1. Einleitung _______________________________________________________________ 3
2. Die aktuelle Krise auf dem Ausbildungsstellenmarkt_____________________________ 4 2.1 Die Situation der Jugendlichen __________________________________________ 5 2.2 Die Situation des Staates________________________________________________ 5 2.3 Die Situation der Unternehmen__________________________________________ 7 2.3.1 Unternehmensstrategische Erwägungen _________________________________ 8 2.3.2 Gesamtgesellschaftliche Faktoren ______________________________________ 9
3. Der Ausbildungspakt _____________________________________________________ 10 3.1 Von der Ausbildungsplatzabgabe zum Ausbildungspakt ___________________ 10 3.2 Inhalte und Ziele _____________________________________________________ 11 3.3 Parallelen zur Vergangenheit___________________________________________ 13 3.4 Eine erste Zwischenbilanz zum Ausbildungspakt __________________________ 15 3.5 Möglichkeiten und Grenzen des Ausbildungspaktes________________________ 16
4. Persönliche Stellungnahme und Fazit _______________________________________ 19 Quellenverzeichnis_________________________________________________________ 20 Gesetzestexte ___________________________________________________________ 20 Literaturverzeichnis _____________________________________________________ 20
1. Einleitung
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Situation am Beschäftigungsmarkt und der am Ausbildungsmarkt besteht. Wenig Arbeit bedeutet auch weniger Ausbildungsplätze (vgl. z.B. Berufsbildungsbericht 2004, 104f.; Schlaffke 1996, 48). Von rund 60% ausbildungsberechtigten Betrieben in Deutschland bilden nur ungefähr 30% auch tatsächlich aus (vgl. IAB 2004a). Diesen Zustand zu ändern und wieder mehr Unternehmen für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen ist seit Jahren Gegenstand und Ziel verschiedenster bildungspolitischer Interventionen.
Vor diesem Hintergrund unterzeichneten am 16. Juni 2004 Vertreter von Regierung und Wirtschaft ein Dokument mit dem Namen „Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland“.
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Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mit Rückblick auf die Vorjahresentwicklungen zunächst die angespannte Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt darzustellen, um anschließend deren Ursachen und Effekte aus verschiedenen Perspektiven zu beleuc hten.
Kernthema des Hauptteils ist der Ausbildungspakt selbst. Neben seiner Entstehungsgeschichte, seinen Inhalten und Zielen werden auch Parallelen zur Verga ngenheit aufgezeigt, um schließlich auf Grundlage der ersten Zwischenbilanz zum Pakt dessen Möglichkeiten und Grenzen zur Steigerung des Ausbildungsplatzangebotes zu diskutieren.
Den Schlussteil bildet eine kurze persönliche Stellungnahme.
2. Die aktuelle Krise auf dem Ausbildungsstelle nmarkt
Die Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen ist nach § 1 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) in Deutschland dual angelegt, erfolgt also an zwei Lerno rten: im Ausbildungsbetrieb (bzw. Behörde) und in der Berufsschule. Über Bestand bzw. Krise dieses Systems scheiden sich seit Jahren die Geister (vgl. Schlaffke 1996). Fakt ist jedoch, dass es nach wie vor von einem Großteil der Jugendlichen auf ihrem Weg ins Berufsleben durchlaufen wird - allerdings mit einer sinkenden Tendenz.
So ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2003 im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken, und zwar um 2,6%, so dass sich seit 1998 die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um insgesamt 11,6% verringert hat (vgl. Berufsbildungsbericht 2004, 1f.).
Wie jedes Marktgeschehen unterliegt auch der Ausbildungsmarkt den Grundsätzen von Angebot und Nachfrage.
Im Berufsbildungsförderungsgesetz (BerBiFG) § 3 Abs. 2 wird das Angebot an Ausbildungsplätzen definiert als die Summe aus den bis zum 30. September neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen und den bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten, noch unbesetzten Stellen.
Die Nachfrage ergibt sich entsprechend aus der Anzahl der bis zum 30. September neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zuzüglich der Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit erfassten, noch nicht vermittelten Bewerber.
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Laut Berufsbildungsbericht 2004 betrug die Angebots-Nachfrage-Relation im Bundesgebiet im Jahr 2003 96,6, was bedeutet, dass für je 100 Nachfrager nur 96,6 Ausbildungsplätze vorhanden waren (vgl. a.a.O., 9).
2.1 Die Situation der Jugendlichen
Auf die unausgewogene Angebots-Nachfrage-Relation reagieren die Jugendlichen mit zunehmend verhaltener Nachfrage und münden statt dessen immer häufiger in Alternativen ein (z.B. Schule, Berufsvorbereitung, Studium, Arbeit, freiwilliges soziales Jahr). Dass es sich hierbei jedoch nicht um eine generelle Absage an das duale System handelt, sondern häufig um Anpassungstendenzen als Reaktion auf ein zu geringes Ausbildungsplatzangebot, zeigen die 46.703 Jugendlichen, die laut Vermittlungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit und der Berechnungen des Bundesinstituts für Bildung zwar alternativ verblieben sind, aber dennoch weiterhin ihren Vermittlungswunsch für eine Ausbildungsstelle im dualen System aufrechterhielten (vgl. Berufsbildungsbericht 2004, 64f.).
Aufgrund der Ergebnisse einer repräsentativen BA/BIBB-Bewerberbefragung aus den Jahren 2001 und 2002 (vgl. Ulrich/Ehrenthal/Eden/Rebhan 2002) ergaben sich für das Jahr 2003 zudem Schätzungen, die sogar noch um 20.000 höher lagen, wenn man zugrunde legt, dass viele der alternativ verbliebenen Bewerber auch noch zwei Monate nach offiziellem Ausbildungsbeginn gerne eine Berufsausbildung im dualen System begonnen hätten (vgl. Berufsbildungsbericht 2004, 64). So dass zu den 35.015, von der Bundesagentur für Arbeit als unvermittelt registrie rten, Jugendlichen, die zum Ende des Vermittlungsjahres 2002/2003 (Zeitraum 01.10-30.09.) noch keinen Ausbildungsplatz hatten, weitere 46.703 hätten hinzuaddiert werden müssen, was dann einer Ausbildungsplatzlücke von rund 81.700 entsprochen hätte.
2.2 Die Situation des Staates
Eine übergeordnete Aufgabe der Berufsbildungspolitik besteht darin, Ausbildungsplatzkapazität und -qualität unter Berücksichtigung zeitlicher, demografischer, regionaler und sektoraler Aspekte zu gewährleisten.
Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen im Rahmen des dualen Systems hauptsächlich durch die Unternehmen er-
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folgt und nur zu geringen Teilen durch öffentliche Träger. Ferner darf sie nicht willkürlich, sondern muss in Abstimmung sowohl an vorgefundene als auch sich stets wandelnde Strukturen erfolgen.
Dadurch ergeben sich Steuerungs- und Regulationsaspekte und somit ein ordnungspolitisches Thema bzw. Problem (vgl. Kutscha 1994, 14). Unter Ordnungspolitik „werden alle Institutionen, Gesetze, Regeln und Handlungen ve r-standen, die es ermöglichen, die Wirtschaft nach den Prinzipien von Markt und Wettbewerb zu organisieren. Dabei kommt es vor allem darauf an, den Wettbewerb zu sichern und die Freiräume des Einze lnen für seine wirtschaftliche Betätigung zu gewährleisten“ (Wir tschaft und Schule 2004).
Bezogen auf Steuerungs- und Regulierungsaspekte kann das duale System „als ein staatlich und korporativ gesteuertes Mischsystem marktwirtschaftlicher Prägung“ (Kutscha 1994, 16) verstanden werden. An der Steuerung sind die drei Instanzen Staat, Markt (Wirtschaft) und so genannte „intermediäre“ (zwischengeschaltete) Organe wie Kammern oder Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften beteiligt (vgl. a.a.O., 16).
Wie bereits in Kapitel 2 beschrieben, findet die Berufsausbildung im dualen System an zwei Ausbildungsorten statt, nämlich in den Betrieben (bzw. Behörden) und staatlichen Berufsschulen.
„Vor allem im kleinbetrieblichen Bereich wird die betriebliche Ausbildung vielfach durch Ausbildungsphasen in überbetrieblichen Ausbildungsstellen ergänzt, die mehrheitlich von Kammern und Innungen, also korporativen Verbänden, getragen werden“ (a.a.O., 20).
Die Kosten für die betriebliche Ausbildung werden dabei in den meisten Fällen von den Betrieben, die Berufsschule vom Staat und die überbetriebliche Ausbildung durch Mitgliedsbeiträge der Betriebe an die Innungen oder Kammern finanziert (vgl. a.a.O., 20).
Theoretisch betrachtet haben alle Beteiligten, vor allem aus wirtschaft spolitischer Sicht, ein gemeinsames Interesse daran, jungen Menschen eine anspruchsvolle und zukunftsorientierte Ausbildung zu ermöglichen und sie zu qualifizierten Facharbeitern heranzubilden, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Allerdings sind die Unternehmen keineswegs verpflichtet Lehrstellen anzubieten. Auch wenn immer wieder gerne, z.B. von Seiten der Gewerkschaften (vgl. ver.di-
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Jugend 2004b), der Passus aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 10.12.1980 zitiert wird, demnach die „spezifische Verantwortung für ein ausreichendes Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen in der Natur der Sache nach bei den Arbeitgebern“ (Bundesverfassungsgericht 1980, 9) liegt, ist die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen durch die Unternehmen prinzipiell eine freiwillige Leistung.
Diese freiwillige Beteiligung der Wirtschaft hat sich, wie die in den letzten Jahren zunehmend wachsende Lehrstellenlücke gezeigt hat, als nicht mehr ausreichend erwiesen.
Problematisch ist dabei, dass in den letzten Jahren einerseits immer häufiger staatliche Regulierung gefordert wurde, um die Unternehmen zur Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen zu zwingen. Auf der anderen Seite jedoch „werden gerade die Interventionen des Staates für die Störungen der Ausbildungsstellenmarktes ve r-antwortlich gemacht“ (Kutscha 1994, 16).
Und somit stellt sich dem Staat die, wie Kutscha weiter ausführt, „Frage nach den ‚richtigen’ ordnungspolitischen Konzepten“ (a.a.O., 16), mit anderen Worten, „die einzelnen staatlichen Maßnahmen so auszubalancieren, dass Eingriffe des Staates oder anderer Gruppen den Marktmechanismus nicht aushebeln“ (Wirtschaft und Schule 2004).
Eine mögliche Antwort, deren angestrebter Erfolg sich aber erst noch erweisen muss, ist der Ausbildungspakt.
2.3 Die Situation der Unternehmen
Bei den Unternehmen trägt die dauerhaft angespannte wirtschaftlichen Lage immer häufiger dazu bei, dass zunehmend Kosten-Nutzen-Erwägungen in den Vorder-grund treten. Zedler und Klein sprechen in diesem Zusammenhang von der „Grat-wanderung der Betriebe zwischen gesellschaftspolitischer Verantwortung und betriebswirtschaftlichem Kalkül“ (1996, 35).
Angesichts des zuletzt genannten Zitats und nicht weniger Stimmen, die im freiwilligen Angebot der Wirtschaft zu einem Ausbildungspakt nur e in geschicktes Beschwichtigungsmanöver sehen, um weitgehend autonom zu bleiben (vgl. z.B. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft 2004), macht es Sinn, an dieser Stelle die Position der Unternehmen näher zu betrachten.
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Arbeit zitieren:
Yasmin Stiwitz, 2005, Der Ausbildungspakt - Möglichkeiten und Grenzen zur Steigerung des Ausbildungsplatzangebotes, München, GRIN Verlag GmbH
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