Kurze rhythmische Elemente zu Pattern kom binieren und in Bewegung, Instrumentalspiel und Notation umsetzen 1
1. Begründung des Themas
Rhythmen begegnen uns nicht nur in allen Lebensbereichen sondern durchdringen den Menschen selbst in Herzschlag, Puls, Atmung, Bewegung und Sprachrhythmus. Unabhängig von Art und Schwere einer Behinderung werden musikalische Schwingungen auditiv und vibratorisch wahrgenommen und können unwillkürliche Bewegungsreaktionen auslösen. „Gerade Kinder mit Beeinträchtigungen sind besonders darauf angewiesen, ihren Körper als Instrument zu entdecken, ihren eigenen Rhythmus und diesen im Takt mit anderen nach und nach immer mehr fließen zu lassen“ (AMBROSIUS, 79). Im Lehrplan werden rhythmische Erfahrungen im Bereich „Musikalische Grundelemente im Instrumentalspiel“ begründet. Demnach werden im Musikunterricht einfache Rhythmen gestaltet, gemeinsam gespielt sowie durch Symbole oder Noten dargestellt (vgl. BKM, 309). Als Merkhilfen für rhythmische Bausteine wird der Einsatz grafischer Notation bzw. Notenschrift vorgeschlagen (vgl. BKM, 302). „Musikmachen steht im engen Zusammenhang mit körperlicher Bewegung und bildhafter Darstellung“ (HKM, 7).
2. Sachanalyse
„Rhythmus ist eine geordnete und strukturierte Folge von Bewegung und Ruhe, von Spannung und Entspannung“ (KLEIN, 244).
Musik spielt sich immer in einer bestimmten Zeit ab. Durch die Wiederholung und/oder Akzentuierung einzelner musikalischer Abläufe entsteht eine musikalische Struktur. Diese ist nur möglich in Bezug zum grundlegenden Metrum. Jeder Grundschlag (hier: Bär) kann in verschiedene Unterteilungsschläge gegliedert werden (hier: Wild-schwein). „Durch das Spielen oder Weglassen von Grund-, Gegen- oder Unterteilungsschlägen lassen sich rhythmische Motive aufbauen“ (TISCHLER, 32). Das kleinste rhythmische Motiv besteht aus der Kombination zweier Elemente. „Je einfacher der Rhythmus ist, desto mehr kann er als Gerüst fungieren, das Sicherheit vermittelt und auch Sinnbild und Grundlage gemeinsamer Gruppenaktivität sein kann“ (TISCHLER, 32). Kleinere rhythmische Einheiten können besser imitiert werden als metrische (vgl. SHUTER in BRUHN, 292). Rhythmus-Pattern sind in sich abgeschlossen. Schläge, Pause, Betonung, Klangfarbe, Tondauer und Gesamtlänge bestimmen dessen Charakter. „Das Mitmachen von Rhythmen ist schwerer als das Nachmachen. Am einfachsten ist es, wenn das Kind seinen eigenen Rhythmus finden und durchhalten darf“ (SHUTER in BRUHN, 292). Die Umsetzung von Rhythmen erfordert das Unterbrechen und damit das Einstellen auf andere akustische oder visuelle Zeichen, das Umschalten von einer jetzigen auf eine künftige Tätigkeit und das Durchhalten des einmal Angefangenen (vgl. SCHREIBLAUER in KLEIN, 245).
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3. Struktur der Unterrichtseinheit
Die Unterrichtseinheit gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Sequenzen: Die erste dient der Entdeckung unterschiedlicher Bewegungsformen in Einzel-, Partner-, Gruppenspielen durch spontane und gelenkte Bewegungen zur Musik. „Die Schüler brauchen genügend Zeit, in der sie beim Musikerleben selbst Bewegungsformen erproben und Erfahrungen mit dem eigenen Körper, im Raum sowie mit den angebotenen Materialien sammeln können“ (BKM, 303). In der zweiten Sequenz werden diese Bewegungen auf das Trommelspiel kanalisiert. Im Mittelpunkt steht hier zunächst die Verbindung von Tritt und den akustischen Signalen Trommel und Sprache. Die Aneignung der exemplarischen Elemente Bär und Wild-schwein geschieht durch die Imitation von Schritten. Deren Tierspuren (Element) dienen zur Veranschaulichung der langen und kurzen Bewegung und stellen den Rhythmus als Vorstufe zur traditionellen Notation grafisch dar. „Ein überwiegend praxisorientiertes Unterrichtskonzept schließt nicht aus, dass von Zeit zu Zeit auch Aufgaben in Form von notierten Rhythmen oder kleine Kompositionsaufträge verteilt werden können“ (MORITZ).
Die dritte Sequenz greift die erarbeiteten Pattern der zweiten auf und setzt sie in die Bewegungsformen der ersten Sequenz ein. Hierbei geht es um das Einschwingen in den Rhythmus eines vorgegebenen Musikstückes und begleiten mit dem selbst erarbeiteten Pattern. In allen drei Sequenzen sind die Elemente Ganzkörperbewegung und Trommelspiel enthalten.
4. Lerngruppenanalyse
Die musik alischen Parameter „schnell“ und „langsam“ wurden in einer früheren Unterrichtseinheit ausführlich in Bewegung und Instrumentalspiel erfahren. Daran anknüpfend erfolgte eine Umsetzung in freie und vermehrt gebundene Bewegungsformen, die hier in das Schreiten auf einer bildlichen Vorlage und das Trommelspiel münden.
Anna
kann einzelne Rhythmuselemente gut voneinander unterscheiden und schnell instrumental umsetzen. Ihre Mitarbeit in Besuchssituationen ist dabei recht verhalten. So kann es sein, dass sie erst nach einiger Beobachtung aktiv einsetzt.
Annelise
kann die Unterscheidung von schnell - langsam durch Laufen - Gehen umsetzten. Die Übertragung von gleichmäßigen Rhythmen auf die Trommel erreicht sie für kurze Zeit, wenn sie sich an einem akustischen Vorbild orientieren kann. Handführung lässt sie nur gelegentlich und
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für eine begrenzte Dauer zu. Bewegungen in senkrechter Richtung fallen ihr leichter als in waagerechter.
Bert
ist in der Lage, kurze Rhythmuselemente auf Bodypercussions und Trommeln umzusetzen. Seine spieltechnischen Fähigkeiten lassen auch feinmotorische Unterscheidungen zu. Dabei ist vermehrt auf zeitliche und motorische Präzision zu achten.
Karl
nimmt Bewegungsformen schnell auf und imitiert sie. Bei der Übertragung der Elemente auf das Trommelspiel ist ihm sein Sprachrhythmus und die optische Kontrolle eine gute Anleitung.
Konni
setzt Bewegungen nur sparsam ein. Ein mangelndes Gleichgewichtsgefühl erschwert ihr zusätzlich die Verlagerung des Gewichtes, was zum Stampfen notwendig ist. Konni orientiert sich mehr am instrumentalen Vorbild als an der Unterstützung durch Sprachrhythmen.
Sabine
beteiligt sich sehr motiviert am Musikunterricht. Ihre überschwänglichen Gefühlsäußerungen können gelegentlich dazu führen, dass bei der Umsetzung von Pattern in Bewegung das Tempo zu schnell gewählt wird. Hier können LiV/ E 1 sprachlich und motorisch unterstützen.
Tibur
orientiert sich stark am Lehrervorbild in visueller und akustischer Weise. Bei der Umsetzung von rhythmischen Elementen in Bewegung benötigt er etwas Zeit.
Thomas
demonstriert bei der Umsetzung rhythmischer Elemente gelegentlich Unlust, wenn er auf Mitschüler warten muss. Daher wird er immer wieder besonders angesprochen und in das Gruppengeschehen miteinbezogen.
1 LiV = Lehrkraft im Vorbereitungsdienst. E = Erzieher
Arbeit zitieren:
Jessica Freis, 2005, Unterrichtsstunde: Kurze rhythmische Elemente zu Pattern kombinieren und in Bewegung, Instrumentalspiel und Notation umsetzen (5. Klasse), München, GRIN Verlag GmbH
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