1. Angaben zu der Lerngruppe 1.1 Lerngruppenzusammensetzung
Bei der 04ET3 handelt es sich um eine Mittelstufenklasse, in der sich fünf Schülerinnen und 14 Schüler im Alter von 18-25 Jahren befinden, die zum Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel ausgebildet werden. Von den insgesamt 19 Schülern 1 weisen sieben einen türkischen Migrationshintergrund auf. Partner der Berufsausbildung sind u.a. Aldi, Real, IKEA, Saturn, Görtz und Vodafone.
1.2 Besonderheiten der Lerngruppe
Die Schüler der Klasse haben unterschiedliche schulische Vorbildungen:
Wie aus der Tabelle zu entnehmen ist, kann die Zusammensetzung der Klasse hinsichtlich der schulischen Vorbildung als heterogen eingestuft werden. Dies spiegelt sich sowohl in der Leistungsfähigkeit als auch der Schüleraktivität wider. Neben vier Leistungsträgern, die kontinuierlich gute und teilweise sehr ausführliche Beiträge zum Unterrichtsgeschehen leisten, gibt es fünf äußerst schwache Schüler, die sowohl im sprachlichen als auch schriftlichen Bereich starke Defizite aufweisen.
1 Zur Vereinfachung des Leseflusses sind mit der Bezeichnung Schüler im laufenden Text Schülerinnen und
Schüler gleichermaßen gemeint.
1.3 Ausprägungen der Kompetenzbereiche der Lerngruppe
Fachkompetenz
Die Bedeutung des Themas „Ladendiebstahl“ für den Einzelhandel ist den Lernenden bewusst. Die Schüler kennen die wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen und die Auswirkungen des Ladendiebstahls. Zudem können sie verschiedene Methoden von Ladendieben unterscheiden. Die Klassenarbeiten haben gezeigt, dass die schriftliche Leistungsfähigkeit der Schüler gut ausgeprägt ist. Auch die im Unterricht schwächeren Schüler haben zufrieden stellende Klassenarbeiten geschrieben.
Sozialkompetenz
Die Schüler haben sowohl in der Unter- als auch in der Mittelstufe Erfahrungen in der Erarbeitung fachlicher Inhalte in der Sozialform der Gruppenarbeit sammeln können. Es konnte festgestellt werden, dass die Schüler lieber in bestimmten Gruppenkonstellationen zusammenarbeiten. Dies ist zum einen auf die unterschiedlichen Ausbildungsbranchen zurückzuführen; zum anderen bevorzugen die Schüler gleichgeschlechtliche Gruppen.
Humankompetenz
Die meisten Lernenden wollen qualifizierte Beiträge in den Unterricht einbringen. Sie besitzen ein besonderes Lerninteresse und Verantwortungsgefühl für die eigene schulische und berufliche Entwicklung. Dies wird u.a. dadurch deutlich, dass die meisten Schüler nach einzelnen Unterrichtsstunden ein Feedback hinsichtlich ihrer mündlichen Beteiligung haben wollen.
1.4 Unterrichtseinsatz in der Klasse
Die Klasse ist mir seit dem 30. August 2005 durch eigenständigen Unterricht (BDU) in dem Fach Kundenkommunikation und -service (Lernfeld 10: „Besondere Verkaufssituationen bewältigen“) mit zwei Stunden in der Woche bekannt. Der Umgang mit mir als Lehrperson ist freundlich und offen. Zudem hatte ich die Möglichkeit, die Klasse außerhalb des Unterrichts kennen zu lernen: Mit der Lehrerfußballmannschaft haben wir gegen diese Klasse gespielt.
2. Didaktisch-methodische Analyse 2.1 Vorgaben der Richtlinien/ Legitimation des Themas
Am 01.08.2004 ist für den Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel erstmals ein Rahmenlehrplan in Kraft getreten, der nach dem Lernfeld-Konzept strukturiert ist. Die Inhalte der Unterrichtsreihe sind gemäß diesen Richtlinien thematisch dem Lernfeld 10 “Besondere Verkaufssituationen bewältigen“ zugeordnet. In der Zielformulierung heißt es: „Ausgehend von der Unternehmensphilosophie handeln die Schülerinnen und Schüler bei Sonderfällen im Verkauf situations- und fachgerecht. In unterschiedlichen Situationen reagieren sie angemessen auf das Verhalten ihrer Kunden.“ 2
Die didaktische Jahresplanung sieht die Behandlung der oben genannten Unterrichtsreihe am Ende des Lernfeldes 10 in der Mittelstufe vor.
2.2 Hauptintention
Der didaktische Schwerpunkt der heutigen Stunde liegt darin, die Schüler dahingehend zu sensibilisieren, dass sie auf verschiedene Ladendiebstahlsituationen adäquat und adressatenorientiert reagieren können. Die Schüler sollen die Notwendigkeit der Ableitung von allgemeinen Verhaltensempfehlungen bei Ladendiebstahl erkennen und Handlungsmuster entwickeln, die sie für gegenwärtige und zukünftige Situationen rüstet. Des Weiteren soll ihnen bewusst werden, wie wichtig eine situationsspezifische Vorgehensweise ist, um gleichermaßen die Interessen des Unternehmens und die der Kunden angemessen wahrnehmen zu können.
2 KMK-Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel. Beschluss der
Kultusministerkonferenz vom 29.01.2004, S. 18.
2.3 Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe
Die heutige Stunde wird in Form eines didaktischen Fensters vorbereitet, damit den Schülern genügend Zeit gegeben wird, sich in die komplexe Thematik einzuarbeiten.
Ein Schwerpunkt der Unterrichtsreihe bildet die Vorbeugung von Ladendiebstahl durch den Verkäufer. Von großer Bedeutung ist es dabei, dass die Schüler im Erkennen und Beobachten von Ladendieben geschult werden. Um das persönliche Wahrnehmungsvermögen der Schüler zu fördern, wird am Ende der Unterrichtsreihe ein Unterrichtgang zur Ausstellung „Phänomania - Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“ in der Zeche Zollverein unternommen.
2.4 Didaktische Transformation
Die komplexe Thematik der heutigen Unterrichtseinheit erfordert eine didaktische Reduktion. Um einen den Lernvoraussetzungen der Schüler möglichst nahen Bezugsrahmen zu schaffen, werden vier Ladendiebstahlsituationen gewählt, die auf den eigentlichen Diebstahlvorgang reduziert werden. Es wurde darauf verzichtet, die jeweilige Unternehmung bzw. deren Verkaufsräumlichkeiten und Warenträger zu beschreiben. Eine Konkretisierung würde die Gefahr der Ablenkung von dem Schwerpunkt der Stunde mit sich bringen. Des Weiteren werden in der heutigen Stunde exemplarisch vier Tätergruppen von Ladendieben behandelt. Denkbar wäre beispielsweise auch die Behandlung von Mitarbeitern bzw. Jugendlichen als Tätergruppe. Wenn man diese Tätergruppen in dieser Stunde noch einplante, würde das den Zeitrahmen aber bei weitem überschreiten. Zudem bietet es sich an, den Personaldiebstahl aufgrund seiner besonderen Bedeutung in einer eigenen Unterrichtsstunde zu thematisieren. Neben dem Prinzip der didaktischen Reduktion werden in dieser Stunde insbesondere folgende Unterrichtsprinzipien berücksichtigt: 3
Prinzip der Gegenwarts-/ Zukunftsbedeutung:
Die Schüler werden früher oder später alle in ihrer Berufswirklichkeit mit dem Thema Ladendiebstahl konfrontiert werden. Sie verfügen zurzeit allerdings zum größten Teil nur über indirekte Erfahrungen, d.h. sie kennen die Situation aus Mitarbeitergesprächen oder aus der Beobachtersituation. Ihr Vorstellungshorizont ist deswegen geprägt von betriebsinternen Vorgaben und ihren eigenen Moralvorstellungen. Nach einem situationsadäquaten und strukturierten Umgang mit dem Thema passen die Schüler ihr Verhalten an die Wirklichkeit an.
Prinzip der Zugänglichkeit:
Das Entstehen von Inventurdifferenzen durch Ladendiebstahl ist ein Problem, dem sich nahezu jedes Einzelhandelsunternehmen stellen muss. Der Einzelhändler ist somit gezwungen, Lösungen zu entwickeln, die den Ladendieben Einhalt gebieten bzw. die weitere Vorgehensweise nach aufgedeckten Ladendiebstählen regelt. Dadurch, dass die Schüler in einem Workshop zusammenarbeiten sollen, wird ein Rahmen geschaffen, der es den Schülern ermöglicht, eigene Erfahrungen auszutauschen, Handlungsmöglichkeiten abzuleiten und sie an ihre Mitschüler weiterzugeben. Des Weiteren sind die Schüler mit den Methoden des Rollenspiels und der Metaplantechnik vertraut.
3 In Anlehnung an Klafki 1962; die fünf Grundfragen der Didaktik.
Arbeit zitieren:
Arndt Slabihoud, 2006, Rollenspielgestützte Erarbeitung und Präsentation eines angemessenen Verkäuferverhaltens bei unterschiedlichen Tätergruppen von Ladendieben mit anschließender Ableitung allgemeiner Verhaltensempfehlungen mit Hilfe der Metaplantechnik, München, GRIN Verlag GmbH
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