Protokoll vom 06.12.2004, Gruppenarbeit in Pädagogik
Diskussion über „Pole Poppenspäler“ im Bezug auf „Gefühle“
1. Kurze Erklärung zu Storm durch den Rezipienten von „Pole Poppenspäler“
Storm haftet der Ruf eines „sentimentalen Heimatdichters“ und eines „provinzlerischen Idyllikers“ an. Fontane bemerkt, daß sich Storm mit seiner penetranten „Husumerei“ gegen das Moderne, das Neue und die Fortschrittlichkeit wehrt. Storm fixiert sich sehr stark auf Vergangenes, Heimatliches und Familiäres. Obwohl sich seine Umwelt zur Zeit seines Schaffens im Aufbruch und im Zuge der Industrialisierung und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung befindet, klammert Storm geradezu an der Sehnsucht nach Vergangenem. Und nicht einmal die Realität kann diese Sehnsüchte stillen, die gerade im „Poppenspäler“ offensichtlich werden.
2. Einordnung
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass „Pole Poppenspäler“ nicht zur Kinder-, sondern zur Jugendliteratur zu zählen ist. (Gründe: Hochwertiger Schreibstil, lange Sätze, komplexe Zusammenhänge)
3. Diskussion über „Gefühle“ im „Poppenspäler“
Zwar scheint nach einem ersten, oberflächlichen Lesen klar zu sein, dass die Liebe zweier Menschen zueinander - lange Jahre der Trennung überdauernd - im Vordergrund steht. Aber ein zweiter Erzählstrang, den Vater der „Lisei“ betreffend, zeigt weitere Gefühle auf. Auffällig ist zuvorderst die Heimatlosigkeit der Puppenspieler, die nicht nur die beiden kindlichen Protagonisten trennt, ja trennen muß; vielmehr verliert auch das romantisch anmutende Leben des „fahrenden Volkes“ an Schönheit. Spätestens am Punkt des Wiedertreffens der Protagonisten wird klar, dass die sich fortwährend wandelnde Zeit und die damit verbundenen Umstände das Leben der Puppenspieler negativ beeinflussen.
(Nach einer Diskussion über die zeitliche Einordnung des Geschehens - die quasi ergebnislos blieb - wurden nun weitere Gefühle analysiert)
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Das nächste, sehr intensiv hervortretende Gefühlsmoment in „Pole Poppenspäler“, ist jeweils beim Auftreten der Figur des „Kasperl“ präsent. Alle AG - Teilnehmer waren sich einig, dass es nicht nur Angst bei dem kleinen Jungen hervorruft. Vielmehr bedeutet jeder Auftritt des Kaspers eine unheilvolle Wendung. Neben Angst ist also auch, vor allem gegen Ende des Buches, Unsicherheit (zumindest im weitesten Sinne) und Sorge spürbar. Die Sorge jedoch wird hauptsächlich vom Leser gefühlt.
Nachdem diese Erkenntnis, dass Sorge und Unheilsdenken auch und gerade beim Leser hervorgerufen werden, in der Arbeitsgruppe bejaht wurde, bekam die Abschlussdiskussion einen neuen Gehalt:
4. Abschlussdiskussion
In „Pole Poppenspäler“ haben Gefühle einen großen Stellenwert, ja sie tragen das Werk und die Thematik sozusagen.
Dass aber auch beim Leser Gefühle hervorgerufen werden, die so nicht direkt in der Geschichte angesprochen werden, prädestiniert „Pole Poppenspäler“ geradezu dafür, ein Buch mit erzieherischem Gehalt darzustellen. Der Leser fühlt Sorge, wenn der Protagonist Angst hat - dass heißt, man lebt mit diesem Werk mit.
„Pole Poppenspäler“ ist somit ein Kunstwerk, dessen Kunst darin besteht, erst durch das Mitgefühl und mitfühlen des Leser vollendet zu werden.
Die Lehramtsstudenten in dieser Arbeitsgruppe sind der Meinung, dass „Pole Poppenspäler“ nach wie vor als Schullektüre genutzt werden sollte!
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Protokoll vom 31.01.2005, Gruppenarbeit in Pädagogik
Diskussion über „Oliver Twist“ im Bezug auf „Autorität und Autonomie“
1. Kurze Erläuterung zu „Oliver Twist“ durch den Rezipienten
Charles Dickens schrieb „Oliver Twist“, um auf die Missstände seiner Zeit aufmerksam zu machen. Durch die Industrialisierung und Landflucht nahm der Pauperismus v.a. in den Großstädten und Industriezentren - hier London - übermäßig zu. Als natürliche Folge gab es einen sprunghaften Anstieg von Kriminalität, Korruption und Prostitution. Oliver Twist wird genau in dieser Zeit geboren und erlebt alle Missstände in extremo mit. Nach Erscheinen des Romans von Dickens wurde erstmals in England das Armengesetz diskutiert!
2. Einordnung
Heute wird „Oliver Twist“ in der siebten Klasse des Gymnasiums behandelt, gehört also zur Jugend-, nicht zur Kinderliteratur. Allerdings waren sich die AG - Teilnehmer einstimmig einig, dass dieser Roman eher für die Oberstufe relevant wäre. Die Komplexität der Sätze und der gut versteckte, unsagbar zynische Humor könnten von Siebtklässlern nicht genau verstanden werden.
3. Diskussion über „Autonomie und Autorität“ in „Oliver Twist“
(Um die Diskussion gut zu strukturieren, wurde der mitgeschriebene Vortrag der Seminarleiterin vom 06.12.2004 über Autorität und Autonomie(A & A) als „Raster“ verwendet.)
a. A & A als Hauptthema in der Entwicklung und Erziehung eines Menschenà Olivers gesamte Kindheit und Jugend wird durch Autorität bestimmt! b. „Autorität“ im Sinne von „Vorbild, Ansehen, Glaubwürdigkeit“ à Die wenigsten der Autoritätspersonen in Olivers Leben können als Vorbilder gesehen werden; c. erlernen von Selbstverantwortung, unbegrenzte Entfaltungsmöglichkeiten à bis zu
zurückgeblieben!) Die kläglichen Versuche, Selbstverantwortung zu übernehmen,
d. trotz vieler Brüche, sollte man „man selbst“ bleiben à Oliver schafft dies unglaublicher Weise, was an ein Wunder grenzt;
e. Aufopferungsbereitschaft für gemeinsames Ganzes à Für die wenigen Personen, die ihm Gutes wollen, opfert sich Oliver vollständig;
4. Abschlussdiskussion
Nach einer tabellarischen Gegenüberstellung von Oliver und den Autoritätspersonen, die in seinem beschriebenen Leben vorkommen, ergab sich ein ungleiches Bild. Vom Großteil dieser Menschen schwer misshandelt, kann Oliver dennoch seinen grundguten Charakter bewahren. In pädagogischer Hinsicht dieses Romans als „Miterzieher“ ergab sich in der AG folgendes: „Oliver Twist“ ist ein pädagogisch wertvolles Buch, da der Missbrauch von Autorität deutlich angeprangert wird (vielleicht deshalb auch ein wertvo lles Buch für Erwachsene…); die Entwicklung eines Menschen zu einem autonomen Individuum muß gewährleistet werden, den Autoritätspersonen kommt hierbei besondere Verantwortung zu.
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Karl May - Biographie
Karl May wurde am 25. Februar 1842 im Ernstthal in Sachsen geboren. Er war das fünfte von vierzehn Kindern eines Webers. Neun seiner Geschwister sterben bereits in frühester Kindheit. Karl May selbst erblindet kurz nach seiner Geburt für fünf Jahre. Die Heilung 1847 wird er später in seinen Reiseerzählungen als erstes Zeichen Gottes erwähnen. Im Jahre 1856 beginnt er seine Ausbildung als Volksschullehrer. Nur durch ein Gnadengesuch beim Kultusministerium kann er seine Ausbildung beenden, da er 1860 wegen „Kerzendiebstahls“ aus dem Lehrerseminar exmatrikuliert werden sollte. Als er 1861 endlich sein Examen besteht, währt die Zeit als Lehrer nur kurz. Wegen erneuten Diebstahls (Uhren) wird er zu sechs Wochen Freiheitsstrafe verurteilt - den Arbeitsplatz verliert er.
Nach der Entlassung beginnt die Zeit, in der ihn seine Phantasie und sein Geltungsbedürfnis zu hochstaplerischen Rechtswidrigkeiten und weiteren Diebstählen treiben. Er gibt sich als Arzt, Polizist, Staatsanwalt und Advokat aus, prellt Zechen und stiehlt. Dies bringt ihm 1865 eine Strafe von vier Jahren Arbeitshaus. Zwar wird er nach nur drei Jahren vorzeitig entlassen, doch er ändert sich nicht. 1870 bis 1874 muß er erneut für vier Jahre ins Zuchthaus.
Nach dieser Entlassung wendet sich May erstmals intensiv der Schriftstellerei zu. Als Redakteur der Wochenblätter „Der Beobachter an der Elbe“ und „Frohe Stunden“ veröffentlicht er erste eigene Erzählungen. Dies sind hauptsächlich heimatliche Novellen. Der Endgültige Durchbruch aber gelang ihm mit seinen „Reiseerzählungen“, die ab 1892 in Buchform erschienen. Den Ansporn dazu bekam durch seine Arbeit beim katholischen Familienblatt „Der Deutsche Hausschatz“, wo er von 1881 - 1887 angestellt war. Hier erschienen erste Teile seines Orient - Balkan - Zykluses: Die beiden berühmten Protagonisten Kara ben Nemsi und Hadschi Halef Omar treten erstmals auf. Da die Geschichten so real erscheinen, erklärt der Verlag bei Ausbleiben der Karl May -Erzählungen seinen Lesern immer wieder mit, May befinde sich auf Weltreise…der Mythos wird genährt.
Nachdem 1893 bis 1910 „Winnetou“ in vier Teilen veröffentlicht wird, ist der Durchbruch geschafft. Bereits 1895 werden jährlich über 60 000 Exemplare seiner Romane verkauft. Mit dem Jahre 1896 und dem stetigen Erfolg, steigt auch Mays Phantasie immer weiter über seinen Kopf und das reale Leben hinaus. Er lässt sich Visitenkarten drucken mit der Aufschrift: „Dr. Karl May, genannt Old Shatterhand / Radebeul Dresden / Villa
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Arbeit zitieren:
Heiko Wenzel, 2005, Karl May als Jugendbuchautor und Miterzieher, München, GRIN Verlag GmbH
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