Hausarbeit zum Proseminar:
Aktuelle Probleme der Medienpolitik - Strukturen und Akteure Wintersemester 1998/99
Vorgelegt von:
Frank Livani 4. Fachsemester, Magister
Bonn, den 31.1.1999
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1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund der Diskussion
3. Ausgewählte Wirkungstheorien
4. Ergebnisse der Wirkungsforschung
5. Neue Wege und Aufgaben der Medienwirkungsforschung
6. Fazit
7. Abkürzungsverzeichnis
8. Literaturverzeichnis
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Wie gewalttätig ist unsere Gesellschaft? Kann man diese Frage anhand der im Fern- sehen gezeigten Gewalt entscheiden oder wirkt sich die medial vermittelte und meist fiktive Gewalt nicht oder nur gering auf unsere Wirklichkeit aus. Dies ist eine Gretchenfrage der Medienwirkungsforschung 1 und sie kann sicher nicht in dieser Hausarbeit beantwortet werden. Feststellen läßt sich jedoch, daß es in erhöhtem Maße reale Gewalt gibt (man betrachte nur die Gewalt, die von rechtsextremen Randgruppen gegenüber ausländischen Mitbürgern verübt wird) und daß es einen Zusammenhang zwischen realer und fiktiver Gewalt in den Medien, insbesondere dem Massenmedium Fernsehen gibt. Man kann zwar feststellen, daß unser Alltag sehr gewaltfrei abläuft, weil das reibungslose Miteinander durch zahlreiche Gesetze und Verordnungen geregelt ist. Auch durch Krieg bedingte Gewalt kennen wir durch unsere stabile außenpolitische Lage nur mehr aus dem Fernsehen, aber Gewalt ist dennoch eine feste Größe in unserer Gesellschaft geworden. In dieser Hausarbeit möchte ich Umfragen und Forschungsergebnisse zu diesem Thema vorstellen und auswerten. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da dies bei der großen Menge an Literatur und Studien ein unmögliches Unterfangen darstellt. Im Fazit möchte ich meine, im Laufe der Seminararbeit durch die Lektüre zahlreicher Literatur erworbene Meinung darstellen und begründen.
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Mit dem Aufkommen der Schrift als Medium erfährt man zum erstenmal über die Diskussion um Gewaltdarstellungen in den Medien (zu dieser Zeit waren das Theater, Schrift und mündliche Überlieferung) und dessen Wirkung auf die Rezipienten. Schon damals gab es die kontroversen Ansichten, daß Gewalt in den Medien dem Rezipienten nicht schade, sondern sein eigenes Gewaltpotential senke (Aristoteles Katharsis-These) oder das die Darstellungen negative Effekte auf das Gemüt der Zuschauer haben könnte (von Seneca vertreten). 2 Die Diskussion über dieses Thema blickt also auf eine lange Tradition zurück. Überhaupt sind reale und detaillierte Gewaltdarstellungen in ver- schiedenen Medien keineswegs eine
1 Vgl.: Scholz, Rainer & Joseph, Peter; Gewalt und Sexdarstellungen im Fernsehen, Systematischer Problemaufriss mit Rechtsgrundlagen und Materialien; Bonn 1993; S. 45;
2 Kunczik, Michael: Zur Geschichte der Auseinandersetzung um Gewalt in den Medien; Gewaltdarstellungen ein Thema seit der Antike; in: Media Perspektiven; 3/1993; S. 108-113;
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Erfindung der Neuzeit und nur auf das Fernsehen beschränkt; schon in Homers Odyssee gibt es reichlich davon. Die Tradition der Gewaltdarstellungen reicht aber noch weiter zurück. Horror-Geschichten wurden schon in prähistorischen Zeiten erzählt, denn es gibt Höhlenmalereien, die Kämpfe zwischen Monsterwesen und Menschen zeigen. 3 Noch extremer erscheinen jedoch im Blick der heutigen turnusmäßig von verschiedenen Politikern aufgerollten Diskussion die blutigen und oft tödlichen Gladiatorenkämpfe im alten Rom, wo Gewalt ja nicht nur über ein Medium 4 dargestellt beziehungsweise vermittelt wurde, sondern real ausgeübt wurde. Gewaltdarstellungen jeglicher Art gab es also schon immer. Allerdings ist die historische Dimension des Themas bis jetzt erst in den Anfängen erforscht. 5 Es läßt sich jedoch allgemein feststellen, daß die Menschen eine eher negative Attitüde gegen jede Art von neuen Medien haben. So vertrat zum Beispiel im Jahre 1695 Kaspar Stieler in „Zeitungs Lust und Nutz“ eine recht differenzierte Theorie des Lernens durch Beobachtung, indem er darauf hinwies, daß in den Zeitungen Straf- taten in solcher Weise geschildert würden, daß es niemandem schwer fallen dürfte diese nachzuahmen, wenn er denn wollte. Aber er stellte auch gleichzeitig fest, daß schon die Bibel solche Beispiele gebe und man diese aber ja deswegen nicht verbieten könne.
Im England des 18. Jahrhunderts wurde mit der Einführung des Buches der Untergang der Kultur erwartet. 6 Es gab zu dieser Zeit in England circa 1000 Institute, die alle die Bücherregale kommerziell mit Schund überfüllten. Eine Flut von Massenliteratur ent- stand, mit immer denselben Themen: Schlüpfriges und Sensationelles, Pornogra- phisches und Skandalöses.
Der kulturelle Niedergang der Gesellschaft wird heute - etwa von Neill Postman 7 - dem kommerziellen Fernsehen mit nahezu identischen Argumenten, die Alexander Pope im 18. Jahrhundert gegen das Buch vertreten hat, zugeschoben.
Wie man sieht wiederholen sich die Argumentationsketten beziehungsweise Thesen gegen Gewalt auf der Bühne, im Fernsehen oder in Büchern immer wieder; denn wenn die 1993 amtierende Bundesministerin für Frauen und Jugend Angela Merkel von einer Spirale der Reizüberflutung spricht 8 , meint sie damit, daß den Rezipienten immer gewalttätigere Szenen vorgesetzt werden müssen, um sie überhaupt anzusprechen; der Rezipient stumpft also mit der
3 Vgl.: Daniels, Les: Living in fear; A history of horror in the mass-media; London 1975;
4 Anm.: Ursprünglich ist ein Medium ja nur ein Mittel zur Weitergabe und Verbreitung von Informationen durch Sprache, Gestik, Mimik, Schrift, Bild und Musik; Vgl.: LexiROM © 1995-1996; Microsoft Corporation und Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus; Eintrag: Medium;
5 Vgl.: Wilke, Jürgen: Nachrichtenauswahl und Medienrealität in vier Jahrhunderten; Berlin 1984;
6 Vgl.: Löwenthal, Leo: Literatur und Gesellschaft; Neuwied 1972;
7 Postman, Neill; Wir amüsieren uns zu Tode; Frankfurt am Main 1985;
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Arbeit zitieren:
Frank Livani, 1999, Standpunkte der aktuellen Diskussion um Gewalt im Fernsehen und ausgewählte Medienwirkungstheorien, München, GRIN Verlag GmbH
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