Einleitung
Feminismus?!
Ein Wort, das aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch meist nicht mehr weg zu denken ist. Immerhin gibt es feministische Literatur und Zeitschriften, feministische Wissenschaft, feministische Parteien, feministische Buchläden, feministische Kunst und vieles mehr. Die Suchmaschine Google findet für den Begriff „feministisch“ rund 170.000 Internetseiten in deutscher Sprache.
Doch fragt man Frauen -vor allem jüngere Frauen- was sie mit dem Begriff Feminismus verbinden, bekommt man häufig solche Antworten: „Feministinnen tragen lila Latzhosen und haben kurze Haare“, „Feministinnen hassen alle Männer“ oder „Feminismus , ist das überhaupt noch zeitgemäß?“. Bei dem Begriff „Frauenbewegung“ herrscht meist noch größere Ratlosigkeit. Wer kennt schließlich heute noch Frauen wie Luise Otto-Peters oder Clara Zetkin?
In dieser Arbeit wird deshalb ein breiter Bogen gespannt, von der Geschichte der Frauenbewegung, über deren literarische Utopien des 20. Jahrhunderts hin zu einer heute aktuellen - auf den Utopien basierenden - feministischen Demokratietheorie. Zu Anfang werden erst einmal die zwei grundlegenden Begriffe dieser Arbeit -Feminismus und Frauenbewegung - definiert und in Relation zueinander gestellt (Kapitel 1). Im zweiten Kapitel wird dann die historische und aktuelle Entwicklung der deutschen Frauenbewegung besprochen. Ziel dieses Kapitels ist es, zu zeigen was die Frauenbewegung früher war und was sie heute ist. Im Anschluss daran gehe ich auf die literarischen Utopien der 70er Jahre ein (Kapitel 3). Am Anfang steht hier eine kurze Schilderung der Situation bzw. der Lebensumstände der Frau in dieser Zeit, um deutlich zu machen, wie solche Utopien entstanden sind und entstehen konnten. Danach werde ich versuchen die Inhalte der utopischen Romane zusammenfassend zu skizzieren. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der politischen Organisation, der ökonomischen und ökologischen Struktur u nd auf dem Individuum innerhalb der Gemeinschaft. Von der literarischen Utopie spanne ich dann den Bogen zur feministischen Demokratietheorie (Kapitel 4), d. h. in diesem Kapitel steht der Versuch von diesen feministischen Utopien ausgehend zu Ansätzen einer feministischen Demokratietheorie zu gelangen. Am Anfang des vierten Kapitels steht eine kurze Begründung, warum eine feministische Demokratietheorie berechtigt ist zu existieren bzw. vielmehr warum sie existieren muss. [....]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Frauenbewegung und Feminismus- eine Begriffserläuterung
2. Die deutsche Frauenbewegung
1.1. Die Anfänge
1.2. Die erste Frauenbewegung
1.3. Die neue Frauenbewegung
3. Utopien der Neuen Frauenbewegung
3.1. Politische Struktur
3.2. Ökonomie/ Ökologie
3.3. Gesellschaft/ Individuum und Gemeinschaft
4. Von der Utopie zur feministischen Demokratietheorie
4.1. Pro und Contra: Direkte Demokratie
4.2. Warum feministische Demokratietheorie direktdemokratisch sein sollte
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, eine Brücke zwischen der Geschichte der Frauenbewegung, den literarischen Utopien des 20. Jahrhunderts und einer heute aktuellen, auf diesen Utopien basierenden feministischen Demokratietheorie zu schlagen. Dabei wird insbesondere untersucht, inwiefern Elemente der direkten Demokratie in Deutschland umsetzbar sind und ob eine feministische Demokratietheorie direktdemokratisch ausgerichtet sein sollte, um bestehende demokratische Defizite zu beheben.
- Historische Entwicklung der ersten und neuen deutschen Frauenbewegung
- Analyse feministischer literarischer Utopien der 1970er Jahre
- Untersuchung der Umsetzbarkeit direktdemokratischer Instrumente in Deutschland
- Erörterung der Vereinbarkeit von feministischen Zielen mit direktdemokratischen Verfahren
- Diskussion über Responsivität und Partizipation in der parlamentarischen Demokratie
Auszug aus dem Buch
3.1. Politische Struktur
„Staat, repräsentative Demokratie, Parteien erscheinen in der utopischen Logik weder als gesellschaftspolitische Selbstverständlichkeit/ Notwendigkeit noch als adäquate Form demokratischer Entscheidung … das utopische Gegenbild skizziert ihre Überwindbarkeit“ (Holland- Cunz 1988, S.229). So ist in keinem feministisch- utopischen Roman ein parlamentarisches Modell der Demokratie zu finden. Im Zentrum stehen angemessene basisdemokratische Organe, die als höchste Entscheidungsgremien fungieren. Sie sind bestimmt durch Faktoren wie Größe des Territoriums, Dichte der Bevölkerung oder Grad der Arbeitsteilung (vgl. Holland- Cunz 1988, S.196). Wenn möglich, werden Entscheidungen von allen bzw. von allen direkt Betroffenen gefällt.
In manchen Modellen gibt es Räte mit Delegationsprinzip, die meist kurzfristige organisatorische Mandate erteilen, in anderen Modellen – vor allem in dörflichen Gemeinwesen- wiederum wird im Wesentlichen durch Vollversammlung entschieden (vgl. Holland- Cunz 1988, S.197). Aber alle wesentlichen Entscheidungen werden in „von unten nach oben“ verlaufenden Prozessen gelöst, „bei dem so oft wie möglich die politische Macht auf der REGIONALEN EBENE verbleibt“ (Holland- Cunz 1988, S.200).
Die Trennung zwischen privatem und politischem Bereich existiert nicht. Als bewusste Alltäglichkeit und als gelungene Integration in das Leben des Gemeinwesens wird die Form der Versammlung geschildert. Dies wird durch einen informellen, inoffiziösen und auf feste Regeln verzichtenden Rahmen erreicht. Politisches Handeln findet folglich nicht isoliert statt, politisches Handeln wird Alltagshandeln.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit stellt den Feminismus und die Frauenbewegung vor und skizziert den Bogen von der Geschichte über utopische Romane bis hin zu einer feministischen Demokratietheorie.
1. Frauenbewegung und Feminismus- eine Begriffserläuterung: Das Kapitel definiert die beiden zentralen Begriffe und setzt sie in Relation zueinander, wobei der Feminismus als Theorie und die Frauenbewegung als soziale Praxis betrachtet wird.
2. Die deutsche Frauenbewegung: Hier wird die historische Entwicklung von den Anfängen im 19. Jahrhundert über die erste Frauenbewegung bis zur Entstehung der Neuen Frauenbewegung dargestellt.
3. Utopien der Neuen Frauenbewegung: Das Kapitel analysiert literarische Utopieentwürfe der 70er Jahre hinsichtlich ihrer politischen, ökonomischen und ökologischen Strukturen sowie des Verhältnisses von Individuum und Gemeinschaft.
4. Von der Utopie zur feministischen Demokratietheorie: Dieses Kapitel diskutiert die Relevanz der utopischen Ansätze für eine heutige Demokratietheorie und untersucht die Umsetzbarkeit sowie die Vorteile direktdemokratischer Elemente.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der wichtigsten Ergebnisse zur sozialen Bewegung, den utopischen Entwürfen und der Notwendigkeit einer direktdemokratisch orientierten feministischen Demokratietheorie.
Schlüsselwörter
Frauenbewegung, Feminismus, Patriarchat, direkte Demokratie, Repräsentativdemokratie, feministische Demokratietheorie, Utopie, Partizipation, politische Struktur, Geschlechtergerechtigkeit, Basisdemokratie, soziale Bewegung, Gleichstellung, Gesellschaftsreform, Responsivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Frauenbewegung in Deutschland, deren utopischen Gesellschaftsentwürfen im 20. Jahrhundert und der daraus resultierenden Notwendigkeit einer zeitgemäßen, feministischen Demokratietheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Einordnung der Frauenbewegung, die Analyse feministischer Utopien hinsichtlich ihrer politischen und ökonomischen Organisationsformen sowie die kritische Auseinandersetzung mit der parlamentarischen gegenüber der direkten Demokratie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass eine feministische Demokratietheorie direktdemokratisch ausgerichtet sein sollte, um demokratische Defizite auszugleichen und eine stärkere Beteiligung von Frauen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse, indem sie historische Darstellungen, zeitgenössische feministische Literatur und utopische Romane sowie politikwissenschaftliche Debatten über direkte Demokratie kritisch vergleicht und synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die historische Genese der Frauenbewegung, dann die Visionen der feministischen Utopien der 70er Jahre und schließlich die Argumente für die Einführung direktdemokratischer Elemente in Deutschland sowie deren Vereinbarkeit mit feministischen Zielen erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Frauenbewegung, Feminismus, direkte Demokratie, Partizipation und feministische Demokratietheorie beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „alter“ und „neuer“ Frauenbewegung wichtig?
Die Unterscheidung verdeutlicht den Wandel von einer eher reformorientierten Bewegung des 19. Jahrhunderts hin zu einer autonomen Bewegung, die patriarchale Strukturen grundlegend in Frage stellt und den privaten Bereich politisiert.
Wie antwortet die Autorin auf die Kritik an direktdemokratischen Verfahren?
Die Autorin widerlegt die Kritikpunkte – etwa zur mangelnden Kompetenz der Bürger oder zur Gefahr von Schnellschüssen – indem sie auf die Notwendigkeit langsamer Willensbildungsprozesse und die Stärkung der allgemeinen staatsbürgerlichen Kompetenz verweist.
- Quote paper
- Janine Ketering (Author), 2005, Von den Utopien der neuen Frauenbewegung hin zu einer feministischen Demokratietheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33592