Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung Seite 1
2) Begriffsklärung: Was ist Hermeneutik? Seite 3
3) Die Darstellung Geisteswissenschaftlicher Pädagogik bei
Seite 4
K önig und Zedler
4) Die Darstellung Geisteswissenschaftlicher Pädagogik bei
Seite 9
Gudjons
5) Die Darstellung Geisteswissenschaftlicher Pädagogik bei
Seite 11
Zirfas und Wulf
6) Die Darstellung Geisteswissenschaftlicher Pädagogik bei
Seite 15
Koring
7) Die Darstellung Geisteswissenschaftlicher Pädagogik bei
Seite 18
Kr üger
8) Die Darstellung Geisteswissenschaftlicher Pädagogik bei
Seite 20
Bollnow
9) Stellungnahme Seite 23
10) Literaturverzeichnis Seite 25
Einleitung
In dem Seminar „Wissenschaftstheoretischer Richtungsstreit“ beschäftigten wir uns mit Sinn, Zweck und den verschiedenen Feldern der Wissenschaftstheorie. Das Wort >Wissenschaftstheorie< ist ein zusammengesetzter Begriff aus den Wörtern >Wissenschaft< und >Theorie<. Die erste Aufgabe im Seminar war somit, eine Definition dieser beiden Wörter zu finden und die Verknüpfung nachzuvollziehen. Bei meiner Recherche in einem Fremdwörterlexikon fand ich unter dem Stichwort Theorie folgenden Eintrag: „(…) 1. reine Erkenntnis ohne Rücksicht auf Anwendbarkeit; 2. wissenschaftliche Lehre, die zu einheitlicher Erklärung, Ableitung bestimmter Gegebenheiten aufgestellt wird; 3. bloß erdachte Gedankenbildung im Gegensatz zur Erfahrung“ (von Kienle 1982:451). Im Seminar wurde herauskristallisiert, dass ein Theoretiker jemand ist, der „schaut“ (aus dem griechischen theoria = schauen), wogegen ein Wissenschaftler jemand ist, der aktiv etwas tut und somit Erfahrungen sammelt. Die Theorie - so der allgemeine Tenorsei daher oftmals idealistisch oder scheitere an den Grenzen der Realisierbarkeit, was auch durch den Eintrag im Fremdwörterlexikon (s. Punkt 3) gestärkt wird. Daher wurde im Seminar besonders hervorgehoben, dass man auch als Theoretiker aktiv am Geschehen beteiligt sein sollte, und zwar als „kritischer Beobachter“. Der Begriff der Theorie war somit geklärt.
Das Wort >Wissenschaft< genauer zu erklären und zu erläutern stellte sich als komplizierter heraus und nahm in den Sitzungen mehr Zeit in Anspruch. Im Seminar fanden wir heraus, dass >Wissenschaft< im Allgemeinen etwas ist, das von einem Lehrstuhl aus gelehrt wird. Wissenschaftliche Erfahrungen sind somit abzugrenzen von so genannten Alltagserfahrungen, die als unreflektierte und unsystematische Erfahrungen gelten. Wir grenzten den Begriff weiter ein, indem wir >Wissenschaft< als eine bestimmte Tätigkeit bezeichneten, die in einem ausgegrenzten Kulturgebiet stattfindet. >Wissenschaft< wird überdies mit dem Ziel betrieben, ein bestimmtes Wissen zu erlangen. Bei der Ansammlung von Wissen handelt es sich um eine geistige und körperliche Tätigkeit mit dem Endziel, Wahrheit zu erlangen. Tätigkeiten sind in dem Sinne z.B. Experimente, Interviews oder das Sichten und Arbeiten von und mit Archivquellen. Das Wissen, das hierbei gewonnen wird, ist ein Wissen durch Erfahrung. Ich komme an dieser Stelle noch einmal auf Punkt 3 des Eintrags aus dem Fremdwörterlexikon zum Stichwort Theorie zurück: „(…) 3. bloß erdachte
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Gedankenbildung im Gegensatz zur Erfahrung“. Die Wissenschaft, deren Erkenntnisgewinn wie beschrieben auf Erfahrungen basiert, stellt somit einen Gegensatz zur Theorie dar.
Daraus schließe ich, dass >Wissenschaftstheorie< eine Mischung aus Erkenntnisgewinn durch Erfahrung und kritischer Beobachtung ist. Die >Wissenschaftstheorie< verschafft einen kritisch genauen Blick auf die Wissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Selektion wissenschaftlicher Arbeiten und hilft, diese genauer zu bestimmen. Des weiteren erfuhren wir im Seminar, dass sich die >Wissenschaftstheorie< in drei Aufgabengebiete unterteilt.
Das erste Aufgabengebiet beschäftigt sich mit der Theorie der Wissenschaften.
Fragen, die es in diesem Aufgabengebiet zu klären gilt sind z.B.: Was ist Wissenschaft? Wie kommt es zur Unterscheidung zwischen verschiedenen Wissenschaften? Was ist der Unterschied zwischen Disziplin und Profession? Das zweite Aufgabengebiet beschäftigt sich mit Sprache und Logik, da ein Großteil
der >Wissenschaftstheorie< aus sprachlichen Tätigkeiten besteht. Es wird beispielsweise beschrieben, analysiert, differenziert oder definiert. Zu unterscheiden ist diese in der Wissenschaft genutzte „Wissenschaftssprache“ wiederum von der so genannten „Alltags- oder Umgangssprache“. Wir stellten fest, dass es insbesondere die Sprache ist, die zwei bedeutende wissenschaftliche Positionen, die Hermeneutik und den Kritischen Rationalismus, voneinander trennt. Auf verschiedene Darstellungen der Hermeneutik werde ich im Verlauf dieser Hausarbeit eingehen. Das dritte Aufgabengebiet beschäftigt sich mit der Methodenlehre der
>Wissenschaftstheorie<. Hierbei werden wiederum drei Grundmethoden voneinander unterschieden: Die Beobachtung, die Erklärung und das Verstehen. Die Beobachtung wird wiederum in zwei Methoden unterteilt: Zum einen die Beobachtung durch induktive Schritte und zum anderen die Beobachtung durch deduktive Schritte. Beobachtung durch induktive Schritte bedeutet, dass Aussagen erst nach der Beobachtung gemacht werden, wogegen bei der Beobachtung durch deduktive Schritte zuerst eine Aussage formuliert wird, auf die die Beobachtung folgt. Auch die Erklärung wird noch einmal unterteilt in (immer ungenaue und waghalsige) Alltagserklärungen und Erklärungen in wissenschaftlicher Hinsicht. Bei Erklärungen in wissenschaftlicher Hinsicht sind drei Bestandteile von Bedeutung: Die generellen Gesetzesaussagen, die singulären Randbedingungen und die singulären Aussagen.
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Das Verstehen zu guter letzt ist ein unendlicher Prozess, der nur künstlich abgebrochen werden kann.
Wie bereits angedeutet, haben wir im Seminar „Wissenschaftstheoretischer Richtungsstreit“ zwei für die Pädagogik wichtige wissenschaftliche Richtungen kennen gelernt. Die Hermeneutik und den Kritischen Rationalismus. Ich widme mich im weiteren Verlauf nun der Hermeneutik anhand der zur Verfügung gestellten Einführungsliteratur und der gestellten Hausarbeitsaufgabe. Ich werde im Folgenden den Begriff der Hermeneutik erklären, im Anschluss die Sichtweisen und Schwerpunkte der verschiedenen Autoren darlegen, Gemeinsamkeiten oder Differenzen in den einzelnen Darstellungen herausarbeiten und abschließend persönlich Stellung zur Diskussion beziehen.
Was ist Hermeneutik?
Unter dem Stichwort Hermeneutik finde ich im Fremdwörterlexikon folgenden Eintrag: „(…) die Kunst, Schrift- oder Kunstwerk sinnvoll auszulegen; die Methodologie der historischen Geisteswissenschaft als auslegende Wissenschaft (…)“ (von Kienle 1982:165). In dem Wort Hermeneutik steckt überdies der Name des griechischen Gottes Hermes, dem Mittler zwischen Göttern und Menschen. Ich verstehe dementsprechend unter Hermeneutik die Fähigkeit und Lehre, Phänomene (Kunst, Literatur oder andere Kulturäußerungen) sinnvoll auszulegen und somit verständlich machen zu können. In Bezug auf den griechischen Gott Hermes erkläre ich mir die Kulturäußerungen als so kunstvoll, gottähnlich anmutend und damit geradezu unerklärbar, dass es eines Mittlers bedarf, diese Phänomene zu klären und verständlich zu machen. Weiterhin bestehen die Aufgaben der Hermeneutik in der „interpretativen Erklärung von Grundbegriffen; Verstehen eines Textes unter Berücksichtigung der Situation, Motivation, Intention und des historischen Kontextes seines Verfassers; Erfassung einer überhistorischen Wahrheit eines Textes; Ermittlung des Textsinnes für den Interpreten und seine Zeit; Berücksichtigung der Subjekt-Objekt-Dialektik.“ (Stimmer 2000:309)
Zunächst hatte sich die Hermeneutik „in der Theologie, der Geschichtswissenschaft und der Rechtswissenschaft entwickelt“ (vgl. ebd. S. 309), was das für die
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pädagogische Wissenschaftstheorie vielleicht etwas abstrakt anmutende Aufgabenfeld erklärt.
Den Grundstein für die hermeneutische (= verstehende) Erziehungswissenschaft legte Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (21.11.1768 - 12.02.1834). „Nach dem Studium der Philosophie, Theologie und der alten Sprachen in Halle (1787 - 1790) und Tätigkeiten als Hauslehrer und Prediger war er zunächst Professor der Theologie in Halle (1804 - 1806) und ab 1810 in Berlin. Dort entwarf er in seinen Vorlesungen über Pädagogik (1813, 1820/21 und 1826), deren Text durch Nachschriften und in seinem Nachlass erhalten blieb, die Grundlage einer hermeneutischen Erziehungswissenschaft. (…) Seinerzeit war Schleiermacher eher als bedeutender Theologe und Philosoph bekannt. Seine erziehungswissenschaftliche Theorie gewann erst später an Bedeutung, als sie unter anderem Dilthey, Spranger und Nohl und damit die Geisteswissenschaftliche Pädagogik wesentlich beeinflusste.“ (vgl. ebd. S. 579)
Die Darstellung Geisteswissenschaftlicher Pädagogik bei König und Zedler Eckard König und Peter Zedler gehen davon aus, dass Wilhelm Dilthey (1833 - 1911) der eigentliche Begründer der „Geisteswissenschaftlichen Pädagogik“ ist, obgleich dieser die Pädagogik persönlich nie als geisteswissenschaftliche Disziplin deklariert hat. Nach König und Zedler sind die bekanntesten und damit wichtigsten Vertreter der „Geisteswissenschaftlichen Pädagogik“ Herman Nohl (1879 - 1969) und Eduard Spranger (1882 - 1963), zwei Schüler Diltheys, sowie die Nohl-Schüler Wilhelm Flitner (1889 - 1991) und Erich Weniger (1863 - 1961). Ebenso erwähnen sie Theodor Litt (1880 - 1962), den Nachfolger Sprangers als Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Leipzig.
In ihren Ausführungen in „Theorien der Erziehungswissenschaft“ (Weinheim 1989) beziehen sich König und Zedler auf Herman Nohl und seine Ansichten über die Geisteswissenschaftliche Pädagogik und stellen anhand seiner Arbeiten die Hauptthesen dar:
Ausgangspunkt für die pädagogische Theorie in der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik seien, laut König und Zedler anhand der Schriften Nohls, konkrete pädagogische Situationen. Nohl selbst schreibt von der Erziehungswirklichkeit als „aus dem Leben erwachsend“ oder „aus seinen Bedürfnissen und Idealen“, was
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meiner Meinung nach den Zusammenhang mit konkreten (pädagogischen) Situationen, insbesondere individuellen Situationen, verdeutlicht. Des Weiteren betonen König und Zedler, dass die Erziehungswirklichkeit als ein „sinnvolles Ganzes“ verstanden werde. Die Erziehungswirklichkeit müsse für die betreffende Person, den jungen Mensch, eine Bedeutung besitzen. Ich verstehe diese Anforderung so, dass dem Jugendlichen in der Erziehung klare Ziele, die noch in seiner Zukunft liegen, vor Augen geführt werden, dass der junge Mensch einen Plan und eine tiefere Bedeutung hinter dem sieht, wozu man ihn bewegen möchte und ihm damit eine klare, auf seine Bedürfnisse, Ziele und Möglichkeiten angepasste Struktur aufzeigt. Dies diene, meiner Meinung nach, zur besseren Reflektion und mache dem Jugendlichen seine Situation deutlicher. König und Zedler betonen im weiteren Verlauf, dass das Menschenbild in der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik ein ganz anderes sei als in der verhaltenstheoretischen Erziehungswissenschaft. „Verhalten wird nicht als Reaktion auf Reize gedeutet, sondern Menschen werden als „handelnde Subjekte“ gesehen, die ihrer Situation eine bestimmte Bedeutung geben und auf der Basis dieser Bedeutung handeln.“ (König / Zedler 1998)
Als einen weiteren wichtigen Punkt führen König und Zedler an, dass es die Aufgabe der Pädagogik als einer „hermeneutischen Disziplin“ sei, die Bedeutung der Erziehungswirklichkeit zu erfassen. Für mich treffend und verständlich machen sie es mit folgendem Satz: „(…) die Situation zu verstehen, heißt die Bedeutung zu erfassen, die die Situation für das Kind besitzt.“ (vgl. ebd.) Es sei also wichtig nachzuvollziehen, warum das Kind / der Jugendliche in bestimmter Art und Weise reagiert. Hierbei gelte es, alle Möglichkeiten zu berücksichtigen - nur so kann in der Art und Weise gehandelt werden, die dem jungen Menschen nützlich sei und dass er sich verstanden fühle.
Als einen weiteren Punkt im Verständnis der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik führen König und Zedler an, dass Erziehungswirklichkeit das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung sei. Sie sehen hier einmal die gemeinsame Geschichte, beispielsweise die Geschichte der Erziehung in Deutschland generell (unter Berücksichtigung kultureller und industrieller Veränderungen), und die individuelle Geschichte des einzelnen Kindes oder Jugendlichen. Diese beiden Faktoren gilt es, so interpretiere ich, stets zu berücksichtigen, da die individuelle Situation stark von den verschiedenen geschichtlichen Voraussetzungen abhängt und somit stets von Mensch zu Mensch verschieden ist. Nohl sagt treffend: „Pädagogik ist immer geschichtliches
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Arbeit zitieren:
Isabel Chowanietz, 2003, Zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung von Geisteswissenschaftlicher Pädagogik anhand ausgewählter Einführungsliteratur - Hermeneutik, München, GRIN Verlag GmbH
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