Danksagung
Ein herzliches Dankeschön gebührt meinem Betreuer Prof. Dr. Holland, welcher immer für mich da war und mich bei meiner Diplomarbeit tatkräftig unterstützte.
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei meiner Frau Alexia bedanken, die mir den Rücken freigehalten hat und trotz ihres meist prall erfüllten Einsatzplans einen Großteil der Alltagsarbeit übernahm. Bedanken möchte ich mich außerdem bei meiner Familie; insbesondere m einem Vater, der noch einmal eine seiner Kernkompetenzen intensiv zur Geltung bringen 'durfte', danke ich für die sorgfältige Durchsicht der Diplomarbeit.
Mein Dank gilt auch meinen Gesprächspartnern und Freunden aus der Praxis, die mir einen Einblick in ihre Erfahrung gewährt haben und mich alle auf ihre Art unterstützt haben.
I
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
1. Zielsetzung der Arbeit 1
2. Zusammenfassung 3
3. Allgemeine Grundlagen zum Direktmarketing 4
3.1 Begriff des Direktmarketing 4
3.2 Bedeutung von Direktmarketing 6
3.3 Veränderte Marktbedingungen und deren Auswirkungen 7
4. Online-Direktmarketing als Instrument einer modernen Marketingstrategie 10
4.1 Besonderheiten der interaktiven Kommunikation im Internet 10
4.2 Grundsätzliches Verhältnis zwischen Online-Marketing und Direktmarketing 15
4.3 Ziele im Online-Direktmarketing 17
4.3.1 Generierung und Qualifikation von Leads 17
4.3.2 Gewinnung von Neukunden 18
4.3.3 Erhöhung der Kundenbindung 18
4.3.4 Umsatzerhöhung durch E-Commerce 19
4.4 Vorteile des Online-Direktmarketing 19
4.4.1 Kostenvorteil 20
4.4.2 Marketing in Realtime 20
4.4.3 One-to-One-Realität 21
4.4.4 Erfolgskontrolle 23
4.4.5 Ubiquität Omnipräsenz 23
4.4.6 Unendlich verfügbarer Regalplatz 23
4.4.7 Image 24
4.4.8 Multimedialität 24
4.5 Nachteile des Online-Direktmarketing 25
4.6 Internet-Statistik in Deutschland 26
II
4.6.1 Soziodemografische Daten der deutschen Internetnutzer 27
4.6.1.1 Internetnutzung nach Geschlecht 28
4.6.1.2 Internetnutzung nach Alter 28
4.6.1.3 Internetnutzung nach Einkommen 30
4.6.1.4 Internetnutzung nach Bildung 30
4.6.2 Nutzungsverhalten und -motive 31
5. Lead Generation Begriffsklärung 34
5.1 Bedeutung des Lead Generating Process 35
5.2 Lead Quantität 37
5.3 Lead Qualität 37
5.4 Lead Quantität versus Qualität 38
6. Online-Direktmarketing-Instrumente als Mittel zur Lead Generation 39
6.1 Lead Generation durch Website-Marketing 39
6.1.1 Die Corporate Website 40
6.1.2 Die Marketing Website 41
6.1.3 Einsatz des Online Response Formulars auf der
Unternehmens-Website 43
6.1.4 Anwendung von Cross-Media-Kampagnen 46
6.1.5 Der Einsatz von Website Links 47
6.1.6 Suchmaschinen Search Engines 48
6.1.7 Linktausch 49
6.1.8 Anwendung von Direktmarketing-Techniken beim
Erstellen einer Website 49
6.2 Lead Generation durch Online-Werbung 53
6.2.1 Bedeutung von Online-Werbung 53
6.2.2 Der Werbebanner im Internet 55
6.2.3 Banner-Kategorisierung nach technischem Standard 56
6.2.4 Banner-Kategorisierung nach Werbewirkung 59
6.2.5 Response-Möglichkeiten durch Banner-Werbung 61
6.2.6 Lead Generation durch Sonderwerbeformen 63
III
6.2.7 Advergaming 65
6.2.8 E-Couponing 65
6.3 Lead Generation durch E-Mail-Marketing 67
6.3.1 Formen des E-Mail-Marketing 69
6.3.1.1 E-Mailings und Standalones 70
6.3.1.2 Newsletter 72
6.3.1.3 E-Mail-Abruf 77
6.3.2 Adress-Generierung im Lead Management per E-Mailings 77
6.3.3 Spamming versus Permission Marketing 78
6.3.3.1 Opt-In 80
6.3.3.2 Opt-Out 81
6.3.4 Virales Marketing 81
7. Erfolgsmessung 84
8. Schlussbetrachtung 87
9.Ausblick 88 88
LITERATURVERZEICHNIS 90
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 3 1 Gesamtaufwendungen für Direktmarketing (in Mrd EUR) 6
Abbildung 4 1 Kommunikationsprozess 11
Abbildung 4 2 Kommunikationsmodell nach Shannon Weaver 12
Abbildung 4 3 Ziele im Online-Direktmarketing 17
Abbildung 4 4 Entwicklung der Internetnutzer in Deutschland 27
Abbildung 4 5 Internetnutzung nach Geschlecht in Prozent 28
Abbildung 4 6 Internetnutzung nach Alter in Prozent 29
Abbildung 4 7 Internetnutzung nach durchschnittlichem Haushalteinkommen 30
Abbildung 4 8 Internetnutzung nach Bildung in Prozent der Bevölkerung 31
Abbildung 4 9 Nutzungshäufigkeit der Onliner in Prozent 31
Abbildung 4 10 Nutzungsorte in Prozent 32
Abbildung 4 11 Durchschnittliche tägliche Verweildauer der Onlinenutzung 33
Abbildung 5 1 Lead Generation Process 34
Abbildung 5 2 Loyalitätsleiter 36
Abbildung 6 1 Darstellung der Instrumente zur Lead Generation 39
Abbildung 6 2 Beispiel für eine Corporate Website 40
Abbildung 6 3 Beispiel für eine Marketing-Website 42
Abbildung 6 4 Beispiel für ein Online-Response-Formular 44
Abbildung 6 5 Beispiel für eine Bannerwerbung mit dazugehörigem ORF 45
Abbildung 6 6 Beispiel für einen Flyer 46
Abbildung 6 7 Lead Generation durch ein Gewinnspiel im Internet 47
Abbildung 6 8 Nutzung von Suchmaschinen 48
Abbildung 6 9 Beispiel für eine On-Site-Banner-Werbung 51
Abbildung 6 10 Beispiel für die E-Mail-Adressgenerierung per Newsletter 51
Abbildung 6 11 Snapshot aus der TV-Werbung 52
Abbildung 6 12 Online Werbeausgaben Europa 2000-2007 53
Abbildung 6 13 Beispiele für Banner-Formate 56
Abbildung 6 14 Image Banner 59
Abbildung 6 15 Click Banner 60
Abbildung 6 16 Lead Banner 61
V
Abbildung 6 17 Lead Banner 61
Abbildung 6 18 Online Werbebanner von Volkswagen 62
Abbildung 6 19 Beispiele für Pop-Ups 64
Abbildung 6 20 Lead Pop-Up 64
Abbildung 6 21 Beispiel für einen E-Coupon 66
Abbildung 6 22 Vergleich der Kosten Offline- versus Online-Direktmarketing - 68
Abbildung 6 23 Ziele im E-Mail-Marketing aus Unternehmenssicht 69
Abbildung 6 24 Beispiel für ein Standalone-Mailing 71
Abbildung 6 25 Beispiel für eine Newsletter-Registrierung 73
Abbildung 6 26 Beispiel für einen Newsletter im HTML-Format 76
Abbildung 6 27 Tell-a-Friend Landeseite 83
VI
Abkürzungsverzeichnis
ACTA Allensbacher Computer- und Technik-Analyse AGIREV Arbeitsgemeinschaft Internet Research AOL America Online ARD Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland BGB Bürgerliches Gesetzbuch BIFAK Bochumer Institut für Kommunikationsforschung CAUBE Coalition against Unsolicited Bulk E-Mail CD Compact Disc CEO Chief Executive Officer CMA Centrale-Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft DDV Deutscher Direktmarketing Verband DMA Direct Marketing Association DMMV Deutscher Multimedia Verband ECIN Electronic Commerce Info Net EDV Elektronische Datenverarbeitung EMEA Europe, Middle East, Africa ETIX Electronic Ticketing EU Europäische Union EUR EURO GFK Gesellschaft für Konsumforschung GIF Graphics Interchange Format HTML Hypertext Markup Language IP Internet-Protokoll IVW Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern JPG Joint Photographic Experts Group KISS Keep It Short and Simple MDStV Mediendienstestaatsvertrag MP3 Moving Picture Experts Group - Audio Layer 3
VII
MSN Microsoft Network
ORF Online-Response-Formular
PR Public Relations
SMS Short Message Service
TDDSG Teledienstedatenschutzgesetz
TDG Teledienstegesetz
TKP Tausender-Kontakt-Preis
TV Television
UBE Unsolicited Bulk Mail
UCE Unsolicited Commercial E-Mail
UGW Unternehmensgruppe Wiesbaden
URL Uniform Resource Locator
USP Unique Selling Proposition
UWG Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
VW Volkswagen
WAP Wireless Application Protocol
WWW World Wide Web
ZDF Zweites Deutsches Fernsehen
1
1. Zielsetzung der Arbeit
Als der Brite Tim Bernes-Lee, Kernphysiker und Computerspezialist in der Schweiz, das Hypertext-System (Informationsverknüpfung über Verweise) entwik- kelte und es als World Wide Web bezeichnete, wurde damit der Grundstein für die ersten kommerziellen Informationsanbieter gelegt. Als Mitte der 90er-Jahre der Internetpionier Marc Andreessen die Browser Software Mosaic (später umbenannt in Netscape) einführte, ermöglichte er der breiten Masse die Nutzung des Internets. Es ließen sich von nun an Texte, Fotos, Filme, Musik und Sprache ohne großen Aufwand mühelos miteinander verbinden.
Heute ist das World Wide Web ein sich ständig veränderndes Gebilde, das täglich, ja stündlich, neue Informationen und technische Neuerungen bietet. Der Anteil der Internetnutzer ab 14 Jahren in Deutschland hat sich von nur 6,5% im Jahre 1997 bis auf 53,5% im Jahr 2003 erhöht (vgl. Frees et al., 2003, S. 339). Dies lässt auf enorme Chancen gleichermaßen für Unternehmen sowie Verbraucher schließen. Laut Aussage von Marc Andreessen wird das Internet seine besten Tage noch erle- ben, denn bisher wurde nicht einmal an der Oberfläche dessen gekratzt, was mit dem Internet möglich ist (vgl. Andreessen, 2002, S. 256). Natürlich ist zu erwäh- nen, dass nach der übertriebenen Internet-Euphorie im Jahre 2000 auch die große Ernüchterung kam. Unsicherheit und Verängstigung machte sich bei vielen Unternehmen breit, da viele Geschäftsmodelle - ob unsinnige oder sinnvolle sei dahingestellt - gescheitert waren. Die Diskussionen über die Gründe für das Scheitern vieler Unternehmen und ihrer Geschäftsmodelle halten an. Noch immer werden die Ursachen gesucht und von einigen Unternehmen wird der Nutzen des Internet als Vertriebs- und Marketinginstrument gar bezweifelt. Dennoch liegen die Vorteile des Internets nach wie vor klar auf der Hand. Grenzenlose Marktpräsenz global und rund um die Uhr, Einsparungen bei den Personalkosten durch die Reduzierung telefonischer Bestellungen und Anfragen, um nur zwei davon zu nen- nen (vgl. Buck-Emden, 2002, S. 144). Amerikanische Führungskräfte sind sogar der Meinung, dass wenn das Internet nicht Mittelpunkt der Geschäfte darstellt, dies zum baldigen Ende des Unternehmens führen könnte oder wie der ehemalige CEO
2
und Mitbegründer von Intel, Andy Grove, es ausdrückt: " In five years, every busi- ness has to be an Internet business" (vgl. Ellis, 1999, S. 351).
Das Potenzial des Marktes ist bisher noch nicht ausgeschöpft, sehen doch aktuel- le Studien über E-Commerce etwa für den Business-to-Business-Bereich (B2B) in Europa im Jahr 2004 ein Umsatzvolumen von bis zu 797 Milliarden Dollar voraus und für den Business-to-Consumer-Bereich (B2C) 114 Milliarden Dollar. Der Standort Deutschland wird mit 230 Milliarden Dollar im Jahr 2004 den größten Anteil daran haben, dicht gefolgt von Großbritannien mit 214 Milliarden Dollar (vgl. eMarketer, 2001). Das Internet birgt vor allem noch große Möglichkeiten für das Direktmarketing und könnte sich daher als ein wichtiges Marketing Tool in der Zukunft herausstellen. Um es mit den Worten von Yahoo Direktmarketing- Vizepräsident Seth Godin zu sagen: "The Net ist the finest direct-marketing mecha- nism in the history of mankind. It is direct mail with free stamps" (Taylor, 1998, S. 198).
Die vorliegende Arbeit wird sich mit den Möglichkeiten von Online- Direktmarketing-Instrumenten zur Lead Generation befassen, aber auch kritische Aspekte aufzeigen und die Grenzen der Online-Werbung beleuchten.
Der Ausdruck Lead Generation stammt aus dem Amerikanischen und steht für die Aktivität, potenzielle Kunden über verschiedene Kontaktkanäle zu identifizieren und an das werbende Unternehmen "heranzuführen" (to lead). Als "Leads" bezeichnet man durch Werbung ausgelöste Anfragen potenzieller Kunden.
Vor diesem Hintergrund sollen die zur Verfügung stehenden Online- Direktmarketing-Instrumente wie beispielsweise webbasierte Interaktionen, über die es zur Generierung von neuen Leads kommen kann, im einzelnen beleuchtet und anhand praktischer Beispiele illustriert werden. Dabei soll unter anderem auf die Merkmale Kosteneffizienz, Interaktivität, Reichweite und Schnelligkeit des Online Lead Generation Process im Vergleich zum Offline Process eingegangen werden.
3
2. Zusammenfassung
Als Leads, gelegentlich auch Sales Leads genannt, bezeichnet man die durch Werbung ausgelösten Anfragen von Interessenten oder potenziellen Kunden.
Die vorliegende Arbeit untersucht das Thema Lead Generation durch Online- Direktmarketing und dessen zunehmende Bedeutung für werbetreibende Unternehmen in der Neukundengewinnung und im Kundenbindungsprozess. Lead Generation ist dabei die Aktivität, potenzielle Kunden für das Unternehmen zu identifizieren, d.h. mit den geeigneten Maßnahmen aus einem Markt oder Marktsegment Individuen herauszufiltern, welche ein ausdrückliches Interesse für ein Produkt oder eine Dienstleistung zeigen. Dabei werden zeitnah sämtliche rele- vanten Informationen über den potenziellen Kunden in einer Lead-Database erfasst und klassifiziert. Die Erfassung von Leads verspricht bei einem Follow-Up, d.h. bei einer Folge oder Nachfassaktion mit entsprechenden Maßnahmen und Techniken - die Chance auf Verbesserung der Umwandlungsquote (der Anteil der Leads, die zu einer Bestellung führen). Zusätzlich werden unterschiedliche Werbeformen des Online-Direktmarketing zur Generierung von Leads bespro- chen.
In diesem Zusammenhang wird auch auf besondere Aspekte des modernen Direktmarketing wie Permission Marketing, One-to-One Marketing und virales Marketing eingegangen.
4
3. Allgemeine Grundlagen zum Direktmarketing
Die Grundlage für die Herleitung des Online-Direktmarketing bildet im Folgenden ein Überblick über das klassische Direktmarketing, dessen Begriffsbestimmung sowie seine Bedeutung. Abschließend erfolgt ein Exkurs zu veränderten Marktbedingungen, vorrangig in Deutschland und deren Auswirkungen auf das Marketing der Unternehmen.
3.1 Begriff des Direktmarketing
Die Begriffsbestimmung von "Direktmarketing" gestaltet sich nicht einfach. Dies liegt insbesondere an der kontinuierlichen Erweiterung der Inhalte und Möglichkeiten des Direktmarketing. Im ursprünglichen Sinne stellte Direktmarketing ein einfaches Konzept dar, bei dem ohne zwischengeschalteten Absatzmittler Güter und Dienstleistungen vom Hersteller zum Konsumenten gelangten (vgl. Kotler/Bliemel, 2001, S. 1186). Heutzutage gestaltet sich dieses Marketing-Konzept zunehmend komplexer: neue Technologien mit immer lei- stungsfähigeren EDV-Systemen und diverse neue Formen der interaktiven Kundenansprache bieten vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.
Genauso uneinheitlich wie die Definitionen in der Literatur sind die unterschied- lichen Schreibweisen des Begriffs, die von Direct-Marketing bis hin zu Direkt Marketing reichen (vgl. Holland, 1993, S. 3). Auch was die Begriffsbezeichnungen angeht, herrscht keine Einheitlichkeit - so wird oft anstelle von Direktmarketing von Dialogmarketing, Target-Marketing, Database Marketing, Closed Loop Marketing, Beziehungs-Marketing, Individual-Marketing oder ähnlichem gesprochen. In den letzten Jahren haben sich zwar die wesentlichen Elemente des Direktmarketings herauskristallisiert, dennoch sind Unterschiede in den Definitionen noch immer vor- handen.
Die amerikanische Direct Marketing Association (DMA) definiert Direktmarketing als eine interaktive Marketing-Methode, die durch Einsatz eines oder mehrerer
5
Werbemedien eine messbare Reaktion und/oder Transaktion an jedem beliebigen Ort erreichen kann und diese Aktivitäten in einer Datenbank speichert (vgl. DMA, 2003). Diese Datenspeicherung stellt eine Erweiterung der Definition von Stone aus dem Jahr 1986 dar (vgl. Stone, 1986, S. 3). Die neuere Definition betont nun nicht mehr lediglich die messbaren Marktreaktionen bei den Kunden, sondern geht zusätzlich auf den Aufbau einer längeren und lohnenderen Beziehung aufgrund der konsequenten Anwendung von Kundendatenbanken ein.
Während in der Vergangenheit viele Definitionen von Direktmarketing häufig nur dessen Aufgaben im Absatzmarketing und dort speziell in der Kommunikations- und Distributionspolitik beinhalteten, ist an der folgenden Definition vorteilhaft, dass sie das Direktmarketing auf alle marktgerichteten Aktivitäten bezieht, bei denen Medien und Kommunikationstechniken eingesetzt werden. Der Schwerpunkt des Direktmarketing wird hierbei auf die "direkte und individuell gezielte Ansprache einer Zielperson" (Holland, 2002, S. 9) gelegt.
Auf dieser Grundlage lässt sich Direktmarketing folgendermaßen definieren: "Direktmarketing umfasst alle marktgerichteten Aktivitäten, die sich einstufiger Kommunikation bedienen, um eine gewünschte Zielgruppe individuell zu erreichen und ferner alle marktgerichteten Aktivitäten, die sich mehrstufiger Kommunikation mit der Absicht bedienen, individuellen Kontakt zur Zielgruppe herzustellen" (ebd., S. 9).
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3.2 Bedeutung von Direktmarketing
Das Direktmarketing kann selbst in schwachen Konjunkturzeiten stetig leichte Zuwächse verzeichnen (vgl. Deutsche Post, 2003, S. 5). Die prognostizierten Gesamtaufwendungen für Direktmarketing inkl. Internet- und Bannerwerbung lie- gen, wie aus Abb. 3.1 hervorgeht, 2003 mit 29,5 Mrd. € leicht über dem Niveau von 2002, trotz sinkender Werbeinvestitionen (vgl. Bauer Media KG, 2003).
Der Trend in Richtung Direktmarketing scheint ungebrochen, auch wenn einige Experten der Meinung sind, dass sich der schlechten (werbe-)wirtschaftlichen Lage mit der einhergehenden Reduzierung von Budgets auch das Direktmarketing nicht entziehen kann. Jedoch verändert sich die Verteilung des Werbebudgets zuneh- mend zugunsten des Direktmarketings (vgl. Deutsche Post, 2003, S. 23).
Im Jahr 2002 standen schon 69% aller deutschen Unternehmen mit ihren Kunden im direkten Dialog (ebd., S. 15). Dies illustriert die steigende Bedeutung des Direkt- marketing, da es gezielt Interessenten anspricht und somit wirtschaftlicheres Werben garantiert als die Massenwerbung.
7
3.3 Veränderte Marktbedingungen und deren Auswirkungen
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts führen neue Herausforderungen wie z.B. Globalisierung der Märkte, Intensivierung des Wettbewerbs, innovative Technologien und gesellschaftlicher Wertewandel dazu, dass es zu einer Verschärfung der Wettbewerbsbedingungen kommt (vgl. Kohlöffel, 2000, S. 5). Auch das veränderte Anspruchsdenken seitens der Kunden macht erhöhte Anstrengungen erforderlich (vgl. Link/Schleunig, 1999, S. 72).
Aufgrund der Vielzahl von Veränderungen erscheint eine umfassende Behandlung sämtlicher Einflussfaktoren hier nicht sinnvoll. Vielmehr sollen im Folgenden nur die wesentlichen Kontextfaktoren mit besonderer Bedeutung für die Notwendigkeit von Direktmarketing herausgestellt werden.
Es wird seit einigen Jahren thematisiert, dass die “neuen” Konsumenten individua- listisch, aktiv, emotional involviert, selbständig-unabhängig, in der Regel gut infor- miert und daher unberechenbar für Unternehmen geworden sind (vgl. Lewis/Bridger, 2001, S. 19-21). Eine Besonderheit stellt der Trend zum sogenann- ten hybriden Kaufverhalten dar. Unter hybridem Kaufverhalten ist die Tatsache zu verstehen, dass ein und derselbe Kunde sich in manchen Fällen völlig gegensätz- lich verhält (vgl. Meffert, 2000, S. 107). Er "trägt Armani-Klamotten, fährt auch Porsche, kauft seinen Champagner aber bei Aldi und die Baby-Kost bei Schlecker" (Backhaus, 1998, S. 2). Dieser Typ von Verbraucher beherrscht das Einsparen ebenso wie das Verschwenden. Sparzeitalter und Erlebniszeitalter sind also grundsätzlich keine Gegensätze mehr (vgl. Opaschowski, 2001, S. 122). Der hybri- de Käufer verhält sich also höchst inkonsistent und fördert die Tendenz in Richtung einer Polarisierung der Nachfrage, d.h. ein gleichzeitiges Wachstum von Hoch- und Niedrigpreissegmenten bei gleichzeitiger Abnahme des mittleren Marktsegments.
Die Konsequenz aus dieser Entwicklung ist zum einen die schlechte Prognostizierbarkeit des Konsumentenverhaltens und zum anderen die Unsicherheit über die Einordnung einzelner Kunden in ein Segment. Schon hier
8
wird die Notwendigkeit individueller Kommunikation mit dem Kunden deutlich, denn das "Eine-Größe-passt-allen-Marketingkonzept" (Zyman, 2000, S. 297) ist hier nicht mehr angebracht.
In diesem Zusammenhang ist auch die zunehmende Individualisierung der Konsumenten anzusprechen (vgl. Holland, 1993, S. 7). Während der traditionelle Konsument noch tendenziell "gleichgeschaltet" und durch Konformität gekenn- zeichnet war, präsentiert sich der neue Konsument wie bereits erwähnt individuali- stisch, aktiv und involviert, selbständig, unabhängig und in der Regel wohl infor- miert (vgl. Lewis/Bridger, 2001, S. 19-21). Der bestimmende Faktor bei diesem Trend ist der Anspruch auf individuell auf die Person zugeschnittene Leistungen (vgl. Popcorn, 1999, S. 186). Diese Individualisierung führt zu immer kleineren Segmenten. Dies wird auch als Fragmentierung der Märkte bezeichnet. Der Automarkt in Deutschland war Ende der achtziger Jahre noch in neun Segmente aufgeteilt. Im Jahr 2000 hatte sich die Zahl der Segmente bereits auf 30 erhöht (vgl. Meffert, 2002, S. 526). "Revlon stellt Lippenstifte in 157 Farbabstufungen, davon
41 rosa her" (Rapp/Collins, 1988, S. 3). Der Einsatz von Massenmedien bei der
wachsenden Zahl an Produkten und Marken ist daher mit steigenden Streuver- lusten verbunden. Die große Zahl von Marktsegmenten wird damit für das wer- bende Unternehmen zunehmend unwirtschaftlicher bearbeitbar (vgl. Hilke, 1993, S. 90).
Im Informationszeitalter werden die Kunden von Unternehmen einer Informationsflut ausgesetzt, die es schon zeitlich unmöglich macht, jedem Unternehmen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Bereits 1987 wurden in Deutschland weniger als 2% der durch Massenmedien angebotenen Informationen aufgenommen (vgl. Kroeber-Riel, 1999, S. 90). Tendenziell kann man sogar davon ausgehen, dass die Informationsüberlastung in den vergangenen Jahren eher noch zugenommen hat. Für den Verbraucher bedeutet dies, dass er über "Art, Umfang und Zeitpunkt des "Informationskonsums""(Bruns, 1998, S. 59) entschei- det, während es für Unternehmen zunehmend schwieriger wird, über Werbung in Massenmedien die Aufmerksamkeit des Konsumenten auf sich zu ziehen.
9
Unter der Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit der aufmerksamen Wahr- nehmung einer Werbebotschaft gesteigert werden kann, je größer die Überein- stimmung der Botschaft mit den persönlichen Interessen der Zielgruppe ist, wird die Notwendigkeit der gezielten Ansprache von Zielpersonen deutlich (vgl. Hilke, 1993, S. 92). Direktmarketing kann zusätzlich aufgrund personalisierter Ansprache die Ablenkung durch konkurrierende Produkte ausschalten (vgl. Holland, 1993, S. 9). Die Wettbewerber haben heute zum größten Teil die Möglichkeit, ein zunächst einzigartiges Produkt sehr schnell nachzuahmen. Die Konsumenten sind daher mit einer breiten Palette von mehr oder weniger identischen Produkten konfrontiert, d.h. mit Ware, die austauschbar ist. Bei der Betrachtung von Testberichten erhält man den Eindruck, dass sich in "vielen Produktbereichen ein Gleichstand der Qualität herausgebildet hat" (Link/Schleunig, 1999, S. 73). Eine Differenzierung von anderen Wettbewerbern kann in dieser Situation durch kommunikative Maß- nahmen erfolgen, d.h. eine auf den Kunden individuell abgestimmte Kommu- nikation.
In Zukunft wird sich das Marketing damit beschäftigen müssen, echte Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Hierzu gehört, zum einen überlegene evtl. indivi- dualisierte Leistungsangebote zu machen und zum anderen, einen intensiven Dialog mit den Kunden aufzunehmen (vgl. Link/Schleunig, 1999, S. 73). Den Kunden mit den geeigneten Themen seines gegenwärtigen oder künftigen Interesses zu überraschen, kann sogar als Argument für die Tendenz in Richtung One-to-One Marketing angeführt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Umsetzung solcher Strategien auf einer möglichst genauen Kenntnis der Kundenbedürfnisse beruht. "D.h. eine Individualisierung kann umso trennschärfer erfolgen, je besser die dafür zur Verfügung stehenden - quantitativen und qualita- tiven - Informationen über Kunden und Interessenten sind " (Hilke, 1993, S. 91).
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4. Online Direktmarketing als Instrument einer modernen Marketing- strategie
Das Online-Direktmarketing geht aus dem klassischen Direktmarketing hervor, beinhaltet jedoch neue Formen der Interaktivität und der Internet-Nutzung. Im Folgenden sollen diese Aspekte, Unterschiede, jedoch auch grundsätzliche Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden, da bei richtigem Einsatz Synergie- Effekte erzielt werden können. Die Vor- und Nachteile des Online-Direktmarketing werden beleuchtet. Darüber hinaus erfolgt ein Überblick über die Demographie der Internet-Nutzer in Deutschland.
4.1 Besonderheiten der interaktiven Kommunikation im Internet
Die Kommunikation im Internet unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den bis- her genutzten Kommunikations-Medien. Das interaktive Potenzial der Kommunikation im Internet sollte daher von Unternehmen richtig ausgeschöpft werden. Eine bisher verwendete Print-Kampagne lässt sich zwar auf eine Webseite übertragen, jedoch wird dies allein dem Medium Internet nicht gerecht. Es ist daher wichtig, sich intensiv mit den Charakteristika dieses Mediums auseinander zu set- zen.
Der Duden beschreibt die Bedeutung des Begriffs Kommunikation (lat.: communi- catio) als "Verständigung untereinander, Umgang, Verkehr" und "Verbindung, Zusammenhang" (Duden, 1990, S. 413). Jeder Kommunikationsprozess wird, wie in Abb. 4.1 (S. 11) ersichtlich, im wesentlichen durch die fünf Komponenten der sog. Laswell-Formel charakterisiert "Who says what in which channel to whom with what effects?" (McQuail/Windahl 1981, S. 10).
11
Der Kommunikationsprozess besteht demnach aus einem Sender, einer Botschaft, einem Medium zur Übermittlung der Botschaft, einem Empfänger und einem Kommunikationseffekt (vgl. Kroeber-Riel, 1999, S. 488).
Voraussetzung einer gelungenen Kommunikation sind mindestens zwei Kommunikationspartner, "die miteinander agieren, also interagieren und aufeinan- der reagieren" (Oenicke, 1996, S. 59). Folglich findet eine erfolgreiche Kommu- nikation erst dann statt, wenn die Rückkopplung das gegenseitige Verstehen sig- nalisiert (ebd., S. 59). Die Kommunikation verläuft immer entweder "gegenseitig" oder "einseitig" (vgl. Maletzke, 1978, S. 23).
Man spricht von einseitiger Kommunikation (One-Way-Kommunikation), wenn die Rollen des Senders und Empfänger festgelegt sind, d.h. Person A immer Empfänger und Unternehmen B immer der Sender ist (vgl. Oenicke, 1996, S. 59). Die Kommunikation erfolgt in der Regel auf Initiative des Unternehmens, bei der der Sender während der Kommunikation fast gar keine und nach der Kommunikation nur sehr beschränkte Möglichkeiten hat, etwas über die Reaktionen des Empfängers zu erfahren, d.h. die Rückkopplungen kommen, wenn überhaupt, lediglich in indirekter Form, z.B. durch Leserbriefe oder Anrufe, zustan- de (vgl. Meffert, 2000, S. 759). An dieser Stelle wird sichtbar, dass es Schwierigkeiten bereitet, bei Massen- oder Werbekommunikation von echter Kommunikation zu sprechen, denn im Grunde genommen handelt es sich lediglich um eine One-Way-Kommunikation (vgl. Oenicke, 1996, S. 59). Ein Sender leitet die Botschaft an viele potenzielle Empfänger weiter. Somit sollte man in diesem Fall eher von "Masseninformation" (Kleinsteuber/Hagen, 1998, S. 67) als von Massenkommunikation sprechen.
12
Das Internet ist ein interaktives Medium. Unter Interaktivität versteht man in der Sozialwissenschaft "gegenseitige Beeinflussung", "wechselseitige Abhängigkeit" und das "Miteinander-in-Verbindung-treten" zwischen Individuen und sozialen Gebilden (vgl. Haack, 1995, S. 152). Eastman-Kodak-Chef George Fisher beschreibt Interaktivität als eine Möglichkeit, Kundenbedürfnisse und -wünsche zu erfüllen, für die es seit den Tagen des Haustürverkaufs durch Handelsvertreter nichts Vergleichbares gab (vgl. Deighton, 1997, S. 71).
Aufgrund der Interaktivität des Internets kann die Kommunikation gegenseitig ablaufen als eine "Two-Way-Kommunikation" (Oenicke, 1996, S. 61). Diese Gegenseitigkeit bedeutet, dass die Rollen des Senders und des Empfängers wäh- rend des Kommunikationsprozesses ausgetauscht werden können, wie dies im erweiterten Modell von Shannon und Weaver der Fall ist. Das Modell zeigt, wie aus Abb. 4.2 ersichtlich, die wechselseitige Austauschbeziehung des Senders und Empfängers (vgl. Shannon/ Weaver, 1976, S. 44).
Habermas betont in diesem Zusammenhang, dass der Empfänger aktiv sein muss, damit man von Interaktion sprechen kann, weil ansonsten der gegenseitige Informationsfluss nicht gewährleistet ist (vgl. Jäckel, 1995, S. 469). Jeder Empfänger ist selbst ein Sender und vice versa. Er kann die Rolle des Empfängers übernehmen, indem er z.B. durch Surfen oder Downloads Informationen bzw. Daten aus dem Netz zieht. Ebenso besteht für ihn die Gelegenheit, auf die Seite des Senders zu treten, wenn er z.B. seine eigene Webseiten im Internet platziert oder auf die Botschaft eines werbenden Unternehmens im Internet antwortet.
In den herkömmlichen Massenmedien findet eine derartige Interaktion nicht statt,
13
da die Empfänger in der Regel keine Möglichkeit haben, in den sofortigen Kontakt zu treten und die Massenkommunikation sich durch einseitige Mitteilungen ohne direkte Antwortmöglichkeit auszeichnet (vgl. Oenicke, 1996, S. 60). Man kann also in diesem Zusammenhang nicht von Interaktivität sprechen, da der Informationsfluss nur in eine Richtung und zwar vom Sender zum Empfänger erfolgt und sich die Kommunikation nicht wie beim Medium Internet in Form eines Dialogs vollzieht.
Neben der Two-Way-Kommunikation sind die charakteristischen Merkmale der Online-Kommunikation im Internet die Hypermedialität sowie die maschinelle und personelle Interaktivität (vgl. Hoffmann/Novak, 1996, S. 52ff). Der Begriff Hypermedialität ist eine Zusammensetzung der Begriffe Multimedia und Hypertext, wobei Hypertext Informationen und Texte in einer nichtlinearen Form durch modul- hafte Gliederung darstellt, die über Querverweise (=Hyperlinks) miteinander ver- bunden sind. Die meisten anderen Medien sind durch Linearität gekennzeichnet. Der Inhalt von Büchern, Werbespots etc. ist systematisch in einer logischen Reihenfolge angeordnet. Sie haben einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende (vgl. Issing/Klimsa, 2002, S. 23). Natürlich ist es möglich, in Büchern auf In- formationen wahlfrei zuzugreifen, z.B. wenn der Leser Querverweisen nachgeht. Dabei kann jedoch viel Zeit verloren gehen und eventuell hat der Leser den Inhalt der Textstelle schon wieder vergessen (vgl. Issing/Klimsa, 2002, S. 23). Die mei- sten Leser werden das Buch daher linear von Anfang bis Ende lesen. Im Internet hingegen kann der User wählen, welche Links er weiter verfolgt und welche nicht. Die Informationen können direkt angesteuert werden, ohne dazwischen liegende Passagen lesen zu müssen. Eine Webseite lädt geradezu zum nichtlinearen Lesen ein.
Die Multimedia-Komponente im Begriff Hypermedia verweist auf die Möglichkeit, nicht nur Texte im Hypertextprinzip miteinander zu verbinden, sondern auch Multimedia-Elemente wie Videosequenzen, Audiodateien und animierte Grafiken einzubinden (vgl. Bliemel et al., 1999, S. 263).
Arbeit zitieren:
Alexander Roubanis, 2004, Interaktive Kommunikation durch Online-Direktmarketing - Chancen und Erfolgsaussichten im Lead Generation Process, München, GRIN Verlag GmbH
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