Der „Gewinn je Aktie" nach US-GAAP-Darstellung und kritische Würdigung
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Bilanzierung nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich 4
2.1. Grundlagen der Rechnungslegung nach HGB 4
2.2. Grundlagen der Rechnungslegung nach IAS 5
2.3. Grundlagen der Rechnungslegung nach US-GAAP 6
3. Gewinn je Aktie Allgemein 7
3.1. Der unverwässerte Gewinn je Aktie 8
3.2. Der verwässerte Gewinn je Aktie 9
3.3. Gewinn je Aktie nach HGB 11
3.4. Gewinn je Aktie nach IAS 12
3.5. Gewinn je Aktie nach US-GAAP 12
4. Änderung der Bilanzierungsvorschriften bezüglich des Goodwill
nach US-GAAP 14
4.1. Die größten Profiteure der Umstellung am DAX 16
4.2. Nemax vor Neubewertung 17
4.3. Auswertung der Bilanzierungsart im Nemax 50 19
5. Kritische Beurteilung der neuen amerikanischen Abschreibungsregeln nach
US -GAAP und die Auswirkung auf den Gewinn je Aktie 21
6. Experteninterview 23
7. Ausblick und Schlussbetrachtung 28
Literatur 30
Anhang 32
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Der „Gewinn je Aktie" nach US-GAAP-Darstellung und kritische Würdigung
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll dem Leser einen Einblick in die Bewertung der Kennzahl „Gewinn je Aktie“ nach den Rechnungslegungsnormen des USamerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) geben. In Kapitel 2 werden die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Rechnungslegungssysteme: Handelsgesetzbuch (HGB), International
Accounting Standards (IAS) und US-GAAP im Rahmen der Aufgabenstellung herausgearbeitet. Der weltgrößte Kapitalmarkt und die weltgrößte Börse befinden sich in den USA. Es liegt daher auf der Hand, dass vor allem der USamerikanische Kapitalmarkt und dessen Rechnungslegung f ür deutsche Unternehmen interessant sind.
Der markante ausgewiesene Ergebnisunterschied zwischen den beiden Rechnungslegungssystemen HGB und US-GAAP war Auslöser für eine verstärkte Auseinandersetzung mit den US-amerikanischen
Rechnungslegungsvorschriften und den bis vor wenigen Jahren noch wenig beachteten IAS.
In den nachfolgenden Kapiteln 3 und 4 widme ich meine Aufmerksamkeit, einerseits der detaillierten Darstellung des Gewinns je Aktie und andererseits der Änderung der US-Bilanzierungsregeln in Bezug auf die Behandlung des Goodwill.
In Kapital 5 gehen ich der Frage nach, ob die neuen Abschreibungsregeln nach US-GAAP Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit, der nach Handelsgesetzbuch bilanzierenden bzw. nach internationalen Vorschriften (US-GAAP und IAS) bilanzierenden Unternehmen haben. Ebenfalls wird die Auswirkung auf den „Gewinn je Aktie“ untersucht.
Im letzten Teil dieser Arbeit führte ich ein Interview mit zwei Praxisorientierten Aktienanalysten. Die Beiden kompetenten Fachleute sollen durch ihre kritische Meinung dem Leser das Verstehen der nicht einfachen und sehr umfangreichen Materie erleichtern.
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2. Bilanzierung nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich
Die Bilanzregeln müssen international harmonisiert werden, so lautet die einhellige Forderung aller Experten. Das Erfordernis der internationalen Harmonisierung der Rechnungslegung und damit zwangsläufig der Auseinandersetzung mit internatonalen Rechnungslegungsvorschriften bzw. Rechnungslegungsgepflogenheiten ergibt sich primär aus den Anforderungen des internationalen Kapitalmarktes hinsichtlich der multinationalen Listung und Wertpapiermission global operierender Unternehmen. Diese "Global Player" sind mehr denn je gezwungen, auf die internationalen Kapitalmärkte zur Finanzierung ihrer Investitionen zurückzugreifen, die ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sichert und ausbaut. Die nach nationalen Standards erstellten Jahresabschlüsse werden teilweise von den jeweiligen ausländischen Börsenzulassungsbehörden, in erster Linie jedoch von der US-Securities and Exchange Commission (SEC), nur in Verbindung mit mehr oder weniger intensiven Überleitungsrechnungen und Zusatzangaben als gleichwertig anerkannt. 1
2.1. Grundlagen der Rechnungslegung nach HGB
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das HGB , welche beide am 01. Januar 1900 in Kraft traten, stellen die grundsätzliche Kodifikationen der deutschen Privatrechtsordnung dar. Das Bilanzierungsrichtliniengesetz als drittes Buch des HGB bildet die gesetzliche Grundlage für den Jahresabschluss. Danach hat dieser für Kaufleute allgemein aus:
• Bilanz (§ 266 ff.) und
• Gewinn- und Verlustrechnung, GuV (§ 275 ff.) zu bestehen; Kapitalgesellschaften haben zusätzlich noch aufzustellen:
1 Vgl. Gerhart Förschle, US-GAAP, IAS und HGB: Ergebnisse einer Umfrage unter deutschen
Rechnungslegungsexperten, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis, 47. Jahrgang
1995, Berlin, S. 395-400.
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• Anhang (§ 284 ff.)
• Lagebericht (§ 289) 2
Die enge Verflechtung der deutschen Steuergesetzgebung mit dem Handelsrecht drückt sich im sogenannten Maßgeblichkeitsprinzip bzw. der umgekehrten Maßgeblichkeit aus, wobei hier nicht weiter drauf eingegangen werden soll. Die GoB, Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, bildet ein Regelwerk, welches die gesamte Rechnungslegung umfasst. Die GoB bestehen aus den:
• GoB i. e. S., den
• GoI (Grundsätze ordnungsgemäßer Inventur), den
• GoS (Grundsätze ordnungsmäßiger Speicherbuchführung) und den
• GoBil (Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung)
Die Go Bil beruhen auf dem Identitätsprinzip, dem Grundsatz der Unternehmensfortführung, dem Einzelbewertungsprinzip, dem
Vorsichtsprinzip, dem Abgrenzungsprinzip und dem Grundsatz der Bewertungsstetigkeit. Die allgemeinen Bewertungsvorschriften werden in den §§ 252 - 256 des HGB behandelt, die Spezialvorschriften für Kapitalgesellschaften in den §§ 279 - 283 des HGB. 3
2.2. Grundlagen der Rechnungslegung nach IAS
Die IAS gelten als ein wesentliches Instrument der weltweiten Harmonisierung der Rechnungslegung. S ie werden vom IASC (International Accounting Standards Committee) herausgegeben, einer internationalen Fachorganisation der mit Rechnungslegungsaufgaben befassten Berufsverbände. Das IASC wurde 1973 gegründet und hat die Zielsetzung, Rechnungslegungsstandards auszuarbeiten, die weltweit Geltung haben sollen. Wenngleich die IAS keine rechtliche Bindewirkung für einzelne Länder aufweisen, haben sich jedoch die
2 Vgl. Klaus Manz, Kompaktstudium Wirtschaftswissenschaften, Band 8, Bilanzierung,
München, 1995, S.1 - 12.
3 Vgl. Nikolaus Rollwage, Bilanzen : mit Übungsaufgaben und Lösungen, 4. Auflage, Köln,
1999, S.11 - 14.
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nationalen Mitgliedsorganisationen des IASC verpflichtet, die Durchsetzung der IAS in ihren Heimatlä ndern zu fördern. 4
Als Rahmenkonzept für die Gestaltung der IAS gilt das 1989 verabschiedete Framework for the Preparation und Presentation of Financial Statements. In diesem werden die maßgeblichen Ziele, Grundsätze und Methoden der IAS-Rechnungslegung b eschrieben. 5 Die maßgebliche Zielsetzung des Jahresabschlusses gilt dem Informationszweck der Investoren. Zwar werden im Framework auch das Ziel der Kapitalerhaltung bzw. die
Informationsbedürfnisse von Kreditgebern, Arbeitnehmern, Lieferanten, Kunden, Staat und Öffentlichkeit erwähnt, doch zielen die dem Framework zugrunde liegenden Prämissen und Grundsätze der Rechnungslegung vor allem auf die Interessen der Investoren auf Kapitalmärkten ab. Diesem Informationszweck kann jedoch nur entsprochen werden, wenn bestimmte Grundsätze eingehalten werden:
• Jahresabschlüsse sollen Dritten leicht verständlich sein.
• Jahresabschlüsse sollen entscheidungsrelevante Informationen für zukünftige Entscheidungen liefern.
• Jahresabschlüsse sollen vergleichbar sein und sachgerechte Vergleiche zwischen unterschiedlichen Unternehmen ermöglichen.
• Informationen sollten richtig, willkürfrei, vorsichtig und vollständig sein. 5
2.3. Grundlagen der Rechnungslegung nach US -GAAP
In der angloamerikanischen Bilanzierungswelt spielen d ie US-GAAP die führende Rolle. Aufgrund des case law Prinzips, das heißt des Einzelfallrechts, welches in der angelsächsischen Rechtstradition fest verwurzelt ist, besteht auch im Handelsrecht lediglich ein Rahmen. Die wenigen
Bilanzierungsvorschriften sind überhaupt gesetzlich kodifiziert; US-GAAP
4 Vgl. Kurt V. Auer, International harmonisierte Rechnungslegungsstandards aus Sicht der
Aktionäre : Vergleich von EG-Richtlinien, US-GAAP und IAS, Wiesbaden, 1997, S. 100-101.
5 Vgl. KPMG, International Accounting Standards, 1996, S. 18
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entstehen aus der Zusammenarbeit von Financial Accounting Standards Board (FASB), die eine private Fachorganisation ist, den wirtschaftprüfenden Berufsverbänden und SEC, der Börsenaufsicht. In den USA besteht keine gesetzliche Pflicht zur Offenlegung, jedoch verlangt die SEC die Prüfung und Publizität der Unternehmen, die Wertpapiere an der Börse emittieren. Dies bedeutet, dass die US-GAAP für Publikumsgesellschaften verbindlich sind. Das die amerikanischen Wirtschaftsprüfer ihrerseits verpflichtet sind, auch bei freiwilligen Prüfungen die Einhaltung der Accounting Principles zu prüfen, können die US-GAAP somit als die allgemeinverbindlichen
Rechnungslegungsvorschriften der USA bezeichnet werden. 6
Die Handel- und Steuerbilanz sind in den USA wesentlich weniger verbunden als in Deutschland. Der Grundsatz der Maßgeblichkeit und die umgekehrte Maßgeblichkeit sind so gut wie unbekannt. Durch den Umstand, dass in den USA die Finanzierung über den Kapitalmarkt eine große Bedeutung hat, ist die US-Rechnungslegung stärker auf den Investor und weniger auf den Gläubiger zugeschnitten. Der US-Abschluß hat in erster Linie die Aufgabe, aktuellen und potentiellen Investoren entscheidungsrelevante Informationen zur Verfügung zu stellen und diese so zu präsentieren, dass ein möglichst sicherer Einblick in die finanzwirtschaftliche Unternehmenslage möglich ist (decision usefullness). 7
3. Gewinn je Aktie Allgemeines
Die Kennzahl Gewinn je Aktie oder Earnings per Share (EPS) zählt im Bereich der Aktienanalyse zu den wichtigsten Kennzahlen. Es werden damit häufig auf Basis von Zeit- und Unternehmensvergleichen Kursveränderungen und Aktienempfehlungen begründet. Darüber hinaus wird
6 Vgl. Kurt V. Auer, International harmonisierte Rechnungslegungsstandards aus Sicht der
Aktionäre : Vergleich von EG-Richtlinien, US-GA AP und IAS, Wiesbaden, 1997, S. 107-110
7 Vgl. Stefan Müller, Jahresabschlusspolitik nach HGB, IAS und US-GAAP, in: Betriebs-
Berater, Jahrgang 56, Heft 43, S. 2206-2213.
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Arbeit zitieren:
Toni Trogrlic, 2001, Der "Gewinn je Aktie" nach US-GAAP - Darstellung und kritische Würdigung, München, GRIN Verlag GmbH
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