Karsten P. Hartdegen: „Das duale System der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland - Symptome
und Phänomene einer Krise, neuralgische Punkte und strukturelle Probleme“
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Kritik und Ausstieg der Arbeitgeber aus dem dualen System der Berufsausbildung4
3. Abstimmungsprobleme zwischen dualem System und Beschäftigungssystem. 7
4. Rekrutierungsprobleme und die Abwendung traditioneller Bewerbergruppen. 11
5. Verschärfter Selektions- und Verdrängungswettbewerb und das Ansteigen der
Abbruchquoten 13
6. Weitere Probleme und Krisenphänomen 16
6. 1 Benachteiligung von Frauen. 16
6. 2 Organisatorische und materielle Vernachlässigung der Berufsschule 17
6. 3 Benachteiligung von AusländerInnen im dualen System 18
7. Resümee, Ausblick und Diskussion zur Zukunft der dualen Berufsausbildung. 19
Bibliographie 24
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Karsten P. Hartdegen: „Das duale System der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland - Symptome und Phänomene einer Krise, neuralgische Punkte und strukturelle Probleme“
1. Einführung
In einer Berufsgesellschaft wie der Bundesrepublik Deutschland sind das berufliche Bildungswesen und seine Leistungen von zentraler Bedeutung. Es trägt wesentlich zur qualifizierten beruflichen Ausbildung großer Teile der Erwerbsbevölkerung bei, wobei der Ausbildung im dualen System eine überragende Stellung zukommt. Inzwischen und mit steigender Tendenz können mehr als 60% der Erwerbsbevölkerung eine in Betrieb und Berufsschule absolvierte Lehre vorweisen (vgl. Gukenbiehl 1998, S. 94). Die Berufsschule wird nur wenigen Erwartungen gerecht, welche man an privatwirtschaftlich geführte Institutionen stellen könnte, da zum Beispiel Probleme der Ausbildung in der Berufsschule eher im Betrieb aufgearbeitet werden als umgekehrt.
Die Berufsschule erfüllt damit nicht die (elementare) Aufgabe, die gesamte Ausbildungssituation zu analysieren und zu reflektieren. Obwohl die Berufsschule nicht unmittelbar dem privatwirtschaftlichen Verwertungsprinzip unterworfen ist, wird sie jedoch partiell durch die Vorgabe der Lehr- und Prüfungsinhalte gebunden. Die Berufsschule stimmt jedoch die Ausbildung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Schule und Betrieb nicht genug ab (vgl. Holtmann 1979, S. 249).
In den Medien tauchen zahlreiche weitere, z. T. sehr aktuelle Krisenphänome der beruflichen Bildung auf. Häufig ist von einem Lehrstellenmangel, einer Minderqualifizierung der Auszubildenden, von einer Verdrängung der Hauptschüler durch AbiturientInnen die Rede, ohne daß analysiert und reflektiert wird, wie diese Tendenzen und Phänomene im gesamtgesellschaftlichen, aber auch ökonomischen Bild zu skizzieren sind. Weiterhin scheint das duale System für viele Menschen die beste Antwort auf unterschiedlichste wirtschaftliche, strukturelle und soziale Probleme der Bundesrepublik Deutschland zu sein.
Wenn nun von einer Krise dieses „Vorzeigesystems“ insbesondere im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft gesprochen wird, gerät das Gesamtsystem ins Wanken. Vielfach wird sodann versucht, das komplexe Problem des Modells Deutschland in einer globalisierten Weltwirtschaft über eine radikale Reformierung der Berufsausbildung auf eine Bildungssystemstrukturreformierung zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit dadurch wieder herzustellen.
Indes: Die Notwendigkeit der Reformierung der Strukturen des dualen Systems der Be-
3
Karsten P. Hartdegen: „Das duale System der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland - Symptome und Phänomene einer Krise, neuralgische Punkte und strukturelle Probleme“ rufsausbildung ist fast unbestritten, der Weg dorthin und der Umfang der Reformen sind jedoch Anlaß etlicher Kontroversen.
Ich werde in dieser Hausarbeit die gravierendsten Krisenpunkte und -phänomene herausstellen, sie kurz bewerten und zum Abschluß einen Ausblick auf die Zukunft des dualen Systems der Berufsausbildung wagen.
2. Kritik und Ausstieg der Arbeitgeber aus dem dualen Sys-
tem der Berufsausbildung
Da in der Bundesrepublik Deutschland die korporatistische Zusammenarbeit in der Berufsbildung und in der Berufsbildungspolitik zwischen Staat, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden eine lange Tradition hat, sind vor dem historischen und europäischen Hinter-grund die Vorstellungen der Sozialpartner über die Steuerung der Berufsbildung von besonderer Bedeutung (vgl. Kaiser et al. 1997, S. 65).
Nun hat die Industrie die Zahl ihrer Ausbildungsplätze in den letzten fünf Jahren um gut 20 Prozent verringert, so daß das duale System der Berufsausbildung hierdurch ernstlich in Gefahr gerät, zu einer qualifikatorischen Restgröße - ähnlich der Hauptschule - zu verkommen (vgl. Glotz 1999; Greinert 1995b, S. 136).
Dieser Rückgang des Angebotes an Ausbildungsstellen hat darüber hinaus die bestehenden Ungleichgewichte in regionaler und branchenbezogener Hinsicht gravierend verschärft. Der in der Gesamtbilanz ausgewiesene Überhang ist in mehreren Arbeitsamtsbezirken nicht mehr gegeben (vgl. Jost 1995, S. 73) 1 .
Die direkte staatliche Einflußnahme auf die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen ist in den 80er Jahren in Westdeutschland nach dem gescheiterten Versuch mit dem „Ausbildungsplatzförderungsgesetz“ sehr gering geblieben, da der Anteil der Ausbildungskapazitäten im öffentlichen Dienst mit 4 % (1986) gegenüber der privaten Wirtschaft kaum ins Gewicht fiel (vgl. Weishaupt et al. 1988, S. 65).
1 Die augenblickliche Tendenz läßt - wenn auch regional höchst unterschiedlich - Hoffnung aufkommen: 1997 blieben in NRW mit 7320 Lehrstellen zwar deutlich weniger als in den Jahren zuvor, aber dennoch sehr viele unbesetzt. 10 405 Bewerber blieben ohne Lehrstelle (vgl. MWTV 1997, S. 26 ff.). Im gesamten Bundesgebiet blieben 47399 Be-werber unvermittelt (vgl. bmb+f 1999c, S. 127). 1999 ist die Meldung von Ausbildungsplätzen in NRW um 6,7% ge-genüber 1998 gestiegen. 114947 Ausbildungsplätzen ständen 137 573 gemeldeten Bewerbern gegenüber (vgl. Michels 1999). Im gesamten westlichen Bundesgebiet (den „alten Ländern“) ist die Anzahl der neuen Ausbildungsverträge 1998 von einem stabilen, aber niedrigen Niveau aus um 21.748 gewachsen. Mit 483.576 neuen Ausbildungsverträgen wurde das Vorjahresergebnis um 4,7 % übertroffen (vgl. bmb+f 1999a, S. 4). Im ersten Halbjahr 1999 betrug die Stei-gerung 4,1% gegenüber dem Vorjahr (vgl. Michels 1999). 4
Karsten P. Hartdegen: „Das duale System der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland - Symptome und Phänomene einer Krise, neuralgische Punkte und strukturelle Probleme“ Dies hat sich in den letzten Jahren hingegen entscheidend modifiziert. Nun sind mehr als sechzig (!) Prozent aller Lehrstellen inzwischen bundesweit ganz oder teilweise, direkt oder indirekt von der öffentlichen Hand finanziert 2 . Manche Politiker - so zum Beispiel die baden-württembergische Kultusministerin Schavan - warnen bereits von einer »schleichenden Verstaatlichung der beruflichen Bildung« (vgl. FAZ 19.07.99).
Auf diese Art würden viele Jugendliche an der gesellschaftlichen Integration vorbei, über den volkswirtschaftlichen Bedarf hinaus und nicht für die wirklichen Erfordernisse der Arbeitswelt ausgebildet (vgl. ebd.; Wetzel 1999).
Neben der öffentlichen Hand sorgt auch das Handwerk dafür, daß die Lücke an Ausbildungsplätzen nicht allzu groß wird. Es bildet traditionell, aber vor allem in konjunkturell bedingten Krisen über Bedarf des Ausbildungsplatzmarktes aus 3 . Ein Rückgang von Ausbildungsplätzen im Bereich von Industrie und Handel wurde in der Vergangenheit periodisch durch ein vermehrtes Angebot von Ausbildungsplätzen im Handwerk aufgefangen (vgl. Jost 1995, S. 69) 4 .
Mehrere Gründe können für den sukzessiven Ausstieg der Arbeitgeber aus der beruflichen Bildung im sekundären und tertiären Sektor des Beschäftigungssystems, in Industrie und Handel benannt werden. Die Kosten:
In den alten Ländern waren für 38 % der Betriebe die Kosten der Ausbildung ausschlaggebend dafür, sich trotz gegebener Voraussetzungen nicht an der Ausbildung zu beteiligen (vgl. bmb+f 1999a, S. 133). Der hohe Anspruch der beruflichen Ausbildung führt insbesondere in qualifizierten Berufen im Gewerbe- und Dienstleistungsbereich zu hohen Kosten. Die dadurch bedingten geringen Ausbildungszahlen in diesen Berufen führen bei einer hohen bis sehr hohen Nachfrage zu sehr guten Berufschancen und für ein nicht ausbildendes Kleinunternehmen der sog. Informationstechnologie-Branche (oder kurz: IT-Branche) kurzfristig gesehen zu einem ausgeprägten Mangel an qualifiziertem Personal (vgl. Arbeitsgruppe Bildungsbericht 1994, S. 626 - 633). Bürokratische Hürden:
2 Diese Differenz läßt sich durch das unterschiedliche Angebot des Staates in Form von Berufsakademien, Berufsfachschulen, Kollegschulen, Schulen des Gesundheitswesens, Berufsaufbauschulen oder Berufsoberschulen, aber auch in der unterschiedlichen Bewertung der Unterstützung durch die öffentliche Hand erklären, je nachdem zu welchem Ausbildungsträger die Betriebe gezählt werden. Auch muß der Abbau der Ausbildungsplätze im produzierenden Industriebereich und die staatliche Aufbauhilfe - v. a. im Ausbildungssektor - in Ostdeutschland berücksichtigt werden (vgl. bmb+f 1999c, S. 42 f.).
3 Zur Zeit sind im Handwerk 632.000 Auszubildende angestellt (vgl. BMWi 1999, S. 30).
4 Diese Phänomen wird auch als „Schwammfunktion“ benannt.
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Karsten P. Hartdegen: „Das duale System der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland - Symptome und Phänomene einer Krise, neuralgische Punkte und strukturelle Probleme“ Für 29 % der Betriebe in den alten Ländern war die Ausbildung allgemein mit zu vielen (bürokratischen und organisatorischen) Problemen behaftet (vgl. bmb+f 1999a, S. 133) 5 . Konjunktureller Hintergrund:
22 % der Betriebe in den alten Ländern gaben an, daß für sie die fehlenden Übernahmemöglichkeiten der Auszubildenden entscheidend für die Nichteinstellung seien. Für Betriebe in der Größenklasse von Kleinstbetrieben spielen diese Probleme eine autoritative Rolle. Mit der Ausbildung verbundene bürokratische oder organisatorische Schwierigkeiten träten hinzu (vgl. bmb+f 1999a, S. 133; S. 136). Eignung der BewerberInnen:
Nur 14 % der Betriebe in den alten Ländern erklärten, daß der Mangel an geeigneten Bewerbern ursächlich dafür sei, daß sie keine Auszubildenden einstellten. Dieser Grund war für die Entscheidung somit von signifikant nachrangiger Bedeutung (vgl. bmb+f 1999a, S. 133).
Umbau der Industriegesellschaft:
Industrielle Produktionstätigkeiten verlieren quantitativ wie qualitativ an Bedeutung. Ihr Arbeitsvolumen schrumpft in Westdeutschland seit den 60er Jahren (sog. Deindustrialisierung). Primäre Dienstleistungsarbeiten stagnieren auf niedrigem Niveau, hingegen werden für die sog. sekundären Dienstleistungstätigkeiten starke Beschäftigungsgewinne erwartet. Den Hintergrund dieser Entwicklung bilden globale Wettbewerbszwänge und Rationalisierungsschübe auf der Basis der Entwicklung, Implementierung und Applikation neuer Kommunikations- und Informationstechniken, welche sowohl Veränderungen der Tätigkeit als auch der Organisation von Arbeit erzwingen und gänzlich neue Berufe und Berufsgruppen in diesem Sektor entstehen lassen (vgl. Gauer/Scriba 1998, S. 83 - 87; Greinert 1995b, S. 143; Greinert 1995a, S. 168). Struktur und Organisation der Ausbildung:
Vor allem von den Unternehmensverbänden wird angeführt, daß die Auszubildenden zu lange in den Berufsschulen verblieben. Bei der darauf bezogenen Diskussion würde nicht berücksichtigt, daß der Bedarf an theoretischer Ausbildung begrenzt sei und die Berufsausbildung heutzutage nur noch eine fundierte Grund- oder Erstausbildung darstelle. Sie würde
5 In diesem Bereich wurde von der Bundesregierung bereits manches getan, um den Verwaltungsaufwand zu redu-
zieren (s. S. 7).
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Karsten P. Hartdegen: „Das duale System der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland - Symptome und Phänomene einer Krise, neuralgische Punkte und strukturelle Probleme“ und müsse von innerbetrieblichen Fort- und Weiterbildungen und vom eigeninitiierten l ebenslangen Lernen fortgesetzt werden (vgl. Hesse/Ellwein 1997, S. 62). Abstimmungsprobleme:
Der Ausstieg der Arbeitgeber wird insbesondere durch Schwierigkeiten in der Abstimmung des dualen Systems der Berufsausbildung mit dem Beschäftigungssystem verschärft. Durch Revidierungen und Modifizierungen der Ausbildungsrichtlinien konnte in diesem Bereich jedoch eine Milderung der Umstände erreicht werden. Hierzu möchte ich im Kapitel 3 detaillierter eingehen.
3. Abstimmungsprobleme zwischen dualem System und B e-
schäftigungssystem
Es läßt sich nicht hinwegdiskutieren, daß dem Berufsbildungssystem der Bundesrepublik eine erhebliche „Fehlsteuerungstendenz“ innewohnt (vgl. Greinert 1992, S. 84). Die Präponderanz von häufig qualitativ weniger befriedigenden handwerklichen Ausbildungsplätzen bringt nicht allein ein erhebliches Qualitätsgefälle zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen und -betrieben mit sich, sondern bedeutet auch für viele Jugendliche den vorprogrammierten Berufswechsel, eine weitgehende Entwertung ihrer Ausbildung für den Zeitpunkt unmittelbar nach Abschluß der Berufsausbildung und stellt darüber hinaus unter dem Gesichtspunkt einer finanz-, status- und zukunftsorientierten Ausbildung eine ausgesprochene Fehlqualifikation dar. Wegen der regional unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur kommt es zu einem Qualitäts- und Angebotsgefälle zwischen den Regionen, zwischen Stadt und Land, zwischen Groß- und Kleinbetrieben. Das Recht auf freie Berufswahl und eine Orientierung der Berufswahl an den Bedürfnissen und Interessen der Schulabgänger an Eignung und Neigung kann somit vielfach nicht sichergestellt werden (vgl. Baethge 1977, S. 354 f.).
Es besteht unbestritten eine Ametrie der Berufsstrukturen in der Ausbildung und im Beschäftigungswesen, d. h. es wird nicht primär für den Arbeitsmarkt ausgebildet, sondern eher dafür gesorgt, daß Jugendliche kurzfristig nicht ausbildungs- und arbeitslos werden. So wird am Arbeitsmarkt vorbei qualifiziert. Es gibt z. B. viel zu viel ausgebildete Handwerker und viel zu wenig qualifizierte Softwareentwickler und Informationstechniker (vgl. Arbeits-
7
Karsten P. Hartdegen: „Das duale System der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland - Symptome und Phänomene einer Krise, neuralgische Punkte und strukturelle Probleme“ gruppe Bildungsbericht 1994, S. 626 - 633) 6 .
Die privatwirtschaftliche Verfassung des dualen Systems bedingt, daß die Allokation von Jugendlichen auf Ausbildungsplätze Marktgesetzen folgt. Dies führt zu einer strukturellen Fehlsteuerung in der Berufsausbildung. Als Grund für diese unerwünschte Fehlstrukturierung des Ausbildungspotentials wird von fachkundiger Seite die einzelbetriebliche Finanzierung der Berufsausbildung angegeben. Weil v. a. die Klein- und Mittelbetriebe Netto-Erträge im Rahmen der Berufsausbildung erwirtschaften können, bilden sie weit über Bedarf hinaus aus. Die Großbetriebe und andere qualifizierte Anbieter dagegen bilden wegen der hohen Ausbildungskosten nur soviel aus, wie es ihr Bedarf verlangt (vgl. Greinert 1993, S. 157) 7 .
Die Sachverständigenkommission „Kosten und Finanzierung der außerschulischen beruflichen Bildung“ hat bereits 1974 die grundlegenden Strukturmängel dieses Finanzierungssystems kritisiert und folgende Thesen aufgeführt:
These der Wettbewerbsverzerrung: Zwischen ausbildenden und nichtausbildenden •
Betrieben besteht keine ökonomische Startgleichheit, weil die Ausbildungserträge der Auszubildenden später im Falle der Abwerbung von Facharbeitern durch nichtausbildende Betriebe nicht mehr den Ausbildungsbetrieben zugute kämen. These der Unterinvestition: Die gegebene Belastung von Ausbildungsbetrieben und •
die Belohnung von nichtausbildenden Unternehmen führten zu einem verringerten Ausbildungsengagement der Wirtschaft.
These der Berufsfehllenkung: Aufgrund der Netto-Erträge der Ausbildung wird über •
den tatsächlichen Nachwuchsbedarf der Sektoren und Branchen hinaus ausgebildet, so daß Berufs- und Branchenwechsel häufiger stattfänden als es nach dem Tempo des Strukturwandels und den Zyklen der Konjunktur erforderlich wäre. These der Konjunkturabhängigkeit: Durch die Orientierung der Ausbildungsbetriebe •
an den Kosten folgt die betriebliche Ausbildung den ökonomischen Zyklen (vgl. Greinert 1995a, S. 157).
6 Die Ausbildung von 70 Prozent aller Jugendlicher konzentriert sich auf nur 20 Berufe. Hier ist einerseits von der Wirtschaft noch viel Aufklärungsarbeit bei den ausbildungswilligen Jugendlichen zu leisten, und andererseits müssen Richtlinien für neue Ausbildungsberufe in Zukunftsbranchen (wie Medien, Software & Kommunikation) entwickelt werden (vgl. FAZ 19.07.1999).
7 Nach der Erhebung des BIBB wurden 38 % aller deutschen Erwerbstätigen in Betrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern ausgebildet. Tätig sind dort aber nur 17 % aller Arbeitnehmer. Umgekehrt ist die Situation bei den Großbetrieben (vgl. Seppelfeld et al. 1986, S. 93).
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