II
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 1
1 Das Sportartenkonzept nach Söll 3
1.1 Vorbemerkungen 3
1.2 Theoretische Grundlagen und das Wesen des Sportartenkonzepts 3
1.3 Kritik am Sportartenkonzept 6
2 Koedukation im Sportunterricht 9
2.1 Grundlegendes 9
2.2 Ansatz nach Petersen 10
2.3 Ansatz nach Odey 11
2.4 Ansatz der reflexiven Koedukation 13
3 Realisierung koedukativer Prinzipien im Sportartenkonzept
- realistisches Ziel oder Ding der Unmöglichkeit? 15
3.1 Vorbemerkungen 15
3.2 Prinzip der Erfahrung 16
3.3 Prinzip der Selbstbestimmung und Selbstständigkeit 17
3.4 Prinzip der Vielfalt der Inhalte 18
3.5 Prinzip der Akzentuierung wichtiger Sinnorientierungen 18
SCHLUSSBEMERKUNGEN 20
LITERATURVERZEICHNIS 22
1
Einleitung
Das Bild eines zeitgemäßen Schulsports unterliegt ständigen Veränderungen. Was heute noch als aktuell, als „in“ bezeichnet wird, kann morgen schon wieder Schnee von gestern, kann „out“ sein. Dabei hängt das, was wir gemeinhin als zeitgemäß verstehen von verschiedenen Bezugspunkten ab. Als unabdingbar für einen anspruchsvollen Sportunterricht erscheint es, dass er die jeweiligen Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt, neuere Vorstellungen von den Vorgaben und Aufgaben der Schule annehmen und eine konsensfähige pädagogische Leitidee zugrunde legt. Das bedeutet, dass ein zeitgemäßer Sportunterricht nicht nur dem Geist der Zeit entsprechen sollte, sondern darüber hinaus auch die Bedingungen unserer Zeit ernst nehmen und sie fachdidaktisch zu hinterfragen hat (vgl. Balz & Kuhlmann, 2003, S.145). Obwohl die fachdidaktische Diskussion in den letzten Jahren alles andere als einheitlich verlaufen ist, lassen sich derzeit vier zentrale - miteinander konkurrierende - Entwürfe zur Gestaltung des Schulsports ausmachen (vgl. Balz et al., 2003, S. 149). Eines dieser vier Konzepte, das Sportartenprogramm, bildet dabei den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit. Dieses prinzipiell konservative Programm wurde speziell in den letzten Jahren heftiger Kritik ausgesetzt. Bemängelt wurde und wird v.a., dass das Sportartenkonzept nicht mehr die Anforderungen eines modernen Sportunterrichts erfüllt. Gerade der Mangel an weitreichenden sportpädagogischen Zielsetzungen bildet dabei die größte Angriffsfläche für die Kritiker dieses Konzepts. In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob das Sportartenkonzept auch in Zukunft eine erwähnenswerte Rolle in der deutschen Schulsportlandschaft spielen kann oder nicht. Am Beispiel der Koedukation soll untersucht werden, ob es möglich wäre, weitreichende pädagogische Zieldimensionen in das Sportartenkonzept zu integrieren, auch wenn dies nicht das ursprüngliche Anliegen dieses Unterrichtsentwurfes ist. Denn eines scheint festzustehen: In seiner jetzigen Form hat das Sportartenkonzept keine Zukunftsperspektive. Ziel ist es daher eine Antwort auf die Frage zu finden, ob koedukative Unterrichtsziele mit Hilfe des Sportartenkonzepts umzusetzen sind. Dabei ist der Versuch einer Symbiose von Sportartenkonzept und Koedukation keinesfalls zufällig ausgewählt. Ebenso wie das Sportartenkonzept hat auch die Koedukation, die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen, ihre Wurzeln in den 70er Jahren des 20.Jahrhunderts. Wie das Sportartenkonzept steht auch die Koedukation derzeit heftig
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in der Kritik (sh. Abschnitt 2.1.). Darum soll im Folgenden ebenfalls hinterfragt werden, ob die Symbiose von Koedukation und Sportartenkonzept für beide von Nutzen sein kann.
Um dieses Unterfangen bewerkstelligen zu können, soll zunächst das Wesen und der Charakter des Sportartenkonzepts nach Söll vorgestellt werden. Darüber hinaus - und das ist für diese Arbeit überaus wichtig - sollen die wesentlichen Einwände und Vorbehalte gegen dieses Konzept erläutert werden. In einem zweiten Teil werden dann drei Konzepte einer richtig verstandenen Koedukation im Sportunterricht präsentiert. Das wesentliche Anliegen ist es hierbei, dem Leser die tatsächlichen Absichten und Ziele dieser Unterrichtsmethode nahe zu bringen. Anhand der beiden ersten Abschnitte soll dem Leser zudem die vollständige Gegensätzlichkeit beider Unterrichtskonzepte aufgezeigt werden. Im Anschluss daran wird in einem dritten Teil der Arbeit untersucht werden, ob es überhaupt möglich ist, koedukative Unterrichtsprinzipien mit dem Sportartenkonzept zu verwirklichen.
Anzumerken ist, dass es sich bei diesen Überlegungen lediglich um hypothetische Konstrukte handelt, deren tatsächliche Effizienz erst in der Praxis festgestellt werden müsste.
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1 Das Sportartenkonzept nach Söll
1.1 Vorbemerkungen
Unter dem Sportartenkonzept versteht man einen fachdidaktischen Entwurf zur Gestaltung des Sportunterrichts. Dieser ist seit den 70er Jahren des 20.Jahrhunderts in der Praxis des deutschen Schulsports weit verbreitet und erfreut sich auch heute noch einiger Beliebtheit 1 .
In seiner grundlegendsten Form greift das Sportartenkonzept auf die Annahme zurück, dass der Schulsport ausschließlich der Qualifikation zum gesellschaftlichen Sport diene. Daher sei es möglich, dessen Inhalte nahezu ungefiltert auf den Schulsport zu transferieren. Da der Sport als entscheidendes Kulturgut der modernen Gesellschaft verstanden wird, ist eine pädagogische Legitimation dieses Konzepts zudem nicht notwendig. Diesbezüglich ist es wenig verwunderlich, dass zum Sportartenkonzept kaum didaktische Erörterungen mit nachhaltigem theoretischem Anspruch vorliegen. Aufgrund der starken Orientierung am außerschulischen Sport sowie des weitgehenden Verzichts auf pädagogische Begründungen wurde und wird diese Form des Sportunterrichts auch als „Didaktik reduzierter Ansprüche“ bezeichnet (vgl. Kurz, 1990). Eine - wenn auch nur tendenzielle - Ausnahme bilden diesbezüglich die Beiträge von Wolfgangs Söll (Söll, 1996).
1.2 Theoretische Grundlagen und das Wesen des Sportartenkonzepts
Die Grundlage für Sölls Konzept besteht in der strikten Ablehnung einer Instrumentalisierung des Schulsports. Damit der Schulsport seinen eigenständigen Erziehungs- und Bildungsauftrag deutlich machen kann, darf er sich laut Söll nicht an grundlegenden gesellschaftspolitischen und allgemeinpädagogischen Anliegen
orientieren. Vielmehr muss der Schulsport und „ ... genau das ist das Anliegen eines ’richtig verstandenen’ Sportartenkonzepts.“ (Söll, 1996, S.34) von der Sache des Sports ausgehen.
1 So basieren u.a. die RRL des Landes Sachsen-Anhalts auch heute noch auf diesem Konzept, obgleich
sie in ihren pädagogischen Zielsetzungen weitreichender sind. (Kultusministerium des Landes Sachsen-
Anhalt (1999). Rahmenrichtlinien Gymnasium/Fachgymnasium Sport, Sachsen-Anhalt. Halle: ohne
Verlag.)
4
Im Gegensatz zu den meisten anderen Schulfächern, welche eine erstaunliche Resistenz gegenüber allen Verzweckungstendenzen bewiesen haben - so zumindest Söll - scheint der Sport allerdings die die Regel bestätigende Ausnahme zu sein. Die Geschichte der Sportpädagogik scheint, so Söll, beinahe eine Geschichte der Instrumentalisierung des Sports für alle möglichen Ziele zu sein. Die Konsequenzen einer solchen Verzweckung aber haben für den Sport verheerende Folgen. Jede Art von Instrumentalisierung verkürzt bzw. verändert den Sport und führt schließlich zum völligen Verlust seiner Identität. Außerdem wird der Sport dadurch austauschbar bzw. ersetzbar. Gerade die heute heftig postulierten Ziele wie soziales Lernen, Kreativität etc. müssen nicht am Sport exemplifiziert werden, diesbezüglich gäbe es viele Alternativen. Dass wir den Sport dennoch nicht aus der Schule verbannen wollen und können, sieht Söll in seiner gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung begründet. Diese Bedeutung entspringt seiner Eigenstruktur, seinem Eigenwert, seinem Eigenanspruch oder kurz: der Sache des Sports (vgl. Söll, 1996, S. 23).
Unter der Sache bzw. Sachstruktur versteht Söll jene motorischen Aktivitäten, die auf sich selbst bezogen, grundsätzlich folgenlos, zweckfrei und auf Optimierung ausgerichtet sind. Bei diesen Aktivitäten geht es zum einen um Leistungsoptimierung, wobei bestimmte Gütestandards erreicht werden sollen. Zum anderen geht es um Training, welches darauf abzielt bestimmte körperliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verbessern bzw. zu erhalten (vgl. Söll, 1995, S. 65). Demnach bezeichnet Sport letztlich ein bestimmtes Verhältnis zur Bewegung, nämlich die Auseinandersetzung mit der Bewegung um ihrer selbst willen. Diese Auseinandersetzung konkretisiert sich in den Sportarten. Um eine Ordnung in den schier unbegrenzten Kanon der Sportarten zu bringen, unterscheidet Söll verschiedene Aspekte unter denen Sport betrieben werden kann. Dabei differenziert er zwischen drei Grundverhaltensweisen im Sport (vgl. Söll, 1995, S. 66).
Da wäre zunächst die „sportliche“ Verhaltensweise zu nennen. Hierbei geht es primär um die Optimierung und Quantifizierung der körperlichen Leistung. Die Optimierung kann dabei durch Technikverbesserung oder Verbesserung der konditionellen Fähigkeiten erfolgen. Stellvertretend hierfür wäre die Leichtathletik zu nennen. Hier sowie in allen vergleichbaren Sportarten hat man es mit „Sport im eigentlichen und engsten Sinne“ zu tun (Söll, 1995, S.66). Die „sportlich-künstlerische“ Verhaltensweise
Arbeit zitieren:
Sebastian Knobbe, 2003, Sportartenkonzept und Koedukation, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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