Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis..................................................................................................................................... I
Abbildungsverzeichnis II
Executive Summary III
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Zielsetzung. 2
1.3. Vorgehensweise 2
2. Grundlagen der Markenführung 3
2.1. Begriffserklärung Marke. 3
2.2. Das Dilemma der Marken. 4
2.2.1. Herausforderungen an die Markenführung. 5
2.2.2. Die Beziehung zwischen Mensch und Marke. 6
2.2.3. Funktionaler Nutzen einer Marke 10
2.3. Verschiedene Definitionen von Markenpersönlichkeit. 11
2.3.1. Einbettung des Begriffs in das Strategische Markenmanagement. 12
2.3.2. Markenpersönlichkeit als Determinante des Markenimage. 13
2.4. Vorteile eines konsequenten Managements der Markenpersönlichkeit. 14
2.5. Quellen der Markenpersönlichkeit. 16
3. Konzeption des Markenpersönlichkeitsmodells. 17
3.1. Persönlichkeitspsychologische Grundlagen. 18
3.1.1. Persönlichkeitspsychologie und Persönlichkeitstheorien 18
3.1.2. Die faktoranalytische Persönlichkeitsforschung. 19
3.1.3. Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit 22
3.2. Brand Personality Scale 23
3.3. Vorteile der Brand Personality Scale 26
3.4. Determinanten der Markenpersönlichkeit. 27
3.4.1. Direkte Determinanten der Markenpersönlichkeit. 30
3.4.2. Indirekte Determinanten der Markenpersönlichkeit 33
4. Die Dimensionen der Markenpersönlichkeit im länderspezifischen Umfeld. 36
4.1. Studie über japanische und spanische Markenpersönlichkeitskonstrukte 37
4.2. Studie über die Brand Personality Scale im französischen Kontext 39
4.3. Die Dimensionen der Brand Personality Scale im deutschen Kulturraum 40
4.4. Die SWOCC-Skala: Entwicklung einer Markenpersönlichkeitsskala für die Niederlande 41
5. Empirische Untersuchungen zur Markenpersönlichkeit im deutschen Sprachraum 44
5.1. Die empirische Untersuchung von Hieronimus 44
5.1.1. Wahrnehmung der Markenpersönlichkeit in der Untersuchung von Hieronimus 46
5.1.2. Wirkung der Markenpersönlichkeit in der Untersuchung von Hieronimus. 47
5.2. Markenpersönlichkeitsforschung in der Schweiz: Eine Untersuchung an zwei verschiedenen
Marken 48
5.2.1. Untersuchung einer schweizerischen Herren-Bekleidungsmarke 49
5.2.2. Untersuchung einer schweizerischen Biermarke 50
5.3. Der Einfluss eines Website-Besuches auf die Markenpersönlichkeit. 52
5.4. Die Rolle der Markenpersönlichkeit für Non-Profit Organisationen. 55
6. Kritische Betrachtung, Schlussfolgerungen und Ausblick 58
6.1. Kritische Betrachtung 58
6.2. Schlussfolgerungen. 60
6.3. Ausblick 61
7. Literaturverzeichnis. 63
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Brand Relationship Quality.
Abbildung 2: Markenverhalten und Markenpersönlichkeit
Abbildung 3: Funktionen des Markenartikels.
Abbildung 4: Die drei Komponenten des Markenimages.
Abbildung 5: Die Funktionen der Markenpersönlichkeit
Abbildung 6: Quellen der Markenpersönlichkeit.
Abbildung 7: Gruppierung von Persönlichkeitsmerkmalen nach Guilford
Abbildung 8: Entstehung der Big Five der Markenpersönlichkeit
Abbildung 9: Benennung der Fünf-Faktoren der Persönlichkeit
Abbildung 10: Fünf Dimensionen der Markenpersönlichkeit.
Abbildung 11: Zusammenhang zwischen den menschlichen „Big Five“ und
Abbildung 12: Direkte und indirekte Determinanten der Markenpersönlichkeit
Abbildung 13: Die neuen Dimensionen und ihre Facetten
Abbildung 14: Persönlichkeitsdimensionen im Ländervergleich
Abbildung 15: Vergleich der Untersuchungsergebnisse von Hieronimus mit der.
Abbildung 16: Ergebnis Branchenvergleich
Abbildung 17: Markenpersönlichkeiten auf dem deutschen Energiemarkt
Abbildung 18: Gruppenvergleich der wahrgenommenen Markenpersönlichkeit nach
Hieronimus
Abbildung 19: Mittelwerte aller untersuchten Facetten der
Markenpers önlichkeitsdimensionen.
Abbildung 20: Die vier Dimensionen der Markenpersönlichkeit
f ür Non-Profit Organisationen
Abbildung 21: Stärke der einzelnen Dimensionen der Markenpersönlichkeit
f ür drei Beispiele
II
Executive Summary
Durch das gestiegene Interesse an der Marke (Brand) und der starken Zunahme der Markenvielfalt wird seit Ende der 80er Jahre sowohl in der Wissenschaft, als auch in der Praxis eine intensive Markenwertdiskussion geführt.
Die Markenwerte haben sich zu einer wichtigen ökonomischen Grösse entwickelt. Durch die stetig wachsende Anzahl an Markenneuanmeldungen und die drohende Markenerosion entstehen für das Markenmanagement neue Herausforderungen. In diesem Zusammenhang gewinnt das strategische Markenmanagement an Wichtigkeit und es müssen neue Wege gesucht werden um die Präferenzprägende Funktion von Marken beizubehalten. Zum erfolgreichen Management einer Marke bedarf es der Auswahl einer passenden Markenkonzeption. Diese muss den Besonderheiten der Markt- und Konsumentensituation gerecht werden. Eine in diesem Zusammenhang vermehrt diskutierte Konzeption stellt die in dieser Arbeit vorgestellte persönlichkeitsorientierte Markenführung dar. Durch eine Markenpersönlichkeit kann die Kommunikation zwischen Mensch und Marke auf der Ebene einer persönlichen Identifikation des Konsumenten mit der Marke sichergestellt werden. So wird in einem ersten Teil dieser Arbeit das Konzept der Markenpersönlichkeit aus einer personalpsychologischen Sicht dargestellt und kommentiert. Dabei wird klar, dass die Persönlichkeitspsychologie noch intensiver Forschung bedarf. Die Beziehung zwischen Mensch und Marke steht bei diesen psychologischen Erörterungen im Vordergrund. Verschiedene Forschungsgruppen sind der Ansicht, dass eine Marke zu einem Menschen ein lebendiger Beziehungspartner sein kann, und von diesem auch entsprechend behandelt wird. Die Marke wird als aktives Objekt im Aufbau einer Beziehung betrachtet. Dank dieser Betrachtungsweise gewinnt die Marke eine funktionale Nutzenerweiterung. Dadurch soll die Identifikationsfunktion anhand der Markenpersönlichkeit sichergestellt werden.
III
Ein nächster Grundlagenteil der Arbeit liefert verschiedene Definitionen der persönlichkeitsorientierten Markenführung, wobei Aaker mit ihrer 1997 publizierten Studie die Grundlage für weiterführende Untersuchungen liefert. sie definiert die Markenpersönlichkeit als „the set of human characteristics associated with a brand“. Aaker ist es ebenfalls zu verdanken, dass das Persönlichkeitskonstrukt vom Menschen auf die Marke übertragen werden konnte.
Ein dritter Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption des Markenpersönlichkeitsmodells. Neben der Anwendung der Big Five der menschlichen Persönlichkeit auf die Big Five der Markenpersönlichkeit wird gezeigt, welche direkten und indirekten Determinanten dem Fünf-Faktoren-Modell der Markenpersönlichkeit zugrunde liegen. Direkte und indirekte Treiber beeinflussen die Markenpersönlichkeit entscheidend. Ein grosser Teil der Komplexität zur Konstruktion von Markenpersönlichkeitskonstrukten basiert auf der Vielzahl unterschiedlicher Attribute welche diesen direkten und indirekten Treibern zugrunde liegen.
Der vierte Teil dieser Arbeit widmet sich der länderspezifischen Anpassung und Validierung des Modells. Für fünf verschiedene Länder, namentlich Spanien, Japan, Frankreich, Deutschland und die Niederlande werden Markenpersönlichkeitsskalen konstruiert. Für jeden unterschiedlichen Kulturraum bedarf es einer individuellen Abstimmung der Faktoren, wobei die Struktur von Aaker zwar als Grundlage gilt, die Anzahl schlussendlich validierter Faktoren der Markenpersönlichkeit jedoch je nach Land divergiert. Die ausgewählten Studien reflektieren zudem die Komplexität des persönlichkeitsorientierten Markenmanagement und weisen auf die notwendige sorgfältige Konstruktion eines neuen Modells für jeden Kulturraum hin.
Im fünften Teil der Arbeit werden ausgewählte empirische Untersuchungen zum Thema vorgestellt, wobei die Dissertation von Hieronimus im Vordergrund steht. Sie gibt eine aufschlussreiche Zusammenfassung über die bisher erfolgten theoretischen Ansätze und offenbart gewisse Schwächen der Markenpersönlichkeitsforschung.
IV
In seinem empirischen Teil gelingt es Hieronimus das Markenpersönlichkeitsmodell für Deutschland zu validieren. Damit kann die Wirkung und Wahrnehmung der Markenpersönlichkeit explizit erklärt werden. Eine Markenpersönlichkeitsforschung in der Schweiz gibt einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand hierzulande und ist, wenn auch etwas vereinfacht, eine gelungene Anwendung des Modells für zwei praktische Beispiele. Zwei sehr aktuelle Studien runden den empirischen Teil ab, wobei besonders bei der Rolle der Markenpersönlichkeit für Non-Profit-Organisationen nach Ansicht des Autors dieser Arbeit ein grosses Potential für weitere Anwendung vorhanden ist, weil speziell Non-Profit-Organisationen von der Identifikationsfunktion des Kunden mit der Marke leben müssen.
Eine Schlussfolgerung und ein Fazit schliessen die Arbeit mit der Ansicht, dass noch viel Forschungsbedarf besteht. Die Praxis besitzt noch kein vernünftiges Instrument um eine Markenpersönlichkeit ökonomisch sinnvoll zu messen, so dass das unbestritten grosse Potential, welches im Konstrukt der Markenpersönlichkeit vorhanden ist, auch wirklich genutzt werden kann.
V
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Die Marke nimmt in der heutigen Gesellschaft eine immer wichtigere Position ein. Menschen orientieren sich an Marken, assoziieren gesellschaftlichen Status, Sympathien oder auch Antipathien mit Marken und ihren jeweiligen Benützern. Die Reputation einer Marke beeinflusst so den Absatz der damit verbundenen Produkte massgeblich. Mit der Idee der Markenpersönlichkeit wird versucht die Reputation einer Marke so zu lenken, dass der Konsument sich mit der Marke identifizieren kann, sie gar als eigenständige Persönlichkeit ansieht. Die Konzeption und Steuerung dieser Markenpersönlichkeit stellt sich als grosse Herausforderung aufgrund der verschiedensten Determinanten und Dimensionen dar. Die Markenpersönlichkeit ist eine bisher wenig erforschte Komponente des Markenimages.
Wie bei einem Menschen kann mit der Methode der Markenpersönlichkeit auch jeder Marke eine Persönlichkeit anhand zahlreicher Attribute zugewiesen werden. Verschiedene Modelle versuchen seit kurzem dieses Phänomen darzustellen. Eine immer wachsende Anzahl empirischer Studien untersucht zudem den Einfluss der Markenpersönlichkeit auf den Markenwert und die Markenloyalität. Die kulturellen Unterschiede verschiedener Länder verunmöglichen jedoch die Konstruktion eines Modells mit einheitlichen Dimensionen zur Messung der Markenpersönlichkeit. Länderspezifisch sind für den Konsumenten einer Marke andere
Persönlichkeitsdimensionen relevant.
Des Weiteren stimmt die Wunschpositionierung der Brand Manager mit der Positionierung und Vorstellung des Konsumenten nur selten überein. Wie kann durch eine Veränderung der Markenpersönlichkeit diese näher an den Kunden gebracht werden? Wo kann die Beziehung zwischen Mensch und Marke einen Wettbewerbsvorteil schaffen? Muss eine Markenpersönlichkeit mit der Persönlichkeit des Konsumenten übereinstimmen damit dieser die Marke kauft? Bietet das Modell der Markenpersönlichkeit der Problematik der Markenerosion einen Lösungsansatz?
1
Eine gut entwickelte Markenpersönlichkeit erleichtert die Kundenbindung. Wie die Markenpersönlichkeit definiert und gemessen wird, was die Effekte der Markenpersönlichkeit sind und was empirische Studien zur Thematik sagen, soll Inhalt dieser Arbeit sein.
1.2. Zielsetzung
Diese Arbeit hat zum Ziel, einen ganzheitlichen Überblick über die theoretischen Untersuchungen und Forschungsprojekte der Markenpersönlichkeiten in den letzten Jahren zu geben. Die Dimensionen und Definitionen der Markenpersönlichkeit sowie die Messmöglichkeiten der Markenpersönlichkeit werden in der Arbeit dokumentiert. Basierend auf verschiedenen Aufsätzen soll zudem die Markenpersönlichkeit als Determinante der Markenloyalität und des Markenwertes beschrieben werden. Die verschiedenen Modelle der Markenpersönlichkeit sollen ebenso aufgezeigt werden, wie die vorhandenen empirischen Untersuchungen.
1.3. Vorgehensweise
Nach der Einleitung, in der die Problemstellung, die Zielsetzung und das Vorgehen besprochen wird, werden im zweiten Kapitel Grundlagen geschaffen, damit anhand des Dilemmas der Marken das Modell der Markenpersönlichkeit seine Rechtfertigung erhält. Nebst der Einbettung des Begriffes in die breite Thematik des Markenmanagement werden die verschiedenen Definitionen aus der Literatur zusammengefasst und verglichen. Zudem werden die Quellen der Markenpersönlichkeit und deren Eigenschaften helfen, den Begriff zu verstehen. Im dritten Teil wird die Konzeption des Markenpersönlichkeitsmodells besprochen. Die persönlichkeitspsychologischen Grundlagen werden geschaffen. Anschliessend wird spezifisch auf die Brand Personality Scale eingegangen und deren Vorteile dargelegt. Im Schluss des dritten Teils, werden die Determinanten der Markenpersönlichkeit aus der Literatur zusammengefasst.
2
Im vierten Kapitel geht es darum, wie sich das Modell im länderspezifischen Vergleich verhält. Anhand aktueller Untersuchungen wird die Skala auf verschiedene Kulturräume angepasst und modelliert. Zu diesem Kontext gibt es aktuell viele laufende Studien. Der Grund für diesen Umstand ist, dass länderspezifischen Anpassungen einen stetig wichtigeren Platz einnehmen. Es werden vier Studien vorgestellt, welche für ihre jeweiligen Länder als massgeblich angesehen werden. Das fünfte Kapitel soll die Wichtigkeit der Markenpersönlichkeit in der aktuellen Forschung anhand diverser aktueller Studien aufzeigen und empirische Ergebnisse aus verschiedenen Ländern interpretieren. Zudem wird eine vor kurzem publizierte Studie vorgestellt, welche die Markenpersönlichkeit für Non-Profit-Organisationen analysiert. In der abschliessenden Schlussfolgerung werden die gewonnenen Erkenntnisse rekapituliert. Der Blick in die Zukunft soll zeigen, in welche Richtung sich nach der Meinung des Autors, die Idee der Markenpersönlichkeit weiterentwickeln wird.
2. Grundlagen der Markenführung
2.1. Begriffserklärung Marke
David Ogilvy definiert die Marke als „die Verbraucheridee eines Produktes“. 1 Kotler geht zwei Schritte weiter und liefert eine funktionsbezogene Definition der Marke: (...)“Ein Name, Begriff, Zeichen, Symbol, eine Gestaltungsform oder eine Kombination aus diesen Bestandteilen zum Zwecke der Kennzeichnung der Produkte oder Dienstleistungen eines Anbieters oder einer Anbietergruppe und zu ihrer Differenzierung gegenüber Konkurrenzangeboten.“(...) 2 Wehrli definiert die Marke als ein Wort- und/oder Bildzeichen, das dazu dient, Produkte einer Unternehmung zu individualisieren und durch Identifikations-, Differenzierungs-, und präferenzprägende Funktionen die Kommunikation zwischen Unternehmung und Kunde zu erleichtern. 3
1 Vgl. Ogilvy 1951, zit. in: Waller et al. 2005, S.13
2 Kotler 1999, S.689
3 Vgl. Wehrli 2003, CD-Rom
3
Die Marke ist demnach primär eine Möglichkeit, Güter und Dienstleistungen zu kennzeichnen und erfüllt grob gesehen die Funktion der Identifizierung und der Differenzierung.
In diesem ersten Teil soll auf das Dilemma, in welchem sich die Marken momentan nach Ansicht verschiedenster Autoren befinden eingegangen werden. Zudem soll eine Einbettung der Thematik der Markenpersönlichkeit in die Markenführung stattfinden und die Bedeutung welche der Theorie der Markenpersönlichkeit zukommt, aufgezeigt werden.
2.2. Das Dilemma der Marken
Um ein Verständnis für die Theorie der Markenpersönlichkeit zu erhalten, erscheint es wichtig, zunächst einen Einblick in die aktuellen Herausforderungen an das Markenmanagement zu gewähren.
Infolge des gestiegenen Interesses an der Marke wird seit Ende der 80er Jahre sowohl in der Wissenschaft, als auch in der Praxis eine intensive Markenwertdiskussion geführt. 4
Die Markenwerte haben sich zu einer wichtigen ökonomischen Grösse entwickelt und die von Interbrand ausgewiesenen Zahlen generieren und vernichten Jahr für Jahr Markenwerte. 5 enorme Durch die stetig wachsende Anzahl an
Markenneuanmeldungen und die drohende Markenerosion entstehen für das Markenmanagement neue Herausforderungen. 6 Diese Herausforderungen an die Markenführung sollen anschliessend kurz analysiert werden.
4 Vgl. Hieronimus 2003, S.3
5 Vgl. Interbrand’s Annual Ranking of the World’s Most Valuable Brands:
http://www.brandchannel.com/interbrand/ Abfragedatum: 28.6.2005
6 Vgl. Hieronimus 2003, S.6
4
2.2.1. Herausforderungen an die Markenführung
Ein Hauptaugenmerk soll bei den Herausforderungen an die Markenführung auf die strategische Positionierung in der Markenwelt gerichtet werden. Vor allem die Differenzierungsproblematik führt zu einem Rückgang des Markenwerts. 7 Drei Tendenzen sind ausschlaggebend in der Diskussion um Markenerosion 8 : Immer mehr Hersteller drängen auf den Markt (Angebotsvielfalt) mit immer ähnlicheren Produkten (Produkthomogenität), die sich auch in der Qualität der funktionalen Leistungserbringung immer weniger unterscheiden (Qualitätsnivellierung). Dieser Differenzierungsproblematik wurde in den letzten fünfzehn Jahren vor allem durch erhöhte Mediaausgaben entgegengewirkt. 9 Die erhöhte Werbeleistung führt jedoch bei einer allgemeinen Niveauanhebung der Werbeausgaben durch alle Wettbewerber nicht zu einer erhöhten Markenleistung. Zu diesem Rückgang der Werbeeffizienz entstanden parallel nachfragerseitige Entwicklungen, welche das Markenmanagement zusätzlich unter Druck setzen. 10 Die nachfragerseitigen Entwicklungen bestehen einerseits aus der durch den zunehmenden Wohlstand entstandenen neuen Nutzen des Konsums von Markengütern und anderseits aus dem Bedürfnis zur Selbstinszenierung auf der Bühne des sozialen Lebens. 11 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zwei Kernforderungen für das Markenmanagement gestellt werden müssen 12 : Das Markenmanagement muss Differenzierung vom Wettbewerb gewährleisten und sich zunehmend von der Produktleistung im eigentlichen Sinne trennen, um gezielt emotionalen Mehrwert für den Konsumenten bereitzustellen.
Zum erfolgreichen Management einer Marke bedarf es der Auswahl einer passenden Markenkonzeption. Diese muss den Besonderheiten der Markt- und
7 Vgl. Meffert/Giloth 2002, S.100
8 Vgl. Hieronimus 2003, S.6
9 Vgl. A.C. Nielsen, Entwicklung der Werbeaufwendungen in Deutschland,
http://de.acnielsen.com/site/documents/Universen_2004.pdf;
Werbeaufwendungen, Entwicklung in der Schweiz,
http://www.acnielsen.ch/Stat_Unterlagen/Stat_Unterlagen_2004-05.pdf Abfragedatum: 29.6.2005
10 Vgl. Hieronimus 2003, S.12
11 Vgl. Bauer/Huber 1997, S.3
12 Vgl. Hieronimus 2003, S.13
5
Konsumentensituation gerecht werden. 13 Eine in diesem Zusammenhang vermehrt diskutierte Konzeption stellt die in dieser Arbeit vorgestellte persönlichkeitsorientierte Markenführung dar. Die nachfolgende Einführung zur Beziehung zwischen Mensch und Marke soll dem persönlichkeitsorientierten Markenmanagement eine Grundlage geben.
2.2.2. Die Beziehung zwischen Mensch und Marke
Personen nutzen Marken oft dazu, ihre eigene - tatsächliche oder gewünschte -Persönlichkeit zu präsentieren. 14 Durch die Verwendung bestimmter Marken wird ein Selbstbild erschaffen. Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Konsumenten und Marken im Sinne einer tiefgehenden Partnerschaft zwischen der jeweiligen Persönlichkeit einer Marke und dem Kunden. Die Marke wird aus dieser Sichtweise als Bezugsperson für den Menschen betrachtet.
Beziehungen gehören zum Leben eines Menschen. Eine Marke kann gegenüber einem Menschen ein lebendiger Beziehungspartner sein, 15 und wird von diesem auch ähnlich behandelt. 16 Die Marke wird als aktives Objekt im Aufbau einer Beziehung betrachtet. 17
Diese Idee, dass Menschen Beziehungen zu Marken genauso erleben wie Beziehungen zu einem anderen Menschen, wird von verschiedenen Forschungsgruppen vertreten. 18 Die drei wesentlichen Ansätze zur Beziehung zwischen Konsumenten und Marken stammen von Aaker (1996), Blackston (1993) und Fournier (1998). Besonders Fournier demonstriert in ihren Aufsätzen die aktive Beziehung zwischen Mensch und Marke. So wird die Marke als Partner legitimiert, indem die Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird, wie Marken belebt, vermenschlicht oder personifiziert werden. 19
13 Vgl. Meffert/Wagner/Backhaus 1996, S.16h
14 Vgl. Weis/Huber 2000 S.55
15 Vgl. Fournier 2001, S.138
16 Vgl. Hieronimus 2003, S.96
17 Vgl. Fournier 2001, S.138
18 Vgl. Hieronimus 2003, S.97
19 Vgl. Fournier 2001, S.139
6
Aaker sieht in der freundschaftsähnlichen Beziehung zu Marken eine wichtige Art der Markenbeziehung. 20 Freundschaften bieten hier einen Ausgleich in Form von Verlässlichkeit, Beständigkeit und Sicherheit. Die durch Freundschaft erlangte Sicherheit soll durch die Beziehung zu einer Marke genauso erfüllt werden wie durch eine Beziehung zu einem Menschen. Die Marke soll so die Funktion eines menschlichen Freundes, mit dem man gerne Zeit verbringt, einnehmen. 21 Eine zweite Forschungsgruppe um Blackston zeigt die Wechselseitigkeit der Beziehungen zwischen Mensch und Marke. 22 Das bedeutet, dass nicht nur die Einstellung des Konsumenten bezüglich der Marke relevant erscheint, sondern auch die Beziehung der Marke zum Menschen, also was eine Marke über den Menschen „denkt“. Eine wichtige Rolle in diesem Modell spielt ein Selbstkonstrukt. Dabei denkt der Konsument, was die Marke über sie oder ihn denkt und lässt dies in seine Beziehung zur Marke einfliessen. 23
Die dritte hier aufgeführte Forschungsgruppe um Fournier legte 1998 die bisher umfangreichste Analyse von Kunden-Marken-Beziehungen vor. 24 In einem 2001 veröffentlichten Aufsatz wurde das Konstrukt zur Brand Relationship Quality, welches sechs Facetten einer starken Markenbeziehung beinhaltet aufgezeigt. 25 Um das Modell der Markenpersönlichkeit zu verstehen, erscheint dieses Qualitätskonstrukt essentiell. Die sechs Facetten einer starken Markenbeziehung werden bei der Wirkung, Wahrnehmung und Steuerung der Markenpersönlichkeit implementiert. Die sechs Facetten nach Fournier umfassen folgende Konstrukte: 26
- Liebe und Leidenschaft als emotionale Verbindung zwischen zwei Partnern
- Die Verbindung zum Selbstkonzept als Ausmass in welchem die Marke mit eigenen Einstellungen und Aktivitäten im Einklang steht
- Interpendenz als Grad der gegenseitigen Abhängigkeit
- Bindung als Ausdruck der Loyalität gegenüber einer Marke
20 Vgl. Aaker, D.A. 1996, S.159-167
21 Vgl. Aaker, D.A. 1996, S.159-167
22 Vgl. Blackston 1993, S.119
23 Vgl. Blackston 1993, S.119-124
24 Vgl. Hieronimus 2003, S.99
25 Vgl. Fournier 2001, S.156
26 Vgl. Fournier 2001, S.156
7
- Intimität als gegenseitiges Verständnis von Marke und Nachfrager
- Qualität der Marke als Partner von Verbraucherbeurteilung der Markenleistung
Fournier stellt die These auf, dass Menschen Beziehungen mit Marken eingehen, damit für sie die Interaktion mit der immateriellen Welt vereinfacht wird. Der Konsument denkt an die Marken als wären sie menschliche Charaktere. 27 Dieses Modell wird im Zusammenhang mit dem anschliessend betrachteten funktionalen Nutzen einer Marke eine Grundlage für das persönlichkeitsorientierte Markenmanagement bieten.
Abbildung 1: Brand Relationship Quality
27 Vgl. Fournier 2001, S.139
8
Zu diesen Effekten der Qualität der Marken-Kunden-Beziehung kommt die Wechselseitigkeit, in welcher die Beziehung steht. Ein bestimmtes Verhalten der Marke beeinflusst in diesem Modell von Fournier wesentlich die Markenpersönlichkeit. 28 Vielschichtige Faktoren beeinflussen demzufolge die Einstellung des Kunden hinsichtlich einer Marke und häufig sind es mit zwischenmenschlichen Beziehungen vergleichbare Bindungen, welche die Konsumenten zu einer bestimmten Marke eingehen.
Trotz verschiedenen Forschungsstandpunkten erscheint die Interdependenz zwischen Menschen und Marken als gefestigtes Modell und beeinflusst die Theorie der Markenpersönlichkeit massgeblich. Bevor im nächsten Kapitel der funktionale Nutzen einer Marke im Zusammenhang mit der Markenpersönlichkeit erläutert wird, zeigt Abbildung zwei, wie das „Verhalten“ der Marke mit den Persönlichkeitsmerkmalen einer Marke korrelieren kann .
Abbildung 2: Markenverhalten und Markenpersönlichkeit
28 Vgl. Weis/Huber 2000, S.58
9
Arbeit zitieren:
Gérald Marolf, 2005, Markenpersönlichkeit - Persönlichkeitsorientiertes Markenmanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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