1. EINLEITUNG
Für meine Abschlussarbeit für das PS „Schule und Unterricht entwickeln“ habe ich mich für das Thema „Die Bedeutung der Schule bei der Berufswahl“ entschieden, da ich mich schon vorangegangenen Lehrveranstaltungen damit beschäftigt habe. Besonders innerhalb eines Seminars bei Prof. Klingler kam dieses Thema im Zuge einer Diskussion zur Sprache. Ich wollte mich weiter damit beschäftigen und habe mich deshalb entschlossen, dies im Zuge dieser Arbeit zu tun. Meine Hauptquelle dabei war die Diplomarbeit von Frau Brigitte Burger, die 1987 zu diesem Thema gearbeitet hatte.
Ich glaube, dass das Thema der Berufswahl im herkömmlichen Unterricht sowohl in Pflichtschulen oder Gymnasien, als auch später in Höher- bzw Berufsbildenden Schulen vernachlässigt wird. Der Unterricht zielt mehr auf die Vermittlung von umfangreichen Lehrinhalten, der praktische Bezug zu konkreten Berufen wird nicht hergestellt. Da ist es für den Schüler natürlich sehr schwer nach Beendigung seiner Schulkarriere eine Entscheidung zu treffen. Meist wird die Berufswahl vom gewählten Schultypus beeinflusst und weniger durch die Information über einzelne Berufssparten.
Mit meiner Arbeit wollte ich mich selbst auf diese Problematik aufmerksam machen, damit ich dies später in meinem eigenen Unterricht im Hinterkopf behalte.
2. DIE ROLLE DER SCHULE BEI DER BERUFSWAHL 1
„Der Prozess der Berufsentscheidung fällt in die Schulzeit; der Schüler sollte nach der abgeschlossenen Schulpflicht eigentlich wissen, welchen Weg er weiter
1 Vgl. Brigitte Burger, 1987, 96-99.
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gehen will. [...] Die Schule hat die Funktion, das Kind und den Jugendlichen auf den Erwachsenenstatus vorzubereiten, d. h. für das erlernen von öffentlichen und nicht mehr familiären Rollen zu präformieren. Innerhalb der Erwachsenenrollen ist die Berufsrolle von großer Bedeutung sowohl für den einzelnen als auch für das gesamte System.“ 2
„Die Schule bzw. der Lehrer können wertvolle Hilfestellung bei der Berufswahl leisten. Sie erfüllen dafür zwei wichtige Voraussetzungen: sie sollten eigentlich die einzelnen Schüler halbwegs gut kennen bzw. deren Vorlieben, Interessen und Begabungen sowie auch über ihre Möglichkeiten Bescheid wissen und sie haben wohl auch einen gewissen Einblick in die Berufswelt.“ 3 Dieser Anforderung können jedoch die meisten Lehrer nicht gerecht werden, da sie durch den großen Lehrstoff und der begrenzten Zeitspanne überfordert sind. Aber gerade in naturwissenschaftlichen Fächern sind die Schüler hauptsächlich auf die Schule angewiesen, denn im Elternhaus besteht nur in wenigen Fällen die Möglichkeit, sich mit Physik oder Chemie auseinanderzusetzen. „…Wenn schon das Elternhaus nicht mehr die Anreize schaffen kann, Technik und Naturwissenschaft als spannendes und kreatives Aufgabenfeld zu vermitteln, dann sollte dies der Schule gelingen.“ 4
Auch vom Arbeitsamt werden Berater in die Schulen geschickt, doch deren Zeitmangel ermöglicht nur einen oberflächlichen Einblick in die Berufswelt und könne auf die eigentlichen Fragestellungen der Schüler nur ungenügend eingehen. Doch wäre meiner Meinung nach die Schule am Besten geeignet dem Schüler einen Einblick in die Berufswelt zu geben. Einerseits hat die Schule Zugang zu verschiedensten Beratungs- und Informationsstellen, von deren Existenz ein Schüler nur selten eine Ahnung hat, andererseits verbringt ein Jugendlich er einen sehr großen Teil seiner Zeit in der Schule.
2 Rosmarie Nave-Herz, 1977, 599.
3 Brigitte Burger, 1987, 97.
4 Ortwin Renn, 30.8.2002.
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Neben einer Beratungsfunktion sollte es in der Schule bzw. im Unterricht möglich sein, auf die praktische Anwendbarkeit der Lehrinhalte einzugehen und die zugehörigen Berufsfelder zu umreißen.
3. WAS BEDEUTET DER BEGRIFF „BERUFSWAHL“
Die Charakterisierung der Berufswahl als Prozess war nicht immer selbstverständlich, in früheren Zeiten war man der Ansicht, die Berufswahl sei ein punktueller Entschluss, den man einmal trifft und bei dem man dann auch sein ganzes Leben lang bleibt. Eine Berufswahl ist grundsätzlich erst möglich, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist, dass bestimmte Berufe nur an gewisse Personen weitervererbt werden, sondern jeder, unabhängig von der Schicht oder den elterlichen Berufen, relativ frei seinen Beruf aussuchen kann. [relativ: es gibt auch heute noch genügend Einschränkungen] 5
„Berufswahl wurde ursprünglich als einmalige Handlung gesehen, die am Ende der Schulzeit erfolgt und gewissermaßen das Scharnier zwischen Schule und Berufswelt bildet. In den letzten zwanzig Jahren [Zitat aus 1973] hat sich dagegen die Ansicht durchgesetzt, dass sie nicht ein punktuelles Geschehen ist, sondern ein Prozess über Zeit.“ 6
Ein Jugendlicher hat heute nur in Ausnahmefällen nach Abschluss der Schulzeit seine Berufswahl schon getroffen. Unter Zeitdruck können alle positiven und negativen Konsequenzen der Entscheidung nicht gründlich durchdacht werden, deswegen sollte der Jugendliche von seiner Umwelt mehr Zeit für seine Entscheidung erhalten. Obwohl dies auch heute noch nicht in ausreichendem Maße erfolgt, ist die Situation dennoch besser als in den vergangenen Jahrzehnten, wo die Berufswahl für den Jugendlich meist kein Prozess, sondern ein schneller, eingeschränkter Entscheidungsmoment war.
5 Brigitte Burger, 1987, 10.
6 Martin Kohli, 1973, 1.
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Man ist sich einig, „dass Berufswahl ein (fast) lebenslanger Prozess ist, der bereits damit beginnt, dass man in eine bestimmte Familie hineingeboren wird.“ 7
Es ist heute nicht mehr ungewöhnlich, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Neuorientierung im Berufsleben kommt und der Beruf gewechselt wird. In vielen Berufssparten ist dies sogar überlebenswichtig geworden. Man kann in der heutigen Zeit nicht mehr davon ausgehen, den Beruf, den man sich nach der Schule gewählt hat, für den Rest seines Lebens ausüben zu können.
Die Berufswahl ist immer eine Entscheidung zwischen verschiedenen Laufbahnmöglichkeiten, diese werden jedoch durch die persönlichen Fähigkeiten und die Verfügbarkeit der Berufe schon eingegrenzt. Es ist sinnvoll einen Beruf zu wählen, der seinen Fähigkeiten entspricht und auch gebraucht wird. Die ersten Entscheidungen zur Berufswahl werden schon durch die Wahl der Schulausbildung getroffen, der Zugang zu einer Vielzahl an Berufen ist an schulische Qualifikationen gebunden. 8
Die Be rufswahl hängt auch entscheidend mit dem Entwicklungsprozess des Einzelnen zusammen, sinnvolle Entscheidungen können nur mit einem gewissen Erfahrungshintergrund getroffen werden. Im Laufe seiner Entwicklung lernt man verschiedene Berufe kennen und kann auf Grund einer Verknüpfung mit den eigenen Fähigkeiten und Wünschen eine Wahl treffen. Bei der Berufswahl gibt es nicht nur die Interessen eines speziellen Individuums, das zu einem für sich selbst möglichst befriedigenden Beruf gelangen möchte, sondern auch das gesellschaftliche Interesse, möglichst geeignete Leute am geeigneten Ort zu haben, um höchste Rentabilität zu erzielen. 9
„Berufswahl hat also immer eine individuelle und eine gesellschaftliche Komponente.“ 10
7 Martin Kohli, 1973, 64.
8 Brigitte Burger, 1987, 12.
9 Brigitte Burger, 1987, 13.
10 Brigitte Burger, 1987, 14.
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Arbeit zitieren:
Karin Wieser, 2001, Die Bedeutung der Schule bei der Berufswahl, München, GRIN Verlag GmbH
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