Johannes-Gutenberg- Universität Mainz
Pädagogisches Institut
Mittelseminar: “Anthropologie II- Die Zukunft der menschlichen Natur”
SS 2003
Das Menschenbild Arnold Gehlens und die
Konsequenzen für die Pädagogik
Abgabetermin: 28. Oktober 2003
2. Semester
Studienfächer: Pädagogik, Anglistik,
Politikwissenschaft
von
Marion Klotz
1. Einleitung 2
2. Zum Menschenbild Gehlens 3
2.1. Der Mensch als Mängelwesen 3
2.1.1. Unspezialisiertheit 4
2.1.2. Weltoffenheit 5
2.2. Menschliches Handeln 6
2.3. Reizüberflutung und Entlastung 8
2.3.1. Kultur 10
2.3.2. Institutionen 11
2.3.3. Fantasie 12
2.4. Antriebsüberschuss 13
2.5. Die Wurzeln der Moral 16
2.5.1. Ethos der Gegenseitigkeit 17
2.5.2. Physiologische Tugenden 17
2.5.3. Humanitarismus 18
2.5.4. Institutionenmoral 19
2.6. Zusammenfassung 20
3. Zu den erziehungswissenschaftlichen Konsequenzen 21
3.1. Voraussetzungen für Erziehung 21
3.2. Mittel der Erziehung 23
3.2.1. Individuelle Erziehung 23
3.2.2. Institutionelle Erziehung 24
3.2.3. Kooperative Erziehung 25
3.3. Ziele der Erziehung 25
3.3.1. Für den Menschen als Individuum 26
3.3.2. Für den Menschen als Teil der Gesellschaft 27
3.4. Zusammenfassung 28
4. Kritisches Fazit 29
5. Literaturangaben 30
1. Einleitung
Was ist der Mensch? Diese Frage beschäftigte Philosophen seit Beginn der Menschheit und tut es auch heute noch. Arnold Gehlen hat in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts den Versuch gewagt, eine Typologie des Menschen zu erstellen, eine Definition, die den Menschen in seiner Gesamtheit umfaßt. In seinem Werk Der Mensch. Seine Natur und Stellung in der Welt, das er im Laufe der Jahre überarbeitet, aber nie grundsätzlich verändert hat, erstellt er ein Menschenbild, das den Menschen nicht nur im Verhältnis zu sich selbst, sondern vor allem auch im Umgang mit anderen und mit der Gesellschaft beschreibt. Dieses Menschenbild sowie seine Konsequenzen für die moderne Pädagogik sollen in der vorliegenden Arbeit näher vorgestellt werden.
In einem ersten Teil werde ich Gehlens Bild vom Menschen näher erläutern und dabei nacheinander auf seine Mängelwesentheorie, sein Verständnis vom Menschen als handelndes Wesen, die Theorie der Reizüberflutung und Entlastung sowie des Antriebsüberschusses und des Ursprungs menschlicher Moral eingehen. In einer Zusammenfassung werde ich die Hauptpunkte seiner Theorie noch einmal wiederholen und im Hinblick auf den zweiten Teil ordnen.
Der zweite Teil wird sich mit den Konsequenzen des erarbeiteten Menschenbildes für die Pädagogik befassen. Hier werde ich zuerst die Voraussetzung für Erziehung als solche, die Mittel der Erziehung und darauffolgend die Ziele von Erziehung und Pädagogik erläutern. Im letzten Kapitel dieses zweiten Teiles werde ich die wichtigsten Punkte zusammenfassen, um dann ein abschließendes Fazit zu ziehen.
2. Zum Menschenbild Gehlens
In der Einleitung zu seinem Werk „Der Mensch“ bezeichnet Gehlen den Menschen als „das noch nicht festgestellt Tier“1. Hierfür nennt er zwei Gründe: Zum Einen ist der Mensch noch nicht festgestellt, weil es bisherigen anthropologischen Forschungen nicht gelungen ist, das menschliche Wesen hinlänglich zu beschreiben und zu analysieren. Ziel einer ganzheitlichen Anthropologie muss es sein, alle Einzelaspekte, die den Menschen ausmachen, zu einem kohärenten Gesamtbild zusammenzufügen. Zum Anderen ist der Mensch Gehlens Auffassung zufolge biologisch nicht determiniert und entzieht sich durch die „Unvorhersehbarkeit seines Verhaltens“2 jeder Definition. Mit anderen Worten: Im Gegensatz zum Tier ist der Mensch nicht mit artspezifischen Verhaltensmustern geboren, er kreiert sich im Laufe seines Lebens selbst.
Es existiert demzufolge nicht ein spezifisches Merkmal, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Vielmehr muss sich eine treffende Beschreibung und Definition des Menschen auf mehrere artspezifische Merkmale beziehen, die in ihrer Gesamtheit das Wesen des Menschen ausmachen3.
2.1. Der Mensch als Mängelwesen
Im Gegensatz zu anderen Lebewesen ist der Mensch „hauptsächlich durch Mängel bestimmt“4. Gehlen bezeichnet diese näher als „Unangepaßtheiten, Unspezialisiertheiten, als Primitivismen, d.h. als Unentwickeltes“5 und nennt als Beispiele für diese Mängel das fehlende Haarkleid des Menschen, seinen Instinktmangel, die Schutzbedürftigkeit seiner Nachkommen im Kleinkindalter sowie fehlende Angriffs- oder Fluchtorgane. Der Mensch ist somit ein „‚riskiertes‘ oder ‚monströses‘ Wesen, das ständig ums Überleben kämpfen muss; Selbsterhaltung ist die erste Pflicht“6.
Die mangelhafte natürliche Ausstattung des Menschen zeigt sich in seinem Umgang mit sich selbst und der ihm feindlich gegenüberstehenden Welt und soll im Folgenden näher beschrieben werden.
[....]
1 Gehlen, Der Mensch, 16
2 Weissmann, 26
3 vgl. Gehlen, Der Mensch, 13
4 Gehlen, Der Mensch, 33
5 Gehlen, Der Mensch, 33
6 Thies, 35
Quote paper:
Marion Klotz, 2003, Das Menschenbild Gehlens und die pädagogischen Konsequenzen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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