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Inhaltsverzeichnis
Vorwort. 3
1. Das Plusquamperfekt - ein unproblematisches Tempus? 4
2. Bedeutung und Gebrauch des Plusquamperfekts. 5
2.1. Semantik. 5
2.2. Pragmatik. 6
2.2.1. Plusquamperfekt und Perfekt. 6
2.2.2. Relativer Gebrauch des Plusquamperfekts. 7
2.2.2.1. Das futurische’ Plusquamperfekt. 10
2.2.2.2. Streckformen. 11
2.2.3. Absoluter Gebrauch des Plusquamperfekts. 12
3. Das Plusquamperfekt als Spiegel der Tempusproblematik. 14
Bibliographie. 15
Quellenverzeichnis 18
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Vorwort
Die Bandbreite an einschlägiger Literatur zum Plusquamperfekt ist, verglichen mit den anderen Vergangenheitstempora, sehr überschaubar. Diese „stiefmütterliche Behandlung“ (BREUER/ DOROW 1996: 1) ist unter anderem auf die scheinbare Problemlosigkeit des Plusquamperfekts zurückzuführen (dazu auch HAUSER-SUIDA/ HOPPE-BEUGEL 1972: 160). Dass dieses Urteil vorschnell ist, wird noch zu zeigen sein.
Besonders hervorzuheben im Zusammenhang mit der Darstellung des Plusquamperfekts sind neben den Arbeiten von HAUSER-SUIDA/ HOPPE-BEUGEL (1972), VATER (1994) und KROEGER (1977) vor allem die Untersuchungen von EROMS (1983 und 1984) und BREUER/ DOROW (1996).
Die vorliegende Arbeit soll sich mit den unterschiedlichen Gebrauchsweisen beschäftigen, in denen das Plusquamperfekt auftaucht und diese anhand von Beispielen aus der neueren deutschen Literatur zu belegen versuchen. Diese ausdrückliche Beschränkung auf Belege aus der geschriebenen Sprache soll zum einen der von HENNIG (2000: 4) geäußerten Kritik an den meisten Tempus-Abhandlungen und deren stillschweigender Gleichsetzung von gesprochener und geschriebener Sprache Rechnung tragen; zum anderen setzt „die künstlerische Verwendung von Sprache ein in der Sprache angelegtes Potential“ (RAUH 1985: 63) frei, das im alltäglichen (also zumeist mündlichen) Sprachgebrauch nicht zum Tragen kommt. D. h. die verschiedenen Erscheinungsformen des Plusquamperfekts, das den anderen Tempora gegenüber ohnehin vergleichsweise selten auftritt (BREUER/ DOROW 1996: 1), sind am ehesten in literarischen Texten zu fassen 1 .
1 Wobei die direkte Rede, die in der Literatur ja auf vielfältige Art und Weise anzutreffen ist, sicherlich einen Grenzbereich markiert, zumal, wenn sie etwa in Dialekten auftritt.
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1. Das Plusquamperfekt - ein unproblematisches Tempus?
„Unter den Vergangenheitstempora des Deutschen ist das Plusquamperfekt verhältnismäßig wenig den kontroversen Diskussionen ausgesetzt“, stellt EROMS (1983: 58) fest. So herrscht etwa weitgehend Einigkeit darüber, dass das Plusquamperfekt als monosemes Tempus (HELBIG/ BUSCHA 1975: 129) anzusehen, d. h. dass es in all seinen Verwendungsweisen auf eine Grundbedeutung zurückzuführen ist.
Probleme und Meinungsverschiedenheiten treten an der oft diffusen Grenze zwischen Semantik und Pragmatik auf. 2 So werden dem Plusquamperfekt teilweise zwei Bedeutungen zugerechnet 3 , ohne dass im einzelnen immer klar wäre, ob nicht pragmatische Faktoren (vgl. auch GREWENDORF 1982: 233) ausschlaggebend sind für bestimmte Erscheinungsformen des Plusquamperfekts und ob nicht die Temp usbedeutung unverändert bleibt.
Dem von GREWENDORF (1982: 231) sog. „futurischen Plusquamperfekt“ wird gar die „Vorzeitigkeit eines Geschehens gegenüber einem anderen, das vergangen ist“ abzusprechen versucht (DIELING 1980: 231).
Und auch terminologisch ist man von einer Einheitlichkeit teilweise weit entfernt. 4 So führen BREUER/ DOROW (1996: 12f.) „auch auf die Gefahr hin, zur ohnehin bestehenden Bezeichnungsverwirrung beizutragen“ neben den synonymen Termini der ‚Referenz’- und der ‚Betrachtzeit’ einen dritten gleichbedeutenden Begriff, den der ‚Orientierungszeit’ ein.
Die Feststellung v on VATER (1983: 201), dass über die deutschen Tempora keineswegs Einigkeit unter den Linguisten herrsche, scheint also auch hinsichtlich des Plusquamperfekts ihre Berechtigung zu finden.
Dieser Arbeit liegt somit in Übereinstimmung mit EROMS (1983: 58) der Gedanke zugrunde, dass bei der Untersuchung der unterschiedlichen Erscheinungsformen des Plusquamperfekts vor allem zwischen seiner Bedeutung und seinem Gebrauch zu unterscheiden sein wird (vgl. auch GREWENDORF 1982: 218f. und LENERZ 1986: 140).
2 Hauptsächliches Unterschiedsmerkmal zwischen Semantik und Pragmatik dürfte die Differenz zwischen wörtlicher und nicht-wörtlicher Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks sein (BREUER/ DOROW 1996: 4).
3 STEUBE (1980: 22) etwa unterscheidet zwischen den zwei Bedeutungen „resultative“ und „entfernte Vergangenheit“ und auch DIELING/ KEMPTER (1994: 13) rechnen dem Plusquamperfekt „mindestens zwei Bedeutungsvarianten“ zu.
4 EROMS (1983: 58) stellt beispielsweise fest, dass mit der Bezeichnung des Plusquamperfekts als absolutem Tempus völlig unterschiedliche Vorstellungen verbunden werden.
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2. Bedeutung und Gebrauch des Plusquamperfekts
2.1. Semantik
Basierend auf dem System von REICHENBACH (1947: 288) wird dem Plusquamperfekt im allgemeinen folgende Grundbedeutung zugeschrieben: Die Ereignis- (oder Aktzeit) liegt vor der Referenz- (oder Betracht- bzw. Orientierungszeit) und diese wiederum liegt vor der Sprechzeit (vgl. SUIDA 1970: 123, DIELING 1980: 232, EROMS 1983: 61, VATER 1994: 71 und BREUER/ DOROW 1996: 22), wobei die im Plusquamperfekt dargestellten Ereignisse oder Vorgänge zum Sprechzeitpunkt immer abgeschlossen sind (EROMS 1983: 61). Durch das Partizip II des Verbs wird die Abgeschlossenheit (vgl. VENNEMANN 1987: 234) des vergangenen Geschehens markiert und durch die Präteritumform des Auxiliars haben/ sein wird dieses Geschehen auf eine präteritale Erzählebene bezogen (KROEGER 1977: 397). Es werden gewissermaßen die Begleitumstände oder die Vorgeschichte eines Präteritalberichtes im Plusquamperfekt wiedergegeben (KROEGER 1977: 198).
Das Plusquamperfekt in seiner ‚analytischen’ (DIELING/ KEMPTER 1994: 7) (oder auch ‚periphrastischen’) Form stellt als „Vorvergangenheit“ (VATER 1994: 71 und DUDEN 1995: 145) in Bezug zu einer vergangenen Referenzzeit (BUßMANN 1990: 591) somit (wie das Futur II) ein sog. ‚relatives’ 5 (EROMS 1983: 58) oder ‚indirektes’ (KROEGER 1977 : 200) Tempus dar.
Über diese Grundbedeutung herrscht, wie bereits erwähnt, weitgehend Einigkeit und so sollen die dieser Bedeutung scheinbar zuwiderlaufenden Erscheinungsformen des Plusquamperfekts (man denke vor allem an das ‚futurische’ Plusquamperfekt) im Bereich der Pragmatik behandelt und zu erklären versucht werden. Auch BREUER/ DOROW (1996: 5) plädieren dafür, eine Tempussemantik möglichst unabhängig zu formulieren von „kontextuellen Faktoren und sekundären Verwendungsweisen“. Dass dieses Unterfangen mit Problemen befrachtet ist, sieht LENERZ (1986: 150) auch der schwierigen „Situation der Forschung im Grenzbereich von Semantik und Pragmatik“ geschuldet. BUSCHA (1981: 129) aber bezweifelt, dass eine „kontextfreie Betrachtung von Tempusformen [...] zur Klärung des Charakters der [...] Tempora führen kann“. 6 Diese kontextuelle Betrachtung ist demnach in der Pragmatik anzustellen.
5 RADTKE (1998: 175) bezweifelt das, da das Plusquamperfekt auch in einfachen Sätzen vorkommen könne.
6 Was m. E. keinen Widerspruch zu BREUER/ DOROW (1996: 5) darstellt, da diese die kontextuellen Faktoren ja nur im Bereich der Semantik ausblenden und sie stattdessen in der Pragmatik behandelt wissen wollen.
Arbeit zitieren:
Andreas Lehmann, 2005, Die Gebrauchsweisen des Plusquamperfekts, München, GRIN Verlag GmbH
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