Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Vorwort 5
2. Einleitung 6
3. Historische Betrachtungen 8
3.1. Kleine Entwicklungsgeschichte der Rechentechnik 8
3.2. Die pädagogische Bedeutung der Entwicklungen 9
4. Lehren und Lernen mit Computer-Software 11
4.1. Unsere heutige Informations- und Wissensgesellschaft 11
4.1.1. Mediennutzung und Lernen mit Blick auf Kinder und
Jugendliche 12
4.1.2. Ziele für Unterricht und Schule 12
4.2. Theoretische Konzepte und Strukturen 12
4.2.1. Lehr-lerntheoretische Grundlagen und Ansätze 13
4.2.2. Unterricht mit Computer-Software aus didaktischer
Sicht 14
4.3. Medienpädagogische Aspekte 15
4.3.1. Konzepte und Leitideen der Medienerziehung 15
4.3.2. Konzeptionelle Überlegungen zur informationstechni-
schen Grundbildung 16
4.4. Merkmale von Computer-Software 17
4.5. Motivation und Lernen mit Computer-Software 18
4.6. Lernen mit dem Internet 19
4.7. Computer und Internet im Kontext der Schulentwicklung 21
4.7.1. Zur Infrastruktur der Computereinrichtung an den Schu-
len 21
4.7.2. Medienpädagogische Kompetenz als Aufgabe der Leh-
rerbildung 21
4.8. Aus der pädagogischen Diskussion 22
4.9. Zusammenfassende Betrachtungen 23
5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwer-
punkt Lernen 25
5.1. Motivation 25
5.2. Förderung sprachlicher Kompetenzen 27
5.3. Individualisierung und Differenzierung 28
5.4. Diagnostik 29
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Inhaltsverzeichnis
5.5. Ausgleich sozialer Benachteiligung 30
5.6. Zukunftsperspektiven 31
5.7. Zusammenfassung 33
5.8. Fazit 34
6. Die derzeitige Situation in Sachsen-Anhalt 35
6.1. Einleitung 35
6.2. Vorüberlegungen 35
6.2.1. Das Vorhaben 35
6.2.2. Inhalte 36
6.2.3. Vorgehensweise 37
6.2.4. Statistische Grundlagen und Überlegungen 37
6.2.4.1. Allgemeine Grundlagen 37
6.2.4.2. Spezielle Überlegungen 39
6.3. Durchführung der Umfrage 41
6.4. Die Ergebnisse der Umfrage 42
6.4.1. Technische Ausstattung 42
6.4.1.1. Anzahl vorhandener Computer 42
6.4.1.2. Ausstattungsformen 44
6.4.1.3. Vernetzung 44
6.4.1.4. Finanzierung 46
6.4.2. Verwendete Software 48
6.4.2.1. Softwaretypen 48
6.4.2.2. Konkrete Software 50
6.4.3. Anwendungsbereiche 52
6.4.3.1. Internet 52
6.4.3.2. Unterrichtsfächer 53
6.4.3.3. Freizeit 54
6.4.4. Persönliche Ansichten 54
6.4.4.1. Zu den Unterrichtsphasen 55
6.4.4.2. Zu den Funktionen von Software 57
6.4.5. Probleme und Vorschläge 58
6.4.5.1. Vorhandene Probleme 58
6.4.5.2. Vorschläge für die Zukunft 59
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Inhaltsverzeichnis
6.5. Persönliche Eindrücke bei der Befragung 60
6.6. Fazit 62
7. Spezielle Computer-Software 64
7.1. „Budenberg Lernsoftware“ 64
7.1.1. Zum Autor 64
7.1.2. Zum Programm 64
7.2. „Alfons Lernwelt“ 69
8. Schlussbemerkungen 75
9. Versicherung 78
10. Verwendete Literatur 79
11. Anhang I 82
11.1. Übersicht der Schulen zur Befragung 82
11.1.1. Zur schriftlichen Befragung 82
11.1.2. Zur mündlichen Befragung 84
11.2. Der Umfragebogen 85
11.3. Die Umfrageergebnisse 88
11.3.1. Technische Ausstattung 88
11.3.2. Verwendete Software 89
11.3.3. Anwendungsbereiche 91
11.3.4. Persönliche Ansichten 92
11.3.5. Probleme und Vorschläge 93
12. Anhang II - Beantwortete Umfragebogen 95
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1. Vorwort
Unsere heutige Informationsgesellschaft wird vor allem durch Informations- und Kommunikationstechnologien geprägt. Computer am Arbeitsplatz, aber auch im privaten Bereich sind die sichtbarsten Boten dieser Entwicklung. Die moderne Welt der Hightech ist ohne die Entwicklung des Computers gar nicht mehr vorstellbar. Computer verschiedener Typen und Größen dienen in der Gesellschaft weitverbreitet der Speicherung und Verarbeitung von Daten, angefangen von geheimen Regierungsdaten, über Transaktionen von Banken bis hin zu privaten Haushaltskonten. Mit den Automationstechniken hat durch die Computer eine neue Ära der Fabrikation begonnen. Weiter wurden durch sie die modernen Kommunikationssysteme wesentlich verbessert. Sie sind somit grundlegende Hilfsmittel in fast jedem Gebiet der Forschung und angewandten Technik, wie z.B. für die Aufstellung von Modellen, die man für Wettervorhersagen benutzt. Datenbankanbieter und Computernetzwerke bieten außerdem eine Fülle von Informationsquellen an. In Deutschland hat sich im Zeitraum von 1993 bis 1998 die Zahl der PC-Besitzer von 8,3 Millionen auf nahezu 16,8 Millionen etwas mehr als verdoppelt. 1
Computergestützte Kommunikation z. B. über elektronische Post, basierend auf Netzwerken - also temporären oder permanenten Verbindungen zwischen Computern - können zu einer verbesserten sozialen Integration beitragen. So können Freundschaften über diese Netze aufgebaut und gepflegt werden, können Informationen zu aktuellen Themen abgefragt und Diskussionen zu medizinischen, gesellschaftlichen, politischen oder sonstigen Themen geführt werden. Die Vernetzung erlaubt aber auch neue Arbeitsorganisationsformen zur Verbesserung der beruflichen Integration. Telearbeit, also die räumliche Trennung zwischen Arbeitsplatz und Auftrag- bzw. Arbeitgeber, kann Mobilitätsprobleme kompensieren und damit berufliche Nachteile beseitigen. Die Arbeit von zu Hause, von einem Wohnheim oder einem Telearbeitscenter aus überwindet damit Hürden, die durch unzugängliche Arbeitsstätten, Distanzen zwischen Wohnort und Arbeitsstelle oder durch eingeschränkte zeitliche Ressourcen entstehen können. Dadurch und durch die mit dem Computer erheblich schnelleren Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen und die mit ihm mögliche Kommunikationsvielfalt hat sich mit seinem Einzug in die Büros der Arbeitsalltag generell revolutioniert. Und gerade auch für Menschen mit Behinderungen ergeben sich durch diese weite Verbreitung der Computer neue Chancen der beruflichen wie auch sozialen Integration. Verschiedene Behinderungen verlieren hier z.B. ihren leistungshemmenden Einfluss. Somit rückt durch die Computer auch die Chancengleichheit in immer greifbarere Nähe.
1 Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie Plus 2000
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2. Einleitung
Die Arbeit am und mit dem Computer und entsprechender Software erhält schon lange Einzug in unser alltägliches Leben und immer mehr auch in den schulischen Bereich. Wir existieren heute in einer Informationsgesellschaft, wo die Menge, Geschwindigkeit und Effizienz bei der Informationsbeschaffung und -verarbeitung höchste Priorität genießen und ungeahnte sich Chancen, auch auf den Bereich „Lernen" eröffnet. Z.B. Lernprogramme und Übungssoftware bieten somit optimale Unterstützung beim Lernen und sorgen dafür, dass der Lernstoff sicher beherrscht, Lernfortschritte sofort erlebt werden und die Lernenden den eigenen Weg des Lernens finden können.
Ziel dieser Arbeit ist es, sich mit der Möglichkeit und vielleicht sogar Notwendigkeit des Einsatzes von Computersoftware im Lernprozess und im vor allem im Unterricht zu befassen. Nicht zu letzt ist auch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz, wie ich sie im Vorwort (s.S. 5) geschildert habe, von wichtiger Bedeutung für meine Ausführungen. Dazu kommt die Frage, ob und warum dieser Einsatz von Computersoftware besonders zur Förderung im Förderschwerpunkt Lernen geeignet und somit zu fordern ist. Mit einer Art Bestandsaufnahme soll dann zeigen, inwieweit diese Technologien schon in den Schulen für Lernbehinderte eines Bundeslandes integriert sind. Zum Schluss soll dann ein denkbarer Ausweg zu einem möglichen Konsens zwischen dem theoretischen Optimum und den praktischen Gegebenheiten gesucht werden.
In der Literatur gibt es viele unterschiedliche Bezeichnungen für das Lernen mit dem Computer. So spricht man etwa vom „Computerunterstützten Lernen" (CUL) oder „Computer Aided Learning" (CAL) und meint damit die Förderung des Lernprozesses. Aber auch andere Bezeichnungen, wie „interaktives Lernen", „dialogisches Lernen" oder „Computerunterstütztes Rückmeldungssystem" beschreiben diese Förderung des Lernprozesses und die Arbeit mit dem Computer. Hingegen stellen Begriffe wie „Computerunterstützter Unterricht" (CUU) oder „Computerunterstütztes Lehren und Lernen" mehr das Unterrichten mit Hilfe von Lernprogrammen in den Vordergrund.
In dieser Arbeit möchte ich allerdings versuchen, mich nicht auf eine der beiden Richtungen zu beschränken und nenne es dann eben „das Lernen mit Computer-Software“. Dieser Ausdruck umschreibt sowohl das Lernen als auch das Unterrichten mit Unterstützung durch Computersoftware. Auch sei hier nicht auf Lernprogramme eingeschränkt, da auch andere Softwaretypen - aber am besten verschiedene davon in Kombinationen - den Lernprozess unterstützen, oder besser noch, fördern können. Wichtig ist es auch zu erwähnen, dass das Lernen mit Computersoftware für mich drei untrennbare Teilbereiche in sich trägt. Dazu gehören der Computer, auf dem die Software arbeiten soll, die Software selbst und das Internet, über das eine riesige Menge von Softwarezugriffen möglich sind. Somit zähle ich alle drei Teilaspekte zum inhaltlichen Schwerpunkt dieser wissenschaftlichen Hausarbeit. Beginnen möchte ich meine Ausführungen mit einem kleinen historischen Exkurs, wobei ich kurz die wichtigsten Entwicklungsschritte der Rechen- und Computertechnik nennen werde. Da diese für einen Pädagogen wohl weniger interessant erscheinen mögen, werde ich im Anschluss an diese kurze Entwicklungsgeschichte versuchen, deren pädagogische Bedeutungen aufzuzeigen.
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Dann soll ein Kapitel folgen, in dem ich die Grundlagen, Voraussetzungen, Möglichkeiten, Probleme etc. des Lernens mit Computersoftware, die ich in der Literatur gefunden habe, erarbeiten möchte. Diese seien hier ganz allgemein gehalten, also nicht auf spezielle finanzielle, materielle o.ä. Bedingungen oder auf einen bestimmten Schultyp zugeschnitten. Das heißt aber auch, dass es sich wahrscheinlich eher um einen idealtypischen Wunschgedanken handeln könnte, der in der realen Situation der heutigen Gesellschaft nicht unbedingt überall, vielleicht sogar nur selten umgesetzt werden kann. Dabei soll natürlich die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit am und mit dem Computer nicht vernachlässigt werden. Ebenso möchte ich kurz einige Schwerpunkte aus der pädagogischen Diskussion anführen, um einen vorerst kleineren Bezug zur Wirklichkeit herzustellen.
Nun ist diese Theorie für meine Erörterung zu allgemein. Daher werde ich im fünften Kapitel versuchen, klar zu machen, warum ich denke, dass dieses Lernen mit Computersoftware auch oder vor allem für Schüler mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen sehr von Vorteil sein kann. Dazu werden mir einige elementare Aspekte der sonderpädagogischen Förderung als Grundgerüst dienen. Anschließend möchte ich auf die Frage kommen, inwiefern sich diese ideale The-orie in der Praxis umsetzen lässt bzw. umgesetzt wird. Um diese Frage nicht völlig hypothetisch erörtern zu müssen, habe ich mir vorgenommen, mir ein kleines Bild über die momentane Lage in unserem Bundesland (Sachsen-Anhalt) zu verschaffen. Um dieses Bild zu formen, habe ich eine kurze Umfrage an einigen Schulen für Lernbehinderte im Land Sachsen-Anhalt durchgeführt. In dieser Umfrage wollte ich erfahren, auf welchen technischen Stand die Schulen für Lernbehinderte in unserem Land stehen, wie und wozu die Computer eingesetzt werden und welche Probleme oder Verbesserungsvorschläge gehäuft auftreten. Ich habe dazu an fünfunddreißig Schulen für Lernbehinderte einen Fragebogen geschickt und bin an vierzehn weitere solcher Schulen persönlich mit diesem Fragebogen gereist, um dort die Befragung persönlich durchzuführen. Die genaueren Absichten, Vorstellungen, Ergebnisse und Folgerungen sollen dann in Kapitel Sechs genannt, begründet, ermittelt und diskutiert werden.
Sollte es der Fall sein, dass bei der Befragung ein Programm oder einige wenige Programme, die konkret genannt wurden, relativ oft in den Schulen verwendet werden, so werde ich versuchen, Informationen zu diesen Programmen zu erhalten und diese im siebenten Kapitel aufzuführen und zu bewerten. Diese gewonnenen Einsichten sollen mir nun helfen, in meinen Schlussbetrachtungen die derzeitige Situation einzuschätzen und mit Bezug auf die erarbeitete The-orie zu bewerten, damit ich einen Ausblick auf eine mögliche Zukunft geben kann, in der Computer, Software und Internet optimal im Lernprozess verankert sind. Um nun die Formulierungen zu vereinfachen und die Qualität Lesbarkeit etwas zu erhöhen, werde ich fortan bei Bezeichnungen von Personengruppen wie z.B. Schülerinnen und Schüler oder Lehrerinnen und Lehrer stets die männliche Form also z.B. Schüler oder Lehrer wählen.
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3. Historische Betrachtungen
Im Buch „Der Computer im Unterricht mit geistigbehinderten Schülerinnen und Schülern“ von Claus HAGEMANN wird die Geschichte der Rechentechnik, die ja ein Vorläufer oder auch ein sehr elementarer Bestandteil der Computertechnik ist, recht ausführlich und auch unter pädagogischen Aspekten dargestellt. Hier sollen nur einige wichtige Kernpunkte herausgegriffen werden, um einen kleinen Einblick in die rechentechnische und später informations- und kommunikationstechnische Entwicklung zu geben.
3.1. Kleine Entwicklungsgeschichte der Rechentechnik
Viele Jahrtausende lang rechneten die Menschen mit ihren von der Natur gegebenen Rechenhilfsmitteln, mit den Fingern. Diese Methode findet in zahlreichen Naturvölkern heute noch Anwendung - genauso wie bei Kinder beim Erschließen eines ersten Zahlen- und Rechengefühls. Das Problem wurde aber das Rechnen mit großen Zahlen. Man nahm so Knochen oder Steine. Edelsteine oder Perlen standen dann für eine bestimmte Anzahl von Knochen oder Steinen. Diese schob man auf Schieferplatten hin und her. Später wurden diese Utensilien durch Symbole ersetzt. Nun wurden also diese Symbole nach bestimmten Regeln verschoben. Und auf dieser Grundlage entstand die antike Rechenmaschine - der Abakus. Erst durch die Einführung der arabischen Zahlen in Europa wurden die Rechenbretter im Mittelalter langsam abgelöst.
Mit der Verwendung eines Zahnrades konstruierte Wilhelm SCHICKARD 1623 die erste mechanische Rechenmaschine (pro Dezimalstelle ein Zahnrad mit zehn Zähnen, die für die Ziffern 0 bis 9 standen). Beim Überlauf der ’9’ drehte ein angekoppeltes Zahnrad das links nebenstehende Zahnrad einen Zahn weiter, d.h. die nächsthöhere Dezimalstelle wurde um eine Ziffer erhöht, während die betrachtete Stelle auf ’0’ zurück- bzw. eigentlich ja vorsprang’. Mit dieser Maschine konnte man nun addieren und auch schon etwas multiplizieren. Blaise PASCAL gelang 1642 eine Weiterentwicklung dieser Maschine mit einem Zahnradgetriebe - wie es z.B. im heutigen Kilometerzähler zu finden ist.
1672 stellte Freiherr Gottfried Wilhelm von LEIBNITZ dann eine Rechenmaschine vor, deren Kernstück eine Staffelwalze war. Diese konnte durch schnelle Addition multiplizieren. Die Anwendung war aber sehr kompliziert und LEIBNITZ wies daher schon 1679 auf die Vorteile des binären Zahlensystems für das maschinelle Rechnen hin. Doch dann kam es lange Zeit zu keinen nennenswerten Entwicklungen. Die immer ausgefeiltere mathematische Verarbeitung von Zahlen bei immer größer werdenden Datenmengen war nun nicht mehr mit Zahnrädern, Walzen oder Stiften zu schaffen.
Die von BABBAGE entwickelte Lochkarte konnte als verschlüsselte Informationsquelle mit elektronischen Kontakten statt mit mechanischen Stiften abgetastet werden. 1886 war Herrmann HOLLERITH in der Lage zur elften amerikanischen Volkszählung eine elektronische Zähl- und Registriermaschine zu konstruieren, die Informationen auf Lochkarten dekodieren, verarbeiten und zuordnen konnte. HOLLERITH gründete 1896 eine Firma, die sich nach mehreren Fusionen 1924 „International Business Machine Corporation“ (IBM) nannte. Die HOLLERITH-Maschinen wurden schnell verbreitet und fanden bis in die sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts Einsatz.
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Nun mussten die Operationsanweisungen aber hintereinander oder parallel geschaltet werden können, um auch differenziertere Rechenoperationen zu berücksichtigen, was die Maschine möglichst selbstständig erkennen und durchführen sollte. So wurde also die Programmsteuerung sowie weitere elektrisch-orientierte Bauteile zum Rechnen und Speichern notwendig.
1941 baute Konrad ZUSE die erste funktionsfähige Datenverarbeitungsanlage mit einer Programmsteuerung. Die Rechenmaschine Z3 gilt heute als der erste Computer. In den USA wurde dieser zum Mark 1 weiterentwickelt. Dieser war 15 m lang und 2,5 m hoch. Er bestand aus ca. 700.000 wartungsbedürftigen Einzelteilen (z.B. 3.000 Kugellager und 80 km Leitungsdraht). Im Folgemodell ENIAC von 1946 konnte die Rechengeschwindigkeit schon um das 2.000-fache erhöht werden. Der Einsatz von Transistoren war 1955 der Grundstein für die sogenannte zweite Computergeneration. Einige Kennzeichen waren das geringere Gewicht, die kleineren Maße, dass kein Vorheizen mehr nötig war, die niedrige Betriebsspannung und die fast unbegrenzte Lebensdauer. So konnten Computer also kleiner und preiswerter hergestellt werden, womit sie auch Einzug in die Wirtschaft erhielten. Die kleiner werdenden Transistoren wurden mit Widerständen auf Keramikplatten zu Modulen (Schaltgruppen) zusammengefasst und es entstand 1962 die sogenannte dritte Computergeneration. So wurden Computer immer kleiner und noch preiswerter und fanden ab Anfang der siebziger Jahre auch zunehmend Absatz in privaten Haushalten. Es entwickelte sich der einfach zu handhabende Computer, der für den nichtprofessionellen Nutzer den Umgang mit dem persönlichen Computer (PC) ermöglichte. Dieser PC ist das, was heute auf dem Markt zu finden ist und zunehmend weiterentwickelt und verbessert wird.
3.2. Die pädagogische Bedeutung der Entwicklungen
Die oben genannte Entwicklungsgeschichte lässt nun auch verschiedene pädagogische Ansatzpunkte zu, bei denen Maschinen und Computer in pädagogische Prozesse eingebunden werden bzw. werden können. Dies ist sowohl in Bezug auf den Unterrichtsgegenstand als auch auf das Unterrichtsmedium möglich. Nach HAGEMANN entspricht das Lernen mit Hilfe von Medien der Urform des Lernens. 2 1654 erstellte COMENIUS das erste Bilderbuch für pädagogische Zwecke (den Orthis sensualium Pictus). Die zu dieser Zeit entwickelten Rechenmaschinen eigneten sich allerdings nicht zur Vermittlung von Lerninhalten, da diese Lerninhalte auch nicht maschinenbezogen waren.
Die Idee des Nürnberger Trichters von HARSDÖRFFER zieht sich durch die Pädagogik wie ein roter Faden. Damit ist gemeint, dass beim Lernen zwischen Bildungsgegenständen und dem Menschen ein zeitgemäßer physikalischer Gegenstand (z.B. Trichter) oder eine Apparatur steht. In den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahr-hunderts entwickelte PRESSEY die erste Lehr- bzw. Testmaschine. Die Schüler konnten mit Knopfdruck vorgegebene Antwortmöglichkeiten auswählen. Bei der richtigen Antwort erschien die nächste Frage, sonst nicht. Dieses Prinzip ist auch heute noch bei einigen Kinderspielen zu erkennen.
2 Vgl. HAGEMANN: Der Computer im Unterricht mit geistigbehinderten Schülerinnen und Schülern, Aachen, 1997, Seite 72
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Einen weiteren Aufschwung für den Computereinsatz beim Lernen brachte SKIN- NERs Theorie,dass Lernen nach bestimmten „mechanischen“ Gesetzmäßigkeiten verläuft (Input - Blackbox - Output). In den USA wurde bereits in den späten fünfziger Jahren der schulische Computereinsatz erprobt. Bei der ersten unterrichtlichen Computer-Anwendung (CUU - computer-unterstützter Unterricht) wurde der Computer als Medium in drill- und practice-Systemen (Übungs- und Trainingsprogramme) angewendet. Es entwickelten sich außerdem der programmierte Unterricht und der lerndatenverarbeitende programmierte Unterricht. Die Verwendung von Maschinen und Computern im Schulunterricht hatte in der bisherigen Geschichte zwei Hauptmotive:
1. Die Schüler sollen die Maschinen ihrer Zeit kennen lernen. Dazu gehört es auch, sie handhaben und ihre Arbeitsweise verstehen zu können. Sie sollen mit ihnen umgehen können, weil dieses Wissen im späteren (beruflichen) Leben von Bedeutung sein könnte. (Teil des didaktisch-orientierten Bildungsauftrages der Schule)
2. Maschinen sollen bei der Vermittlung von Lerninhalten helfen. Sie sollen also die Lehr- und Lernprozesse unterstützen. Die Maschine wird dabei zum Mittler, zum methodisch-funktionalisierten Medium, wobei der Umgang - mit Blick auf einen optimierten Lernprozess - methodisch motiviert ist.
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4. Lehren und Lernen mit Computer-Software
4.1. Unsere heutige Informations- und Wissensgesellschaft
In einer Gesellschaft, die zunehmend durch Informations- und Kommunikationstechnologien geprägt wird, sind die Erfahrungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen sehr stark von den Medien geprägt. Dabei sind der Computer und das Internet nur ein einzelnes Fach in der breiten Palette der möglichen Medien. Unter den verschiedenen Medienbereichen haben computerbasierte Medienangebote aber mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Und dies wird sich mit der weiteren technologischen Entwicklung noch zusehends steigen.
Für das Lehren und Lernen zum Beispiel kann man Softwareangebote (offline) und Netzwerkangebote (online) unterscheiden. Die Computersoftware entwickelte sich aus der programmierten Unterweisung mittels neuer Lehr-Lern-Theorien und besserer technischer Möglichkeiten. Dabei kann man beispielsweise folgende Typen neuer Medien unterscheiden:
Lehrprogramme zur Erarbeitung neuer Inhalte wie z.B. Prozentrechnung, Ernährung, Pflanzenschutz mit vorgegebener Steuerung; Übungsprogramme für die individuelle Übung, Festigung und Automatisierung bereits erarbeiteter Lerninhalte, wie z.B. das Rechnen oder die Rechtschreibung;
Offene Lehrsysteme, d.h. didaktisch und hypermedial aufbereitete Inhalte wie z.B. „Winnies Welt“ oder „Alfons Lernwelt“;
Datenbestände zur Bereitstellung von Informationssammlungen, wie z.B. Enzyklopädien oder Bildersammlungen;
Lernspiele, also pädagogisch entworfene Situationen mit Handlungsalternativen wie z.B. „Die Siedler“ und „Anno 1602“;
Werkzeuge zur Erzeugung, Gestaltung und Bearbeitung von Produkten wie z.B. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbankenverarbeitung oder Musik-Arrangierprogramme;
Experimentier- und Simulationsumgebungen zur Simulation von Prozessen mit Parametereinflüssen, wie z.B. „Dynasys“ oder „Powersim“; Kommunikations- und Kooperationsumgebungen für gemeinsame Erarbeitungen, Erfahrungs- und Meinungsaustausch wie z.B. E-Mail, Chat oder Foren. 3
Bei den neuen Medien Computer und Internet bieten sich auch verschiedene Kombinationsmöglichkeiten von Gestaltungsmerkmalen, sodass eigens der Begriff Multimedia entstand. Weiter kann man zu einem Thema unterschiedliche Zugänge wählen. Ein möglicher Zugang kann informations-, erkundungs-, problem-, entscheidungs-, gestaltungs-, spiel- oder kommunikationsorientiert sein, wobei sich einzelne Möglichkeiten unter Umständen auch überschneiden können. 4 Damit gibt es vielfältige Möglichkeiten für eine variationsreiche Präsentation verschiedener Lerninhalte und für eine abwechslungsreiche Arbeit.
3 Vgl. TULODZIECKI: Computer & Internet im Unterricht - Medienpädagogische Grundlagen und Beispiele, Berlin, 2002, Seite 17 f.
4 Vgl. Ebd., Seite 19
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4.1.1. Mediennutzung und Lernen mit Blick auf Kinder und Jugendliche In unserer heutigen Mediengesellschaft muss sich ein Lehrer auch fragen, welche Faktoren zur Nutzung computerbasierter Angebote zu beachten sind, welche Chancen und Problemstellungen sich für Lernen, Erziehung und Bildung ergeben. Es entstehen Chancen, aber auch mögliche Probleme. Chancen öffnen sich im vielfältigen Angebot für Informationen, Bildung, Kommunikation, Unterhaltung und Meinungsbildung. Ebenso ist das Kennen lernen verschiedener Perspektiven über den Blickwinkel des sozialen Nahraums hinaus positiv zu verstehen. Man kann interessante Ereignisse selbst dokumentieren, eigene Aussagen kreativ gestalten und Öffentlichkeit herstellen. Für den Bereich Bildung sind noch die Möglichkeiten für offenes, kooperatives sowie selbst gesteuertes und -verantwortliches Lernen nennenswert. Die Verstärkung der optischen und akustischen Sinnesreizung kann allerdings auch zur Überreizung des Seh- und Hörsinns führen. Es entsteht das Problem, dass die Aufmerksamkeit mehr durch Sinneserregung als durch inhaltliche Orientierung gelenkt wird. Dazu kommt die Fülle von Detailinformationen und die Vermischung verschiedener Ebenen, was schnell zu Überforderungen führen kann, z.B. durch die Anregung verschiedener Emotionen in kurzer Zeit oder durch widersprüchliche Wert- und Handlungsnormen. Ein schwerwiegender Kritikpunkt ist, dass diese Medien sanktionsfreie Bedürfnisbefriedigung ohne soziale Aktionen und Auseinandersetzungen ermöglichen, d.h. die Nutzer könnten zunehmend vor „anstrengenden“ sozialen Situationen ausweichen. Sehr wichtig ist aber auch, dass verschiedene - z.B. auf unterschiedliche Einkommen zurückzuführende - Zugangs- und Arbeitsmöglichkeiten zu Benachteiligungen führen können.
Man kann diese eben genannten Aspekte als eine Last ansehen und die Verwendung dieser neuen Medien ablehnen. Vielmehr stellen sie doch aber eine Herausforderung an die Erziehung und Bildung dar, denn ein persönlichkeits- und gesellschaftsförderlicher Umgang mit den neuen Medien bedarf eben der Unterstützung durch Erziehung und Bildung.
4.1.2. Ziele für Unterricht und Schule
Wir werden heutzutage mit einer zunehmend eskalierenden und divergierenden Vielfalt an Informationen konfrontiert. Dadurch wird eine Orientierung erheblich erschwert. Daraus folgt also, dass Erziehung und Bildung Orientierungshilfen ermöglichen müssen. Eine gewisse Unsicherheit aufgrund der Informationsvielfalt führt nicht gleich zur Hilflosigkeit, wenn die Fähigkeit gegeben ist zwischen sachlich richtigen und sachlich falschen Aussagen, zwischen nützlichen und weniger nützlichen Maßnahmen und Vorgehensweisen zu unterscheiden. Und diese Fähigkeiten herauszubilden und zu entwickeln sollte als wichtiger Bestandteil des Bildungsauftrages der heutigen Schule gesehen werden.
4.2. Theoretische Konzepte und Strukturen
Wichtige Fragen, die in diesem Abschnitt erörtert werden sollen, sind, welche lehr- und lerntheoretische Grundlagen für die Verwendung verschiedener Software für Lehr-Lernprozesse bedeutsam sind, welche didaktischen Anforderungen für den Unterricht mit dem Computer gelten und welche Aufgaben sich dem Lehrer bei der Vorbereitung und Durchführung von Lehren und Lernen mit neuen Medien stellen.
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4.2.1. Lehr-lerntheoretische Grundlagen und Ansätze
Die neuen Medien der heutigen Zeit heben sich von den traditionellen Medien hervor durch vielfältige Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Medienmerkmalen wie interaktive Möglichkeiten, vielseitige Verbindungsmöglichkeiten von Codierungsarten, Sinnesmodalitäten und Darstellungsformen, kommunikative Möglichkeiten und Bearbeitungsoptionen bei vorhandenen Materialien. Sie geben also eine gute Chance, viele Inhalte und Vorgehensweisen mit Rücksicht auf Lern-voraussetzungen in variationsreicher und lernwirksamer Weise zu vermitteln. KULIK führte eine der bedeutendsten Meta-Analysen zum computerunterstützten Lernen durch, wobei 202 von 248 Studien (81%) einen höheren Lernerfolg beim computerbasierten Lernen aufwiesen. Allerdings sind in den computerbasierten Angeboten der meisten Studien noch nicht die multimedialen Möglichkeiten von heute zum Tragen gekommen. Die empirischen Ergebnisse lassen sich nach TULODZIECKI in zwei Schlussfolgerungen zusammenfassen:
1. Mit geeigneter Software kann durch computerbasierte Angebote eine Verbesserung des Lernens im Sinne besserer Lerngewinne und verkürzter Lernzeiten erreicht werden.
2. Eine solche Verbesserung stellt sich jedoch nicht „automatisch“ ein, sondern nur unter bestimmten Bedingungen, die es noch weiter zu untersuchen gilt. 5
Auch zum Lehren und Lernen mit Computer und Software haben sich mittlerweile einige Theorieansätze herausgebildet. Zum Aspekt der Informationsspeicherung bzw. -repräsentation sind u.a. die Theorieansätze aus Tabelle 1 interessant
Tabelle 1: Theorieansätze zur Informationsspeicherung und -repräsentation 6
5 Vgl. Ebd., Seite 79
6 Vgl. Ebd., Seite 81 f.
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Zur Gestaltung von Lernumgebungen wurden die Gemeinsamkeiten entsprechender Ansätze von MANDL/ GRUBER/ RENKL in grundlegenden Forderungen zusammengefasst, die in Tabelle 2 zusammengetragen sind.
Tabelle 2: Grundlegende Forderungen an einen optimalen Lernprozess 7
Auf der Grundlage dieser Darstellungen können computerbasierte Medien (eben z.B. Software-Angebote) unter dem Aspekt lehr-lerntheoretischer Annahmen differenziert analysiert und eingeschätzt werden.
4.2.2. Unterricht mit Computer-Software aus didaktischer Sicht Die Arbeit mit Computer und Internet sollte sich in geeignete Lern- und Arbeits-formen eingliedern. Aus didaktischer und pädagogisch-psychologischer Literatur heraus lässt sich folgende idealtypische Strukturierung des Unterrichts - und damit auch des Unterrichts mit Computer und Internet - formulieren: (1) Aufgabenstellung, Sammeln und Problematisieren, Lösungsvermutungen; (2) Zielvereinbarung; (3) Verständigung über das Vorgehen; (4) Erarbeitung von Grundlagen für die Aufgabenlösung; (5) Durchführung der Aufgabenlösung; (6) Vergleich von Lösungen und Zusammenfassung des Gelernten; (7) Einführen von Anwendungsaufgaben und deren Bearbeitung; (8) Weiterführung und Reflexion des Gelernten und der Lernwege. 8
Nun kann man überlegen, in welchen Phasen computerbasierte Angebote eine anregende oder unterstützende Funktion wahrnehmen können. In der Phase der Aufgabenstellung können durch Filme, Bilder, Tonteile, Texte oder Programme verschiedene Probleme, Entscheidungsfälle, Gestaltungs- oder Bearbeitungsaufgaben eingeführt werden. Die Zielvorstellungen und Vorgehensweisen wiederum sollten in den Lerngruppen personell diskutiert werden. In der Erarbeitungsphase können über den
7 Vgl. Ebd., Seite 84
8 Vgl. Ebd., Seite 91
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Computer Informationen abgerufen oder erarbeitet werden. Und bei der Aufgabenlösung sind geeignete Computer-Programme (Software) als Werkzeuge (Tools) oder Repräsentationshilfen gut einsetzbar. In der nächsten Phase sollten alle Lösungen präsentiert und kommentiert werden und können dann zusammenfassend mit Hilfe z.B. von Textverarbeitungssoftware dokumentiert werden. Zur Anwendung ist der Computer ähnlich wie bei der Aufgabenstellung einsetzbar. In einer Weiterführung sollten personale Gespräche weiterführende Fragen aufwerfen - zu denen u.U. In-formationen über den Computer abgerufen werden können. Bei der abschließenden Reflexion sollte abermals das personal geführte Gespräch gesucht werden, wobei der Computereinsatz selbst Bestandteil der Analyse bzw. Reflexion sein sollte. In diesen verschiedenen Phasen des Unterrichts können der Computer, die Computersoftware oder das Internet also verschiedene Funktionen übernehmen: Lernanregung und Lernhilfe Informationsquelle
Werkzeug für die Erschließung von Informationen Werkzeug für die Be- und Verarbeitung von Daten Gegenstand von Analysen
Bereitstellung von Materialien für die eigenständige Bearbeitung Instrument der Kommunikation und Kooperation
Instrument der Speicherung und der Präsentation von Arbeitsergebnissen 9
4.3. Medienpädagogische Aspekte
4.3.1. Konzepte und Leitideen der Medienerziehung
Persönlichkeitsfördernder und sozial verträglicher Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken stellt sich nicht von selbst ein, sondern bedarf der pädagogischen Anregung und Unterstützung. Damit ergeben sich für Unterricht und Schule verschiedene Erziehungs- und Bildungsaufgaben. Dazu entstanden in der Medienerziehung fünf verschiedene Konzeptionen, die ich an dieser Stelle nur kurz aufführen möchte. 10
Beim behütend pflegenden Konzept geht es um die Sorge, dass Medien, die auf den Publikumsgeschmack ausgerichtet sind, zu einer kulturellen Verarmung führen könnten. Es entstanden somit das Prinzip der Behütung der Kinder und Jugendlichen vor Gefährdungen durch Massenmedien und das Prinzip des Vertraut machen mit wertvollen medialen Produkten.
Das ästhetisch-kulturorientierte Konzept ist ebenfalls durch zwei Prinzipien gekennzeichnet. Das eine ist das Prinzip der Kultivierung einer kritischen Einstellung zum Film und das andere ist das Prinzip der Wertschätzung des Films als Kunstform. Wichtige Ziele sind hier die Fähigkeiten, die Sprache angemessen zu verstehen, die ästhetischen Werte zu erfassen und Inhalte hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen, ethischen und geistigen Qualitäten zu beurteilen.
9 Vgl. Ebd., Seite 94 f.
10 Vgl. Ebd., Seite 124 ff.
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Nach dem funktional-systemorientierten Konzept soll der Mensch zum mündigen Individuum und Mitmenschen erzogen werden. Das Konzept ist in drei Teilziele aufgesplittet. Das erste ist das Verstehen der Medienangebote und der Zusammenhänge im Bereich der Massenkommunikation. Das nächste ist das Beurteilen der Medienangebote im Kontext der Massenkommunikation und ihrer gesellschaftlichen Funktion. Und das letzte ist das Einordnen der eigenen Teilhabe am Massenkommunikationsprozess im individuellen Lebenszusammenhang.
Das kritisch-materialistische Konzept zielt auf eine Befähigung zur Ideologiekritik ab. Das heißt, Medienprodukte, Mediensituationen und die eigene Rezeptionssituation im gesellschaftlichen Ganzen soll kritisch betrachtet werden können. Das handlungs- und interaktionsorientierte Konzept strebt den Erwerb von Einsichten in Prozesse medialer Kommunikation, die Entwicklung von Rezeptions- und Produktionskompetenz und die Befähigung zu selbstbestimmten und situationsangemessenem Handeln im Medienbereich unter Beachtung sozialer und gesellschaftlicher Zusammenhänge an.
4.3.2. Konzeptionelle Überlegungen zur informationstechnischen Grundbildung Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung nennt zur Einbeziehung von Computern in den Bildungsprozess zwei Prinzipien: 1. Das Durchschauen der Computertechnologie und ihrer Anwendungen. 2. Die verantwortungsbewusste Nutzung der Computertechnik und ihrer Anwendungen zur Förderung von Wirtschaft und Gesellschaft. 11
Dazu werden dann noch folgende Ziele genannt:
Die Aufarbeitung und Einordnung von individuellen Erfahrungen mit In-formationstechniken.
Die Vermittlung von Grundstrukturen und Grundbegriffen, die für die In-formationstechniken von Bedeutung sind.
Die Einführung in die Handhabung eines Computers und dessen Peripheriegeräten.
Die Vermittlung von Kenntnissen über Einsatzmöglichkeiten und die Kontrolle der Informationstechniken.
Die Einführung in die Darstellung von Problemlösungen in algorithmischer Form.
Die Gewinnung eines Einblicks in die Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung.
Die Schaffung eines Bewusstseins für die sozialen und wirtschaftlichen
Die Darstellung der Chancen und Risiken der Informationstechniken sowie der Aufbau eines rationalen Verhältnisses zu diesen. Die Einführung in Probleme des Persönlichkeits- und Datenschutzes. 12
11 Vgl. Ebd., Seite 142 ff.
12 Vgl. Ebd., Seite 144
Seite 16
In Nordrhein-Westfalen z.B. werden zur informations- und kommunikationstechnischen Grundbildung folgende drei Aufgaben genannt: 1. Anwendungen kennen lernen 2. Grundstrukturen und Funktionen untersuchen 3. Auswirkungen reflektieren und beurteilen 13
In Bayern hingegen wird das Gesamtkonzept für die informationstechnische Bildung in der Schule nach den folgenden Gesichtspunkten gegliedert: Bedeutungen und Auswirkungen des Computers Nutzung des Computers Algorithmik Datenverarbeitung als Lerngegenstand Computer als Medium 14
In jedem Fall gehört die Reflexion über die Auswirkung der modernen Technologien zur informationstechnischen Grundbildung. Weiter sollen grundsätzliche Funktionen der Computertechnik bekannt sein. Und die praktische Nutzung des Computers bzw. das Kennen lernen von Anwendungen gehört ebenso unbedingt dazu.
4.4. Merkmale von Computer-Software
Für einen Pädagogen, der seinen Unterricht durch die Arbeit mit Computersoftware bereichern will, ist es sehr wichtig, zu wissen, welche Merkmale es gibt, die man bei jedem Softwaretypus überwiegend finden sollte. Im Groben unterscheidet man hier vier Hauptmerkmale: 1. die „Interaktivität", 2. die „Individualisierung" 3. die „Adaptivität" 4. die „Kontrollinstanz". 15
Eine Computersoftware ist in dem Maße als ´interaktiv` zu bezeichnen, in dem die Abfolge, die Auswahl und der Darbietungszeitpunkt der zu übermittelnden Informationen wesentlich durch Aktionen bzw. Reaktionen des Benutzers (Lerners) bestimmt wird. Der Begriff „Interaktivität" beschreibt also eine Reihe von Eingriffs-und Steuermöglichkeiten des Benutzers. Versteht man nun motiviertes Lernen als aktiven Einbezug des Lernenden in das Lerngeschehen, so kann diese gleichermaßen durch interaktive Techniken gefördert werden.
„Individualisiertes Lernen findet nun also dann statt, wenn die Interaktivität eines Programms die Auswahl und die Darbietung von Lerninformationen ermöglicht, die den jeweiligen Interessen und Lernbedürfnissen des Lernenden an einer bestimmten Stelle im Lernprozess entsprechen.“ 16 Von großer Bedeutung dafür sind angemessene Formen der zyklischen Rückkopplungen (Feedbacks), durch die im individuellen Lerntempo vorangeschritten werden kann.
13 Vgl. Ebd., Seite 145
14 Vgl. Ebd., Seite 145
15 Vgl. HUSEMANN: Computerunterstütztes Lernen - Der programmierte Unterricht, 2004
16 Ebd.
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Ein interaktives Programm ist nun noch adaptiv, wenn das Verhalten des Programms an den Merkmalen des Individuums (des individuellen Lerners) orientiert ist. Vor allem das jeweilige Vorwissen, die individuell benötigte Lernzeit, die Lese-und Verarbeitungsgeschwindigkeit, systematische Fehler des Lernenden sowie die individuellen Lernstrategien sind dabei durch das Programm zu berücksichtigen. Eine Kontrollfunktion muss bei einem Lernprogramm vorhanden sein, um die Funktionen des Programms erfüllen zu können. Es müssen also bestimmte Leitlinien vorhanden sein, damit der Lernende die Möglichkeit haben, die eigenen Lernprozesse einschätzen zu können. Durch die Kontrolle wird der persönliche Lernprozess beurteilt und für die Anwender wahrnehmbar.
4.5. Motivation und Lernen mit Computer-Software
Was bewegt einen Menschen, sich für etwas anzustrengen? Es ist die Motivation. Motivationsprozesse sind Verhaltensweisen, die von der Persönlichkeit eines Menschen und dessen Umwelt abhängig sind. Diese Variablen können wiederum geändert werden, um die Motivation von Schülern zu steigern. Motivation ist daher „die Absicht oder Bereitschaft einer Person sich in einer konkreten Lernsituation intensiv und ausdauernd mit einem Gegenstand auseinander zu setzen." 17 Dabei unterscheidet man die extrinsische von der intrinsischen Motivation, wobei beide Begriffe sehr eng mit dem Begriff des Interesses und der Leistungsmotivation verknüpft sind. In diesem Abschnitt soll kurz aufgezeigt werden, wie Schüler bei der Arbeit bzw. beim Lernen mit Computersoftware allein schon durch die Software motiviert werden können.
Die Motivation kann auch ohne ständiges Loben, durch interessante inhaltliche Aufbereitung eines Sachverhaltes gefördert werden. Z.B. können bei Lernprogrammen überraschende Elemente wie animierte Grafiken o.ä. mit einbezogen werden. Außerdem wirken bekannte Beispiele in der Anfangsphase oder einmalige und ungewöhnliche Kontexte, wie z.B. das Gesetz von Angebot und Nachfrage am Beispiel von Marihuanapreisen, ebenso motivationsfördernd. Dem entgegen könnten sich methodisch undurchdachte Animationsgrafiken demotivierend auf Schüler auswirken, denn viele Animationsgrafiken wollen keinen Sachverhalt verdeutlichen, sondern lediglich etwas Spaß beim Benutzer erzeugen. Computerspezifische Reize, wie z.B. Farbe oder Schrift können für Schüler ebenfalls motivierend wirken, wenn sie angemessen aufgeboten werden. So kann die Verwendung von Darstellungen in Form von statischen oder dynamischen Grafiken Inhalte näher erklären und zusätzlich dazu die Verwendung von bekannten Beispielen zur Erlangung von Kenntnissen bei Schülern führen. Äußerst wichtig ist dabei auch die Verwendung einer verständlichen Sprache, so dass man eben nur wenige Fremdwörter und kurze Sätze in einem Programm einarbeitet, damit die Lernenden nicht schon beim Lesen die Lust verlieren, weiterhin mit dem Programm zu arbeiten.
Eine gute Software sollte außerdem die Möglichkeit bieten, Hilfen zur Steuerung zu geben. Fest steht auch, dass durch eine überladene Kombination von Bild-, Ton- 17 Ebd.
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und Textinformationen häufig zu komplexe Aussagen entstehen, die deren Verständnis erschweren. Zuwenig stimulierte Details jedoch wirken ebenso aversiv und dysfunktional. Es muss daher ein gesundes Maß zwischen beidem gefunden werden, wenn es darum geht den Schüler zu stimulieren und motivieren. Simulative Elemente verdeutlichen in Form eines Modells die funktionalen Zusammenhänge der Realität und können somit unterschiedliche Arten des Lernens fördern. Experimente, die im konventionellen Schulversuch schlecht oder gar nicht durchgeführt werden können, wie z.B. die Explosion einer Bombe, können so in Form einer Simulation dargestellt werden und den Erfahrungsbereich der Schüler erweitern. Motivationssteigernd wirkt dabei das Überprüfen von Hypothesen aus der Simulation sowie das Ausprobieren von verschiedenen Strategien.
4.6. Lernen mit dem Internet
Seit dem es Schulen gibt, wird überlegt, wie man das Lernen für die Schüler noch einfacher und interessanter gestalten kann. Immer wieder, wenn ein neues Medium erfunden wird, kommt die Frage auf, ob es sich im Unterricht und/ oder beim Lernen einsetzen lässt. Eines der wohl neuesten Medien ist nun mal das Internet und schon seit einiger Zeit wird darüber diskutiert, ob und, wenn, wie das Internet ebenfalls für den Unterricht herangezogen werden kann.
Das Wichtigste Ziel der Schule ist es, die Schüler auf ihren Beruf vorzubereiten. Noch immer können viele junge Menschen nicht angemessen mit einem Computer umgehen, was aber in vielen Berufen inzwischen Voraussetzung ist, weil ein Betrieb ohne Computer nicht mehr effizient zu führen und zu finanzieren wäre. Da durch das Internet nun die Globalisierung noch weiter fort getrieben und wirtschaftlicheres Arbeiten möglich wird, wird der Umgang mit dem Internet wohl in Zukunft von noch größerer Bedeutung werden. Deshalb ist es auch unbedingt nötig, das Internet vermehrt in den Lernprozess mit einzubauen.
Am häufigsten findet man heutzutage leider die Situation, dass nur ein oder einige Rechner über einen Internetanschluss verfügen und diese nur selten von Schülern außerhalb des Unterrichts genutzt werden können. Bei der Nutzung des Internets sowohl im als auch außerhalb des Unterricht haben sich bereits einige Vorteile für den Unterricht und den Lernprozess abgezeichnet:
Man hat Zugriff auf aktuellste Informationen aus aller Welt, die Schulbücher - undArbeitshefte meist nicht bieten können.
Man muss nicht ewig in Bibliotheken suchen, um etwas zu finden, sondern - nutzteine Suchmaschine, die zum Thema passende Seiten angibt. Was das Internet am meisten auszeichnet sind seine multimedialen Möglich- - keiten- man kann nicht nur einfach Texte lesen, sondern auch zu fast allen Themenbereichen Bilder, Soundtracks und Videoclips abrufen und sogar in Foren mit Experten darüber diskutieren.
Einige Zeitungen und Zeitschriften bieten Online-Dienste an, was das teure - Abonnierenerspart.
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Man darf auch nicht vergessen, dass die Daten im Internet bereits digital sind, - alsonicht erst abgetippt werden müssen, sondern können gleich im Computer beispielsweise zu einer Facharbeit weiterverarbeitet werden. Den Schülern wird die Kommunikation mit Schülern aus aller Welt über E- - Mailoder Chat ermöglicht, was vor allem bei den Fremdsprachen zu einer Erweiterung des Wortschatzes beiträgt.
Außerdem muss man sehen, dass das Internet permanent im Wachstum steht - unddie Möglichkeiten in fast allen Bereichen noch nicht ausgereizt sind. Wo es Vorteile gibt, werden natürlich auch immer wieder Nachteile sein, so auch bei der Nutzung des Internets:
Viele rechtliche Fragen (z.B.: Copyright, Nachdruck usw.) sind noch unge- - klärt.
Weil das Internet mittlerweile sehr bedeutend ist, sind oft unzählige Daten - verfügbar,sodass man bei der Suche nach Informationen zu einem bestimmten Thema häufig eine Vielzahl von Seiten durchsehen muss, bis man etwas brauchbares gefunden hat.
Die Masse der Informationen besteht dann meist auch noch aus überflüssigen - Materialund es ist ziemlich schwer, die gewünschten Informationen aus dieser Fülle von Informationen herauszufiltern.
Da sehr viele Menschen Zugriff auf das Internet haben, wird es immer Seiten - geben,die falsche oder unqualifizierte Informationen beinhalten, sodass besonders Schüler oder Laien nicht immer hundertprozentig sicher sein können, ob die Informationen auch wirklich richtig sind.
Durch die Fülle von Datenbeständen, die auch viele fertige Arbeiten enthalten, - istes für den Lehrer nur schwer zu überprüfen, ob Arbeiten von den und Schülern selbst geschrieben wurden oder nicht.
Für die Arbeit am Computer und im Internet ist einiges an Vorwissen vonnö- - ten,sodass es durchaus passieren kann, dass unerfahrene Schüler aus Versehen Dinge bestellen oder Daten von der Festplatte löschen. Dem entgegen könnte es aber auch der Fall sein, dass Schüler dem Lehrer, - wegendessen mangelnden Ausbildung, völlig überlegen sind und somit für diesen unkkontrollierbar werden.
Die Schüler haben dazu unbeschränkten Zugriff zu rassistischen, nationalsozi- - alistischen(z.B.: Neo-Nazi-Gruppen) oder pornographischen Materialien. Bei den Nachteilen ist allerdings die Frage, wie weit sie sich vermeiden lassen. So können beispielsweise spezielle (z.B. pornographische) Websites für den Zugriff gesperrt werden. Weiter existieren heute schon Programme, die das Internet nach identischen Formulierungen einer Arbeit absuchen, sodass der Lehrer herausfinden kann, wenn eine Arbeit komplett oder größtenteils aus dem Internet übernommen wurde. Informationen suchen und dann aus zahlreichem überflüssigen Angaben herauszusuchen kann so auch eine Lernherausforderung sein. Es gilt also auch hier für jeden, die Vor- und Nachteile abzuwägen und einen angemessenen Konsens für sich selbst zu finden.
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4.7. Computer und Internet im Kontext der Schulentwicklung
4.7.1. Zur Infrastruktur der Computereinrichtung an den Schulen TULODZIECKI beschreibt in seinem Buch „Computer & Internet im Unterricht -Medienpädagogische Grundlagen und Beispiele“ verschiedene Möglichkeiten einer Computereinrichtung bzw. -ausstattung an den Schulen. Dabei unterteilt er diese Einrichtung in unterschiedliche Klassenraum-, Fachraum- und Zusatzraumausstattungen. 18
Zu einer Klassenraumausstattung zählt er die Präsentationsausstattung, das heißt einen Zentralrechner mit einem Beamer oder einer elektronischer Tafel, die sogenannte Medienecke, damit sind ein oder einige nicht zentral aufgestellte, flexibel einsetzbare Rechner gemeint, und die Laptopausstattung für alle Schüler (möglicherweise sogar funkvernetzt).
Bei der Fachraumausstattung nennt TULODZIECKI die Vollausstattung, also Einzelarbeitsplätze für alle Schüler, das bedeutet der Computer ist hier das zentrale Arbeitsmittel und Werkzeug im Unterricht, die mobile Einheit, das heißt ein Rechner (gegebenenfalls auf Rollwagen) mit speziellen Peripheriegeräten (sozusagen ein Computer für besondere Aufgaben), die schon genannte Medienecke für Informationen, Recherche, Simulation oder Experimente durch Schülergruppen und wieder die Laptopausstattung.
Als Zusatzraumausstattungen bezeichnet TULODZIECKI sogenannte Poolräume, also eine größere Anzahl von Computern mit Internetzugang zur Kommunikation, In-formation, Recherche, zum Spiel oder zur Unterhaltung, diverse Medienwerkstätte, die aus einer größeren Anzahl von Computern mit Internetzugang, unterschiedlichen Peripheriegeräten (Scanner u.ä.) und spezieller Software besteht und Schulbibliotheken bzw. -mediotheken, das heißt einzelne onlinefähige Computer. Ebenfalls bietet sich die Vernetzung von möglichst allen Computern innerhalb einer Schule - ein sogenanntes Intranet - gut an. Dadurch können Arbeitsergebnisse unter den Schülern sowie mit den Lehrern ausgetauscht werden. Weiterhin ist damit der Zugriff auf Arbeitsmaterialien oder Software vom Hauptcomputer und das Abspeichern der einzelnen, persönlichen Arbeitsergebnisse auf diesem zentralen Schulserver möglich.
Da Computer und die dazugehörige Software nicht gerade sehr billig sind, ist der Schuletat oftmals nicht ausreichend, um eine Computerausstattung anzulegen. Neben dem Schuletat gibt es allerdings noch andere grundsätzliche Möglichkeiten, finanzielle Mittel aufzubringen, wie z.B. Trägervereine, private Spenden, Kooperationen mit Industrie und Wirtschaft (Sponsoring) oder Werbung.
4.7.2. Medienpädagogische Kompetenz als Aufgabe der Lehrerbildung Um in der Schule medienpädagogisch wirksam zu werden muss ein Lehrer selbst erst einmal eine gewisse medienpädagogische Kompetenz erwerben und ausbilden. Dies fängt nicht zuletzt bei der Lehreraus- und -fortbildung an. Dabei lassen sich fünf Zielbereiche für die Lehrerbildung aufzeigen:
18 Vgl. TULODZIECKI: a.a.O., Seite 165 f.
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1) Die Stärkung der Medienkompetenz einschließlich der angemessenen technischen Handhabung von Medien und Informationstechniken. 2) Der Erwerb von Kenntnissen zur und Sensibilität für die Bedeutung von Medien für Kinder und Jugendliche.
3) Die Befähigung zur reflektierten Nutzung von Medien und Informationstechniken für Lehren und Lernen.
4) Die Befähigung zur Wahrnehmung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Bereich von Medien und Informationstechniken. 5) Die Befähigung zur Mitwirkung an der Gestaltung medienpädagogischer Konzepte in der Schule.
Es geht also darum, dass ein Lehrer in der Lage ist, selbst mit Computersoftware umzugehen, den Sinn und die Möglichkeiten dieser Anwendungen versteht und möglichst akzeptiert und fähig ist, den Computer nicht nur als Medium, sondern als elementaren Bestandteil des Unterrichts zu sehen. Zudem muss er diese Fähigkeiten, Einsichten und bestenfalls eine optimale Begeisterung gleichermaßen an die Schüler übertragen und weitergeben. Und all dies ist nur möglich, wenn dieser Mensch seine pädagogischen Bemühungen von Grund auf darauf abstimmt, was die schulische und spätere universitäre Ausbildung allenfalls mit einbezieht.
4.8. Aus der pädagogischen Diskussion
Im folgenden möchte ich kurz einige Einblicke in die Diskussion um die Verwendung von Computern im Unterricht geben. Ich werde dazu einige argumentative Schwerpunkte aus der pädagogischen Diskussion nennen, wie sie in ähnlicher Form bei Claus HAGEMANN zu finden sind.
Er nennt zu Anfang HAEFNER und BECKURTS, die eine Gefahr für die qualitative und quantitative Ausbildung der jungen Generation in Deutschland sehen. 19 Sie fordern die Schule auf, ihren Beitrag zum Erhalt des gesellschaftlichen, politischen und auch technischen Status Quo zu leisten. Damit meinen sie, dass die Schule technische Neuerungen in den Qualifizierungsprozess integrieren und die jungen Menschen auf den späteren Umgang mit eben diesen Neuerungen vorbereiten muss. Einige Vertreter sehen dabei Qualifizierungsbedarf in den computerbeeinflussten Bereichen Schule, Arbeit und Freizeit - auch für (geistig- und lern-) behinderte Menschen. HEINEMANN z.B. geht es um den Bildungsprozess. 20 Er sieht im Computer Möglichkeiten zur Simulation, Individualisierung, Motivation der Schüler und vermutet ähnlich positive Verstärkungen wie sie früher Medien wie z.B. Mikroskope und Videorecorder gebracht haben.
SCHMITZ wiederum spezifiziert den Computer für den Bereich der Förderung. 21 Der Computer dient hier dem Training von Wahrnehmung, Auge-Hand-Koordination, Abstraktionsvermögen und Denken. Außerdem können mit ihm Lernwege besser nachvollzogen werden.
19 Vgl. HAGEMANN: a.a.O., Seite 126
20 Vgl. Ebd., Seite 127
21 Vgl. Ebd., Seite 127
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Andere Autoren sehen noch die Möglichkeit der Gestaltung von Lernen in der Schule, d.h. der Computer bringt Spaß und Freude in die Schule. Wieder andere nennen die Erweiterung diagnostischer und rehabilitativer Möglichkeiten oder den Ausschluss (v.a. geist- und lern-) behinderter Kinder aus der „Welt der Neuen Technologien“ und damit verbunden das Problem bzw. die Möglichkeiten der Integration. 22 Kritiker (wie z.B. HENTIG) sehen das Problem der Wirklichkeitsvermittlung. 23 Der Computer als Medium ist zwar Teil der Wirklichkeit, aber er kann diese nur „aus zweiter Hand“ vermitteln. Eine ursprüngliche individuell gemachte Erfahrung ist also nicht möglich. Es ist nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit verfügbar. Außerdem können die Computerdaten einem faszinierten Benutzer die reduzierte Wirklichkeit als die wesentliche erscheinen lassen.
In der didaktischen Dimension richtet sich die Kritik auf die Qualität des Lernens. RUMPF und BAUERSFELD z.B. sehen diese Lernqualität durch die eben genannte Reduktion gefährdet. 24 Lernen könnte sich hiernach nur noch in präparierten Lernschnellwegen abspielen. Damit seien auch Handlungs- und Diskursmöglichkeiten reduziert. Statt einer Befreiung schaffe der Computer nur neue Abhängigkeit und Anpassungsdruck.
4.9. Zusammenfassende Betrachtungen
Die Gesellschaft, in der wir heute leben ist durch eine schnelle technische Entwicklung und einen Boom der Informations- und Kommunikationstechniken gekennzeichnet. Sie wird häufig als "Informationsgesellschaft" bezeichnet. Der Bildungsauftrag der Schulen muss somit auch dahingehend überdacht werden, dass Schülern grundlegende Fertigkeiten für einen interaktiven Umgang mit dem Computer vermittelt werden und deren „Medienkompetenz" gefördert wird. Aufgrund dieser schnellen technischen Entwicklung im Bereich „Multimedia" und Computer wird seit Jahrzehnten die Möglichkeit erkannt, „Multimedia" und den Computer zur Unterstützung von Lernprozessen zu nutzen.
Die Fähigkeit, sich selbstständig Wissen beispielsweise durch Lernsoftware zu erarbeiten, bietet dem Schüler die Möglichkeit, sich in der Schule, im Beruf bzw. in jeglichen Lebensbereichen eigenverantwortlich zurechtzufinden und sich neuen Situationen und Anforderungen anzupassen.
Der Computer ist mehr als nur ein neues Medium. Er ist etwas, das „ [...] als Teil einer allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung zu einer größeren Technisierung und Komplexität der Wirklichkeit gelten kann“. 25 Die Schule kann sich dabei nicht darauf beschränken, lediglich die Heranwachsenden in Hinblick auf die Welt von morgen mit der Bedienung der neuen „Werkzeuge“ vertraut zu machen. Schon gar nicht darf die Schule zu einer „Gegenwelt“ oder einem „Schonraum“ vor einer wachsenden Medialisierung werden und die Konfrontation mit den neuen Technologien voll und ganz der außerschulischen Medienwelt überlassen.
22 Vgl. Ebd., Seite 128
23 Vgl. Ebd., Seite 128
24 Vgl. Ebd., Seite 129
25 RITTER (Hrsg.): Computer und handlungsorientierter Unterricht. Zur allgemeinen und fremdsprachendidaktischen Reichweite eines neuen Mediums, Donauwörth, 1995, Seite 43
Seite 23
Das Lernen mit Computersoftware kann didaktisch aber nur unterstützende Funktion haben, denn emotionale und soziale Erfahrungen können so nicht wirklich vermittelt werden, außerdem ist mit Computersoftware kein direkter Umgang mit Umwelt bzw. Natur möglich und auch kein konkretes Experimentieren. Diese können lediglich simuliert werden. So kann eben ein Programm zwar durch Gestaltung, aber eben nicht durch Blickkontakt motivieren - die sozialen und affektiven Lernziele können damit also nicht erreicht werden.
Damals wie heute wird das Lernen mit Computersoftware insgesamt als kritisch erachtet. So begünstigt es zwar die Förderung und Entwicklung von Kritikfähigkeit, Kreativität und moralischer Urteilskraft der Lernenden, steigert aber im Gegenzug dazu die soziale Isolation. Es kommt nun deshalb darauf an, dass der Computer zu einem selbstverständlichen Bestandteil alltäglichen Unterrichts werden sollte, sodass seine Grenzen und Möglichkeiten handelnd erfahrbar werden und die Schüler zunehmend zu einer reflektierten und verantwortungsvollen Nutzung gelangen können. Auch wenn es verschiedene Extrema gibt, was die Ansicht des Computers als didaktisches Medium betrifft (z.B. ARMBRUSTER: „Das perfekte Unterrichtsmedium ist in Sicht“ 26 ), kann man wohl konsensfähig einschätzen, dass sich der Computer von einer Rechenmaschine für Spezialisten (Mathematiker, Physiker, Techniker u.a.) zum universell einsetzbaren Werkzeug der Informationsverarbeitung für alle entwickelt hat.
Und so bringt das Lernen mit Computersoftware für den Lernenden und den Lehrenden einige Vorteile. Dabei bestimmen viele Faktoren die Motivation der Schüler beim Umgang mit diesem Medium. Diese Art des Lernens ist daher eine „neue" Un-terrichtsform, die genutzt werden kann, um den Unterricht interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Lernprogramme können und sollten jedoch nie den Lehrer ersetzen (wollen), sondern sollten ihn lediglich in seiner Lehrtätigkeit unterstützen. Wenn Programme im Unterricht eingesetzt werden, kann auf vorbereitende, betreuende oder nachbereitende Tätigkeiten von Pädagogen nicht verzichtet werden.
26 Ebd., Seite 98
Seite 24
Im vergangenen Kapitel wurden nun die Chancen aber auch die Gefahren durch den Einsatz von Computersoftware im täglichen Unterricht erarbeitet. Es ist somit klar, dass der Computer nicht mehr wegzudenken ist aus einer Gesellschaft, die so stark durch Kommunikation, Kooperation, Interaktion und Informationen geprägt ist. Der Computer und damit auch Computersoftware und Internet gehören zu den neuen Medien, die eine Vielzahl verschiedener, komplex mit einander kombinierbarer Möglichkeiten bieten, um das schulische und außerschulische Lernen optimal zu gestalten und zu unterstützen. Computersoftware ist mehr geworden als nur ein Unterrichtswerkzeug, sie kann nämlich zum elementaren Bestandteil davon werden. Diese Betrachtungen sind bisher allerdings sehr allgemein gehalten wurden, d.h. die bisher erarbeitete Theorie ist gut anwendbar auf eine „normale“ Schule, ganz gleich ob Grund-, Haupt-, Sekundarschule oder Gymnasium - auch wenn für jeden Schultyp unterschiedliche Akzentuierungen zu setzen sind. Nun gibt es aber auch verschiedene Schulen für Schüler mit speziellen Förderbedarf, wie z.B. im Bereich Motorik, Kognition, Sensorik, Kommunikation, Emotion, Verhalten. Also entsteht zwangsläufig die Frage, ob und warum Computersoftware auch in Schulen, die solche Schüler fördern, Anwendung finden kann oder vielleicht erst recht genutzt werden sollte oder müsste. Diese Frage soll den Rahmen dieses Kapitels stellen. Wie der Titel der Arbeit „Lernen mit Computer-Software: Möglichkeiten an der Schule für Lernbehinderte“ schon sagt, soll diese Frage hier lediglich für Schulen für Lernbehinderte erörtert werden.
Um die Auseinandersetzung mit diesem Themenschwerpunkt zu erleichtern möchte ich meine Antwort auf diese Frage hier schon einmal vorwegnehmen. Ich bin der Ansicht, dass gerade an Schulen für Lernbehinderte (und sicher auch an anderen Sonderschularten) der Einsatz von Computersoftware gefordert und gefördert werden sollte. Diese Antwort möchte ich nun im Folgenden unter verschiedenen Aspekten, wie z.B. Motivation, Differenzierung, Berufsvorbereitung begründen. Dazu muss allerdings gesagt sein, dass sich diese Punkte nicht wirklich trennen lassen. Vielmehr greifen sie mehrfach ineinander und fördern sich somit gegenseitig.
5.1. Motivation
Z.B. KLEIN bezeichnet es als eine „Binnenweisheit“, dass effiziente Lernprozesse Motivation beim Lernenden voraussetzen. Will man nun also im Schwerpunkt Lernen fördern, so ist ein Schlüsselelement die Achtgabe auf die Motivation der Lernenden. Und auch in Abschnitt „4.5. Motivation und Lernen mit Computer-Software“ (s.S. 18) wurde schon erwähnt, dass die Motivation uns dazu bewegt, uns für etwas anzustrengen. Weiterhin wurde gesagt, dass es möglich ist, diese Motivation zu steigern. Das heißt also, dass die Motivation ein sehr wichtiges Moment bei der Förderung von Schülern mit speziellen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen ist. Ein Lehrer muss nun versuchen, im Schüler die Lernbereitschaft zu gewinnen, indem er Lernbedürfnisse weckt. Dazu muss er dann Gelegenheiten und Anreize anbieten, diese zu erfüllen. Um beim Schüler eine positive Einstellung zum Lernstoff und die Freude am Lernen zu erreichen, muss ein Lehrer permanent versuchen, die Motivation aufrechtzuerhalten. Er sollte somit ein professioneller „Motivierer“ sein, wobei es kein festes Schema und keine ideale Strategie dazu gibt, denn Motivation ist ein individueller Vorgang, der allerdings externe Anregungen gut verträgt.
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5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
Der Computer und damit verschiedene Computersoftware bieten hier eine gute Möglichkeit, dem Lehrer einiges an (Motivations-) Arbeit zu erleichtern. Aus Abschnitt „4.5. Motivation und Lernen mit Computer-Software“ (s.S. 18) wissen wir bereits, dass Schüler aus verschiedenen Gründen beim Lernen allein durch den Einsatz von Computersoftware schon motiviert werden können. Und da ein Lehrer auch nur ein Mensch ist, ist es ihm nur äußerst schwer oder gar unmöglich, sich auf alle Schüler einer Klasse - auch wenn sie von relativ geringer Frequenz ist - zu konzentrieren und alle möglichst oft zu motivieren, denn wir wissen ja, dass Motivation für jedes Individuum spezifisch ist und daher nicht allgemein, gleichermaßen für alle stattfinden bzw. gefördert werden kann. Der Computer verbindet verschiedene Medienmerkmale und heißt deshalb auch Multimedia. Das bedeutet für den Lehrer überdies, dass der Computer verschiedene Aspekte der Motivation in sich birgt. Diese treten meist noch möglichst simultan und nicht selektiv auf, sodass die Schüler den eigenen Interessen, Neigungen und Wünschen entsprechend filtern können. Auf diese Weise kann der Computer und seine Software viele individuelle Bedürfnisse zugleich ansprechen.
Die individuelle Arbeitsweise ist eine weitere Möglichkeit die Motivationsprozesse zu optimalisieren. Das ist darin zu begründen, dass wir ja aus der Psychologie wissen, Lernen findet immer selbsttätig und individuell auf der Grundlage von Vorerfahrungen statt und der schulische Auftrag kann nunmehr in der Erweiterung der persönliche Eigenwelt gesehen werden. Weil das Lernen obendrein auch persönlich gewollt (also motiviert) sein muss, sollte es notwendigerweise auch lebensbedeutsam sein. Dies setzt unter anderem die persönliche Betroffenheit voraus, die durch eine (mit-) verantwortliche Teilnahme schon gut erreicht werden kann. 27 Und hier gibt es ebenso gute Möglichkeiten allein durch den Einsatz von Computer, Software und Internet. Doch dazu werde ich erst im Abschnitt „5.3. Individualisierung und Differenzierung“ (s.S. 28) näher eingehen.
Ein weiteres Motivationsplus bietet das Lernen mit möglichst vielen oder gar allen Sinnen, also die sensorische Integration. So ist, wie oben schon geschildert, die Gestaltung eines Programms, d.h. die Wahl von Inhalt, Format (Farbe, Schriftart etc.) Grafik, Animation, Sounds usw. und vor allem deren Kombination von hoher Bedeutung und eine weiterer Befürwortungsaspekt zum Einsatz von Computersoftware beim Unterrichten von Schülern mit speziellen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen zur Förderung der Motivation.
Förderung von Motivation heiß nunmehr nicht nur, Motivation aufzubauen, sondern auch einem möglichen Motivationsabbau bzw. -verlust vorzubeugen. Und nicht nur Misserfolgserlebnisse, sondern auch ein unzureichendes Anspruchsniveau können bewirken, dass die Schüler mit speziellen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen dem Unterricht gleichgültig oder ablehnend gegenübersteht. So fehlen oft spontanes Interesse, Neugierverhalten, Wissensbedürfnis und Lernbereitschaft. 28 SCHERER beschreibt „anspruchsvolles Lernen“ als Lernen mit möglichst viel Interak- 27 Vgl.BEGEMANN: Didaktische Konzeptionen in Schulen für Lernbehinderte. In: EBERWEIN (Hrsg.): Handbuch Lernen und Lern-Behinderungen. Aneignungsprobleme. Neues Verständnis von Lernen. Integrationspädagogische Lösungsansätze, 1996, Seite 105
28 Vgl. SCHERER: Entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht der Schule für Lernbehinderte, Heidelberg, 1995, Seite 41
Seite 26
5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
tivität, Kommunikation und Kooperation. 29 Und genau diese Kategorien gehören doch auch zur Beschreibung der Merkmale von Computersoftware. Im Abschnitt „4.4. Merkmale von Computer-Software“ (s.S. 17) habe ich die Interaktivität als ein elementares und eigentlich auch notwendiges Kennzeichen von Computersoftware aufgeführt. Kommunikation und Kooperation habe ich im Teilabschnitt „4.2.2. Unterricht mit Computer-Software aus didaktischer Sicht“ (s.S. 14) ebenfalls schon als eine mögliche Funktion von Computersoftware kategorisiert. Auch konkurrierende Beziehungen können die Motivation stark positiv beeinflussen. Durch die unterschiedlichen Opportunitäten der Kommunikation und Kooperation mithilfe von Computer, Software und Internet können vermehrt eben derartige Beziehungen aufgebaut, weiter entwickelt und unter anderem für den Unterricht verwendet werden.
5.2. Förderung sprachlicher Kompetenzen
Nach BEGEMANN ist die Sprache für die Schüler mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen ein zentraler, wenn nicht der wichtigste Faktor, um ihre Probleme zu verstehen und ihnen optimale Lernmöglichkeiten zu bieten. Er begründet dies in sechs Punkten:
1. Im Zentrum des Schulversagens stehen sprachliche Phänomene. 2. Förderbedarf besteht vor allem bei sprachlich gebundenen Aufgaben. 3. Intelligenztest weisen vor allem in sprachlichen Bereichen sozialschichtabhängige Unterschiede auf.
4. Englische und amerikanische Forscher haben eine spezifische Struktur der Sprachwelt für bestimmte Gruppen der Sozialschichten erhoben. 5. ‚Hilfsschulfamilien’ fallen im Allgemeinen durch soziokulturelle Besonderheiten und randständige Abgeschlossenheit auf.
6. Die Sprachkultur von Schülern mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen weisen mehrfach primitive Eigenheiten auf. 30
Mit einer Untersuchung hat KELLER bestätigt, dass die Sprache stark beeinflussbar zu sein scheint. So lässt sich durch die Förderung neben der Erhöhung der Handlungsfähigkeit eine Veränderung des Sprachverhaltens und des Wortgebrauchs erreichen. 31 Dazu folgert BEGEMANN, dass ein Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen nicht zwangläufig mit einer „unzureichenden“ Sprache einhergehen muss. Nach ihm muss ein Lehrer davon ausgehen, dass jeder Schüler andere Sprachgewohnheiten hat und die dem Lehrer gewohnte Hochsprache, v.a. die Schriftsprache, nicht unbedingt beherrschen. Er muss akzeptieren, dass viele die mündliche Sprachform gewohnt sind und die andere erst lernen und üben müssen. 32
29 Vgl. Ebd., Seite 38
30 Vgl. BEGEMANN: (Miß-)Deutungen der Sprache von »Lernbehinderten«. In: EBERWEIN (Hrsg.): a.a.O., Seite 135
31 Vgl. Ebd., Seite 142 f.
32 Vgl. Ebd., Seite 151
Seite 27
5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
Die Einsatz von Computersoftware im Unterricht erlaubt es dem Lehrer nun, die Schriftsprache mit der mündlichen Sprache zu kombinieren. So können Programme verwendet werden, in denen Arbeitsaufträge, Anweisungen und Hilfestellungen in geschriebener Form dargestellt aber permanent oder auf Wunsch auch vorgelesen werden. Dann gibt es auch Software, die anfangs mit leicht verständlichen Symbolen und/ oder Grafiken arbeiten, um Anweisungen zu geben, die im chronologischen Arbeitsverlauf mit diesen Programmen mehr und mehr durch sprachliche Formulierungen ersetzt werden. Und sicher gibt es auch noch weitere Optionen, wie die Sprache der Schüler elementar, wenn auch unbewusst und nebenbei gefördert und gefordert werden kann. Die Schüler haben somit die Chance, die Sprache in verschiedenen Dimensionen aufzunehmen, diese zunehmend miteinander zu kombinieren und dabei unbewusst - auch wenn es im Mathematik-, Biologie- oder Musikunterricht ist - ihre Fähigkeiten und Kompetenzen im Bereich der Sprache aufzubauen und weiterzuentwickeln.
5.3. Individualisierung und Differenzierung
BEGEMANN schreibt, dass die Schule nicht bei allen Schülern von der gleichen objektiven Kultur und Gesellschaftsstruktur ausgehen kann, sondern die Eigenheit jedes Individuums in unserer heutigen Industriegesellschaft respektieren muss. 33
In vielen didaktischen Konzeptionen spielt das Lebensbedeutsame eine wichtige Rolle. So geht BEGEMANN davon aus, dass Schüler nur lernen können, was für ihre Lebenswelt bedeutsam ist. Der Unterricht soll also an die individualspezifischen „Eigenwelt“ der Schüler anschließen, diese aber auch erweitern. 34 Aufgrund der vielfältig vorhandenen Lernerfahrungen, Lernstandniveaus und Genesen der verschiedenen Schüler folgt ja bekanntlich die Notwendigkeit der Differenzierung des Unterrichts. Da heutzutage die individuellen Förderpläne für jeden einzelnen Schüler zugrundegelegt werden, erweisen sich Differenzierung und Individualisierung sogar als obli-gatorisch, wobei die Auflösung der Klasse als soziales Gefüge unter keinen Umständen anvisiert werden sollte. Sie kann aber der Heterogenität der Schülerschaft und deren individuellen Fähigkeiten gerecht werden und sowohl Über- als auch Unter-forderung zu vermeiden versuchen.
Weil bei einer äußeren Differenzierung (z.B. der Wechsel in eine höhere oder niedere Klassenstufe in einem bestimmten Unterrichtsfach) Schüler leicht als „stärker“ oder „schwächer“ erkennbar und etikettierbar werden, sollte pädagogisch natürlich eine Binnendifferenzierung vorgezogen werden. Diese ist sehr ratsam, um die soziale Integration im Blick zu behalten und nicht den leistungsschwächeren Schülern zu Lasten zu fallen. Dabei tritt die Kontrolle durch den Lehrer automatisch zurück, was auch wieder andere Arbeitsmittel als unerlässlich erscheinen lässt. Eine vom Lehrer „auferlegte“ Differenzierung kann aber sehr schnell Fehleinschätzung in sich tragen. Daher ist eine flexible Differenzierung sehr ratsam. Am besten eignet sich die natürliche Differenzierung, wenn die Schüler selbst ihr Anforderungsniveau bestimmen können.
33 Vgl. Ebd., Seite 105
34 Vgl. SCHRÖDER: Lernbehindertenpädagogik. Grundlagen und Perspektiven sonderpädagogischer Lernhilfe, Stuttgart, 2000, Seite 201
Seite 28
5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
Und unter diesem Gesichtspunkt sind viele Computersoftwares optimal einzusetzen, so diese häufig die Möglichkeit besitzen, Arbeitsergebnisse zu speichern. Damit sind allerdings nicht nur die Endergebnisse gemeint, sondern auch die, die bis zu einem bestimmten persönlich bestimmbaren Zeitpunkt erbracht wurden. Können oder wollen die Schüler also aus irgendeinem Grund nicht mehr weiterarbeiten, so wird abgespeichert (gesichert) und beim nächsten mal an der Stelle weitergemacht, an der sie aufgehört haben. So kommt es nicht mehr zu Leerlaufphasen einiger Schüler, die auf den Lehrer warten müssen, während der andere Schüler in ihre Arbeit introduziert. Alle können gleichzeitig beginnen und abbrechen bzw. abschließen. Dazu kommt, dass jeder sein eigenes Tempo, in dem er vorgehen möchte, wählen und variieren kann.
Zudem können die Schüler bei vielen Computersoftwares ihre eigenen Einstellungen zum Format, also zur Farbe, Schrift, Größe, Hintergrund, Anordnung usw. vornehmen, sodass die Arbeitsumgebung auf dem Computer von vornherein sehr individuell und persönlich angelegt ist und jeder spürt, dass er für sich und nicht jemand anderen arbeitet.
5.4. Diagnostik
Wie und warum kommt ein Schüler an eine Schule für Lernbehinderte? Viele Menschen würden nun antworten: „Weil er lernbehindert ist.“ Dann stellt sich wieder die Frage: „Wer ist denn lernbehindert?“ KLAUER z.B. sagt, dass „Lernbehindert ist [...] wer die Schule für Lernbehinderte besucht.“ Aber diese Problematik soll jetzt nicht weiter erörtert werden, da es sonst weit über den Rahmen meiner Arbeit hinaus gehen würde. Fakt ist in jedem Fall, dass der sonderpädagogische Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen mittels eines diagnostischen Verfahrens ermittelt wird. Die Ergebnisse führen dann zu einem sonderpädagogischen Fördergutachten, welches festlegt, welchen Förderbedarf ein Schüler hat und wo diesem am besten entsprochen werden kann. Daran folgt ein sonderpädagogischer Förderplan, in dem steht, wie und woran die Förderung eines Schülers ansetzen kann und muss. Diese Förderpläne setzen wiederum ein permanentes diagnostisches Vorgehen bei jedem Schüler voraus. Das Bedeutet, dass u.a. Verhalten und Verhaltensänderungen ständig beobachtet, Leistungssteigerungen und Lernerfolge bewertet und neue Kompetenzen erkannt werden müssen - und das alles für jeden einzelnen Schüler. Das dies eine der schwierigsten Aufgaben eines Lehrers an einer Sonderschule (welchen Förderschwerpunktes auch immer) ist, wird wohl jedem klar sein. Es wird keinem Lehrer möglich sein, alle Schüler einer Klasse gleichzeitig gezielt zu beobachten und somit besteht immer die Gefahr, dass man vielleicht etwas übersieht, was immer dann eintritt, wenn man sich intensiv auf einen anderen Schüler konzentriert. Arbeiten die Schüler nun aber mit Computersoftware, so kann es dem Lehrer möglich sein, die Arbeitsergebnisse, Lernfortschritte und Fehlerpositionen für jeden einzelnen Schüler im Anschluss an den Unterricht zu analysieren, da diese bei den meisten Lern- und Übungsprogrammen (digital) gespeichert und bei Bedarf ausgedruckt werden können. In manchen Fällen liefern Programme auch Tipps, Hilfen oder Anregungen zur Auswertung der Ergebnisse (dazu kann sich ein Lehrer natürlich auch spezielle Software anschaffen). So bekommen die Schüler zum Einen im Unterricht nicht das Gefühl, permanent überwacht zu werden und zum Anderen hat der Lehrer mehr Zeit für Verhaltensbeobachtungen u.ä.
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5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
5.5. Ausgleich sozialer Benachteiligung
In der Schule für Lernbehinderte findet man überwiegend Migranten-Kinder und Kinder, deren Eltern arbeitslos, Sozialhilfeempfänger sind, die in Obdachlosen- oder Kinderheimen wohnen. Nur ganz selten entstammt ein Kind dieser Schulform der Mittelschicht. Lernbehinderung hat also scheinbar etwas mit sozialer Benachteiligung zu tun. So wird die Schule für Lernbehinderte auch häufig als Schule für sozial benachteiligte Schüler bezeichnet. 35 Bei BEGEMANN findet man Aussagen, wie z.B., dass das „Schulversagen als Versagen an Mittelschichtstandards“ 36 zu sehen ist.
Ein Ziel der Schule für Lernbehinderte kann oder muss es sogar sein, den Schülern dieser Schulform zu helfen, sich aus ihrer Randständigkeit zu befreien. Die schulische Förderung muss also auch zur Emanzipation der Schüler mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen beitragen, indem sie hilft, Wissen und Fertigkeiten zu erwerben, ohne die sie andauernd als Menschen auffallen würden, die den durch die Gesellschaft definierten Mindeststandards nicht genügen können. Zu diesen Fertigkeiten gehört auch der Umgang mit Computer, Software und Internet. Damit ist aber nicht nur das Spielen von PC-Games usw. gemeint. Vielmehr ist es notwendig, zu wissen, wozu ein Computer zu verwenden ist, was man mit Software anfangen kann und wie man sich im Internet zurechtfindet. Aufgrund des sozialen Standes der Familie haben viele Schüler der Schule für Lernbehinderte nur sehr veraltete und schon längst überholte oder gar keinen Computer zu Hause. Grundkenntnisse im Umgang mit Computer- oder computerähnlicher Technik gehört aber häufig zum Alltag in unserer heutigen Gesellschaft. Ob nun beim Kauf einer Fahrkarte an den computergestützten DB-Automaten, beim Suchen bzw. Ausleihen eines Mediums (Buch, CD, Video o.ä.) in der Bibliothek, beim Bedienen der immer moderner werdenden Überweisungscomputer verschiedener Geldinstitute, beim In-formieren im Berufsinformationszentrum (BIZ) - mehr und mehr werden Computertechniken weiteren Einzug in unser Leben erhalten. Und wenn die meisten Schüler dieser Schulform keinen Computer daheim haben, so ist es doch eine Pflicht der Schule, dies auszugleichen, indem sie es den Schülern ermöglichen, an einem Computer gearbeitet zu haben, Grundkenntnisse zu erwerben und elementare Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln.
Das ist aber noch nicht alles. Wenn ein Schüler stets ohne Computer auskommen musste und auch ausgekommen ist, dann kann eine Ablehnungshaltung gegenüber der kompliziert aussehenden Technik eingenommen werden. Hier muss die Schule erst einmal beginnen, den Schülern klar zu machen, warum ein Computer so wichtig ist, wieso es so vorteilhaft ist, mit diesem zu arbeiten. Bei der theoretischen Erörterung dieser Problematik mit Schülern mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen würde sicherlich keine bleibenden Impressionen hinterbleiben. So ist es also notwendig, dass die Schüler selbsttätig erfahren, dass Computer, Software und Internet die Arbeit und das Lernen nicht nur erleichtern, sondern auch verbessern und einstückweit vergnüglicher machen. Erst diese Erfahrungen und Einsichten werden die Schüler dann auch ermutigen, die nötigen Kompetenzen und vielleicht sogar noch mehr zu erwerben.
35 Vgl. MAND: Lernbehinderung als soziale Benachteiligung. In: EBERWEIN (Hrsg.): a.a.O., Seite 165 f
36 Ebd., Seite 169
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5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
5.6. Zukunftsperspektiven
Aufgrund der Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie PISA (Project International Student Assessment 2001) und auch deren neueren Ausführung dieser Studie zur Erfassung des Bildungsstandes wird die Forderung erhoben, den Bildungsauftrag der Schulen neu zu überdenken und die Qualität von Bildung zu verbessern. Schüler sollen nicht nur fachliches Wissen, sondern darüber hinaus allgemeine fächerübergreifende Kompetenzen, die als Schlüsselqualifikationen bezeichnet werden, erwerben. Diese Schlüsselqualifikationen befähigen den Menschen dazu, den sich ständig verändernden Anforderungen sowohl im schulischen als auch im beruflichen Leben gewachsen zu sein. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, müssen Menschen in der Lage sein, ihr Lernen selbstständig zu steuern. Dieses er-fordert wiederum die Kenntnis bestimmter Lernstrategien und die Fähigkeit, das eigene Lernen planen, überwachen und kontrollieren zu können. Hierbei geht es also nicht darum, was gelernt wird, sondern wie sich der Wissenserwerb vollzieht. Es hat leider den Anschein, als wäre gerade die Gruppe der Schüler mit speziellen Förderbedürfnissen, deren Berufsaussichten ohnehin sehr ungünstig aussehen, von der neuen Bildungsdiskussion ausgenommen. Dabei müssen gerade bei diesen Gruppen von Schülern besondere Bildungsanstrengungen unternommen werden, um sie berufs-vorbereitend zu qualifizieren. 37
Und einer der wichtigsten Gesichtspunkte für die Notwendigkeit und Legitimation der Schule für Lernbehinderte, aber auch eine ihrer zentralen Aufgaben war ja schon immer die Hilfe zur beruflichen Integration. 38 HILLER fordert dazu in seinem Buch „Ausbruch aus dem Bildungskeller. Pädagogische Provokationen“ eine realitätsnahe Schule, in der die Schüler Lebensbefähigung lernen und nicht nur Lern-, sondern auch Lebenshilfe erhalten. 39
HILLERs fünf Thesen zur Zukunftsperspektive von Schülern mit Förderbedarf im Förderscherpunkt Lernen führen zum einen zu der Forderung nach einer „realitätsnahen Schule“ und zum anderen bilden sie den thesenhaften Umriss eines neuen Konzeptes zur Allgemeinbildung. Und im Großen und Ganzen läuft es darauf hinaus, dass diese Schüler in Zukunft nach ihren Zukunftschancen beschrieben und nicht länger nur von ihrem defizitären Status her begriffen werden sollten. Aus der These, die besagt, dass „Schüler der Schule für Lernbehinderte [...] Menschen [sind], die in der Regel ihr künftiges Leben auf einer wirtschaftlich schmalen, oft ungesicherten Basis führen müssen“ 40 ergibt sich unter anderem die Forderung an eine realitätsnahe Schule nach der Entwicklung von Medien, welche die Chancen und Grenzen der Lebensführung vorführen. Welches Medium ist dafür besser geeignet als ein Computer.
37 Vgl. PEUTEN: Softwaregestützte Förderung des selbstregulierten Lernens. Speziell für Schüler mit Entwicklungsverzögerung, 2004.
38 Vgl. SCHRÖDER: Grundriß der Lernbehindertenpädagogik, Berlin, 1998, Seite 131
39 Vgl. BEGEMANN: Didaktische Konzeptionen in Schulen für Lernbehinderte. In: EBERWEIN (Hrsg.): a.a.O., Seite 106
40 HILLER: Ausbruch aus dem Bildungskeller. Pädagogische Provokationen, Langenau-Ulm, 1997, Seite 16
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5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
Mit den Thesen über die eingeschränkten Chancen bei privaten Beziehungen und den Familismus von Schülern der Schule für Lernbehinderte fordert HILLER unter anderem die Einschleusung in integrationsfähige und -willige Sozialgruppen. 41 Das Knüpfen von Kontakten mit anderen Menschen ist mithilfe von Computern und der entsprechenden Software über das Internet wesentlich komplikationsfreier machbar als in einer schwierigen natürlichen Umgebung. So ist auch Kommunikation und Kooperation eines der wichtigsten Charakteristiken der Computertechnik. Zwar wird oft auch kritisiert, dass dies die Gefahr in sich trägt, dass die Schüler den schwierigen direkten sozialen Situationen aus dem Weg gehen würden, um Konflikte zu vermeiden. Doch wenn bei den Schülern der Schule für Lernbehinderte die meisten Kontakte nur in der Familie liegen und sie sonst keine knüpfen können oder wollen, wo ist dann die Gefahr? Und die Kommunikation via Internet soll in solchen Fällen auch nur als ein fortwährender Anfang dienen, über den Kontakte gefunden, entwickelt und natürlich auch weitergeführt werden können. Sind diese Kontakte aber erst einmal stabiler geworden, so können sie durchaus in feste und „direkte“ Freundschaften münden.
Aus der These, „Schüler der Schule für Lernbehinderte sind Menschen, die in der Regel häufiger mit Institutionen öffentlicher Kontrolle, Beratung, Hilfe und sozialer Fürsorge in Zwangskontakt kommen“ 42 geht hervor, dass die Schüler auf diese Tatbestände eingestellt und zur bestmöglichen Befähigung zum qualifizierten Umgang mit diesen Institutionen gebracht werden müssen. Da nun viele dieser Institutionen zunehmend mehr mit Computern arbeiten und kommunizieren, ist es notwendig die Schüler, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf diese Ämter angewiesen sein werden, mit Grundkenntnissen und -fertigkeiten in diesem Bereich auszustatten. Zum Beispiel arbeitet wie schon oben geschildert das BIZ fast ausschließlich mit Computern, an denen Schüler und arbeitslose Menschen nach Stellen und Beschäftigungen suchen können. Viele Anträge für finanzielle oder materielle Hilfen müssen in gewissen Intervallen beantragt werden. Diese Anträge sind immer recht kompliziert und inhaltlich ändert sich in der Zeit selten viel. So bietet die Möglichkeit, diese Anträge auf einem Computer auszufüllen, zu speichern und/ oder auszudrucken eine erhebliche Erleichterung für beide Seiten. Dazu kommt noch, dass man über das Internet häufig Informationen finden kann, über die man sonst nicht verfügt, die aber doch erheblich zum Lebensniveau beitragen können. Auch die Job-Suche über das Internet ist oft effizienter als nur beim BIZ. Für die Schüler mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen ist es also ebenfalls wichtig, zu wissen, wann, wo und wie sie mithilfe des Computers Erleichterungen und verbesserte Chancen erfahren können. Ein hoher Konsens zwischen persönlicher Sinnerfüllung und gesellschaftlicher Eingliederung machen auch nach BLEIDICK den Endzweck aller rehabilitationspädagogischen Bemühungen aus. 43
41 Ebd., Seite 17
42 Ebd., Seite 19
43 Vgl. BLEIDICK: Einführung in die Behindertenpädagogik. Allgemeine Theorie der Behindertenpädagogik, Stuttgart, 1996, Seite 44
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5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
5.7. Zusammenfassung
Alles in allem kann man also sagen, dass das Arbeiten mit Computer, Software und Internet schon aufgrund der motivationalen Möglichkeiten, die in den Abschnitten „4.5. Motivation und Lernen mit Computer-Software“ (s.S. 18) und „5.1. Motivation“ (s.S. 25) schon beschrieben wurden, essenziell für die Schule für Lernbehinderte ist, da ja die Förderung des Lernens stark von der Motivation der Schüler abhängig ist, Motivation sogar ein Schlüsselelement für das optimale Lernen ist, denn sie bewegt einen Menschen zur Anstrengung und Konzentration. Aufgrund der Multimediacharakteristik bietet Computersoftware auch multiple Motivationsanreize in einer Qualität und Quantität, wie sie der Lehrer kaum erbringen kann. Lernen soll immer selbstaktiv und individuell auf bisher gemachte Vorerfahrungen aufbauend stattfinden. So ist die Individualisierung und Differenzierung ein äußerst wichtiger Bestandteil der Förderung von Schülern mit speziellen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen. Durch die individuelle Arbeitsweise am Computer kann eine verantwortliche oder zumindest mitverantwortliche Teilnahme aller Schüler erreicht werden, wodurch zum Teil eine persönliche Betroffenheit erzielt werden könnte, mit der das Lernen auch persönlich motiviert sein würde. Weiterhin wird auf durch den Einsatz bestimmter Computersoftware verhindert, dass bei einigen Schülern ein falsches Anspruchsniveau auftritt und diese demotiviert. Jeder Schüler kann nämlich seine eigene Arbeitsweise und das individuelle Tempo wählen und stets dort weiterarbeiten, wo er zuletzt aufgehört hat. Das Lernen wird auf diese Weise nicht nur individuell, sondern auch sehr persönlich.
Durch die Speicher- und Analysemöglichkeiten verschiedener Computersoftware braucht der Lehrer nun seine Unterrichtsbeobachtungen nur noch auf das Verhalten der Schüler, nicht mehr so intensiv auf die Arbeitsergebnisse und -erfolge zu konzentrieren. Somit werden die Beobachtungsergebnisse und damit die diagnostischen Aussagen von qualitativ wertvollerer Bedeutung.
Da die meisten Schüler der Schule für Lernbehinderte aus sozial schwächeren Milieus stammen und somit zu Hause keinen Computer haben, mit dem sie arbeiten können, muss hier die Schule ausgleichen. Denn in einer informations- und kommu-nikationsorientierten Gesellschaft sollte jeder in der Lage sein, mit einem Computer, dessen Software und dem Internet umzugehen. Die Schule kann hier verhindern, dass die gesellschaftliche Benachteiligung der Schüler mit speziellen Förderbedarf durch die soziale Benachteiligung (z.B. der Familie) noch wesentlich verstärkt wird. Damit kommt man auch schon auf die Zukunftsperspektiven der Schüler der Schule für Lernbehinderte. Aufgrund des steigenden Computereinsatzes in der Wirtschaft und des immer größerer werdenden Ansehens des Computers in der Gesellschaft, ist ein gekonnter Umgang damit eine wichtige Voraussetzung, um sein Leben optimal meistern zu können.
Und Aufgrund der zumeist eingeschränkten Beziehungsmöglichkeiten und des Familismus bietet der Computer gute Optionen, neue, vorerst vereinfachte, komplikationsfreiere Kontakte über E-Mail, Chat o.ä. zu knüpfen. Diese können dann mit der Zeit reifen und später wesentlich besser und fester manifestiert und zu „echten“, also persönlichen Freundschaften ausgebaut werden.
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5. Lernen mit Computer-Software bei Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen
5.8. Fazit
Ich habe nun die verschiedenen elementaren Bereiche durchgearbeitet, die in der Lernbehindertenpädagogik und damit auch bei der Arbeit an einer Schule für Lernbehinderte als überaus wichtig zu erachten sind. Und ich denke, dass es durchaus ersichtlich und verständlich ist, dass die Arbeit mit Computer, Software und Internet in allen diesen Bereichen wesentliche Vorteile bringen kann. Somit kann ich die schon oben genannte Antwort erneut geben, dass der Einsatz von Computersoftware im Unterricht einer Schule für Lernbehinderte noch stärker zu fordern ist als dies an einer „allgemeinen“ Schule getan wird.
Dazu muss allerdings noch gesagt sein, dass es nicht allein reicht, ein oder einige Computer anzuschaffen, irgendwelche Software zu installieren und die Schüler damit für sich alleine arbeiten zu lassen. Neben einer angemessenen Computerausstattung ist auch die Wahl der optimalen Computersoftware von sehr großer Bedeutung. Einige Kriterien zur Beurteilung habe ich im vierten Kapitel unter „4.4. Merkmale von Computer-Software“ (s.S. 17) bereits zur Verfügung gestellt. Um verschiedene Programme beurteilen und vergleichen zu können, gehört aber nicht nur das theoretische Wissen. Weitaus mehr kommt es auf praktische Kenntnisse und Erfahrungen an. So sollte die Arbeit mit Computersoftware ein wichtiger Baustein in der universitären Ausbildung eines Lehrers sein, damit schon hier Informationen und Erkenntnisse über verschiedene Programme für unterschiedliche Unterrichts- und unterrichtsübergreifende Fächer gesammelt und verarbeitet werden können. Bei der Fülle von Lern-, Übungs- und Schulprogrammen ist es einem noch unerfahrenen Lehrer nur sehr schwer möglich Optimales für seinen Unterricht zu finden, auch wenn er persönlich über gute Kompetenzen bezüglich des Umgangs mit dem Computer verfügt.
Weiterhin möchte ich betonen, dass das Verwenden von Computersoftware im täglichen Unterricht nach meinem Erachten zwar ein ertragreiches Potential für die Schule für Lernbehinderte darstellt, aber all diese Aspekte ja ebenso für Förderschulen anderen Typs und auch für die „allgemeinen“ Schulen zutreffen. Denn, wenn das Lernen mit Computersoftware bei Schülern mit speziellen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen die Förderung optimalisiert, dann kann damit auch der Lernprozess bei Schülern, deren Förderschwerpunkt ein anderer oder gar kein festgelegter bzw. festgestellter ist, verbessert werden.
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6. Die derzeitige Situation in Sachsen-Anhalt
6.1. Einleitung
In den letzten beiden Kapiteln habe ich nun ausgiebig beschrieben, warum Computersoftware eine optimale Möglichkeit bietet, den Unterricht positiv zu bereichern und warum dies gerade für eine Schule interessant ist, die Schüler mit speziellen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen fördert. Doch bei dieser Erarbeitung sind immer die optimalen Voraussetzungen die Grundlage gewesen. Es ist also die Frage, ob sich diese theoretischen Ideen auch in der Realität so umsetzen lassen, wie ich das bis hierhin geschildert habe.
Um nicht nur diese theoretischen Ausführungen aufführen, sondern auch einen realen Praxisbezug herstellen zu können, habe ich geplant, mir die Situation in dem Bundesland, in dem ich lebe und diese Arbeit schreibe, nämlich Sachsen-Anhalt, vor Augen zu führen. Da es zu diesem Thema keine mir bekannten aktuellen und aussagekräftigen empirischen Untersuchungen gibt, liegt mein Vorhaben darin, selbst eine kleine Umfrage zu gestalten, durchzuführen und auszuwerten. So habe ich also vor Beginn der Bearbeitungszeit dieser Arbeit bei den drei Schulämter des Landes Sachsen-Anhalt die Genehmigung für diese Umfrage beantragt, die ich dann am 08.09.2004 auch vom Landesverwaltungsamt Magdeburg für den Zeitraum vom September bis November 2004 unter der Berücksichtigung bestimmter Auflagen erhalten habe.
6.2. Vorüberlegungen
6.2.1. Das Vorhaben
Mit dieser Umfrage möchte ich eine Art Bestandsaufnahme der momentanen Lage in Sachsen-Anhalt machen, um zu sehen, wie weit der technologische Fortschritt an den Schulen für Lernbehinderte schon Einzug gefunden hat und inwieweit meine angeführten Vorstellungen über das Lernen mit Computersoftware realisierbar sind. Dazu habe ich einen Fragebogen mit dreizehn Fragen erstellt. Diese Fragen habe ich entwickelt, um bestimmte Aspekte abzudecken, die mich besonders interessieren. Ein Interessenbereich beinhaltet die vorhandenen Hard- und Softwareressourcen an den Schulen. Der zweite Bereich bestimmt die Anwendungsbereiche der Computer und des Internets. Die individuellen und persönlichen Ansichten bezüglich des Computereinsatzes und der Funktion von Computer, Software und Internet bilden den dritten Bereich meines Interesses. Und der letzte Bereich soll Kategorien von Problemen und Wünschen bzw. Forderungen unterteilen. Der vollständige Fragebogen, wie ich ihn zur Befragung verwendet habe ist im Anhang unter „11.2. Der Umfragebogen“ (s.S. 85) angeführt. Schaut man sich diesen nun an, so erkennt man, dass die erste bis dritte und die siebente bis neunte Frage dem ersten Interessenbereich dienen. Die vierte bis sechste Frage gehören dann zum zweiten Bereich. Der dritte Bereich wird durch die zehnte und elfte Frage abgedeckt. Der letzte Bereich unterteilt sich letztendlich noch in die zwölfte und dreizehnte Frage. Unter diesen Aspekten möchte ich dann erörtern, inwiefern der Einsatz von Computersoftware im täglichen Unterricht möglich ist, ob es eher materielle, organisatorische oder mentale Probleme bzw. Hemmnisse gibt und welche Möglichkeiten und Probleme an den Schulen selbst gesehen werden.
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6.2.2. Inhalte
Zu den Hard- und Softwareressourcen gehören für mich zu aller erst die Anzahl der an einer Schule befindlichen Computer und auch einige technische Daten dazu, damit ich mir ein Bild machen kann, welche Vorstellungen von der Ausstattung her überhaupt realisierbar sind. Es ist also interessant zu wissen, welchen Alters die Computer sind und welche Leistung sie erbringen, das heißt wie schnell die Prozes-soren, wie groß der Arbeits- bzw. RAM- und der Festplattenspeicher ist usw. Weiter ist auch wichtig zu wissen, in welcher Form die Computer an den Schulen untergebracht sind, also ob sie einzeln in den Klassen- und/ oder Fachräumen, alle zusammen in einem einzigen Computerkabinett stehen oder in irgendeiner anderen Form in der Schule untergebracht sind. Damit spreche ich die denkbaren Unterteilungen nach TULODZIECKI aus dem Teilabschnitt „4.7.1. Zur Infrastruktur der Computereinrichtung an den Schulen“ (s.S. 21) an. In einer kommunikations- und informationstechnologisch betonten Gesellschaft steht natürlich auch immer wieder die Frage nach der Vernetzung auf dem Plan, wobei man hier die Onlinefähigkeit (Internet) und ein schulinternes Netzwerk (Intranet) unterscheiden muss. Vielleicht ganz aufschlussreich könnte auch die Frage sein, wie die Computer finanziert wurden, ob es sich dabei um Schuletat und Schulträger oder mehr um eigene Initiativen wie durch Kooperation mit Wirtschaft und Industrie o.ä. handelt.
Wenn es um die Software geht, fällt mir erst einmal die Auflistung der verschiedenen Programmarten nach TULODZIECKI ein. Diese sind im Abschnitt „4.1. Unsere heutige Informations- und Wissensgesellschaft“ (s.S. 11) aufgeführt und verdeutlichen die Fülle von Angeboten, die es heutzutage gibt, um den Lernprozess positiv zu bereichern. Daher wäre es doch wissenswert, welcher dieser Softwaretypen an den Schulen vorhanden ist und welche Bedeutung sie dort haben, das heißt wie häufig sie Anwendung finden. Nun möchte ich aber auch herausfinden, ob es ein oder einige spezielle Programme gibt, die vielleicht besonders gern verwendet werden. Da es solcherlei Programme in Hülle und Fülle gibt und es nur schwer realisierbar ist, alle für ihren Gebrauch in der Schule für Lernbehinderte zu analysieren und zu beurteilen, erhoffe ich mir, dass vielleicht ein oder einige wenige Programme von mehreren Schulen unabhängig voneinander genannt werden, sodass ich vermuten könnte, dass dieses oder diese Programme weiterverbreitet recht beliebt sind. In diesem Fall wäre es durchaus denkbar, dass ich mir die vielleicht zwei am häufigsten verwendeten Programme einmal selbst anschaue und hier in einem weiteren Kapitel kurz beschreibe und meine Meinung dazu kundgebe.
Zum Thema der Anwendungsbereiche möchte ich zum Einen auf das Internet zu sprechen kommen und sehen, wozu dieses am meisten verwendet wird. Dafür habe ich mir eine Unterteilung in die fünf wohl geläufigsten Arbeitsweisen vorgenommen, nämlich das Beschaffen von Informationen, das interaktive Lernen, das Präsentieren von Unterrichtsinhalten und -ergebnissen, das Kommunizieren über E-Mail oder Chat und das freie Surfen. Zu diesem Themenbereich gehört für mich ebenso die Frage, in welchen Unterrichtsfächern am häufigsten mit Computersoftware gearbeitet wird. Und nicht minderwertig sind die Freizeitmöglichkeiten, das heißt die Möglichkeiten für die Schüler, in Freistunden und/ oder nach dem Unterricht einen Computer in der Schule zu nutzen.
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Ein weiterer Bereich sind für mich die persönlichen Meinungen und Einstellungen zur Arbeit mit Computersoftware im Unterrichtsalltag. Als erste Grundlage dient mir dazu die Strukturierung des Unterrichts, wie ich sie unter „4.2.2. Unterricht mit Computer-Software aus didaktischer Sicht“ (s.S. 14) aufgeführt habe. Schon dort kam die Frage, in welchen dieser Phasen Computersoftware wie gut einsetzbar ist. Und genau diese Frage habe ich für meine Befragung übernommen. Der zweite elementare Baustein diesen Bereichs ist die im selben Teilabschnitt genannte Tatsache, dass Computer, Software und Internet in den verschiedenen Phasen unterschiedliche Funktionen übernehmen können. In der Umfrage soll nun erfragt werden, wie die Meinung generell zu diesen Funktionen ist, ob und inwieweit die Lehrer mit den einzelnen Funktionen von Computer, Software und Internet übereinstimmen. Zum Schluss ist für mich von großer Bedeutung, zu erfahren, welche die Arbeit mit Computersoftware hemmenden oder gar verhindernden Probleme an den Schulen existieren. Dazu gehören auch Lösungsvorschläge, damit meine ich Ansichten, was in Zukunft getan werden sollte oder gar müsste, um die Arbeit am Computer im täglichen Unterricht im Einzelnen aber auch an generell an diesem Schultyp zu fördern.
6.2.3. Vorgehensweise
Ich habe mir eine Liste von den Schulen für Lernbehinderte aus Sachsen-Anhalt genommen, sie mit den Angaben des Landesschulservers verglichen und korrigiert. An neununddreißig Schulen habe ich Anfang Oktober 2004 einen Brief geschickt mit der Beschreibung meines Anliegens und der Bitte, den beiliegenden Umfragebogen auszufüllen und im von mir frankierten und adressierten Rückumschlag zurückzusenden. Weiterhin bot ich an, bei Bedarf eine Kopie dieser Arbeit nach Abschluss zu übersenden. Insgesamt kamen vier Briefe zurück, weil die Adresse nicht stimmte. Es gibt allerdings noch einige andere Schulen diesen Schultyps in Sachsen-Anhalt. Von denen habe ich mir fünfzehn herausgesucht, die ich gern selbst aufsuchen und befragen wollte. Der Grund dafür ist die Vorstellung, dass ein persönlicher Kontakt wesentlich bessere Eindrücke über die Ansichten und Intentionen der verschiedenen Kollegen geben würde als nur die bloßen Zahlen und Kreuze auf einem Stück Papier. Dazu rief ich an den jeweiligen Schulen an, beschrieb mein Vorhaben und Anliegen und vereinbarte bei Einverständnis der Schulleitung, unter Umständen nach Rückruf, einen Termin für meinen Besuch. Und auch hier waren vier Fälle, in denen die Telefonnummer oder die Adresse vom Schulserver nicht stimmten.
6.2.4. Statistische Grundlagen und Überlegungen
6.2.4.1. Allgemeine Grundlagen
Was ist überhaupt Statistik? „Statistik ist die Lehre von Methoden zur Gewinnung, Charakterisierung und Beurteilung von zahlenmäßigen Informationen über die Wirklichkeit (Empirie).“ 44 Mit Informationen können hier alle zähl- bzw. messbaren und systematisch beobachtbaren Sachverhalte gemeint sein. Unter Charakterisierung verstehe ich in diesem Zusammenhang die graphische und tabellarische Darstellung der Daten und die Berechnung von zusammenfassenden und beschreibenden Kennzahlen, was auch der primäre Gegenstand einer deskriptiven Statistik ist.
44 LIPPE: Deskriptive Statistik, Stuttgart, 1992, Seite 1
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Da es sich bei meiner Arbeit nicht um eine rein empirische Arbeit handelt und ich nur eine Art Situationsbeschreibung mit dieser Befragung erzielen möchte, werde ich auch keine hochwissenschaftlichen statistischen Grundlagen und Theorien erarbeiten, sondern nur kurz elementare Ideen und das Konzept meiner Auswertung vorstellen. Als Grundlage hierzu dienten einerseits einige wenige Bestandteile aus meinem Mathematikstudium und zum anderen die Bücher „Einstieg in die Methoden empirischer Forschung - Planung, Durchführung und Auswertung empirischer Untersuchungen“ von LAMBERTI und „Deskriptive Statistik“ von LIPPE. In der Statistik unterscheidet man bei der Auswertung einer empirischen Erfragung zumeist vier Phasen. Zu Anfang steht die Aufbereitungsphase, zu der es gehört, die Antworten in maschinenlesbare Daten zu überführen, Fehler zu korrigieren und fehlende Angaben auszuschließen. Dann folgt die Phase der deskriptiven Beschreibung. Sie dient der Beschreibung des Datensatzes und führt zu ersten Eindrücken. Die dritte Phase ist die schließende Datenanalyse, bei der versucht wird, die entstandenen Aussagen zu verallgemeinern. Und in der letzten Phase sollen komplexere Zusammenhänge und Muster erkannt werden. Dies ist die erweiterte Datenanalyse. Zur Auswertung der gesammelten Daten bietet die Statistik wiederum verschiedene Bereiche an. So gibt es z.B. die induktive Statistik, die von der Stichprobe auf die Gesamtheit zu schließen versucht. Eine Typologisierung ist ein weiteres Beispiel, bei dem Informationen zusammengefasst werden. Dann gibt es noch Verteilungsanalysen und kausale Erklärungen. Um nun eine Verteilung zu beschreiben gibt es verschiedene statistische Maße. Man unterscheidet sie in Lage- von Streuungsmaßen. Das bekannteste Lagemaß ist der Mittelwert, also das arithmetische Mittel, das dem Durchschnitt der Summe aller Werte durch den Stichprobenumfang entspricht. Ein anderes Maß ist der Median (Zentralwert). Dies ist der Wert, der die oberen 50% der Daten von den unteren 50% trennt, wenn die Daten ordinal geordnet sind. Ein drittes Maß ist der Modalwert, der Wert der am häufigsten vorkommt. Streuungsmaße sind die Spannweite (die Differenz zwischen Maximal- und Minimalwert), die Varianz (die durchschnittliche quadratische Abweichung vom Mittelwert) und die Standardabweichung (die Wurzel der Varianz).
Die statistische Theorie beinhaltet hierzu nun verschiedene Skalenniveaus, um gesammelte Fakten später auszuwerten. Die Nominalskalierung anzuwenden, wenn es darum geht, Zuordnungen nach bestimmten Merkmalen vorzunehmen. Sie dient damit einer bestimmten Kategorisierung, wobei die Elemente einer Kategorie gleich, aber nicht identisch sein müssen. Ein weiteres Skalenniveau ist die Ordinalskalierung, bei dem eine gewisse Rangfolge interessiert. Es sollen also Ausprägungsgrade beschrieben werden, wobei es keine geeichte Messlatte mit einer bestimmten Einheit gibt, da die Differenzen zwischen den einzelnen Werten meist nicht mit den Unterschieden der zugehörigen Konstruktausprägungen gleichzusetzen sind. Ein gutes Beispiel ist die schulische Notenskala, bei Schüler mit der Note 3 nicht als doppelt so schlau zu bezeichnen sind wie Schüler mit der Note 6. Ein weiteres, für meine Umfrage allerdings ungebräuchliches Skalenniveau ist die Intervallskalierung, bei der eben Aussagen über die Differenzen gemacht werden können. 45 Außerdem gibt es noch die Ratio- bzw. Verhältnis- und Absolutskalierung.
45 Vgl. LAMBERTI: Einstieg in die Methoden empirischer Forschung - Planung, Durchführung und Auswertung empirischer Untersuchungen, Tübingen, 2001, Seite 34
Seite 38
6.2.4.2. Spezielle Überlegungen
Nachdem ich nun das Buch „Computer & Internet im Unterricht - Medienpädagogische Grundlagen und Beispiele“ von TULODZIECKI gelesen habe, kamen mir viele Fragen in den Sinn, die mich bei der Befragung sehr interessieren könnten. Um aber die freiwilligen Teilnehmer bei dieser Umfrage nicht schon von vornherein durch eine zu große Menge an Fragen zu verschrecken, habe ich diese Fragen auf das Wesentlichste verkürzt. Ich habe mir die vier oben genannten Interessenbereiche zusammengestellt und überlegt, was dazu wissenswert und was eher unwichtig ist. Die übrig gebliebenen Aspekte habe ich nun auf verschiedene Art und Weise in Fragen unterteilt, die zum Teil frei, andere durch Auswählen in einer Skala oder Ausfüllen von Tabellen beantwortet werden können.
Bei den nominalskalierten Erfassungen geht es mir darum, Häufigkeiten absolut und relativ darzustellen. Bei der relativen bzw. prozentualen Darstellung dient die Anzahl der Schulen, die bei der entsprechenden Frage einbezogen werden konnten als Grundmenge (100%). In manchen Fällen sind auch Mehrfachnennungen möglich, was heißt, dass die Summe der Anteile der einzelnen Kategorien nicht 100% ergibt. Eine solches Ergebnis lässt sich somit z.B. auch nicht in einem Kreisdiagramm, viel eher als ein Balkendiagramm darstellen, um die Kategorien auch graphisch mitein-ander vergleichen zu können.
Zu diesem Auswertungskonzept zähle ich die ersten Fragen. Einmal die Frage nach der Anzahl und technischen Gegebenheit der Computer. Diese Angaben sollen in einer Tabelle eingetragen werden, wobei ich Computer, die nur von Lehrern von denen, die für Schüler gedacht sind unterscheide. Für die Auswertung habe ich mir eine Klassifizierung anhand des Merkmals „Prozessor“ vorgenommen, da dessen Geschwindigkeit in der Regel bekannt ist, im Gegensatz zu den anderen technischen Merkmalen. Außerdem ist in der heutigen Gesellschaft die Prozessorleistung wohl das Hauptkriterium, um Computer in Leistungsstufen einzuordnen. Zur Kategorienbildung habe ich mir die Baureihe „Intel Pentium“ zum Vorbild genommen, sodass ich versuchen werde, alle Computer in die Gruppen der Pentium-Klassen Pentium I bis Pentium IV einzuordnen. In Tabelle 3 habe ich die gleichwertigen Prozessortypen zu den vier Pentiumklassen aufgelistet. Was vor Pentium lag sind dann die 486er und die 386er. Noch ältere Typen werde ich einfach in eine Extra-Kategorie einsortieren, da diese nur äußerst selten vorkommen oder vorkommen sollten. Dabei sollen aber nicht nur die gesamte Anzahl der Computer in den einzelnen Kategorien interessieren, sondern auch die Anzahl der Schulen, an denen diese vorhanden sind.
Arbeit zitieren:
Thomas Schrowe, 2004, Lernen mit Computersoftware: Möglichkeiten an der Schule für Lernbehinderte, München, GRIN Verlag GmbH
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Thomas Schrowe hat den Text Lernen mit Computersoftware: Möglichkeiten an der Schule für Lernbehinderte veröffentlicht
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