Inhaltsverzeichnis:
1. Fragestellung 1
2. Historisch-genetische Analyse 1
2.1. Die Besiedelung des Kosovo 1
2.2. Die Schlacht auf dem Amselfeld und osmanische Herrschaft im Kosovo 2
2.3. Die zwei Weltkriege und die Ära Tito 3
2.4. Aufhebung des Autonomiestatus der Provinz Kosovo unter Milosevic 3
2.5. Der Frieden von Dayton und der Aufstieg der UCK 4
2.6. Drohungen der NATO und das Scheitern der Verhandlungen 5
2.7. Operation Allied Force 6
2.8. Stationierung der KFOR im Kosovo 7
2.9. Neuerliche Vertreibungen und Gewaltakte im Kosovo 7
2.10. Kosovo unter der Herrschaft der Vereinten Nationen 9
3. Daten und Statistiken 10
3.1. Die Bevölkerung der Provinz Kosovo 10
3.2. Vertreibung und Auswanderung der Kosovo-Albaner 11
3.3. Flucht der nicht-albanischen Minderheiten aus dem Kosovo 12
4. Konstellationsanalyse 12
4.1. Albanische Parteien 13
4.1.1. LDK (Demokratische Liga Kosovo) 13
4.1.1.1. Ibrahim Rugova 14
4.1.1.2. Bujar Bukoshi 14
4.1.2. UCK (Kosovo-Albanische Befreiungsarmee) 15
4.1.2.1. Hasim Thaci 16
4.1.3. PDK (Demokratische Partei Kosovo) 17
4.2. Serbische Parteien 18
4.2.1. Slobodan Milosevic 18
4.2.2. SPO (Serbische Widerstandsbewegung) 19
4.2.2.1. Momcilo Trajkovic 20
4.2.3. Bischof Artemije Radosavljevic 20
5. Theorien und theoretische Konzepte 21
6. Schlussfolgerungen 22
Literaturverzeichnis 24
Grundkurs: Internationale Politik. Konflikte in Ex-Jugoslawien Fallstudie
1. Fragestellung
Meine Fragestellung, mit der ich mich im Rahmen dieser Fallstudie auseinandersetzen werde lautet: Welche Auswirkungen und Folgen hatte die NATO-Intervention im Jahr 1999 für das Kosovo?
Ich schränke diese Fragestellung insofern ein, dass ich mich nur mit den unmittelbaren Folgen befassen möchte. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich lediglich bis zum Ende des Jahres 1999. Natürlich ist mir bewusst, dass viele der Auswirkungen der NATO-Intervention erst nach einem längeren Zeitraum sichtbar werden, doch würde die Bearbeitung dieser längerfristigen Folgen den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen. Des weiteren möchte ich mich nur mit den Folgen der Intervention für die Region Kosovo selbst beschäftigen und werde auf die Folgen des Krieges für die NATO und die internationale Gemeinschaft nicht eingehen. Schließlich beschränke ich den Gegenstand der Untersuchung noch ein wenig, indem ich mich auf die Folgen der Intervention für das politische Leben im Kosovo und das Zusammenleben und Verhältnis der einzelnen Bevölkerungsgruppen zueinander, konzentriere. So lasse ich vor allem wirtschaftliche Probleme außer Acht, deren Bearbeitung zu weitläufig wäre.
2. Historisch-genetische Analyse
2.1. Die Besiedelung des Kosovo:
Die genaue Herkunft der Albaner im Kosovo ist nicht geklärt. Von albanischer und von serbischer Seite werden jeweils verschiedene Theorien zu diesem Thema vertreten. Albanische Historiker vertreten die Auffassung, dass die Albaner von den antiken Illyrern abstammen und so die „Urbevölkerung“ des Kosovo bilden und die slawische Bevölkerung erst ab dem Frühmittelalter zugewandert sei. Von serbischer Seite wird hingegen die Ansicht vertreten, dass das Kosovo im Mittelalter rein serbisch besiedelt gewesen sei und der Großteil der albanischen Bevölkerung erst um 1690 in das Kosovo kam. (vgl. Clewing 2000, 21) Aufgrund der mangelhaften Quellenlage lässt sich der wahre Sachverhalt kaum ermitteln, doch wird von internationaler Seite eher die kosovo-albanische Ansicht vertreten. (vgl. Rüb 1999, 23)
Beide Bevölkerungsgruppen beanspruchen allerdings jeweils für sich, dass sie die ursprüngliche Bevölkerung der Region stellten. Folglich möchte keine der beiden Bevölkerungsgruppen dieses Gebiet „aufgeben“.
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2.2. Die Schlacht auf dem Amselfeld und osmanische Herrschaft im Kosovo: Die Schlacht fand am 28. Juni 1389 statt. Ca. 30.000 osmanischen Soldaten standen 20.000 Männer des serbischen Koalitionsheeres, das von kroatischen und bosnischen Truppen unterstützt und zum Teil von albanischen Heerführern angeführt wurde, gegenüber. Die Schlacht konnten die osmanischen Truppen für sich entscheiden, doch beide Anführer, sowohl Sultan Murad I als auch Fürst Lazar fielen. Die direkten Auswirkungen der Schlacht waren eher gering, da Serbien erst 1459 vom osmanischen Reich endgültig unterworfen wurde. (vgl. Petritsch 1999, 31-35)
Allerdings wurde die Schlacht auf dem Amselfeld zum serbischen Mythos: „Die serbischen Heere, so will es dieser Mythos, warfen sich für das christliche Abendland in den Kampf gegen das islamische Morgenland.“ (Rüb 1999, 19)
Der Kosovo-Mythos ist aber keineswegs nur Erinnerung an vergangene Zeiten. „Seine Brisanz erhält er aus der Tatsache, dass der konkrete Ort des Erinnerns in dieser Sicht von den ‚Erbfeinden’ der serbischen Nation in Besitz genommen wurde und dass die Spannungen zwischen orthodoxen Serben und vorwiegend muslimischen Albanern als Fortsetzung des jahrhundertelangen ‚Kampfes zwischen Christentum und Islam’ verstanden werden.“ (Sundhaussen 2000, 70-71)
Vor allem auf Seiten der Albaner gab es in den Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft zahlreiche Glaubensübertritte zum Islam. Für die Serben gelten die Albaner als ‚Teil des türkischen Unterdrückungsapparates’, weshalb auch im 20. Jahrhundert eine antialbanische Politik von serbischer Seite betrieben wird, als ‚Wiedergutmachung’ des ‚Unrechts’, das von Seiten der Albaner zugefügt wurde. (vgl. Gumpel 1999, 9) Von historischer Seite ist allerdings zu bemerken, dass orthodoxe Untertanen im osmanischen Reich zahlreiche Selbstbestimmungsbefugnisse genossen und Zwangsislamisierungen eine Ausnahme bildeten. (vgl. Sundhaussen 2000, 71)
So kam es zur Spaltung einer Bevölkerung an der ethnischen Grenzlinie, die noch im Jahre 1389 Seite an Seite gegen die osmanischen Eroberer gekämpft hatte. 1690 im Zuge der sogenannten „Großen Serbischen Wanderung“ verließen mehrere hunderttausend Serben das Kosovo. Durch die verstärkte Zuwanderung der albanischen Bevölkerung in das Gebiet änderte sich die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung drastisch zugunsten der Albaner, die seither die Bevölkerungsmehrheit im Kosovo stellen. (vgl. Rüb 1999, 23-24)
In der Folge der beiden Balkankriege 1912/1913 wurde das Kosovo in das nun autonome Königreich Serbien eingegliedert. (vgl. Petritsch 1999, 79)
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2.3. Die zwei Weltkriege und die Ära Tito:
Von 1915 bis 1918 war die Region Kosovo von österreich-ungarischen Truppen besetzt (vgl. Petritsch 1999, 98) und im zweiten Weltkrieg wurden das Kosovo und andere Gebiete zu einem Großalbanien unter italienischer Patronanz zusammengefasst (vgl. Petritsch 1999, 129). Beide Besatzungen wurden von der albanischen Bevölkerung als Befreiung empfunden. Die Albaner genossen ein hohes Maß an Selbstbestimmung. Allerdings kam es durch diese Umkehr der Kräfteverhältnisse verstärkt zu Racheakten von Albanern an der serbischen Bevölkerung. Nach Kriegsende 1945 wurde die autonome Region Kosovo-Metohija in die Republik Serbien eingegliedert. (vgl. Petritsch 1999, 133-135) So standen sich Serben und Albaner in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts stets als Angehörige verfeindeter Parteien gegenüber.
Die Situation im Kosovo unter Tito lässt sich in zwei Phasen einteilen: „1945 bis 1966 war die Phase massiver Repression. Unter der Führung des serbischen Innenministers Aleksandar Rankovic […] waren Terror und Polizeiwillkür an der Tagesordnung.“ (Reuter 2000b, 147) Nach dem Sturz Rankovics „wurde die Provinz Kosovo […] den sechs jugoslawischen Republiken weitgehend gleichgestellt.“ (Sundhaussen 2000, 78) Titos Tod im Jahre 1980 war für die albanische Bevölkerung des Kosovo ein einschneidendes Erlebnis, da Tito den Status eines Beschützers hatte, dem sie das Ende der serbischen Unterdrückung verdanken. (vgl. Petritsch 1999, 154-155)
2.4. Aufhebung des Autonomiestatus der Provinz Kosovo unter Milosevic: Von Seiten serbischer Nationalisten wurde die verfassungsrechtliche Aufwertung des Kosovo unter Tito nie verwunden. In der Folge bildeten sich antialbanische Ressentiments und latenter antialbanischer Rassismus, der von Slobodan Milosevic, der seit 1987 Präsident der Republik Serbien war, politisch instrumentalisiert wurde. Er begeisterte die serbische Bevölkerung für sein Ziel der Errichtung eines serbischen „Nationalstaates“ durch Wiedereingliederung des Kosovo und der Vojvodina mit allen Mitteln. (vgl. Jurekovic 2000, 79-81) So verkündete er bei einer Rede am Sankt-Veits-Tag 1989: „Heute, sechs Jahrhunderte später, stehen wir wieder in der Schlacht und sehen neuen Kämpfen entgegen. Es sind keine bewaffneten Kämpfe, aber auch solche sind nicht auszuschließen.“ (Rüb 1999, 29)
Im März 1989 kam es durch eine Verfassungsänderung zur faktischen Beseitigung der Autonomie des Kosovo. Serbien erlangte wieder direkte Kontrolle über das Kosovo und albanisch wurde als Amtssprache verboten. Auf die Protestwelle der albanischen Bevölkerung reagierte die serbische Seite mit Massenverhaftungen. (vgl. Petritsch 1999, 176-177)
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Im Juli 1990 erklärte sich das Kosovo zur siebenten Republik Jugoslawiens. Ein im September abgehaltenes Referendum bestätigte diesen Wunsch nach Unabhängigkeit. (vgl. Sundhaussen 2000, 84) Bei Parlamentswahlen, die 1992 de facto im Untergrund stattfanden wurde Ibrahim Rugova zum Präsidenten gewählt. (vgl. Schmidl 2000, 21) Im Kosovo selber entstand ein kosovo-albanischer „Schattenstaat“, der über eine eigene Regierung und Verwaltung verfügte und losgelöst von den serbischen Institutionen existierte. Das Ziel der regierenden Partei der LDK (Demokratische Liga des Kosovo) war es, die internationale Aufmerksamkeit auf die Situation im Kosovo zu lenken. Die Hoffnungen der Bevölkerung waren auf die Friedensverhandlungen im Zuge des Krieges im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens gerichtet. (vgl. Petritsch 1999, 192-193)
Bis zu dieser Phase haben sich die Albaner als Teil Jugoslawiens gesehen, doch nun wollen sie ihren eigenen Staat erlangen. Die Albaner lehnen eine „friedliche“ Koexistenz, die ihnen in den letzten Jahrzehnten wiederholt Unterdrückung brachte ab und erhoffen sich Hilfe von internationaler Seite.
2.5. Der Frieden von Dayton und der Aufstieg der UCK:
Beim Frieden von Dayton fand die Kosovo-Problematik keinerlei Eingang in die Verhandlungen. Vertreten waren lediglich Delegationen aus Serbien, Kroatien und Bosnien, aber keine Gesandten aus dem Kosovo. (vgl. Bellamy 2002, 54) So sollen die westlichen Mächte einen Kuhhandel mit Milosevic geschlossen und das Kosovo-Problem nicht berührt haben, um Serbien für den Verzicht in Kroatien und Bosnien als Ausgleich das Kosovo zu lassen. (vgl. Reuter 2000a, 321) Sie haben das Kosovo regelrecht für den Frieden auf dem restlichen Balkan „geopfert“.
Die Auswirkungen des Abkommens von Dayton waren im Kosovo selbst sehr groß. Präsident Rugova, der die Unabhängigkeit auf friedlichem Wege durch Erlangung der internationalen Aufmerksamkeit erreichen wollte, geriet zunehmend unter Druck: „While most Kosovar Albanians continued to support Rugova, the popular belief after Dayton was that his methods had achieved nothing. This provoked a radicalisation of the Kosovar Albanian strategy.“ (Bellamy 2002, 59) Es schien, als könnte nur militärisches Vorgehen die internationale Aufmerksamkeit erregen.
In diesem Zusammenhang kam es in der Folge zum rasanten Aufstieg der UCK. Februar 1996 kam es zum ersten Anschlag, für den die UCK die Verantwortung übernahm. Die Serben reagierten mit zahlreichen Verhaftungen, die allerdings nicht die Abnahme der Anschläge bewirkten. (vgl. Schmidt 2000, 198-199) Durch den Aufstieg der UCK verschärft sich die Situation im Kosovo zusehends und eine kriegerische Auseinandersetzung erschien immer
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unvermeidlicher. So spielte vor allem die internationale Gemeinschaft eine bedeutende Rolle bei der Verschärfung des Konfliktes: „By denying the possibility of internationalisation, refusing to incorporate Rugova into the peace process, and accepting Serbia’s claim to Kosovo, international society directly contributed to Rugova’s marginalisation and the rise of the UCK. The violence of 1998 was therefore not in spite of international efforts in Kosovo but because of them.” (Bellamy, 66)
2.6. Drohungen der NATO und das Scheitern der Verhandlungen: Im Frühjahr 1998 kam „es erstmals zur systematischen Ermordung von Mitgliedern der ‚feindlichen Volksgruppe’ durch Sicherheitsorgane Serbiens“. (Jurekovic 2000, 45) So kostete die von Milosevic angeordnete Großoffensive gegen terroristische Kräfte mindestens 25 Frauen und Kindern das Leben. (vgl. Jurekovic 2000, 45) Durch diese Offensive wurden massive Flüchtlingsströme ausgelöst. Innerhalb des Kosovo hielten sich 200.000 Vertriebene auf und 98.000 Menschen hatten die Provinz verlassen. Gleichzeitig bewirkte die Offensive aber auch eine Stärkung der UCK, die nun für die Albaner im Kosovo zu einer Schutzmacht wurde und starken Zulauf erhielt. (vgl. Schmidt 2000, 201) „Eigenen Angaben zufolge kontrollierte die Befreiungsarmee im Juni 1998 bereits 40% des kosovarischen Territoriums“. (Feichtinger 2000, 103) Erst zu diesem Zeitpunkt wurde die problematische Situation im Kosovo ein Problem, das die internationale Gemeinschaft als ihres ansah und nicht mehr nur als innerserbische Angelegenheit wertete. Der Grund dafür waren neben den großen Flüchtlingsströmen die Angst, dass sich der Krieg auf den restlichen Balkan ausbreiten könnte. (vgl. Bellamy 2002, 93) So forderte die UNO in Resolution 1199 sofortigen Waffenstillstand unter Androhung ‚weiterer Maßnahmen’. Daraufhin verabschiedete der NATO-Rat am 12. Oktober die „Activation Order“, die den Einsatz von Luftstreitkräften vorsah. (vgl. Jurekovic 2000, 50-52)
Die Drohungen der NATO wurden von Richard Holbrook verwendet, um Druck auf Milosevic zu machen, und es kam zum sogenannten „Milosevic-Holbrook-Abkommen“. Dieses wurde aber von Milosevic nicht eingehalten und im Jänner 1999 kam es zu einer neuerlichen serbischen Offensive. (vgl. Bellamy 2002, 95) So starben am 15. Jänner in Racak 45 Menschen. Obwohl die Hintergründe dieses Massakers von Racak bis heute nicht geklärt sind, ging die Meldung um die Welt, es seien 45 albanische Zivilisten hingerichtet worden. (vgl. Petritsch 1999, 262) Beeinflusst durch die Vorfälle in Racak wurde der Druck auf die Konfliktparteien erhöht und es kam zu Verhandlungen auf Schloss Rambouillet, die am 6. Februar 1999 begannen. (vgl. Schütz 2003, 50) Im Falle des Scheiterns der Verhandlungen drohte die NATO mit Luftangriffen. Dennoch konnten sich beide Konfliktparteien nicht dazu
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Arbeit zitieren:
Mag Elisabeth Bergmann, 2005, Die Folgen der NATO-Intervention im Kosovo, München, GRIN Verlag GmbH
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