1. Einleitung
Pflege ist im Idealfall nicht die Angelegenheit von Individuen, die sich um Individuen kümmern, sondern die Arb eit eines Teams, dessen Mitglieder Wertvorstellungen besitzen, welche sich auf einer Ebene befinden und deren Kompetenzen beim Erreichen von gemeinsamen Zielen freigesetzt werden.
Die Realität sieht jedoch meist anders aus. Der pflegerische Alltag scheint idealer Nährboden für Konflikte zu sein. Personelle Unterbesetzung, Überlastung durch strukturelle Gewalt, schwierige Klienten, wie z.B. gerontopsychiatrische Bewohner, geringe Anerkennung und hierarchische Organisationsstrukturen können Konflikte begünst igen bzw. Konflikte hervorrufen. Hinzu kommen die Zusammenarbeit sehr unterschiedlicher Berufsgruppen, verschiedener Generationen und Nationalitäten. Konflikte gibt es in jeder Gruppe. Nach meinen Erfahrungen sind sie in der Regel mit negativen Gefühlen verbunden und werden häufig tabuisiert. Doch sollte sich jeder Mitarbeiter und insbesondere jede Führungskraft, welche die Hauptverantwortung für ein konstruktives Arbeitsklima trägt, mit dieser Thematik auseinandersetzen. Die besondere Relevanz des Themas „Umgang mit Konflikten“ für jede Form der Zusammenarbeit erfordert die theoretische Reflexion von Konfliktbewältigungsstrategien. Bleibt eine konstruktive Konfliktbewältigung aus, so ist eine störungsfreie Kommunikation und Zusammenarbeit des Teams und somit eine effektive Pflege nicht mehr gewährleistet. Zudem spielt bei der Auswahl des Themas meine Unzufriedenheit im Umgang mit Konflikten am Arbeitsplatz eine maßgebliche Rolle.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, Möglichkeiten eines konstruktiven Umgangs mit zwischenmenschlichen Konflikten aufzuzeigen, da Konfliktfähigkeit eine Schlüsselkompetenz darstellt und im praktischen Alltag notwendig ist, um tragfähige Lösungen von Konflikten im Team zu finden und um die Zusammenarbeit, Toleranz und Offenheit sowie eine faire Streitkultur unter den Mitarbeitern zu stärken (vgl. Mahlmann 2000, S.20). Im folgenden Kapitel wird der Frage nachgegangen, was man unter einem Konflikt versteht und welche Arten von Konflikten es gibt.
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Im dritten Kapitel wird ein Überblick ü ber häufige Konfliktursachen im Pflegeteam gegeben. Daran schließt sich im vierten Kapitel die Darstellung der Stufen der Konflikteskalation an. Das fünfte Kapitel widmet sich der Bewertung von Konflikten im Team. Es folgt eine Auswahl von zentralen Konfliktlösungsstrategien im sechsten Kapitel. Als Ergänzung des Themas wird im siebten Kapitel die Bedeutung von Konfliktprävention skizziert. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.
2. Konfliktarten - Ein Überblick
Das Wort Konflikt stammt von dem lateinischen Wort „conflictus“, was „Zusammenstoß, Kampf“ bedeutet. Entscheidendes Merkmal eines Konflikts ist demnach der Zusammenprall von unvereinbaren Gefühlen und Gedanken, Wünschen und Zielen, Absichten und Entscheidungen, Bewertungen und Beurteilungen sowie geg ensätzlichen Verhaltensweisen und Handlungen.
Erstens können sich die daraus resultierenden Spannungen in unserem Inneren abspielen. Hierbei handelt es sich um sogenannte intrapersonale Konflikte. Zum Beispiel der innere Konflikt einer Wohnbereichsleitung , Organisations- und Teaminteressen gegeneinander abwägen zu müssen. Zweitens gibt es interpersonale bzw. soziale Konflikte, bei denen zwei oder mehrere Personen nicht miteinander klar kommen (vgl. Mahlmann 2000, S. 17). Beispielsweise wenn zwei Altenpfleg er sich über die Behandlungsweise eines Bewohners uneinig sind oder wenn es einen Konflikt zwischen der Wohnbereichsleitung und dem Team gibt. Häufig können innere Konflikte auf andere Personen übertragen werden. Aus einem intrapersonalen Konflikt wird dann ein interpersonaler Konflikt (vgl. Fehlau 2002, S.9). Sind die Konfliktparteien innerhalb einer Gruppe anzutreffen, handelt es sich um einen intra-Gruppenkonflikt. Ein Konflikt zwischen zwei Gruppen wird als inter-Gruppenkonflikt bezeichnet. In dieser Hausarbeit beschränke ich mich auf die Darstellung von interpersonellen und sozialen Konfliktgeschehen im Team. Es geht zum einen um Konflikte zwischen Einzelpersonen im Team und zum anderen um gruppeninterne Konflikte (intra-Gruppenkonflikte),
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die zu Auseinandersetzungen, Bildung von Fronten, Spaltungen oder auch Ausgrenzungen von Gruppenmitgliedern führen können. Neben der Unterteilung der Konflikte in intrapersonale- und interpersonale, intragruppen- und Intergruppen-Konflikte lassen sich Konflikte au ch hinsichtlich ihres Konfliktanlasses bzw. ihres Themas einteilen. Nach Mahlmann sind die geläufigsten Konfliktarten: - Der Interessenkonflikt: Das Thema sind hier die unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse der Konfliktgegner.
- Der Zielkonflikt: Er steht meistens in enger Verbindung mit dem Interessenskonflikt, da unterschiedliche Interessen mit verschiedenen und unvereinbaren Zielen zusammenhängen.
- Der Beurteilungskonflikt: Hier ist die Art und Weise wie ein gemeinsam geplantes Ziel erreicht werden der Konfliktgegenstand.
Beurteilungskonflikte entstehen durch den Einfluss unterschiedlicher Informationen bzw. die unterschiedliche Verarbeitung von Informationen, die auf eine Entscheidung hin wirken können. - Der Verteilungskonflikt: Bei dieser Konfliktart streiten sich die Konfliktparteien vordergründig um den größten Anteil einer begrenzten Sache, die verteilt werden sollen, wie z.b. um Material, Geld, eine Führungsposition, aber auch um Anerkennung.
- Der Rollenkonflikt: Ein Rollenkonflikt entsteht, wenn bei einer Person die Verhaltensweisen nicht mit ihrer Rolle übereinstimmen. - Der Strukturkonflikt: Formale und organisatorische Festlegungen oder Prozeduren sind hier Anlass des Konflikts.
- Der Beziehungskonflikt: Hier steht der Beziehungsaspekt im Vordergrund. Thema und Anlass des Konflikts ist die gestörte Beziehung der Konfliktpartner.
- Der Wertekonflikt: Unterschiedliche moralische Werte, Normen und Weltanschauungen bilden bei diesem Konflikttyp den thematischen Schwerpunkt.
In der Praxis sind die meisten Konflikte sehr vielschichtig und können ineinander übergreifen. Eine theoretische Differenzierung der Konfliktarten dient jedoch einer Vereinfachung eines Konflikts durch die Reduktion der Vielschichtigkeit.
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Indem geklärt wird, wo der thematische Schwerpunkt eines Konflikts liegt, kann eine konstruktive Konfliktlösung gezielt unterstützt werden (vgl. Mahlmann 2000, S. 83).
3. Häufige Konfliktursachen im Pflegeteam
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Pflegeteams in der stationären und ambulanten Pflege sind heute zahlreichen Belastungsfaktoren ausgesetzt für deren Verarbeitung aufgrund des zunehmenden Kostendrucks immer weniger Zeit und Mittel zur Verfügung stehen. Ein schlechtes Arbeitsklima mit unzufriedenen Mitarbeitern blockiert eine konstruktive Zusammenarbeit im Team.
Eine häufige Ursache für Konflikte im Pflegeteam ist, dass alle Mitarbeiter trotz ihrer unterschiedlichen Zielvorstellungen und Zielgewichtungen zu einer gemeinsamen Konzeption bezüglich der Pflege und Betreuung der Zupflegenden finden müssen (Zielkonflikt) (vgl. Hirsch 2002, S. 137). Es kann zum Beispiel zu einem Konflikt darüber kommen, ob bei einem gerontopsychiatrisch erkrankten Menschen ein Realitätsorientierendes Training Sinn macht oder nicht.
Eine weitere konfliktauslösende Belastungssituation ist die hohe Mitarbeiterfluktuation in der Pflege. Der einzelne Mitarbeiter muss sich immer wieder auf neue Kollegen einstellen. Zudem arbeitet er nie in einem konstanten Team, sondern muss sich, bedingt durch die Teilzeit - und Schichtarbeit, täglich mit andern Mitarbeitern absprechen (vgl. Hirsch 2002, S.137). Hier kommt es immer wieder zu Informationsdefiziten und Streitigkeiten mit unkooperativen Mitarbeitern. Oder Bewohner versuchen Mitarbeiter gegeneinander auszuspielen. Hinzu kommen
Kompetenzgerangel zwischen Altenpflegehelfern und Altenpflegern sowie ein zunehmender Konkurrenzdruck zwischen festangestellten Mitarbeitern und Mitarbeitern mit befristeten Arbeitsverträgen, die sich beispielsweise auf Kosten anderer profilieren wollen, um eine Verlängerung ihres Arbeitsvertrages zu erwirken.
Auch aufgrund eines überhöhten Erwartungsdruckes seitens der Leitung, von Bewohnern, von Angehörigen aber auch vom Team selbst, können häufig Konflikte entstehen.
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Arbeit zitieren:
Astrid Zwanzig, 2005, Umgang mit Konflikten im Pflegeteam, München, GRIN Verlag GmbH
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