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Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung zu Charles Taylor Die Politik der Anerkennung 3
2 Das Bedürfnis nach Anerkennung 3
3 Diskurs der Anerkennung 6
4 Die allgemeine Menschenwürde 7
5 Die Gleichheit der Rechte 9
6 Verdichtete Aussagen 9
7 Einführung zu Ina-Maria Greverus Das Schlüsselwort Kultur 10
8 Kulturelle Verhaltensbereiche 12
9 Der Mensch als Geschöpf seiner Kultur 13
10 Kulturelle Widersprüche 14
11 Ausblicke in Anlehnung an Mühlberg 15
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CHARLES TAYLOR: DIE POLITIK DER ANERKENNUNG
1. Einleitung zu Charles Taylor: „Die Politik der Anerkennung“
Charles Taylor greift in seinem Buch eines der brennenden Gegenwartsprobleme der liberalen Demokratien auf. Es geht um die Gleichbehandlung der Individuen bei Achtung ihrer kulturellen und ethnischen Identität. In der aktuellen Debatte über multikulturellen Gesellschaften ist Taylors Analyse ein Glücksfall. Sie stellt das Problem vom Kopf auf die Füße.
2. Das Bedürfnis nach Anerkennung
In Kapitel eins nennt Taylor das Bedürfnis nach Anerkennung die Triebkraft hinter den nationalistischen Bewegungen in der Politik! Die Politik der Anerkennung fordert die Anerkennung von Minderheiten und benachteiligten Gruppen. Taylor geht davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen Anerkennung und Identität besteht. Als Identität bezeichnet er das Selbstverständnis der Menschen, das Bewusstsein von den bestimmten Merkmalen, durch die sie zu Menschen werden. Seine These besagt dass unsere Identität geprägt wird von der Anerkennung oder Nicht-Anerkennung, oft auch von der Verkennung durch die Anderen. Ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen könne wirklichen Schaden nehmen, wenn die Umgebung beziehungsweise die Gesellschaft sie nicht anerkennt. Nicht-Anerkennung kann Leiden verursachen.
Als Beispiele:
1. Frauen in patriarchalischen Gesellschaften seien genötigt worden sich selbst als
weniger wertvoll anzusehen. Dies führt zu einem Mangel an Selbstachtung.
2. Schwarzen in einer „weißen“ Gesellschaft wurde ein erniedrigendes Bild ihrer
selbst zurückgespiegelt.
Die Verachtung des eigenen Selbst wurde zum Werkzeug ihrer Unterdrückung. Nach Taylor ist das Verlangen nach Anerkennung ein menschliches Grundbedürfnis, nicht bloß Ausdruck von Höflichkeit. In der heutigen Zeit ist das Interesse an Identität und Anerkennung gestiegen. Taylor nennt zwei Gründe.
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Zum einen macht er den Zusammenbruch der Hierarchien dafür verantwortlich. Hierarchien waren früher die Grundlage der Ehre. Ehre basiert auf Ungleichheit, weil nicht jeder sie besitzen kann; Ehre beruht auf der Bevorzugung und Besserstellung. Heute, in der demokratische Gesellschaft geht man hingegen von der Würde des Menschen aus.
Im Gegensatz zur Ehre hat jeder Mensch Würde. Die gleichberechtigte Anerkennung gilt als wesentliches Merkmal der demokratischen Kultur. Die Demokratie mündet daher in eine Politik der gleichberechtigten Anerkennung, die im Laufe der Jahre unterschiedliche Formen angenommen hat und heute in Gestalt der Forderung nach einem gleichberechtigten Status für bestimmte Kulturen und beide Geschlechter wiederkehrt. Zum anderen kam es Ende des 18. Jh. zu einer verstärkten Auffassung von individueller Identität. Der Wichtigkeit von Anerkennung wurde immer mehr Bedeutung beigemessen. Man sprach nun von „Individualisierte Identität“, das heißt „eine Identität, die mir allein gehört und die ich in mir selbst entdecke“. Für Taylor ist die Treue zum eigenen „Ich“ kennzeichnend für Identität. Demnach besteht ein enger Zusammenhang zu Authentizität. Authentizität basiert ebenfalls auf der Treue zu sich selbst und der eigenen Existenz . Im weiteren stellt Taylor einen Teil der Lehre Rousseaus bezüglich dem Problem der Moralität dar. Hiernach würde unsere innere Stimme oft von den Leidenschaften übertönt, die durch unsere Abhängigkeit von anderen entfacht würden. Die wichtigste Rolle spiele hierbei der Stolz. Als Quelle der großer Freude und Zufriedenheit sei ein enges Verhältnis zu sich selbst, zum eigenen Selbst: das Gefühl des Daseins. Herder bringt die Idee der Authentizität ein. Jeder von uns sei demnach unverwechselbar. Neu bei dieser Vorstellung ist, den Unterschieden zwischen den einzelnen Menschen großes moralisches Gewicht beizumessen.
Es gibt demnach ein Art Person zu sein, die „meine“ Art ist. Ich bin aufgerufen, mein Leben in dieser Art zu leben und nicht das Leben eines anderen nachzuahmen. Ziel ist es sich selbst treu zu sein. Ist man sich selbst nicht treu, so verfehle man die Aufgabe seines Lebens. Herder spricht hier vom „Ethischen Ideal“. Außerhalb seiner selbst kann man kein Modell dafür finden, wie man sein Leben leben soll.
Diese Vorstellung bildet den Hintergrund für die moderne Idee der Authentizität und für die Ziele der Selbsterfüllung und Selbstverwirklichung, in bezug auf den individuellen Menschen inmitten anderer Menschen und in bezug auf das Volk als Träger einer Kultur inmitten anderer Völker. Das Volk soll, so wie der Mensch, seiner Kultur treu sein.
Taylor nennt als Beispiel dass in der Zeit Friedrichs des Großen die Deutschen den französischen Lebensstil übernehmen. Früher war Identität durch die gesellschaftliche
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Stellung des Einzelnen festgelegt, das heißt der Kontext bestimmte was die Menschen als wichtig ansahen.
Auch in der demokratischen Gesellschaft später definierten sich die Menschen weiterhin über ihre gesellschaftliche Rolle. Dies widerspricht jedoch der Idee der Authentizität nach der sich die Eigenart des einzelnen Menschen nicht aus der Gesellschaft ableiten lässt; sie muss im Inneren und aus dem Inneren erzeugt werden.
Der Enge Zusammenhang von Identität und Anerkennung ist auf den dialogischen Charakter menschlicher Existenz zurückzuführen. Die Sprache (in sehr weitem Sinne), das heißt Gestik, Liebe, Kunst usw. sind Ausdrucksweisen , die wir im Austausch mit anderen, in der Interaktion erlernen. Die Genese des Verstandes verläuft dialogisch. Trotzdem bilden wir eigene Meinungen, Anschauungen, Haltungen gegenüber Dingen in der einsamen Reflexion.
Bei der Bestimmung der Identität kämpfen wir immer gegen die Erwartung Anderer , gegen das was die Anderen in uns sehen. Folglich sind andere Menschen immer auch an der Identitätsfindung beteiligt. Wie brauchen zwar Beziehungen um Erfüllung zu finden, aber nicht um uns zu definieren; wir dürfen nicht in Abhängigkeitsbeziehungen geraten. IDENTITÄT wird von Taylor folgendermaßen umrissen. Identitätsbestimmung ist der Versuch zu bestimmen, wer wir sind, woher wir kommen. Identität ist der Rahmen, in dem unsere Vorlieben, Wünsche, Meinungen und Strebungen Sinn bekommen. Die eigene Identität hängt somit wesentlich von dialogischen Beziehungen zu anderen ab. Auch schon früher war die aus der gesellschaftlichen Position abgeleiteten Identität von der Gesellschaft abhängig. Demnach ist Abhängigkeit von anderen nicht erst im Zeitalter der Authentizität entstanden.
Zur ANERKENNUNG bemerkt Taylor. Die allgemeine Anerkennung war fester Bestandteil der gesellschaftlichen Identität, weil diese Identität auf gesellschaftlichen Kategorien beruhte, die niemand anzweifelte. Die aus dem Inneren begründete persönliche Identität hat keine selbstverständliche Anerkennung.
Neu ist somit, dass wir heute in Verhältnissen leben, in denen das Streben nach Anerkennung scheitern kann. Das Bedürfnis nach Anerkennung wird deshalb heute zum erstenmal richtig wahrgenommen. In der vormodernen Zeit waren „Anerkennung“ und „Identität“ selbstverständlich.
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Dipl.Betrw.(BA) Michael M. Fleißer, 2003, Kultur: Zwischen Vertrautheit, Fremdheit und Konflikt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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