Bis in die 30er Jahre war die Zahl der Auswanderungen nach Palästina gering gewesen, erst als die jüdische Bevölkerung Europas vermehrt Verfolgungen und in den 40er Jahren der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten ausgesetzt waren, wandten sich die europäischen Juden stärker dem Zionismus und somit auch der Idee eines eigenen jüdischen Staates zu.
Theodor Herzl und auch die späteren zionistischen Führerpersönlichkeiten weigerten sich vehement die Ansprüche der in Palästina lebenden Araber in ihren Plänen für ein jüdisches Palästina zu berücksichtigten. Es wurde einfach vorausgesetzt, dass sich die arabische Bevölkerung zurückziehen und ihre Heimat zu Gunsten der neuen jüdischen Siedler verlassen würden.
2. THEODOR HERZL UND SEIN „JUDENSTAAT“
Die Zielsetzungen des Zionismus wurden einerseits durch das Werk Theodor Herzl’s, als auch auf den folgenden Zionistenkongressen festgelegt. „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt der Kongreß folgenden Mittel in Aussicht: 1. Die zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden. 2. Die Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft durch
3. Die Stärkung des jüdischen Volksgefühls und Volksbewusstseins. 4. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Regierungszustimmungen, die nötig
2 Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des I. Zionisten - Kongresses in Basel 1897, o.O.; zit. nach Walter Hollstein, Kein Friede um Israel. Zur Sozialgeschichte des Palästina-Konflikts, Berlin 1984, 51.
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In der Öffentlich wurden die zionistischen Ziele immer nur mit gleichzeitiger Zusicherung der Wahrung der Rechte der arabischen Bevölkerung Palästinas präsentierte, die Praxis zeigte jedoch in den Jahrzehnten der jüdischen Kolonisation die grundsätzliche Missachtung jeglicher arabischer Rechte und Ansprüche seitens der Juden. Theodor Herzl schrieb etwa in seinen Tagebüchern, dass die einheimische Bevölkerung Palästinas nach Abschluss der jüdischen Inbesitznahme des Staates möglichst „unbemerkt“ in die Nachbarländer abgeschoben werden sollte. Auch sollte Arabern keine Arbeit gegeben und der Erwerb von Grundeigentum erschwert werden. 3
Die Grenzen des „Judenstaates“ sollten nach Herzl mit den biblischen Reichen Salomons und Davids übereinstimmen, sollten somit also von der Sinai-Halbinsel unter Einschließung großer Teile Syriens bis Hazar Enan und vom Mittelmeer bis an die Ostgrenzen Jordaniens reichen. Damit beeinflusste Herzl schon Ende des 19. Jahrhunderts die spätere Expansionspolitik der israelischen Regierung nach 1948.
Die Protokolle des 1. Zionistenkongresses zeigen, dass diese Zielvorstellungen von Herzl übernommen worden sind und dass der Kongress bei den Beratungen die Anwesenheit der arabischen Bevölkerung in Palästina vollständig ignoriert hat. 4 „Es kann in Palästina nur eine nationale Heimstätte geben, und die muß jüdisch sein. Zwischen Juden und Arabern ist kein Band der Gleichheit möglich, sondern nur ein jüdisches Übergewicht, das sich dann einstellen wird, wenn die Vertreter unserer Rasse sich genügend vermehrt haben werden.“ 5
3 Walter Hollstein, Kein Friede um Israel, 52f.
4 Walter Hollstein, Kein Friede um Israel, 53.
5 Dr. Eder vor der Haycraft-Kommission 1921, zit. nach William Ziff, The Rape of Palestine, London 1948, 149.
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Im Gegensatz dazu versuchten die Zionistenkongresse der späteren Jahre, auf Grund der immer stärker werdenden Protesten der arabischen Bevölkerung in Palästina, der Weltöffentlichkeit und dem arabischen Kulturkreis zu versichern, dass allein ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinanderleben angestrebt werde. In der praktischen Politik wurden diese öffentlichen Versicherungen nicht umgesetzt, sondern dienten nur zur Ablenkung von den eigentlichen Zielen der zionistischen Bewegung.
3. DIE BALFOUR DECLARATION
Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde der zionistische Traum von der Rückkehr der Juden nach Palästina vor allem durch die Türkische Herrschaft über Palästina verhindert. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges bestand die einzige Möglichkeit Palästina von den Türken zu befreien, in einem Sieg der alliierten Mächte gegen Deutschland und seine Verbündeten (Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich, Bulgarien).
Noch vor Ende der Kriegshandlungen kam es, angeregt durch die Erfolge General Edmund Allenby’s im Mittleren Osten, seitens der englischen Regierung zu der berühmten „Balfour Declaration“. Die „Balfour Declaration“ war ein kurzer Brief von Arthur James Balfour, dem damaligen englischen Außenminister, an Lord Rothschild, dem Oberhaupt der zionistischen Vereinigung in Groß Britannien:
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Die Gründe für diese Erklärung waren sehr vielfältiger Natur. Einerseits wollte die britische Regierung mit der Einrichtung eines jüdischen Palästinas ihre Interessen im Mittleren Osten auf Dauer sichern. Der Landweg vom Mittelmeer zu den britischen Kolonien Indien und Ostafrika, der bisher von den Türken versperrt gewesen war, wäre unter den Einfluss von Groß Britannien gelangt. Andererseits brauchte die britische Regierung das Wissen und die Unterstützung des Biochemikers Chaim Weizmann, einem der führenden Köpfe der zionistischen Bewegung in Europa. Dieser hatte ein Verfahren entwickelt, synthetisch Aceton herzustellen, was von immenser Bedeutung für die britische Kriegswirtschaft gewesen war.
6 Zit. nach Werner Keller, Und wurden zerstreut unter alle Völker. Die nachbiblische Geschichte des jüdischen Volkes, München - Zürich 1966, 510. 7 Will Varner: www.foigm.org/IMG/varner6.htm
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Arbeit zitieren:
Karin Wieser, 2002, Die arabische Welt und das Judentum, München, GRIN Verlag GmbH
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