Ökonomische und kulturelle Aspekte der Manufakturen in Deutschland
von Thomas Henkel
Inhalt
Einleitung Seite 1
1. Begriffsklärung aus der Themenstellung
1.1 Begriff und Wesen der Manufaktur Seite 1
1.2 Die dezentralisierte Manufaktur Seite 3
1.3 Die zentralisierte Manufaktur Seite 3
2. Abgrenzung der Manufaktur von Handwerk, Verlag und Fabrik Seite 3
3. Bedeutung der Manufaktur als historischer Vorläufer für die
industrielle Produktion in kultureller und ökonomischer Hinsicht
3.1 kulturhistorische Aspekte
3.1.1 kulturelle Bedeutung der Manufaktur Seite 5
3.1.2 Der Begriff des Gebrauchswertes im
Zusammenhang mit der Kultur im Arbeitsprozeß Seite 6
3.1.3 Herausbildung einer Bildungskultur Seite 7
3.2 ökonomische Aspekte
3.2.1 Geldkapitalbildung und Kapitalakkumulation Seite 8
3.2.2 Arbeitsteilung und Arbeitsproduktivität Seite 9
4. Arbeitsweise der Neuwieder Möbelmanufaktur
von Abraham und David Roentgen (1753-1796) Seite 11
5. Fazit Seite 14
Literatur Seite 16
EINLEITUNG
"Kapital, Kultur, Arbeit, Fabrik" sind im Sprachgebrauch alltägliche Ausdrücke, dessen Ursprung und Bedeutung im kulturellen wie im ökonomischen Zusammenhang diese Arbeit erläutern soll. Ich wende mich der Manufakturperiode in Deutschland zu und grenze das Thema zeitlich vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des
19. Jahrhunderts ein. Ich möchte mit dieser Arbeit versuchen, einen Überblick über die Entwicklung der Manufakturen als historische Vorläufer für die industrielle Produktion zu geben. Ich werde auf eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Entwicklungsstufen zwischen den verschiedenen Wirtschaftsregionen verzichten, da dieses ein eigenes Thema darstellt, und nicht Gegenstand meiner Betrachtung sein soll.
Im ersten Abschnitt dieser Arbeit gehe ich speziell auf die Determinanten des Begriffes der Manufaktur ein.
Der zweite Abschnitt wird die Stellung der Manufaktur gegenüber den anderen Produktionsmethoden verdeutlichen.
Der Hauptteil dieser Arbeit besteht aus einem geteilten dritten Abschnitt, der sich mit den kulturellen und ökonomischen Zusammenhängen der Manufaktur im frühkapitalistischen Produktionsprozeß beschäftigt.
Anschließend werde ich im vierten Abschnitt, eine zusammenfassende Betrachtung der Arbeitsweise in der Neuwieder Möbelmanufaktur von Abraham und David Roentgen wiedergeben und mit einem Fazit abschließen.
Die Quellenlage zu diesem Thema bewies sich als recht umfangreich, so daß in Bezug auf Daten und statistische Erhebungen kein Mangel bestand. Desweiteren basiert diese Hausarbeit auf unterschiedlichen Veröffentlichungen der Sozial-, Wirtschafts-, Kunst- und Kulturgeschichte, sowie aus Publikationen, die die Manufakturen einzelner Regionen näher schildern.
1. BEGRIFFSKLÄRUNG AUS DER THEMENSTELLUNG
1.1 BEGRIFF UND WESEN DER MANUFAKTUR
In der Mitte des 18. Jahrhunderts kam neben dem handwerklichen Kleinbetrieb der zentralisierte Großbetrieb auf, der in einer geschlossenen Werkstätte eine große Zahl von Arbeitskräften beschäftigte und den Herstellungsprozeß durch differenzierte Produktionsmittel arbeitsteilig zerlegte.
Die Definition, die in der damaligen Literatur Verwendung findet, ist sehr uneinheitlich und keinesfalls unserem heutigen Verständnis gleichzusetzen, da die Begriffe Manufaktur und Fabrik im Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts dasselbe aussagen. Sie bezeichnen nämlich das Gewerbe im Allgemeinen, egal ob es sich dabei um den handwerklichen Kleinbetrieb, den Verlag oder einen zentralisierten Betrieb handelt.
Zeitgenössische Autoren definieren Fabrik und Manufaktur anhand der verwendeten Materialien. So beschreibt Marperger die Fabrik als ein Gewerbe, welches mit harten Materialien wie Eisen, Stahl, Kupfer oder Messing arbeitet und die Manufaktur nur mit weichen Stoffen wie Seide und Wolle. Hübner präzisiert diese Definition dadurch, daß er die Fabrik allein auf die Verarbeitung von Metallwaren beschränkt.
Rolland dagegen differenziert die Begriffe mit Hilfe der eingesetzten Produktionshilfsmittel. Fabriken setzen demnach Wasserkraft als Hilfskraft ein.
Bei der Verwendung aller Definitionen muß bedacht werden, daß die Fabrik nach dem heutigen Verständnis, in der Maschinen die menschliche Arbeitskraft entlasten, beziehungsweise ersetzen, bis Ende des 18. Jahrhunderts nicht existiert hat.
Der Begriff der Manufaktur ist lateinisch abgeleitet von manus "die Hand" oder von manufactum, d.h. mit der Hand gemacht, und beschreibt eine Form der Fertigung, in der die Produkte einen handwerklichen Ursprung haben. Die verschiedenen Betriebsysteme, die im 18. Jahrhundert als Manufaktur galten vereinen vor allem das Handwerk und unterscheiden sich lediglich in der Art und Weise der Produktionsstätte. Die im Zuge des Merkantilismus entstandene Betriebsform des zentralisierten Großbetriebs entspricht am ehesten unserem heutigen Verständnis der Manufaktur.
Die Manufaktur stellte in ihrem Wesen die Zerlegung des Arbeitsprozesses bei vollständiger Beibehaltung der handwerklichen Grundlage dar, in der die Arbeitsqualifikation im zunftlerischen Sinn durch die Beherrschung eines begrenzten Produktionsprozesses ersetzt wurde. Die Arbeitsqualifikation stellte nunmehr die größtmögliche Präzision in der Beherrschung eines einzelnen Handgriffes dar, in der die Arbeitskraft aber durch seine individuelle Qualifikation das Produkt künstlerisch verfeinern konnte.
[...]
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Thomas Galsterer, 2002, Ökonomische und kulturelle Aspekte der Manufakturen in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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