2
GLIEDERUNG
1. EINFÜHRUNG 3
2. KONFLIKT oder DER DEUTSCHE WUNSCH NACH HARMONIE. 5
2.1 Konflikt und Freiheit 5
2.2 Die deutsche Sehnsucht nach Synthese. 6
2.3 Konflikte und deutscher Faschismus 7
3. TUGEND oder MANIPULATION DURCH HERRSCHAFT 9
3.1 Das Wesen der Tugend 9
3.2 Familie und Schule in Deutschland. 10
3.3 Tugend und deutscher Faschismus. 11
4. FAZIT. 13
5. LITERATURVERZEICHNIS 14
3
1. EINFÜHRUNG
In seinen kürzlich erschienenen Memoiren behauptet Ralf Dahrendorf (*1929) von sich selbst, stets ein Glückskind des Lebens gewesen zu sein (vgl. Dahrendorf 2002, S. 19). Doch bei genauerer Betrachtung seiner Lebensgeschichte entpuppt sich dieser Ausspruch als „Understatement“, denn Ralf Dahrendorfs Laufbahn verlief keinesfalls stets gradlinig. Sie zeichnet sich vielmehr durch eine ungewöhnlich starke Dynamik und Strebsamkeit aus. Eine Erforschung seiner prägendsten Lebensetappen bieten erste Einblicke in sein wohl bedeutendstes Werk „Gesellschaft und Demokratie in Deutschland“.
Aufgewachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus wurde er maßgeblich von seinem politisch aktiven Vater Gustav Dahrendorf geprägt. In seiner Welt sah Ralf Dahrendorf den „Inbegriff des Guten in der deutschen Tradition“ (Dahrendorf 2002, S. 68). Dazu gehörte vor allem die Freiheit als gesellschaftliche und persönliche Existenzbedingung. So war Gustav Dahrendorf als Verbindungsmann in der Wider-standsbewegung gegen den deutschen Faschismus aktiv. Dies führte für den Vater und seinen 15 jährigen Sohn zu einer zehntägigen Einzelhaft im Dezember 1944, die in dem jungen Ralf Dahrendorf einen „fast klaustrophobischen Drang zur Freiheit“ (Dahrendorf 2002, S.72) hervorrief. Dieser Drang bildete wohl die Basis für seine in späteren Jahren erhobene Forderung, die Freiheit als Voraussetzung alles anderen anzuerkennen und zu achten (vgl. Dahrendorf 1968, S. 121) 1 . Das Kriegsende 1945 war für Ralf Dahrendorf ein gewaltiger Neuanfang. Seine nun begonnene akademische Laufbahn vollzog sich in einer außergewöhnlichen Geschwindigkeit. Nach einem Studium der Philosophie und Philologie in Hamburg promovierte er bereits im Alter von 23 Jahren mit einer Arbeit über Karl Marx. Ein anschließendes Soziologiestudium an der London School of Economics beendete er mit der Promotion zum Philosophical Doctor. Mit 28 Jahren habilitie rte er sich an der Universität des Saarlandes und lehrte in den darauf folgenden Jahren von 1958 bis 1969 als ordentlicher Professor in Hamburg, Tübingen und Konstanz.
1 Auf dieses Werk, sofern nicht anders angegeben, beziehen sich im Text sämtliche in Klammern
gesetzten Seitenzahlen.
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Doch neben seiner akademischen Laufbahn suchte Ralf Dahrendorf bereits sehr früh (1947) den Schritt von der Universitätskanzel in die Politik. Diese Entwicklung hob ihn von gleichaltrigen Kollegen ab und sollte ihn zu einem der einflussreichsten Intellektuellen der Bundesrepublik machen (vgl. Nolte 2002). Seine politische Karriere führte ihn über den Landtag von Baden-Württemberg (1968/69) und der Mitgliedschaft im Bundesvorstand der F.D.P. (1968-1974) in den deutschen Bundestag, wo er auch als Parlamentarischer Staatssekretär im Außenministerium unter Walter Scheel tätig war (1969/70). Zwischen 1970 und 1974 war er Mitglied der Kommission der Europäischen Gemeinschaft und leitete anschließend zehn Jahre lang als Direktor die international renommierte London School of Economics (LSE). Noch bis zum heut igen Tag ist Ralf Dahrendorf Präsident des St. Anthony’s Colleges in Oxford. Sein gesellschaftspolitischer Einfluss machte ihn in der Nachkriegszeit zu einer bedeutenden Leitfigur für die fortschreitende Demokratisierung Europas und verschaffte ihm auf nationaler wie auch internationaler Ebene eine hohe gesellschaftliche Anerkennung. So wurde er 1993 von Queen Elizabeth II. für seine politischen und wi ssenschaftlichen Verdienste geadelt und sitzt seitdem als „Baron of Clare Market“ im englischen Oberhaus.
Die Konflikttheorie von Ralf Dahrendorf bildet einen wichtigen Beitrag für die Untersuchungen des Faschismus. Denn gerade dieser war geprägt von der Unterdr ückung der natürlichen Gegensätze bzw. Konflikte in einer Gesellschaft. Um die En tstehung des deutschen Faschismus in seinen Einzelheiten zu ergründen, bedarf es daher einer Untersuchung der politischen und gesellschaftlichen Konfliktentwicklu ngen in Deutschland.
2.1. KONFLIKT UND FREIHEIT
Konflikte sind nach Ralf Dahrendorf ein grundlegendes Element einer jeden freien Gesellschaft, denn „wo immer es menschliches Leben gibt, gibt es auch Konflikt“ (171). Das Ziel einer freien Gesellschaft kann somit nicht lauten, den sozialen Ko nflikt zu überwinden. Es muss vielmehr darin liegen, ihn als die „Fruchtbarkeit gesellschaftlichen Wandels“ (173) zu achten.
Einer liberalen und damit „freien“ Politik wohnt diese Einstellung zu Interessenko nflikten inne, da der Liberalismus Differenzen und unterschiedliche Meinungen ane rkennt und sie achtet. Nur so kann die „strebsame Dynamik von Konflikten“ (173) genutzt werden, um den gesellschaftlichen Wandel offen zu halten. Autoritäre Systeme hingegen, die Konflikte unterdrücken, verletzen das Grundrecht des Menschen auf Freiheit. Weil die Urteile stets mit in dividuellen Wahrnehmungen, persönlichen Vorurteilen und subjektiven Motiven verknüpft sind, sind diese fehlbar. Da es somit keine absolut richtigen Urteile gibt, muss laut Ralf Dahrendorf nach Wegen gesucht werden, die Dogmatisierung eines falschen Urteils zu vermeiden - eine Aufgabe, die sich nur durch fruchtbare Auseinandersetzungen lösen lässt.
Arbeit zitieren:
Jan Hutterer, 2004, Ralf Dahrendorfs Konflikttheorie - Gesellschaft und Demokratie in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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