Welche Gründe sieht Walter Benjamin für die Veränderung des menschlichen Rezeptionsverhaltens bei der Betrachtung eines Films, im Gegensatz zu früheren Kunstformen?"
von Marcus Robbin
Inhalt
1 Einleitung 4
2 Kultwert und Austellungswert - Definitionen 4
3 Die Trennung der Kunst vom Kult,
ihre "Fundierung" auf die Politik und die Folgen für das menschliche Rezeptionsverhalten 7
4 Benjamins Vergleiche des Films mit den klassischen Darstellungsformen: Gemälde und Theater 9
5 Der Verfall der Aura durch die Reproduktionund Benjamins Rückschluß
auf damit verbundene gesellschaftliche Bedingungen 11
6 Mögliche Ansatzpunkte für eine Interpretation
von Walter Benjamins Aussagen aus dem Blickfeld der neunziger Jahre 13
7 Quellennachweise 15
1 Einleitung
Als einen entscheidenden Faktor der gerade aufkommenden Kunstrichtung "Film" auf dem Weltmarkt, im Gegensatz zu bereits bestehenden Kunstformen, beschreibt Walter Benjamin unter anderem das sich verändernde Rezeptionsverhalten des Konsumenten.
Aufgrund der in diesem Aufsatz noch darzulegenden filmwirtschaftlichen und psychologischen Gegebenheiten wirken, so W. Benjamin, sich diese Veränderungen sowohl auf die Kunst an sich, als auch auf die Gesellschaft als Ganzes aus und bewirken so die Entstehung einer neuen "Mediengeneration".
Die genannten Bedingungen für eine sich weiterentwickelnde Form der Apperzeption sollen in dieser Arbeit betrachtet werden.
2 Kultwert und Austellungswert - Definitionen
"Die Rezeption von Kunstwerken erfolgt mit verschiedenen Akzenten, unter denen sich zwei polare herausheben. Der eine dieser Akzente liegt auf dem Kultwert, der andere auf dem Austellungswert des Kunstwerkes" (1)
Walter Benjamin beschreibt die prinzipielle Wirkung eines Kunstwerks auf den Rezipienten mit den Begriffen Kult- und Austellungswert.
Ausgehend von der These, das "Ur-Kunstwerk" basiere auf dem magischen bzw. religiösen Ritual stellt er fest:
"Wie nämlich in der Urzeit das Kunstwerk durch das absolute Gewicht, das auf seinem Kultwert lag, in erster Linie zu einem Instrument der Magie wurde, das man als Kunstwerk gewissermaßen erst später erkannte, so wird heute das Kunstwerk durch das absolute Gewicht, das auf seinem Austellungswert liegt, zu einem Gebilde mit ganz neuen Funktionen, von denen die uns bewußte, die künstlerische, als diejenige sich abhebt, die man später als eine beiläufige erkennen mag." (2)
Mit diesem Zitat konstatiert der Autor darüber hinaus bereits die Wandlung der Sichtweise auf ein Kunstwerk durch den Faktor der Zeit. Doch welchen prinzipiellen Unterschied sieht er bei der Rezeption von beispielsweise einer Höhlenmalerei und einer Photographie?
Die Höhlenmalerei entstammt höchstwahrscheinlich einem Ritual, sei es z.B. das der Jagd oder der Fruchtbarkeit. Sein Sinn ist die Greifbarkeit eines für seine Zeitgenossen abstrakten Sachverhaltes. Seine Kontemplation erfordert die Aufmerksamkeit und Phantasie des Betrachters durch die meist rudimentäre Darstellungsweise. Ästhetische oder zur Ausstellung geeignete Gesichtspunkte treten bei der Schaffung in den Hintergrund, um dem Ritual, zu dessen Zweck das Werk entstand, volle Aufmerksamkeit zu verschaffen. Den Film beschreibt er als das Gegenstück dieser Theorie:
"Der Film drängt den Kultwert nicht nur dadurch zurück, daß er das Publikum in eine begutachtende Haltung bringt, sondern auch dadurch, daß die begutachtende Haltung im Kino Aufmerksamkeit nicht einschließt." (3)
[...]
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Marcus Robbin, 1998, Welche Gründe sieht Walter Benjamin für die Veränderung des menschlichen Rezeptionsverhaltens bei der Betrachtung eines Films, im Gegensatz zu früheren Kunstformen?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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