Zusammenfassung
Autoregressive bedingt heteroskedastische Modelle (G)ARCH bilden eine Modell-
klasse, mit der stochastische Prozesse beschrieben werden k¨ onnen, deren Volatilit¨ at
nicht konstant bleibt, sondern sich im Zeitverlauf ver¨ andert. Die vorliegende Arbeit
befasst sich mit dem Modelltyp GARCH(1,1), der in der Praxis oft zur Beschreibung
von Finanzzeitreihen eingesetzt wird (vgl. Bera und Higgins [2]).
Zuerst werden Kriterien f¨ ur die Stationarit¨ at und f¨ ur die Existenz und Endlichkeit
von Momenten eines GARCH(1,1)-Prozesses erl¨ autert. Danach werden einige in der
Literatur vorgeschlagene Erweiterungen des Standardmodells vorgestellt und hin-
sichtlich der Existenz der station¨ aren L¨ osungen und Momente untersucht. Anschlie-
ßend wird im Rahmen der Change-Point-Analyse ein sequentieller Test zum Erken-nen von Parameter¨ anderungen eines station¨ aren GARCH(1,1)-Prozesses detailliert
beschrieben. Dazu wird das asymptotische Verhalten der entsprechenden Teststati-
stik untersucht und die Grenzverteilung der zugeh¨ origen Stoppzeit bestimmt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 GARCH(1,1) - Modell 5
2.1 Struktur 5
2.2 Momente 7
3 Erweiterte GARCH(1,1) - Modelle 14
3.1 Struktur 14
3.2 Momente 20
4 GARCH(1,1) - Modell: Sequentielle Change-Point-Analyse 29
4.1 Motivation 29
4.2 Parametersch atzung f ur GARCH(1,1) - Modell 30
4.2.1 Darstellungen f ur GARCH(1,1) - Modell 30
4.2.2 Die Quasi-Maximum-Likelihood-Sch atzung 34
4.2.3 Einige Hilfsresultate 40
4.3 Test 48
4.3.1 Teststatistik unter H 0 50
4.3.2 Teststatistik unter H A 51
4.3.3 Beweis von Proposition 4.1 52
4.3.4 Beweis von Satz 4.5 59
4.3.5 Beweis von Satz 4.6 74
Literaturverzeichnis 77
1 EINLEITUNG 3
1 Einleitung
Bei finanz¨ okonometrischen Zeitreihen wie Renditen von Aktien- oder Wechselkur-
sen ist h¨ aufig beobachtet worden, dass die Renditen selbst zwar unkorreliert sind,
ihre quadrierten Werte weisen dagegen seriell eine hohe positive Korrelation auf.
Diese Besonderheit h¨ angt damit zusammen, dass die Volatilit¨ at, d.h. die bedingte
Streuung dieser Zeitreihen nicht konstant ist, sondern im Zeitablauf schwankt. Man
bezeichnet diese Eigenschaft als bedingte Heteroskedastizit¨ at der Zeitreihe. Als Kon-sequenz bilden sich Volatilit¨ atscluster: Phasen hoher Volatilit¨ at wechseln sich ab mit
Phasen geringer Volatilit¨ at.
Zur Modellierung von Kapitalmarktdaten wird die Klasse der autoregressiven be-
dingt heteroskedastischen Prozesse (ARCH 1 - Prozesse) eingesetzt. In diesem sto-
chastischen Modell wird die bedingte Varianz als lineare Funktion von vergange-nen quadrierten Werten der Zeitreihe dargestellt. Dadurch k¨ onnen die beschriebe-nen Charakteristika von Renditen gut abbilden werden. Eine weite Anwendung in
der Finanz¨ okonometrie findet insbesondere das verallgemeinerte ARCH - Modell
(GARCH 2 - Modell). Hier h¨ angt die bedingte Varianz nicht nur von den vergan-
genen quadrierten Realisationen der Reihe, sondern zus¨ atzlich von den bedingten
Varianzen der Vorperioden ab. Das klassische GARCH-Modell dient außerdem als
Grundlage f¨ ur eine Reihe von modifizierten Modellen, die unter anderem die empi-
risch beobachtete Asymmetrie der Volatilit¨ at bez¨ uglich des Vorzeichens vergangener
Schocks nachbilden k¨ onnen. Eine ¨ Ubersicht ¨ uber die erweiterten Modelle findet sich
z.B. in Engle und Ng [18].
Eines der wichtigsten Ziele der Modellierung von (¨ okonomischen) Zeitreihen ist die
Prognose der zuk¨ unftigen Entwicklung. Man sch¨ atzt das Modell aus einer Stichprobe
der Zeitreihendaten und versucht, damit die zuk¨ unftigen Werte vorherzusagen. Die
Prognose kann aber nur dann zuverl¨ assig sein, wenn die Parameter des zugrunde
liegenden datenerzeugenden Prozesses ¨ uber die Zeit stabil bleiben. Ansonsten muss
das Modell angepasst werden. Das Vorliegen von solchen Strukturbr¨ uchen kann mit
Methoden der Change-Point-Analyse getestet werden.
Die vorliegende Arbeit besch¨ aftigt sich mit dem in der Praxis weit verbreiteten
GARCH(1,1)-Modell von Bollerslev [9]. Eigenschaften wie Stationarit¨ at und Exi-
stenz von Momenten sollen untersucht werden. Der Schwerpunkt der Betrachtung
liegt jedoch auf der Untersuchung des Prozesses nach Strukturbr¨ uchen, genauer nach
Parameter¨ anderungen im Rahmen der sequentiellen Change-Point-Analyse. Der ur-
spr¨ unglich f¨ ur allgemeine GARCH(p, q)-Prozesse entwickelte sequentielle Test von
Berkes u.a. [6] soll f¨ ur das GARCH(1,1)-Modell spezifiziert und detailliert erl¨ autert
werden.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. In Kapitel 2 werden Bedingungen f¨ ur die Sta-
tionarit¨ at sowie f¨ ur die Existenz und Endlichkeit von Momenten der station¨ aren
1 autoregressive conditional heteroscedasticity
2 generalized ARCH
1 EINLEITUNG 4
Verteilung des GARCH(1,1)-Prozesses vorgestellt. Kapitel 3 behandelt einige Er-
weiterungen dieses Modells. Es werden einheitliche Kriterien f¨ ur die Existenz der
station¨ aren Verteilungen und Momente hergeleitet. Kapitel 4 besch¨ aftigt sich mit
der Change-Point-Analyse. Es folgt zuerst eine kurze Einf¨ uhrung in die Methode der
sequentiellen Change-Point-Analyse, danach wird die Quasi-Maximum-Likelihood-Methode der Parametersch¨ atzung eines station¨ aren GARCH(1,1)-Prozesses be-
schrieben. Schließlich wird der sequentielle Test von Berkes u.a. [6] f¨ ur das Auf-
decken von Struktur¨ anderungen beim GARCH(1,1)-Prozess ausf¨ uhrlich dargelegt.
Dabei wird das asymptotische Verhalten der entsprechenden Teststatistik unter-sucht und die Grenzverteilung der zugeh¨ origen Stoppzeit unter der Nullhypothese
bestimmt.
2 GARCH(1,1) - MODELL 5
2 GARCH(1,1) - Modell
2.1 Struktur
Definition 2.1. Ein stochastischer Prozess (y t ) t∈ Z heisst verallgemeinerter au-
toregressiver bedingt heteroskedastischer Prozess der Ordnungen 1 und 1,
kurz GARCH(1,1)-Prozess, wenn er f¨ ur t ∈ Z folgenden Gleichungen gen¨ ugt
mit
(ε t ) t∈ Z i.i.d. (2.3)
wobei ω > 0, β ≥ 0 und α ≥ 0.
Das allgemeine GARCH(p, q)-Modell entsteht, wenn man die Gleichung (2.2) um
die verz¨ ogerten Werte σ 2 t−2 , . . . , σ 2 t−q und y 2 t−2 , . . . , y 2 t−p erweitert (Bollerslev [9]). Das
GARCH-Modell enth¨ alt das ARCH-Modell als Spezialfall, wenn man β = 0 setzt,
= ARCH(1). Wenn α = β = 0, dann ist {y t } t∈ Z einfach ein d.h. GARCH(0, 1)
White-Noise-Prozess.
Eine der wichtigsten Eigenschaften einer Zeitreihe - vor allem in Bezug auf die Pro-
gnosen - ist die Stationarit¨ at. Wir nennen im Folgenden einen Prozess {X n } n∈Z stark
station¨ ar, wenn ∀n, m ∈ Z die Verteilung von (X n , X n+1 , . . . , X n+m ) unabh¨ angig
von n ist. {X n } wird schwach station¨ ar genannt, wenn ∀n, m ∈ Z gilt: E(X 2 n ) < ∞,
E(X n ) ist konstant, und Cov(X n , X n+m ) ist nur von m abh¨ angig. Die schwache Sta-
tionarit¨ at - im Gegensatz zur starken - erfordert die Existenz von mindestens zweiten
Momenten, was in der Praxis eine Einschr¨ ankung bedeuten kann. Denn es wurde
empirisch beobachtet, dass einige Zeitreihen (z.B. Wechselkurse) nicht quadratinte-grierbar, aber wohl stark station¨ ar sind. Wir untersuchen daher zun¨ achst nur die
starke Stationarit¨ at von {y t } t∈Z , im Folgenden kurz Stationarit¨ at genannt.
Als Erstes wird angenommen, dass
γ := E log(β + αε 2 0 )
existiert. Dabei wird nicht verlangt, dass γ endlich ist, nur dass die Erwartungswerte
vom positiven und negativen Teil von log(β + αε 2 0 ) nicht beide unendlich sind. Man
betrachte nun die rekursive Gleichung (2.2). F¨ ur jedes m ∈ IN und t ∈ Z gilt
2 GARCH(1,1) - MODELL 6
wobei angenommen wird, dass das Modell unendlich weit in der Vergangenheit star-tet. Nach der Anwendung des Logarithmus auf die Produkte erhalten wir
Die Folge {log(β + αε 2 i )} i∈Z ist nat¨ urlich i.i.d. wegen (2.3). Das starke Gesetz der
großen Zahl f¨ ur i.i.d. Zufallsvariablen liefert
Daher gilt fast sicher
Angewandt auf (2.4) ergibt dies
Wir nehmen dabei an, dass das Produkt ¨ uber eine leere Indexmenge gleich 1 ist.
Sei nun F t = σ(ε k | k ≤ t−1). Bei γ < 0 ist σ 2 1≤i≤k (β+αε 2 t = sup m∈IN ω t−i )
0≤k≤m
als Supremum von abz¨ ahlbar vielen messbaren Summen messbar bez¨ uglich F t−1 . Da
die Folge {ε 2 t } t∈Z nach Voraussetzung unabh¨ angig und identisch verteilt ist, ist sie
nach dem Lemma 3.5.8 von Stout [29] station¨ ar und ergodisch. Aus Theorem 3.5.8.
von Stout [29] folgt dann die Stationarit¨ at und Ergodizit¨ at von {σ 2 t } t∈Z und somit
auch von {y t } t∈Z . Ferner gilt f¨ ur jedes t ∈ Z die stochastische Unabh¨ angigkeit von
σ 2 t und ε t .
Schließlich kann man die notwendige und hinreichende Bedingung f¨ ur die Stationa-
rit¨ at eines GARCH(1, 1) - Prozesses formulieren (vgl. Nelson [26]).
1. Ist E[log(β + αε 2 t )] ≥ 0, so gilt σ 2 t = ∞ f.s. f¨ ur alle t ∈ Z. Satz 2.1.
2. Ist E[log(β + αε 2 t )] < 0, so besitzt das Modell (2.1)-(2.3) eine eindeutige sta-
tion¨ are und ergodische L¨ osung
Beweis: Zu (1): Siehe oben.
2 GARCH(1,1) - MODELL 7
σ 2 Zu (2): Es bleibt zu zeigen, dass die L¨ osung (2.5) eindeutig ist. Sei dazu t eine
weitere station¨ are und ergodische L¨ osung von (2.2). Durch Rekursion erhalten wir
f¨ ur k ∈ Z
Wegen
und damit
σ 2 σ 2 t − P > δ = 0
t
f¨ ur jedes beliebige δ > 0. Also ist σ 2 σ 2 t = t f.s.
Aus der Bedingung E[log(β + αε 2 t )] < 0 folgt unmittelbar, dass
β < 1, (2.6)
denn log β < E[log(β + αε 2 t )] < 0. Somit ist (2.6) eine notwendige Bedingung f¨ ur die
Existenz einer station¨ aren L¨ osung von (2.2).
2.2 Momente
Da σ t und ε t stochastisch unabh¨ angig sind, gilt E|y t | p = E|σ t | p E|ε t | p f¨ ur p > 0. F¨ ur
die Existenz der p-ten Momente von y t muss also vorausgesetzt werden, dass auch
ε t entsprechende Momente besitzt: E|ε t | p < ∞, p > 0. Nun werden Bedingungen f¨ ur
die Existenz der Momente von σ t hergeleitet.
Nelson [26] gab obere und untere Absch¨ atzungen f¨ ur die Momente von σ 2 t an.
Satz 2.2. Sei E[log(β + αε 2 t )] < 0 und ζ := E[(β + αε 2 t ) p ]. Wenn 0 < p ≤ 1, dann
gilt:
Wenn 1 ≤ p, dann gelten die umgekehrten Ungleichungen in (2.7).
Beweis: Wegen E[log(β + αε 2 t )] < 0 hat σ 2 t nach Satz 2.1 die Darstellung (2.5). F¨ ur
p ≤ 1 gilt dann
E[σ 2p t ] = ω p E
2 GARCH(1,1) - MODELL 8
F¨ ur die linke Gleichung in (2.7) benutzen wir Minkowski-Ungleichung und die Un-
abh¨ angigkeit von (ε t ) t∈Z .
F¨ ur p ≥ 1 gelten die umgekehrten Ungleichungen wegen 1/p ≤ 1.
Aus diesem Satz folgen unmittelbar die notwendige und hinreichende Bedingungen
f¨ ur die Endlichkeit der Momente.
Korollar 2.1. Sei p > 0 und E[log(β + αε 2 t )] < 0. Dann gilt f¨ ur alle t ∈ Z:
E[σ 2p E(β + αε 2 t ) p < 1. t ] < ∞ ⇐⇒
Beweis:
Sei 0
< p
≤
1. Wenn
ζ
=
E(β
+
αε
2
Summe in (2.7), so dass E[σ 2p
und damit E[σ 2p t ] = ∞. F¨ ur p ≥ 1 gelten entsprechende Aussagen.
Der folgende Satz, der auf Nelson [26] zur¨ uckgeht, liefert ein Kriterium f¨ ur die Exi-
stenz der Momente von der Ordnung r + δ, δ > 0, r ∈ Z.
Satz 2.3. Sei E log(β + αε 2 t ) < 0.
1. Wenn E| ε t | 2q < ∞ f¨ ur ein q > 0, dann gibt es ein p , 0 < p < q, so dass
E(β + αε 2 t ) p < 1.
2. Wenn zus¨ atzlich
E(β
+
αε
2
dass E(β + αε 2 t ) r+δ < 1.
Beweis: Als erstes wird mit der Minkowski-Ungleichung gezeigt, dass f¨ ur jedes t ∈ Z
gilt:
E(β + αε 2 t ) q < ∞ ⇐⇒ E|ε t | 2q < ∞.
2 GARCH(1,1) - MODELL 9
Sei 0 < q ≤ 1. Dann ist
E(β + αε 2 t ) q ≤ β q + α q E|ε t | 2q < ∞, falls E|ε t | 2q < ∞,
und
E|ε t | 2q ≤
F¨ ur q ≥ 1 gilt:
(E(β + αε 2 t ) q ) 1/q ≤ β + α(E|ε t | 2q ) 1/q < ∞, falls E|ε t | 2q < ∞,
und
(E|ε t | 2q ) 1/q ≤
Nach Theorem 194 und der Verallgemeinerung im Abschnitt 6.17 in Hardy u.a.[21]
folgt: Wenn (E(β + αε 2 t ) p ) 1/p eine stetige t ) q ) 1/q < ∞, dann ist p → (E(β + αε 2
Funktion f¨ ur 0 < p < q. Teil 2 folgt nun unmittelbar.
Wegen E(β + αε 2 t ) q < ∞ gilt weiter nach Theoremen 187 in Hardy u.a. [21]: Bei
q → 0 ist
(E(β + αε 2 t ) q ) 1/q ↓ exp(E log(β + αε 2 t )) < 1.
Somit existiert ein 0 < r < q mit E(β + αε 2 ) r < 1, und Teil 1 ist bewiesen.
Bemerkung 2.1. Satz 2.3 und Korollar 2.1 besagen insbesondere, dass f¨ ur eine
station¨ are GARCH(1, 1)-Folge {σ 2 t } t∈Z folgendes gilt: Wenn
Eε 2q 0 < ∞ f¨ ur ein q > 0,
dann ist
Eσ 2p 0 < ∞ und Ey 2p 0 < ∞
f¨ ur ein 0 < p < q. Es gilt sogar mehr: Laut Teil 2) des obigen Satzes existiert ein
δ > 0 mit
2(p+δ) 2(p+δ) < ∞ und Ey < ∞. Eσ
0 0
Wir nehmen nun an, dass
E[ε t ] = 0 und E[ε 2 t ] = 1, (2.8)
und betrachten bedingte und unbedingte Momente von y t . F¨ ur die Vorgeschichte des
Prozesses F t−1 := σ(y k | k ≤ t − 1) ist dann
E[y t |F t−1 ] = E[σ t ε t |F t−1 ]
2 GARCH(1,1) - MODELL 10
Damit ist auch E[y t ] = E[E(y t |F t−1 )] = 0, der GARCH(1,1)-Prozess ist also im
Mittel konstant. Die bedingte Varianz zum Zeitpunkt t, gegeben die Vergangenheit,
ist
t = 1, dann ist σ 2 (Wenn Eε t = 0 und Eε 2 t das bedingte zweite Moment von y t .
Wenn man zul¨ asst, dass das zweite Moment von ε t unendlich ist oder nicht existiert,
dann ist σ t einfach ein bedingter Skalenparameter f¨ ur y t .) Es wird deutlich, das die
bedingte Varianz von GARCH-Prozessen zeitabh¨ angig ist. Mit anderen Worten, es
liegt eine bedingte Heteroskedastizit¨ at vor. Der Koeffizient α steuert die Wirkung
der Innovationen ε t (Schocks) und β beinhaltet den Einfluss der vergangenen Vola-
tilit¨ at. Der GARCH-Effekt besteht nun darin, dass wenn der absolute Wert von y t−1
groß ausf¨ allt, weil ε t−1 oder σ t−1 groß sind, dann f¨ uhrt das zur Vergr¨ oßerung der
bedingten Varianz in der n¨ achsten Periode. Das macht das Auftreten eines großen
absoluten Wertes y t wahrscheinlicher, u.s.w. Auf der anderen Seite, wenn y t−1 na-
he zu 0 ist, dann wird die bedingte Varianz entsprechend kleiner, was wiederum
in einem kleineren Wert y t in der n¨ achsten Periode resultiert. Auf diese Weise bil-den sich Volatilit¨ atscluster: Phasen hoher Volatilit¨ at wechseln mit Phasen geringer
Volatilit¨ at.
Um die unbedingte Varianz zu bestimmen, nehmen wir wie im Korollar 2.1 an, dass
E(β + αε 2 0 ) = β + α < 1. Dann ist
d.h. der GARCH(1,1)-Prozess ist homoskedastisch. Die Kovarianzfunktion ist
Cov(y t , y t−j ) = E(y t y t−j ) = E[E(y t y t−j |F t−1 )] = E[y t−j E(y t |F t−1 )] = 0
f¨ ur j ≥ 1, also sind y t unkorreliert. Das zweite Moment ist unendlich, wenn β + α =
1. Somit l¨ asst sich die notwendige und hinreichende Bedingung f¨ ur die schwache
Stationarit¨ at f¨ ur {y t } t∈Z unter der Annahme (2.8) formulieren als (vgl. Bollerslev
[9], Theorem 1)
β + α < 1. (2.9)
2 GARCH(1,1) - MODELL 11
Wie man sieht, ist die Bedingung f¨ ur starke Stationarit¨ at E[log(β +αε 2 )] < 0 schw¨ a-
cher als die Bedingung f¨ ur schwache Stationarit¨ at. Diese Besonderheit ist wichtig f¨ ur
die Untersuchung von Prozessen, die keine Varianz besitzen, aber immer noch sta-tion¨ ar sein k¨ onnen, z. B. sog. integrierte GARCH, oder IGARCH - Prozesse (Nelson
[26]), f¨ ur die β + α = 1 gilt.
Obwohl y t unkorreliert sind, sind sie keineswegs unabh¨ angig, denn die qudrierten
Werte y 2 t sind sehr wohl korreliert. Um das zu sehen, kann eine neue Zufallsvariable
η t = y 2 t − σ 2 t = σ 2 t (ε 2 t − 1) definiert werden (vgl. Bollerslev [9]). Es gilt
E[η t |F t−1 ] = E[y 2 t − σ 2 t |F t−1 ] = E[y 2 t |F t−1 ] − σ 2 t = 0,
und somit E[η t ] = 0. Außerdem sind {η t } unkorreliert, denn f¨ ur j ≥ 1 ist
Cov(η t , η t−j ) = E(η t η t−j ) = E[E(η t η t−j |F t−1 )] = E[η t−j E(η t |F t−1 )] = 0.
Durch Substitution von σ 2 t durch y 2 t − η t erh¨ alt man
y 2 t = ω + (β + α)y 2 t−1 + η t − βη t−1 .
Dann l¨ asst sich die Autokovarianzfunktion γ(k) = Cov(y 2 t , y 2 t−k ) berechnen zu
Eine l¨ angere Rechnung ergibt f¨ ur die Autokorrelationsfunktion ρ(k) = Corr(y 2 t , y 2 t−k ) =
γ(k)/γ(0):
Wegen (2.9) hat ein station¨ arer GARCH(1,1)-Prozess eine asymptotisch gegen Null
gehende Korrelationsfunktion.
Schließlich betrachten wir noch die bedingte und unbedingte W¨ olbung κ eines
GARCH(1,1)-Prozesses.
2 GARCH(1,1) - MODELL 12
d.h. die bedingte W¨ olbung ist gerade die W¨ olbung der Verteilung der Innovation.
Die unbedingte W¨ olbung ergibt sich somit aus der bedingten durch Multiplikation
mit dem Faktor E(σ 4 t )/(Eσ 2 t ) 2 . Nach der Jensen-Ungleichung gilt aber
so dass die unbedingte W¨ olbung des Prozesses h¨ oher ist als die bedingte.
Bemerkung 2.2. Unter der Normalverteilungsannahme ε t ∼ N (0, 1) gab Bollerslev
([9], Theorem 2) eine notwendige und hinreichende Bedingung sowie eine explizite
Formel f¨ ur die 2m-ten Momente an: Genau dann, wenn
wobei
kann das 2m-te Moment durch die rekursive Gleichung
E[y 2m t ] = a m
ausgedr¨ uckt werden. Aus der Existenz der 2m-Momente folgt aus Symmetriegr¨ un-
den, dass E[y 2m−1 ] = 0.
t
Wenn also 3α 2 + 2αβ + β 2 < 1, dann ist
und der Kurtosiskoeffizient errechnet sich zu
Da nach der obigen Rechnung κ(y t ) ≥ κ(y t |F t−1 ) = κ(ε t ) = 3, ist die unbedingte
Verteilung des GARCH(1,1)-Prozesses leptokurtisch, d.h. die W¨ olbung im Zentrum
der Verteilung von y t ist st¨ arker und die Flanken sind dicker als bei Normalverteilung,
was h¨ aufig bei Finanzmarktdaten zu beobachten ist.
2 GARCH(1,1) - MODELL 13
Bemerkung 2.3. Zur Modellierung von Finanzzeitreihen werden f¨ ur den Innovati-
onsprozess neben der Normalverteilung auch andere Verteilungsannahmen gemacht,
die unter anderem die Modellierung von Prozessen erm¨ oglichen, die eine noch deut-
lichere leptokurtische Verteilung aufweisen und damit extreme Realisationen besser
erkl¨ aren. So untersucht Nelson [27] die verallgemeinerte Fehlerverteilung GED, die
t-Verteilung wird von Bollerslev [10] angewendet.
3 ERWEITERTE GARCH(1,1) - MODELLE 14
3 Erweiterte GARCH(1,1) - Modelle
3.1 Struktur
Ein wesentlicher Nachteil des Standard-GARCH-Modells (2.1)-(2.3) ist, dass es einen
symmetrischen Effekt von positiven und negativen Schocks auf die Volatilit¨ at unter-
stellt. Das folgt daraus, dass die verz¨ ogerten Innovationen in (2.2) nur in quadrati-
scher Form eingehen, sie haben also nur einen Gr¨ oßeneffekt, aber keinen Vorzeichen-
effekt. Schlechte und gute Nachrichten (ausgedr¨ uckt durch negative und positive Vor-
zeichen) haben in diesem Modell die gleiche Auswirkung. Man hat jedoch empirisch
beobachtet, dass die Volatilit¨ at z.B. bei Aktienrenditen nach negativen Nachrichten
st¨ arker steigt als nach positiven. Dieser sogenannte Leverage Effekt (vgl. Black [8])
wird durch das GARCH(1,1)-Modell nicht abgebildet. Daher sind in der Literatur
viele Erweiterungen des Standardmodells vorgeschlagen worden, die den Leverage
Effekt explizit ber¨ ucksichtigen. Im Folgenden werden einige von diesen erweiterten
Modellen sowie Modelle vorgestellt, die andere als in (2.2) funktionale Abh¨ angigkeit
der Volatilit¨ aten zugelassen.
Modell 1 : NGARCH
Das ” nonlinear asymmetric GARCH” - Modell, eingef¨ uhrt von Engle und Ng [18],
wird definiert durch
σ 2 t = ω + βσ 2 t−1 + α(ε t−1 + c) 2 σ 2
t−1
mit ω > 0, β ≥ 0 und α ≥ 0. Der Parameter c reguliert den asymmetrischen Effekt.
Falls c > 0, dann erzeugt ein positiver Schock mehr Volatilit¨ at als ein negativer
Schock.
Modell 2 : VGARCH
Die von Engle und Ng [18] vorgeschlagene Version des obigen Modells wird definiert
durch
σ 2 t = ω + βσ 2 t−1 + α(ε t−1 + c) 2
mit ω > 0, β ≥ 0 und α ≥ 0. Der Parameter c erfasst die Asymmetrie. Falls c > 0,
dann sind positive Schocks von den h¨ oheren Varianzen gefolgt, als negative Schocks
der gleichen Gr¨ oße.
Modell 3 : MGARCH
Das ” multiplikative GARCH” - Modell, eingef¨ uhrt von Geweke [19], wird definiert
durch
log(σ 2 t ) = ω + β log(σ 2 t−1 ) + α log(ε 2 t−1 ).
Hier k¨ onnen die Parameter auch negativ sein, denn durch die Anwendung der Ex-ponentialfunktion bleibt σ 2 t = exp(log(σ 2 t )) positiv. Dieses Modell beschreibt eine
multiplikative Abh¨ angigkeit der bedingten Volatilit¨ at von den verz¨ ogerten Innova-tionen.
Modell 4 : EGARCH
Auch beim ” exponential GARCH” - Modell (Nelson [27]) betrachtet man die loga-
3 ERWEITERTE GARCH(1,1) - MODELLE 15
rithmierten Volatilit¨ aten
log(σ 2 t ) = ω + β log(σ 2 t−1 ) + α(ε t−1 + γ|ε t−1 |)
mit γ = 0. log(σ 2 t ) kann auch negativ werden, daher sind keine Restriktionen an die
Parameter n¨ otig. In diesem Modell wird der asymmetrische Vorzeicheneffekt durch
γ und der Gr¨ oßeneffekt durch α gesteuert, daher ist α typischerweise positiv und
γ negativ. Wenn −1 < γ < 0, dann erh¨ ohen positive Innovationen die Volatilit¨ at
weniger als negative. Bei γ < −1 reduzieren positive ε t die Volatilit¨ at, wobei negative
ε t die umgekehrte Wirkung haben.
Modell 5 : TGARCH
Die Idee des ” threshold GARCH” - Modells (Zakoian [32]) ist, den Tr¨ ager der Vertei-
lung der Innovationen (bei Null) in disjunkte Intervalle zu unterteilen, um auf diese
Weise den Einfluss positiver und negativer Innovationen auf die bedingte Standard-
abweichung unterscheiden zu k¨ onnen:
σ t = ω + βσ t−1 + (α 1 |ε t−1 | + α 2 |ε t−1 |I(ε t−1 < 0))σ t−1
mit der Indikatorfunktion I(·) und ω > 0, β ≥ 0, α 1 > 0 und α 1 + α 2 ≥ 0. Sobald die
Innovation den Schwellenwert Null ¨ uberschreitet, erfolgt ein pl¨ otzlicher Steigungs-wechsel der Volatilit¨ atsfunktion.
Modell 6 : GJR-GARCH
Das Modell von Glosten, Jagannathan und Runke [20] ist eine Modifikation des
TGARCH-Modells, bei der statt der bedingten Standardabweichung die bedingte
Varianz betrachtet wird:
σ 2 t = ω + βσ 2 t−1 + (α 1 ε 2 t−1 + α 2 ε 2 t−1 I(ε t−1 < 0))σ 2
t−1
mit ω > 0, β ≥ 0, α 1 > 0 und α 1 + α 2 ≥ 0.
Modell 7 : TSGARCH
Die von Taylor [30] und Schwert [28] stammende Version des GARCH(1,1)-Modells
wird definiert durch
σ t = ω + βσ t−1 + α|ε t−1 |σ t−1
mit ω > 0, β ≥ 0, α ≥ 0. Im Gegensatz zum Standardmodell gehen hier absolute
statt quadrierter Gr¨ oßen in die Gleichung ein.
Nun wird versucht, eine gemeinsame Form f¨ ur die vorgestellten Modelle zu fin-
den, um einheitliche Kriterien f¨ ur die Existenz station¨ arer L¨ osungen und Momente
herzuleiten. In der Literatur trifft man verschiedene Ans¨ atze zur Behandlung von
erweiterten Modellen. He und Ter¨ asvirta [22] betrachten Prozesse von der Form
y t = h t ε t , h δ t = g(ε t−1 ) + c(ε t−1 )h δ t−1 f¨ ur δ = 1 oder 2 und P {h t > 0} = 1 und leiten
notwendige und hinreichende Bedingungen f¨ ur die Existenz von ganzzahligen Mo-
menten her. Ling und McAlleer [24] erweitern diesen Ansatz, indem sie die Stationa-
rit¨ at auch f¨ ur die F¨ alle mit allgemeinem δ > 0 zeigen. Allerdings beschr¨ anken sie sich
Arbeit zitieren:
Natalie Kulenko, 2005, Zur Strukturanalyse von bedingt heteroskedastischen Zeitreihen, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Taylor-Regel für die Geldpolitik - Ziele, Probleme und Umsetzung
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
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