Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schülerinnen im allgemeinen Schulsystem -
Bildungsbeteiligung und Schulabschlüsse
3 Berufs- und Studienwahl junger Frauen
3.1 Berufliche Ausbildung
3.2 Studienwahl
4 Übergang in das Beschäftigungssystem
4.1 Erwerbstätigkeit von Frauen
4.2 Gründe für die geschlechtspezifische Benachteiligung
5 Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen
5.1 Weibliche Führungskräfte in der Wirtschaft
5.2 Frauen in Wissenschaft und Forschung
6 Förderung der Gleichstellung von Frauen
Literaturverzeichnis
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1 Einleitung
Frau und Mann sind gemäß Art. 3 Abs. 2 u. 3 Grundgesetz vor dem Gesetz gleichgestellt, niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden (Deutscher Bundestag 1993, Art. 3). Die rechtliche Gleichberechtigung zur Erwerbstätigkeit besteht allerdings erst seit der im Zuge des 1. Eherechts-reformgesetzes von 1977 erfolgten Änderung des § 1356 BGB: In die geänderte Fassung wurde die Verantwortung beider Ehepartner für Familie und Erwerbstätigkeit im gegenseitigen Einvernehmen aufgenommen; zuvor war die Frau nur dann zur Berufstätigkeit berechtigt, wenn sie diese mit ihren ehelichen und familiären Pflichten vereinbaren konnte (Wiegand 1995, 40). Allerdings zeigt z. B. die aktuelle politische Diskussion um Familiengeld und Ganztagsbetreuung, daß in der Gesellschaft offenbar immer noch verschiedene Auffassungen über die Rolle der Frau bestehen (Deutscher Bundestag 2002).
In dieser Hausarbeit sollen die Strukturen und Merkmale der Arbeitwelt im Bezug auf Frauenerwerbstätigkeit dargestellt und die Frage beantwortet werden, ob Frauen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich gleichberechtigt sind. Zunächst ist jedoch die Ausgangsposition von Mädchen vor Eintritt in die Arbeitswelt zu bestimmen.
2 Schülerinnen im allgemeinen Schulsystem -Bildungsbeteiligung und Schulabschlüsse
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Beteiligung von Mädchen im allgemeinen Schulsystem zu Gunsten höher formal bildender Schularten verschoben: 1960 war noch die Hälfte (50,2 %) der Schüler an Hauptschulen Mädchen, bis 1999 sank ihr Anteil auf nur noch 43,8 % (BMBF 2001c, 56f., 64f.). Entgegengesetzt entwickelte sich die Beteiligung in Sekundarstufe II: Waren Mädchen 1960 mit 34,4 % unterrepräsentiert, stellten Mädchen 1999 mit 55,4 % sogar die Mehrheit (BMBF 2001c, 56f., 64f.).
Diese Verschiebung der Bildungsbeteiligung setzt sich bei den Schulabschlüssen fort. 1975 waren 40,8 % der Schulabgänger mit Hauptschulabschluß Mädchen, 1999 nur noch 35,7 %. Der Anteil an Abgängern mit Realschul- oder entsprechendem Abschluß hat sich von 1975 (54,7 %) bis 1999 (52,3 %) kaum verändert. Deutlich gestiegen ist hingegen der Anteil der Schulabgängerinnen mit Hochschulreife von 39,9 % (1975) auf 53,3 % im Jahr 1999 (BMBF 2001c, 92f.). Lemmermöhle (1999, 133) geht hinsichtlich der Schulnoten und - abschlüsse sogar von einem "Bildungsvorsprung der weiblichen Jugendlichen" aus. Die Hypothese lautet daher, daß - "entsprächen die beruflichen Perspektiven der jungen Frauen ihren Bildungsabschlüssen" - diese "gegenwärtig mit der Integration in Ausbildung und Beschäftigung weniger Probleme haben (dürften) denn je", denn "nie zuvor in der Geschichte war eine Generation von Jugendlichen, und insbesondere von Frauen,
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formal so hoch qualifiziert" (Lemmermöhle 1999, 132). Ob sich diese Vermutung bestätigen wird, soll im Folgenden an den Strukturen der Arbeitswelt - beginnend mit dem Berufsausbildungssystem - untersucht werden.
3 Berufs- und Studienwahl junger Frauen 3.1 Berufliche Ausbildung
Die "Berufsausbildung" gliedert sich in die Bereiche betriebliche Ausbildung mit Berufsschulunterricht - das sogenannte duale System - (Georg/Sattel 1997a, 11) und außerbetriebliche Ausbildung in beruflichen Vollzeitschulen (Georg/Sattel 1997a, 94). Im dualen System ist der Anteil weiblicher Auszubildender in den letzten Jahren leicht gestiegen und beträgt 1999 in den alten Bundesländern 41,0 %, in den neuen Bundesländern 38,3 % (BMBF 2001b, 93f.). Mehr als die Hälfte (1999: 53,7 %) aller Ausbildungsverträge junger Frauen werden in nur zehn Ausbildungsberufen, vorwiegend im kaufmännischen Bereich und Dienstleistungsbereich, abgeschlossen, Rang eins belegt die Ausbildung zur Bürokauffrau (BMBF 2001b, 96). In männlich dominierten Berufen werden in den alten Bundesländern nur 9,1 % aller weiblichen Auszubildenden ausgebildet; in den neuen Bundesländern liegt der Anteil mit 18,7 % deutlich höher, die Ausbildung erfolgt hier vorwiegend im landwirtschaftlichen und gastronomischen Bereich (BMBF 2001b, 93f.).
Der Anteil nichtvermittelter Bewerberinnen für Ausbildungsplätze im dualen System ist von 52,2 % im Jahr 1999 auf 50,8 % im Jahr 2000 leicht gesunken (BMBF 2001b, 43). Mangels Ausbildungsplatz im dualen System weichen junge Frauen häufiger als junge Männer in schulische oder außerbetriebliche Berufsausbildung aus (Lemmermöhle 1999, 134). In Berufsfachschulen sind zwei von drei Auszubildenden weiblich, in den neuen Bundesländern liegt der Frauenanteil mit 74 % deutlich über dem Anteil in den alten Bundesländern (BMBF 2001b, 121). Die Ursachen für die spezifische Berufswahl von jungen Frauen und Männern "liegen vermutlich überwiegend in den gesellschaftlichen Erwartungen und den sozialisationsbedingten Verhaltensweisen", andererseits in den
"geschlechtsspezifisch geprägten Ausbildungsstellenmärkten ..., die sich durch größere Schwierigkeiten der jungen Frauen bei der Lehrstellensuche zeigen" (Wiegand 1995, 37). Aufgrund der "geschlechtsspezifischen Einstellungspräferenzen der Betriebe" (Tischler/Doering, 504) zit. n. (Schirmer 1999, 117) werden "schon an der sogenannten 'ersten Schwelle' der beruflichen Karriere ... männliche Bewerber bevorzugt" (Schirmer 1999, 117).
Charakteristisch für die Berufswahl weiblicher Jugendlicher ist, daß "das viel breitere Spektrum der Wunschberufe ... auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch und später zur Anstellung deutlich eingeengt" wird (Schirmer 1999, 114). Weiterhin ist auffällig,
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daß sich "Abiturientinnen ... häufiger als Abiturienten für eine Berufsausbildung, für die das Abitur nicht Zugangsvoraussetzung ist", entscheiden (Glumpler 1992a, 236). Damit sind ihre Möglichkeiten für einen späteren beruflichen Aufstieg bereits mit der Be-rufswahl eingeschränkt.
Der Bildungsvorsprung aus dem allgemeinen Schulsystem geht somit häufig schon beim Übergang in das Berufsausbildungssystem verloren. Wie aber verhält es sich mit der Studienwahl junger Frauen? Fällt diese ähnlich geschlechtsspezifisch aus oder besetzen Studentinnen ein breiteres Fachspektrum?
3.2 Studienwahl
Insgesamt ist "der Trend einer Zunahme des Frauenanteils ... in allen Fächergruppen zu beobachten" (WR 1998, 17), 1999 waren 49,3 % aller Studienanfänger weiblich (BMBF 2001c, 152f.). Frauen studieren vorwiegend Sprach- und Kulturwissenschaften, Medizin, Erziehungs- und Sozialwissenschaften; in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften liegt der Frauenanteil bei rund 33 %, in Ingenieurwissenschaften unter 20 % (WR 1998, 17f.).
Schirmer (1999, 114) sieht die Studienfachwahl "weniger geschlechtsspezifisch" ausfallend als die Wahl eines Ausbildungsberufes, auch wenn der Studiengang Germanistik "mit einem Frauenanteil von fast 80%" immer noch ein typischer Frauenstudiengang ist. Frauen haben die "traditionellen Männerdomänen wie ... Medizin oder ... Wirtschaftswissenschaften" mittlerweile erobert und besetzen diese "zur Hälfte" (Schirmer 1999, 114f.). Eine Ursache hierfür ist allerdings auch darin zu sehen, daß die Immatrikulation an einer Fachhochschule bzw. Universität nicht mit vergleichbaren Schwierigkeiten verbunden ist wie das Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz im dualen System.
Zusammenfassend sind bereits bei Berufs- und Studienwahl frauenspezifische Merkmale zu erkennen, die allerdings bei der Studienwahl weniger ausgeprägt sind als bei der Berufswahl. Es ist zu vermuten, daß sich die frauenspezifischen Besonderheiten auch im Beschäftigungssystem fortsetzen werden.
4 Übergang in das Beschäftigungssystem 4.1 Erwerbstätigkeit von Frauen
Die gestiegene Bildungsorientierung von Frauen setzt sich in der "wachsende(n) Berufsorientierung" fort, fast jede Frau im erwerbsfähigen Alter ist "heutzutage ... vorübergehend oder dauernd berufstätig" (Georg/Sattel 1997b, 48). Gründe für die gesteigerte Erwerbstätigkeit von Frauen sind einerseits die wirtschaftliche Notwendigkeit als "Arbeitsmarktreserve" zum "Ausgleich von Konjunkturschwankungen" und andererseits die "Veränderung der persönlich-privaten Beziehungs-
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Arbeit zitieren:
Josephine Herold, 2002, Frauen in der Arbeitswelt: Ausbildungs- und Erwerbsstrukturen sowie Aufstiegschancen, München, GRIN Verlag GmbH
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