2
Unternehmensnetzwerke als Reaktion auf die Umwelt: Potentiale
und Risiken
Einleitung 3
1. Begriffserklärung und Klassifizierung der Unternehmensnetzwerke 4
2. Entstehungsgründe der Unternehmensnetzwerke 5
3. Potentiale von Unternehmensnetzwerken 5
3.1 Innovationsbeschleunigung 5
3.2 Überlegenheit im Zeitwettbewerb 6
3.3 Ökonomische Anreize 6
3.4 Verknüpfung von Stabilität und Flexibilität 7
3.5 Wissenstransfer 7
4. Problemgebiete von Unternehmensnetzwerken 8
4.1 Steuerung und Koordination 8
4.2 Vertrauen und Macht 9
4.3 Risiken der Netzwerkorganisationen 0
Zusammenfassung 10
Literaturverzeichnis 12
3
Einleitung
Der in den neunziger Jahren ausgebrochene Prozess des Wandels in der Organisation wirtschaftlicher Leistungserstellung 1 führte zur Entstehung neuer und Anpassungen bestehender Organisationsformen. Das traditionelle Leitbild des eigenständig am Markt auftretenden Unternehmens lässt sich zunehmend überflüssig erscheinen aufgrund der wachsenden globalen Arbeitsteilung, verbunden mit steigender Differenzierung, Spezialisierung und Flexibilisierung. In diesem Z usammenhang sprechen die Wissenschaftler von der Verschiebung der Unternehmensgrenzen und sogar von dessen „Verschwimmen“. 2 Es entstehen Unternehemensnetzwerke. Ziel dieser Arbeit ist es, die besondere Rolle der Unternehmensnetzwerke im Verhältnis von Unternehmen und Umwelt festzustellen.
Das erste Kapitel ist der begrifflichen Erklärung des Phänomens der Unternehmensnetzwerke gewidmet. Es werden unterschiedliche Definitionen dargestellt, die sich aus verschiedener Sichtweise der Problematik ergeben und dennoch die gemeinsamen Züge aufweisen.
Im Kapitel zwei wird auf die Motive eingegangen, die die einzelnen Unternehmen auf g eplantem oder emergentem Wege zu einer interorganisationaler Kooperation verleiten. Die Entstehungsgründe der Unternehmensnetzwerke werden erläutert. Kapitel drei und vier diskutieren die Vorteile und Problemfelder der Unternehmensnetzwerke, die sich aus einer teilweise marktlichen, teilweise hierarchischen Natur der Netzwerke ergeben.
1 Vgl. Klein, S. (1996): Interorganisationssysteme und Unternehmensnetzwerke: Wechselwirkungen
zwischen organisatorischer und informationstechnischer Entwicklung. Wiesbaden: DUV, Dt. Univ.-
Verlag, S. 1.
2 Vgl. a.a.O.; Enders, E; Wehner, Th. (2001): Störungen zwischenbetrieblicher Kooperation - Eine
Fallstudie zum Grenzstellenmanagement in der Automobilindustrie. In: Sydow, J. (Hrsg.):
Management von Netzwerkorganisationen. Wiesbaden: Gabler, S. 217; Simon, F. B.; Stahl, H. K.
(2001): Außenorientierung heißt immer auch Komplexitätsbewältigung. In: Hinterhuber, H. H., Stahl,
H. K (Hrsg.): Fallen die Unternehmensgrenzen?: Beiträge zur Außenorientierung der
Unternehmensführung. Renningen-Malmsheim: expert-Verlag, S. 325.
4
1. Begriffserklärung und Klassifizierung der Unternehmensnetzwerke
Die wohl meist bekannte und universelle Definition des Begriffs Unternehmensnetzwerk stammt von Sydow: „Ein Unternehmensnetzwerk stellt eine auf die Realisierung von Wettbewerbs- vorteilen zielende Organisationsform ökonomischer Aktivitäten dar, die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative, denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist unabhängigen Unternehmungen auszeichnet. Ein derartiges Netzwerk, das entweder i n einer oder in mehreren miteinander verflochtenen Branchen agiert, ist das Ergebnis einer Unternehmungsgrenzen übergreifenden Differenzierung und Integration ökonomischer Aktivitäten“. 3 Siebert beschreibt Unternehmensnetzwerke als eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen mehreren rechtlich selbständigen und formal unabhängigen Unternehmen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und ihre Individualziele dem Kollektivziel des Netzwerks zumindest teilweise unterordnen. 4
Unter Unternehmensnetzwerken versteht Klein „kooperative Koordinationsformen zwischen autonomen, aber interdependenten Unternehmungen. Netzwerkförmige Austauschbeziehungen sind durch Reziprozität gekennzeichnet und basieren im wesentlichen auf sozial abgestützten Mechanismen der Koordination und Integration, insbesondere Vertrauen“. 5 Dabei unterscheidet er zwischen vier Grundtypen der Netzwerke:
- Tausch-Netzwerke: Barter-Netzwerke, Informations-Partnerschaften, Koalitionen unabhängiger Partner, Informationsverarbeitungsverbünde, Arbeitsgemeinschaften, Genossenschaften;
- Fokale Netzwerke: Lieferantennetzwerke, zentral geführte strategische Allianzen, Konsortien, Verlagsunternehmungen; - Clubs: horizontale Vertriebsnetzwerke, Clans; - Lern-Netzwerke: Forschungs-Netzwerke. 6
3 Sydow, J. (1992): Strategische Netzwerke: Evolution und Organisation. Wiesbaden: Gabler, S. 79.
4 Vgl. Siebert, H. (2001): Ökonomische Analyse von Unternehmensnetzwerken. In: Sydow, J. (Hrsg.):
Management von Netzwerkorganisationen. Wiesbaden: Gabler, S. 9.
5 Klein, S. (1996), a.a.O., S. 100.
6 Vgl. Klein, S. (1996), a.a.O. S. 127.
5
Einige Wissenschaftler betonen dabei, dass die Netzwerke eine organisatorische Koordinationsform, ja eine Art „Hybridform“ 7 zwischen Markt und Hierarchie repräsentieren, und durch ein breites Spektrum an Ausgestaltungsmöglichkeiten gekennzeichnet sind. So können sie beispielsweise solche Formen wie Abnahmegarantie, Just-In- Time-Zulieferung, Forschungsgemeinschaft, Vertragskooperation, Lizenzvertrag, Kapitalbeteiligung, Joint-Venture und andere annehmen. 8
Von der Art der interorganisationalen Beziehungen (direkt/indirekt) und Interdependenz (kommensalistisch/symbiotisch) ausgehend, definiert Schreyögg Unternehmensnetzwerke als eine größere Zahl von Organisationen, „die zueinander in symbiotischen Beziehungen stehen, d.h. die involvierten Organisationen sind funktional differenziert und komplementär aufeinander bezogen.“ 9 Prange stellt das Problem der Zielsetzung in den Mittelpunkt der Betrachtung und definiert die Netzwerke als „alle Formen der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit von mindestens zwei rechtlich und (eingeschränkt) wirtschaftlich selbständigen Unternehmen, die - wenn auch auf freiwilliger Basis - ihre Entscheidungsfreiheit zur Verfolgung gemeinsamer Ziele in bestimmten Bereichen einschränken. Durch Kooperation streben die beteiligten Unternehmen einen Zustand an, der sie besser stellt als dies alleine möglich wäre.“ 10
2. Entstehungsgründe der Unternehmensnetzwerke
Unternehmensnetzwerke entstehen als Folge auf eine Verschärfung der wettbewerblichen Anforderungen in Bezug auf Innovation, Schnelligkeit, Qualität und Kosten und verfolgen das Ziel, durch eine koordinierte Strategie mehrerer formal unabhängiger Unternehmen eine kollektive Effizienzsteigerung zu erreichen und
7 Klein, S. (1996), a.a.O., S. 89.
8 Vgl. Siebert, H. (2001), a.a.O., S. 9.
9 Schreyögg, G. (2003): Organisation. Grundlagen moderner Organisationsgestaltung. Wiesbaden:
Gabler, S. 393.
10 Prange, C. (2001): Interorganisationales Lernen: Lernen in, von und zwischen Organisationen. In:
Sydow, J. (Hrsg.): Management von Netzwerkorganisationen. Wiesbaden: Gabler, S. 160 f.
Arbeit zitieren:
Karina Boldyreva, 2005, Unternehmensnetzwerke als Reaktion auf die Umwelt: Potentiale und Risiken, München, GRIN Verlag GmbH
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