HU Berlin, Institut für Ur- und Frühgeschichte
HS: „Sakral oder Profan- Aufbau der unterschiedlichen Bautypen des Mittelalters“ SS 2004
Die frühchristlichen Kirchenbauten bis zum 7. Jh.
Carina Brumme
12. Fachsemester UFG
10. Fachsemester Ev. Theologie
Inhalt
1. Einleitung
2. Forschungsgeschichte
3. Historische Entwicklung des frühen Christentums von den Anfängen bis zum 7. Jh.
I Liturgiegeschichtliche und funktionale Betrachtung von frühen Kirchenbauten
I 1 Die Taufe
I 2 Die Eucharistie und der Wortgottesdienst
I 3 Märtyrerverehrung
II Früher Kirchenbau vom 3. Jh. -7. Jh.
II 1 Frühe Gemeinde- und Bischofskirchen
II 1.1 Frühe Hauskirchen
II 1.2 Bauten der konstantinischen und nachkonstantinischen Zeit
II 1.2.1 Längsbauten - Basiliken und Saalkirchen
II 1.2.1.1 Saalkirchen
II 1.2.1.2 Doppelanlagen
II 1.2.1.3 Basiliken
II 1.2.2 Zentralbau -Baptisterien
II 2 Memorial- und Eigenkirchen
II 2.1 Memorialkirchen
II 2.2 Die Eigenkirchen
III Exkurs: Entwicklung im byzantinischen Raum und in Nordafrika ab dem 5. Jh.
III 1 Kuppelbau
III 2 Christliche Kultbauten in Nordafrika
IV Fazit
V Anhang [ohne Abbildungen und Karten!]
V 1 Literatur
V 2 Abbildungsnachweis
V 3 Katalog der angeführten Kirchen in alphabetischer Reihenfolge (nach Orten)
V 4 Karten
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit möchte wesentliche Grundzüge des frühchristlichen Kirchenbaus im römischen Imperium, von den Anfängen im 3. Jh. n. Chr.1 bis zur allmählichen Durchsetzung der römisch-katholischen Kirche im weströmischen Reich im 7. Jh., an verschiedenen Exempeln und in vergleichender Betrachtung zum liturgischen Hintergrund, vorstellen.
Zentrale Themen werden der Einfluss der Liturgie auf die Gestalt der Kirchenbauten und im II. Teil die diversen Arten von christlichen Sakralbauten, unterschieden nach ihrer Funktion und im Falle der germanischen Eigenkirchen auch nach ihrer Trägerschaft sein. Angesprochen werden als funktional zu unterscheidende Typen: Hauskirchen, Bischofs- und Gemeindekirchen, Memorialkirche, Eigenkirche und Wallfahrtszentren. Um das Thema einzugrenzen, wird der Fokus auf der Entwicklung des Kirchenbaues ab dem 4. Jh. im gut dokumentierten Alpengebiet mit den angrenzenden Gebieten und auf Rom, besonders in Hinsicht auf die Monumentalbauten, liegen.
Zum Ende soll ein kurzer Exkurs zu den großen Wallfahrtszentren des 4. Jh. in Palästina und Syrien, sowie ein Blick auf die christlichen Sakralbauten im oströmischen Reich, den Überblick über die frühchristlichen Sakralbauten abrunden.
Ziel der Ausführungen ist es letztlich, die wichtigsten verschiedenen Bautypen funktional einzuordnen und dort, wo sich am Baukörper Rückschlüsse auf die Funktion, Liturgie oder besondere Trägerschaft ziehen lassen, diese darzustellen. Der große Formenreichtum wird eine generelle Zuordnung von Bautypen nur insofern ermöglichen, als man grobe, generelle Tendenzen und Strukturen aufzeigen kann.
Alle im Text angesprochenen Bauten erscheinen in einem Katalog im Anhang mit den wichtigsten Grunddaten (Dimensionen, Typus, Datierung, Standort, Material etc.) und einer Abbildung. Eine ausführliche Beschreibung der Objekte im Text wird meist entfallen, da das Ziel ein Überblick über die frühen Bauten sein soll.
Das frühchristliche Klosterwesen wird nicht mit in die Betrachtungen aufgenommen, da dieses Thema so umfangreich ist, dass es eine eigene Bearbeitung erfahren müsste.
2. Forschungsgeschichte
Erste wissenschaftliche Arbeiten zu frühen christlichen Zeugnissen entstanden ab der Mitte des 19. Jh.. Nur wenige Werke dieser Zeit beschäftigen sich mit vergleichenden Betrachtungen oder einer systematischen Aufarbeitung der Beobachtungen2, zunächst waren besonders die Begräbnisstätten in Roms Katakomben3 von Interesse.
Ende des 19. Jh. wendeten sich die Klassische Archäologie und die Kunstgeschichte den frühchristlichen Kunstdenkmälern zu. Der Fokus der Betrachtung lag auf ikonographischen Themen und Monumentalbauten in Rom sowie den Wirkungsstätten in Israel und Nordafrika, Die beherrschende Fragestellung „Orient oder Rom“ war für diese Fixierung ausschlaggebend und führte praktisch dazu, das kleinere Kirchenbauten noch lange Zeit unbeachtet blieben.4
In dieser Zeit etabliert sich die christliche Archäologie als eigene Disziplin, getrennt von der Kirchengeschichte. Neben Bau- und Kunstbeschreibungen fanden jetzt auch archäologische Methoden Einzug in die Erforschung der christlichen Zeugnisse. Wichtige Standartwerke zu diesem Thema – vorwiegend noch bezogen auf die Monumentalarchitektur - stammen von Archäologen wie F. W. Deichmann und C. Andresen. 5 Ein grundsätzliches Sammelwerk hierzu bietet A. Effenberger an. 6
Mit den frühchristlichen Zeugnissen außerhalb der zentralen Stätten waren im Verhältnis erst relativ spät Gegenstand der Forschung.7 So begann erst ab den 50er Jahren des 20. Jh. die intensive archäologische Untersuchung der frühen Kirchen im Alpenraum, auch wenn es hier bereits ab dem beginnenden 20. Jh. Grabungen gab. 8 Auch die Mittelalterarchäologie9 nahm sich des Themas an.10
Besonders K. Gamber, F. Glaser und H. R. Sennhauser haben sich in den letzten Jahrzehnten mit Fragen von Entwicklung und speziellen Charakteristika von Kirchenbauten der Alpenregion und angrenzender Gebiete sowie dem Bezug zur Liturgiegeschichte auseinander gesetzt.11 Im letzten Jahr erschien ein umfangreicher Tagungsband12 der sich weitreichend mit dem Thema auseinandersetzt und derzeit den aktuellsten Stand wiedergeben dürfte. Zu den Baptisterien bietet die Dissertation von Sebastian Ristow eine umfassende Darstellung des aktuellen Forschungsstandes an.13
[...]
1 Der Zusatz „n. Chr.“ entfällt im folgenden Text, da er für die Thematik selbstverständlich ist. Alle Datierungen, wenn nicht anders angegeben, verstehen sich als nach christlich.
2 Als Beispiel früher analytischer Arbeitsweise J. CORBELET, Historie dogmatique, liturgique et archäologique du sacrament de baptême, Paris 1882.
3 Hier besonders DE ROSSI, La Roma sotterranea, Rom 1864-1877 und J. WILPERT, Die Malereien der Katakomben Roms, Freiburg 1903, ders., I sarcofagi cristiani antichi, Rom 1929.
4 WEIGAND, E., Die Orient – oder - Romfrage in der frühchristlichen Kunst, in: Zschrft. für Neutestamentliche Forschung 22 1923, S. 233ff.
5 DEICHMANN, F. W., Frühchristliche Kirchen in Rom, Basel 1948, ders. Ravenna, Hauptstadt des spätantiken Abendlandes, Wiesbaden, 1969, ders. Einführung in die Christliche Archäologie, Darmstadt 1981. ANDRESEN, C. Einführung in die Christliche Archäologie, Berlin 1971.
6 Effenberger, A., Frühchristliche Kunst und Kultur, Leipzig 1986.
7 SENNHAUSER, H. R., Der Ausgangspunkt das „östliche Alpengebiet“ Kirchen als Sachquelle, in: Frühe Kirchen im östlichen Alpengebiet – von der Spätantike bis in die ottonische Zeit, Sennhauser, H. R., (Hrs.) Band 1 München 2003, S. 3.
8 EGGER, R., Frühchristliche Kirchenbauten im südlichen Norikum, Wien 1916.
9 Die christliche Archäologie hat sich lange Zeit als Anschluß an die klassische Archäologie mit der Spätantike auseinander gesetzt, während die Archäologie des Mittelalters sich dem Frühmittelalter zuwandte. FEHRING, Günter. P., Einführung in die Archäologie des Mittelalters, Darmstadt 1992, S. 18. Heute darf man die Grenzen etwas fließender sehen, beide Sparten greifen sowohl in frühere als auch in spätere Epochen über. G. STROHMAIER-WIEDERANDERS, Geschichte des Faches und des Lehrstuhles “Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst“ an der Theologischen Fakultät der HU-Universität, in: Theologie und Kultur –Geschichte einer Wechselbeziehung, Halle 1999, S. 9-17 dort S. 15.
10 U.a. E. LEHMANN, M. BORGOLTE, G. BINDING, H. THÜMMLER.
11 GAMBER, K., Domus Ecclesiae - die ältesten Kirchenbauten Aquilejas sowie im Alpenraum und Donaugebiet bis zum Beginn des 5. Jh. liturgiegeschichtlich untersucht, Regensburg 1968, ders., Liturgie und Kirchenbau, Studien zur Geschichte der Messfeier und des Gotteshauses in der Frühzeit, Regensburg 1976. GLASER, F., Frühes Christentum im Alpenraum, Regensburg 1997, SENNHAUSER, H. R., OSWALD, F., SCHAEFER, L., Voromanische Kirchenbauten Bd.1-3 München 1966, 1968, 1971.
12 Sowohl ein Katalogteil, in dem eine große Anzahl Kirchenbauten vorgestellt werden, als auch viele Einzelthemen zu architektonischen, archäologischen und historischen Fragestellungen, sind hier zu einem, das Gebiet erschöpfend traktierenden, aktuellen Werk zusammengestellt wurden. Frühe Kirchen im östlichen Alpengebiet – von der Spätantike bis in die ottonische Zeit, Sennhauser, H. R., (Hrs.) Band 1 und 2, München 2003.
13 Hier wird, aufbauend auf älteren Publikationen wie KHATCHATRIAN, Le baptistère de Nisibis, Vatikanstadt 1957, und weiteren Katalogwerken, eine vollständige Aufarbeitung aller bekannten Baptisterien vorgenommen. Eine Darstellung, die der Autor in Folgepublikationen fortzuführen gedenkt. RISTOW, Sebastian, Frühchristliche Baptisterien, in: Jahrbuch für Antike und Christentum, Ergänzungsband 27, Münster 1998, S. 10.
Arbeit zitieren:
Carina Brumme, 2004, Frühchristliche Kirchenbauten vom 3. bis zum 7. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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