Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Kultur - Interkultur 3
2.1. Kultur, Subkulturen und Ethnozentrismus 3
2.2. Interkultur und interkulturelle Kompetenz 4
2.2.1. Interkulturelle Kompetenz im DaF-Unterricht 5
3. Das Medium Bild 6
3.1. Wahrnehmung von Bildern 7
3.2. Stufen der Bildverarbeitung, Modell des Bildverstehensprozesses 9
3.3. Bildarten 10
3.4. Probleme beim Verstehen von Bildern 12
3.4.1. Verstehensprobleme bei den Abbildern 12
3.4.2. Verstehensprobleme bei logischen Bildern 12
3.4.3. Verstehensprobleme bei Analogie-Bildern 13
4. Wahrnehmung: kulturell geprägt? 13
4.1. Perceptas und Konceptas 13
4.2. Kollektives Gedächtnis 14
5. Interkulturelles Bildverstehen 16
5.1. Kulturspezifisches Wahrnehmen 16
5.1.1. Farbwahrnehmung 17
5.1.2. Dreidimensionale Wahrnehmung 19
5.1.3. Themen, Tabuthemen 20
5.1.4. Leserichtung 22
5.2. Didaktische Vorschläge für den DaF-Unterricht 23
6. Zusammenfassung 24
7. Bibliographie 25
Anhang
1
1. Einleitung
„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ (Ludwig Wittgenstein)
Durch die rasche Entwicklung der Medien und durch die Öffnung der zwischenstaatlichen Grenzen besteht eine immer größer werdende Möglichkeit, an Ereignissen in anderen Ländern teilzunehmen. Interkulturelle Kommunikation ist einer der wichtigsten Begriffe unserer Zeit, so auch im Fremdsprachenunterricht. Denn fremde Sprachen zu beherrschen bedeutet heute nicht nur die Sprache sprechen zu können, sondern auch Weltoffenheit zu zeigen und fähig zu sein, kulturelle Unterschiede zu erkennen und zu tolerieren.
Bei der Vermittlung einer Fremdsprache spielen Medien eine sehr wichtige Rolle und Landeskunde ohne Bilder wäre unvorstellbar. Aber wie können wir beurteilen, welche Fotos oder Zeichnungen wir in den verschiedenen Kulturen verwenden können? Sind alle Bilder geeignet oder gibt es bestimmte Kriterien, die es zu beachten gilt?
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, ob und wie die eigene oder fremde Kultur die visuelle Wahrnehmung beeinflusst. Gibt es Unterschiede oder nehmen wir alles gleich war? Interpretieren wir eine Abbildung genauso wie ein Mensch aus einer anderen Kultur oder tun wir dies anders? Wodurch wird die Fähigkeit visueller Wahrnehmung beeinflusst? Durch die Kultur, durch die Umwelt oder durch Bildung?
Nach der Einleitung im zweiten Kapitel versuche ich einige Begriffe zum Thema Kultur/ Interkultur zu erläutern und anschließend der Frage nachgehen, welche Rolle diese Begriffe im Fremdsprachenunterricht spielen.
Im dritten Kapitel beschäftige ich mich mit dem Medium Bild und mit den Theorien visueller Wahrnehmung: wie werden Bilder wahrgenommen, welche Prozesse gibt es dabei, und welche Probleme können beim Verstehen verschiedener Bildarten entstehen? Im vierten Kapitel versuche ich die Frage zu beantworten, wodurch überhaupt die verschiedenen Kulturen geprägt werden. Wodurch werden unsere Gedanken, Gefühlen und unser Handeln beeinflusst?
2
Zuletzt sollen unterschiedliche Wahrnehmungsarten in den Blickpunkt gerückt werden, wobei auf Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen eingegangen werden soll, um anhand dieser Rückschlüsse auf ihre Bedeutungen für den DaF-Unterricht zu ziehen.
2. Kultur - Interkultur
2.1. Kultur, Subkulturen und Ethnozentrismus
Kultur ist ein häufig verwendetes Wort, doch trotzdem gibt es keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition. Kulturen lassen sich unter mehreren Blickwinkeln betrachten. Daraus ergibt sich, dass sich mehrere Wissenschaften mit diesem Phänomen befasst hatten: Die Kult uranthropologie, die sich mit der Lehre vom Menschen beschäftigt; die Sozialpsychologie, die Beziehungen zwischen Menschen, Gruppen, Völkern und Nationen untersucht; die Psychologie, die die Frage stellt, in wiefern und wie der Mensch in seinem Wahrnehmen, Denken in seinen Emotionen, Einstellungen, Wertorientierungen und Verhaltensweisen von seiner Kultur geprägt ist, die Kommunikationswissenschaft, die die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Kulturen in der direkten persönlichen Kommunikation untersucht, und die Linguistik, die die Symbolwelt der menschlichen Sprache zu ihrem Untersuchungsgegenstand macht. (vgl. Maletzke 1996, 18ff.)
Der Begriff "Kultur" bedeutet zunächst ganz allgemein die Art und Weise, wie die Menschen ihr Leben gestalten, mitsamt den "Produkten" ihres Schaffens und Denkens. Im Sinne der modernen Kulturanthropologie ist "Kultur" zu verstehen, als ein System von Konzepten, Einstellungen und Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen, als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden. Manchmal bezeichnet man als Kultur zudem eine Gruppe, die durch eine gemeinsame Lebensweise gekennzeichnet ist.
Jede Kultur ist auf eine eigene, spezifische Weise ausgeformt und hat bestimmte Strukturmerkmale, zu denen folgende gehören:
• Nationalcharakter, Basispersönlichkeit
• Wahrnehmung
• Sprache
• Denken
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• Religion
• Nonverbale Kommunikation
• Verhaltensmuster: Sitten, Normen, Rollen
• Wertorientierungen
• Soziale Gruppierungen und Beziehungen. (vgl. Maletzke 1996, 42.)
Jeder Mensch wird durch die Kultur geprägt, in der er aufwächst und erwirbt im Verlauf der Sozialisation die für die eigene Kultur relevanten Überzeugungen und Verhaltensweisen. Dadurch entwickelt er auch -größtenteils gleichzeitig mit der Muttersprache- eine spezifische, kulturabhängige Orientierung.
Manchmal gibt es Teilgruppen einer größeren Gesellschaft (z.B. in Indien), die eine eigene Kultur aufweisen. Diese Teilgruppen werden als Subkulturen bezeichnet. Sie heben sich durch eigene subkulturspezifische Merkmale von anderen Subkulturen ab, fügen sich aber in die übergreifende Gesamtkultur ein. Heute verwendet man diesen Begriff nicht nur in Bezug auf ethnisch definierte Gruppen, sondern auch hinsichtlich anderer Untergruppen einer Großgesellschaft (z.B. Ost - Westdeutschland, Süd - Norddeutschland, Berufsgruppen). (vgl. Maletzke 1996, 17.)
Viele Menschen betrachten die eigene Kultur als den Mittelpunkt der Welt. Diese Einstellung bezeichnet die Wissenschaft als "Ethnozentrismus". Alles, was von den eigenen Normen, Gewohnheiten und Verhaltensmustern abweicht, gilt als fragwürdig, manchmal sogar als unmoralisch. Es wird davon ausgegangen, anderen Völkern überlegen oder Vorbild zu sein. Aus diesem Überlegenheitsbewusstsein können leicht Missverständnisse entstehen. Diese Einstellung widerspricht auch dem Konzept von der Gleichheit aller Menschen. Nach dem Begriff der "Kulturrelativismus" gibt es keine höher stehenden und keine minderwertigen Kulturen; sie sind einfach unterschiedlich. (vgl. Maletzke 1996, 23ff.)
2.2. Interkultur und interkulturelle Kompetenz
Der oft falsch verwendete Begriff der Interkulktur lässt sich durch die Etymologie eindeutig beschreiben. Die lateinische Vorsilbe „inter“ bedeutet zwischen. Daraus lässt sich schließen, dass „interkulturell“ etwas ist, das sich zwischen unterschiedlichen Kulturen ereignet.
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Interkulturen entstehen also, „wenn Mitglieder unterschiedlicher Kulturen gemeinschaftlich handeln“, wenn Teilnehmer verschiedener Kulturen miteinander agieren bzw. kommunizieren. Kulturen sind meist Ergebnisse interkultureller Prozesse, wie z.B. Migrationen, Handelsbeziehungen und Kolonialisationen. (Bolten 2003, 18.)
Daraus folgt, dass es zwischen den Kulturen große Überlappungen gibt. Es gibt also nicht spezifische deutsche oder spanische Kulturen, sondern eine Gesellschaft von deutschen und spanischen Individuen, die eine gemeinsame Sprache und eine ähnliche Sozialisations- und Bildungswege haben, wobei die Individuen sehr untypisch sein können.
Das Verhalten in interkulturellen Situationen wird größtenteils durch Stereotype, durch vorherige Erfahrungen und auch durch die gewählte Sprache bestimmt. Interkulturelle Kompetenz hängt oft mit den eigenen Fremdheitserfahrungen zusammen. „Die Begegnung mit der fremden Welt verläuft vor dem Hintergrund der eigenkulturell geprägten Lebenserfahrung des Lerners bzw. seiner bruchstückhaften Wissensbestände über die fremde Welt.“ (Neuner/Hunfeld 1993, 111)
2.2.1. Interkulturelle Kompetenz im DaF-Unterricht
Nach Volkmann definiert sich interkulturelle Kompetenz „über rein faktische landeskundliche Kenntnisse und sprachliche Qualifikation hinaus als differenziertes Wissen über die zum größten Teil ungeschriebenen Verhaltens- und Kommunikationsmuster der anderen Kultur.“ (Volkmann 2002, 145.)
Das Lernziel „interkulturelle Kompetenz“ soll Sensibilität dem Fremden gegenüber vermitteln, Empathiefähigkeit entwickeln, Toleranz anregen und Missverständnisse vorbeugen.
Der Lernende soll nicht nur zur Bewunderung der fremden Welt verführt werden, sondern die neue, fremde Welt soll seine Neugier wecken. Die Themen sollen an seine Lebenserfahrungen anknüpfen und er soll die eigene Kultur mit der fremden vergleichen. Da die fremde Welt überwiegend durch Medien dargeboten wird, ist es wichtig eine spezifische Verstehensdidaktik zu Seh-, Hör-, und Lesetexten zu entwickeln.
5
Müller schlägt folgende Lernziele zur interkulturellen Kommunikation oder Kompetenz in seinen Lehrwerken vor (vgl. Müller 1994, 96.):
a. Darstellung von interkulturellen Kommunikationssituationen zwischen Deutschen und Ausländern, wobei typische interkulturelle Kommunikationsthemen verwendet
b. Darstellung von Bedeutung als kulturgeformter Einheit. Wichtig sind dabei die kontrastiv dargestellten Bedeutungen (z.B. Sichtwechsel S.62-63.) c. Darstellung von interkulturellen kommunikativen Missverständnissen (z.B. Sprachbrücken). Dabei sollten stereotype Vorstellungen und unterschiedliche
3. Das Medium Bild
Das Wort „Medium“ hat lateinischen Ursprung und bedeutet im übertragenem Sinn „Öffentlichkeit“ und „Gemeinwohl“. (Faulstich 1998, 21.) Der Medienbegriff umfasst folgende Bereiche:
• in kulturphänomenologischer Sicht versteht sich Medium als ein materieller Zeichenträger,
• der kommunikationswissenschaftlicher Medienbegriff beschäftigt sich mit den Massenmedien, mit den technischen Medien und mit der Telekommunikation,
• ein pädagogisch-didaktischer Medienbegriff befasst sich mit allen Objekten, die Lehr-und Lernzwecken dienen,
• im Sinne der Kultur- und Sozialpädagogik werden auch kreative Ausdrucksformen wie Musik, Theater, usw. als Medium bezeichnet.
Ein Medium ist also ein Mittel, Instrument oder Werkzeug zur Darstellung und Verbreitung von Informationen und umfasst den Zusammenhang zwischen Inhalt, Code, Technik und
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Arbeit zitieren:
Ildiko Sagi, 2004, Interkulturelles Bildverstehen, München, GRIN Verlag GmbH
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