 12
3.3 Französische Umfrageinstitute 12
4 Reaktionen der Institute auf die Vorwürfe 12
4.1 Stellungnahme CSA 13
4.2 Stellungnahme BVA 14
5 Vergleichende Analyse der endgültigen Ergebnisse mit den letzten 16
Umfragedaten
6 Analyse ausgewählter Wahlumfragen 18
6.1 Fixierung auf ein Duell Chirac - Jospin? 19
6.2 Anzeichen für den Wahlausgang 20
6.3 Selbsteinschätzung der wahlberechtigten Franzosen 22
7 Fazit 23
8 Anhang 26
9 Literaturverzeichnis 43
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1 Einleitung:
Nach dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 21. April 2002 befand sich das ganze Land in einem Ausnahmezustand. Den zweiten Wahlgang hatten nicht wie erwartet der französische Staatpräsident Jacques Chirac (RPR) und der Premierminister Lionel Jospin (PS) erreicht, sondern Chirac und der Kandidat der rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen. Nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung ging ein Schock durch das Land. Schon in der Nacht auf den 22. April gingen Tausende von Demonstranten auf die Strasse, um gegen den Einzug von Le Pen in den zweiten Wahlgang zu demonstrieren. Gleichzeitig wurden erste Anschuldigungen laut. Noch nie zuvor in der Geschichte der fünften Republik hatten so viele Politiker um das Amt des Präsidenten kandidiert. Den vielen kleinen Kandidaten wurde vorgeworfen, sie hätten durch ihre Kandidatur zur Zersplitterung der Linken beigetragen und somit Jospin um den Einzug in den zweiten Wahlgang gebracht, da sonst alle Wähler der Linken ihre Stimmen auf ihn vereinigt hätten. Vor allem aber die Meinungsforschungsinstitute wurden von den Medien, den Politikern und der Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht, dass sie sie nicht davor gewarnt hätten, was passieren könnte.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich anhand ausgewählter Wahlumfragen, die vor dem ersten Wahlgang in Frankreich veröffentlicht wurden, analysieren, ob dieser Vorwürfe gerechtfertigt sind oder ob sie zurückgewiesen werden müssen, weil sie haltlos sind. Dabei beginne ich mit einer kurzen Schilderung der Problematik. Danach werde ich in Abschnitt 2.1 zeigen, dass Vorwürfe gegenüber der Demoskopie, das Wahlergebnis zu beeinflussen, kein neues und kein Frankreich-spezifisches Phänomen sind. Der darauffolgende Abschnitt stellt politikwissenschaftliche Thesen in Bezug auf die möglichen Effekte der Beeinflussung des Wählers durch Wahlumfragen vor. Dabei wird der Einfluss auf die Wahlbeteiligung von dem auf die Stimmabgabe unterschieden. Der letzte Teil des zweiten Kapitels setzt sich dann vor allem mit dem Richtlinienkatalog der AAPOR auseinander, einer Sammlung von Regeln, deren Befolgung Missverständnisse und Fehleinschätzungen von Umfragen seitens der Wähler zu verhindern hilft. Nach diesem allgemeinen, theoretischen Teil meiner Arbeit widmet sich das dritte Kapitel der speziellen Situation in Frankreich, im Einzelnen dem umstrittenen Gesetz aus dem Jahr 1977, dass die Veröffentlichung von Wahlumfragen eine Woche vor der Wahl verbietet sowie der Änderung dieses Gesetzes aus dem Jahr 2002, der Tradition der Wahlforschung in Frankreich sowie der Vorstellung der relevanten Umfrageinstitute. Das vierte Kapitel behandelt die Stellungnahmen der Umfrageinstitute BVA und CSA. Im fünften
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Kapitel wird ein Blick auf das amtliche Endergebnis des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen geworfen und dieses mit den letzten Umfragenergebnissen der verschiedenen Institute verglichen. Im Hintergrund stehen dabei die Fragen, wie groß die tatsächlichen Unterschiede sind, ob sich die Institute stark voneinander unterscheiden und inwieweit Hinweise auf den Einzug Le Pens und das Scheitern Jospins zu finden sind. Danach beschäftige ich mich intensiver mit einigen Umfragen, anhand derer ich drei Thesen formulieren werde, die sich auf die Vorwürfe beziehen. Im Fazit werde ich dann abschließend die Frage beant-worten, ob die Demoskopen eine Mitschuld an dem Ergebnis des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahl tragen.
2 Einführung in die Problematik
Nach dem ersten Gang der Präsidentschaftswahlen 2002 in Frankreich wurden den Meinungsforschungsinstituten verschiedenartige Vorhaltungen gemacht. Zum Einen äußerten sich nach dem ersten Wahlgang viele wahlberechtigte Franzosen (vor allem aus dem Sozialistenlager, die zwar im zweiten Wahlgang ihre Stimme Jospin geben wollten, aber mit der Nichtwahl beim ersten Wahlgang ihrem Unmut über seine Linie Ausdruck verleihen wollten), die sagten, sie seien nicht zur Wahl gegangen, da das Ergebnis doch schon vorher festgestanden hätte, da laut Meinungsumfragen „auf jeden Fall“ Chirac und Jospin im zweiten Wahlgang gegeneinander antreten würden. Auch diejenigen, die ihre Stimme zum Teil aus Protest den kleineren, chancenlosen Kandidaten der extremen Linken oder sogar dem Kandidaten der rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen gegeben hatten, bedauerten dies öffentlich. Sie gaben an, dass sie anders gehandelt hätten, wenn die Umfragen ihnen gesagt hätten, was passieren würde. Zum Anderen wurde von Politikern und Medien den Meinungsforschungsinstituten vorgeworfen, sie hätten Le Pen unterschätzt und von ihm abgelenkt und dadurch sein gutes Abschneiden erst ermöglicht.
2.1 Stellung der Wahlforschung in Europa und den USA
Seit dem Beginn der Umfrageforschung gibt es negative Äußerungen aller Art über diese Wissenschaft, aber vor allem Vorwürfe der Manipulation. In vielen Ländern, in denen die Wahlforschung eine mehr oder weniger bedeutende Rolle spielt, werden ihr gelegentlich von Seiten der Bürger, aber auch der Politiker, „dämonische“ Kräfte zugeschrieben. Diese
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Kritik richtet sich in den meisten Fällen aber nicht gegen die Methode der Empirischen Sozialforschung, sondern sie beinhaltet stattdessen oft den Vorwurf der Manipulation des Wählerverhaltens. Grob kann man die Vorhaltungen, die den Umfrageinstituten seitens der Politiker gemacht werden, in zwei Vorwürfe zusammenfassen. In einigen Fällen wird der Demoskopie vorgeworfen, die Wähler durch zu ho he Umfragewerte der Parteien oder Kandidaten „einzulullen“, so der FDP-Politiker Möllemann (vgl. Brettschneider 2000), in anderen Fällen wiederum hält man ihnen vor, durch zu günstige Vorhersagen die Wähler positiv zu stimmen, und somit bestimmte Parteien oder Kandidaten zu bevorteilen. Oft werden diese Vorwürfe gegen ein und dieselbe Umfrage erhoben, nur von unterschiedlichen Parteien bzw. Lagern.
Generell lässt sich in Ländern wie zum Beispiel den USA, der BRD und auch Frankreich feststellen, dass die Parteien zwar oft Kritik an der Umfrageforschung üben, sie andererseits aber auch instrumentalisieren und für ihre Zwecke zu nutzen versuchen. In vielen Ländern führte der Vorwurf, dass die Umfragen auf illegitime Weise die Meinungsbildung der Wähler beeinflussen dazu, dass ein gesetzliches Veröffentlichungsverbot gefordert und in einigen Ländern auch durchgesetzt wurde. So dürfen Umfrageergebnisse in Ungarn, Portugal, Spanien und der Schweiz in der letzten Woche vor der Wahl nicht mehr veröffentlicht werden. Auch in Frankreich gab es bis vor kurzem ein solches Verbot (siehe Kapitel 3.1). In Polen beträgt der Zeitraum zwei, in Italien sogar vier Wochen (vgl. Brettschneider 2000). Auch in Deutschland wurde in der Vergangenheit mehrere Male die Forderung na ch einem solchen Verbot laut; diese Forderung steht aber nach Mehrheitsmeinung in Widerspruch zur im Grundgesetz verankerten Meinungs-, Informations-, und Pressefreiheit. Außerdem argumentierten die Gegner damit, dass sich ein solches Verbot praktisch nicht durchsetzen ließe. Dies lässt sich deutlich an Frankreich erkennen, wo in den letzten Jahren das Verbot immer häufiger umgangen wurde. Viele Experten sind der Ansicht, dass ein solches Verbot zumindest solange unzulässig sei, als eine illegitime Wählerbeeinflussung nicht hinreichend empirisch belegt sei. Dies ist bislang weder in den USA, noch in Deutschland oder Frankreich der Fall.
Des weiteren muss man sich, wenn man sich mit der Wirkung von Wahlumfragen auf das Wählerverhalten beschäftigt darüber im Klaren sein, dass diese Annahmen von Politikern und Journalisten (und manchmal auch von Politikwissenschaftlern) so formuliert werden, als handele es sich dabei um empirisch belegte Tatsachen (vgl. Brettschneider 2000). Wie wir später noch sehen werden, sind aber weder die vermuteten Auswirkungen auf die Wahlbeteili-
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gung (Mobilisierungs-, Defätismus-, Lethargie- und Bequemlichkeitseffekt), noch die auf die Stimmabgabe (Bandwagon- und Underdogeffekt) empirisch belegt.
2.2 Theoretischer politikwissenschaftlicher Hintergrund
Die Wissenschaft setzt sich intensiv mit den möglichen Effekten, die Wahlumfragen auf das Wählerverhalten haben könnten, auseinander. Ich beziehe mich im Folgenden Abschnitt vor allem auf den Aufsatz „Demoskopie im Wahlkampf - Leitstern oder Irrlicht?“ von Frank Brettschneider.
Wenn man den Einfluss von Wahlumfrageergebnissen auf das Wählerverhalten untersuchen möchte, muss man zuerst klären, wie diese von der Bevölkerung wahrgenommen werden. Dabei stellen sich zwei Fragen:
• Führt eine verstärkte Berichterstattung über Wahlumfragen dazu, dass ein größerer Teil der Wahlberechtigten diese Ergebnisse wahrnimmt?
• Welche Bevölkerungsgruppen interessieren sich besonders stark für Wahlumfragen?
Generell lässt sich auf jeden Fall feststellen, dass durch eine zunehmende Berichterstattung über Wahlumfragen ein größerer Bevölkerungsanteil erreicht wird. Allerdings lässt sich auch feststellen, dass nicht alle, die diese Umfragen wahrnehmen sich auch für sie interessieren. Es sind vor allem Wähler, die generell politisch sehr interessiert sind und die zu den formal höher Gebildeten gehören, die sich stark für die Wahlumfragen interessieren. Frank Brettschneider nennt diese Wähler, die alle Informationen über den Wahlkampf aufnehmen „Campaign-Junkies“ (vgl. Brettschneider 2000). Diese Wähler sind durch eine überdurchschnittlich ausgeprägte Parteiidentifikation gekennzeichnet und dürften aufgrund ihrer verhältnismäßig festen Bindung an eine Partei kaum für Manipulationen durch Umfragen anfällig sein. Wahlumfragen stellen für diese Wählergruppe eher eine Information unter vielen anderen dar.
2.2.1 Einfluss auf die Stimmabgabe
In den USA werden seit Beginn der Demoskopie zwei verschiedene Vermutungen über die Wirkung von Wahlumfragen auf die Stimmabgabe diskutiert: Der Bandwagon- und der Underdogeffekt.
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• Der Bandwagon- bzw. Mitläufereffekt wirkt sich auf noch unentschlossene
• Die Gegenbewegung hierzu stellt der Underdog- bzw. Mitleidseffekt dar.
Diese Auswirkungen auf die Stimmabgabe werden auch in Frankreich vermutet (vgl. Bréchon 2002), allerdings sind diese Einflüsse dort wie auch in den USA oder Deutschland noch nicht nachgewiesen.
Auch wenn weder ein Bandwagon- noch ein Underdogeffekt der veröffentlichten Umfrageergebnisse empirisch belegt werden konnte, so gibt es doch eine bestimmte Wählergruppe, für die Wahlumfragen von großer Bedeutung sind. Politisch sehr interessierte Wähler sind nicht selten auch taktische und rationale Wähler. Im Zuge der von R. Inglehardt ausgelösten Postmaterialismusdiskussion wurde von der Politikwissenschaft und der Wahlforschung seit den siebziger Jahren zunehmend rationales Wählerverhalten beobachtet, was durch das Aufkommen neuer Phäno mene wie das Stimmensplitting (in der BRD) bestätigt wurde. Diese rationalen Wähler lassen sich von den Wahlumfragen nicht manipulieren, aber sie nutzen diese, um ihre eigene Stimmabgabe zu optimieren. Anhand verschiedener Informationsquellen (darunter auch die Wahlumfragen) machen sie sich ihr eigenes Bild von der Meinungsverteilung in der Bevölkerung. Somit tragen die Umfrageergebnisse bei einer bestimmten Wählerschicht zu einer rationalen, durchdachten Wahlentscheidung bei. Dabei liefern die Umfragen sicherlich präzisere und objektivere Einschätzungen über das Wählerverhalten als Einschätzungen, die auf anderen Quellen beruhen. Wahlumfragen haben demnach Einfluss auf eine spezifische Wählergruppe.
2.2.2 Einfluss auf die Wahlbeteiligung
Demoskopen vermuten, dass die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen vier verschiedene Effekte auf die Wahlbeteiligung haben kann. Dies sind nach Pierre Bréchon psychosoziale Verhaltensweisen, die aber nur gering politisierte Wähler betreffen, die keine klaren politischen Überzeugungen haben (vgl. Bréchon 2002).
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•
Wenn der Wahlausgang sehr ungewiss scheint und die Umfragen keinen klaren Sieger voraussagen, sporne dies die Wähler dazu an, sich an der Wahl zu betei-
• Wenndie Wahlumfragen die Niederlage eines Kandidaten „klar“ voraussagen,
• Andererseits lässt sich auch vermuten, dass die gegenteilige Reaktion die An-
•
Einweiterer Effekt, den die Demoskopen vermuten, ist der
Bequemlichkeits-
Währendim ersten Fall die Veröffentlichung der Wahlumfragenergebnisse wie bereits festgestellt zu einem Anstieg der Wahlbeteiligung führen dürfte, dürfte die Wahlbeteiligung in den anderen drei Fällen geringer ausfallen, als es ohne die Bekanntgabe der Umfrageergebnisse der Fall wäre.
Allerdings sind diese Hypothesen noch nicht für Frankreich überprüft worden. Lediglich für die USA liegen Ergebnisse vor, durch die aber keiner der oben genannten Effekte nachgewiesen werden konnte.
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2.3 Richtlinien zur Durchführung und Veröffentlichung von Umfragen
Bei der Durchführung von Umfragen ist es unerlässlich, sich an bestimmte Regeln zu halten, die in allen westlichen Ländern ähnlich aussehen, um eine Verfälschung oder Manipulation der Umfrageergebnisse zu verhindern. Besonders wichtig ist, darauf zu achten, dass die Art der Fragestellung den Befragten nicht in eine Richtung drängt, dass der Befragte also eine Antwort gibt, die er bei korrekter Fragestellung nicht gewählt hätte. Des weiteren ist es unerlässlich, dass die Grundgesamtheit der Befragten proportional zu den Bevölkerungsschichten zusammengestellt wird.
Durch die Einhaltung bestimmter Regeln bei der Veröffentlichung von bzw. Berichterstattung über Wahlumfragen kann eine Manipulation der Wähler von Seiten der Medien verhindert werden. 1969 hat die American Association for Public Opinion Research (AAPOR) einen Richtlinienkatalog aufgestellt, der ursprünglich als Orientierungshilfe für Meinungsforschungsinstitute zur Präsentation ihrer Ergebnisse gedacht war. Inzwischen wird er aber auch herangezogen, um die Berichterstattung der Medien über Umfrageergebnisse zu beurteilen. Nach diesem Richtlinienkatalog sollte die Präsentation von Umfrageergebnissen unter anderem folgende Informationen enthalten: Auftraggeber der Umfrage, Name des Mei-nungsforschungsinstituts, Grundgesamtheit, Stichprobengröße, Methode (Face-to-face oder Telefon-Umfrage), fragewortlaut, Stichprobenfehler, Zeitpunkt/ -raum der Befragung. Umfrageergebnissen wird in Wahlkampfzeiten ein hoher Nachrichtenwert zugeschrieben, der zunimmt, je näher der Wahltermin rückt. Allerdings lässt die Berichterstattung in den Medien über Wahlumfragen zu wünschen übrig: Oft bleiben die Quellen ungenannt, damit sind die Umfrageergebnisse nicht nachprüfbar. Journalisten verweisen in alltäglichen Artikeln auf „jüngste Umfragen“, teilweise sind diese Ergebnisse sogar erfunden (vgl. Brettschneider 2000).
Besonders auffällig ist, dass die Information über den Stichprobenfehler, das heißt über die möglichen Abweichungen in Prozentpunkten vom veröffentlichten Ergebnis, bei vielen Veröffentlichungen in der Presse nicht geliefert wird. Das kann dazu führen, dass vor allem politisch weniger interessierte Wähler, möglicherweise auch mit einem niedrigeren Bildungsniveau die veröffentlichten Daten nicht als mehr oder weniger grobe Orientierung wahrnehmen, sondern diese Zahlen als präzise, relativ feststehende Vorhersage des Endergebnisses verstehen. Hier läge eine mögliche Ursache dafür, dass die Wahlbeteiligung beim ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen ein Rekordtief erreicht hat. Besonders die wahlbe- rechtigten Franzosen, die sich nicht bewusst waren, dass von den Meinungsforschungsinstitu-
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Verena Jung, 2002, Waren die Demoskopen Le Pens Wahlhelfer? Eine Untersuchung des Einflusses der Meinungsumfragen auf den ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen 2002 in Frankreich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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