Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definition und Entstehung von Angst/Prüfungsangst 4
2.1 Biochemischer Vorgang 5
2.2 Psychoanalytischer Ansatz 6
2.3 Behavioristischer Ansatz 7
2.4 Kognitionstheoretischer Ansatz 9
3. Arten der Angst n. Schwarzer 10
3.1 Existenzangst 12
3.2 Soziale Angst 13
3.3 Leistungsangst 13
3.3.1 Bewertungsangst 13
3.3.2 Prüfungsangst 14
3.3.2.1 Niedrigängstlicher Typ 15
3.3.2.2 Hochängstlicher Typ 15
4. Ursachen der Prüfungsangst 15
4.1 Aus psychoanalytischer Sicht 16
4.2 Aus behavioristischer Sicht 16
4.3 Aus kognitionstheoretischer Sicht 16
4
5. Sozialisation 17
5.1 Rolle der KrankenpflegeschülerInnen 17
5.2 Rolle der LehrerInnen 18
5.3 Beziehungsstrukturen in Krankenpflegeschulen 18
5.4 Beziehungsstrukturen in mündlichen Prüfungssituationen 20
6. Die mündliche Prüfung 20
7. Befragung von KrankenpflegeschülerInnen zur Prüfungsangst 21
7.1 Fragebogenaktion 22
7.2 Auswertung und Fazit 23
7.3 Interview der befragten KrankenpflegeschülerInnen 27
7.4 Veränderungen in der Krankenpflegeschule in Heide 30
8. Umgang mit Prüfungsangst 31
8.1 Umgang mit Prüfungsangst aus SchülerInnenperspektive 31
8.1.1 Angst erkennen und damit umgehen lernen 31
8.1.2 Optimale Prüfungsvorbereitung 31
8.1.3 Verhaltensänderung 34
8.1.4 Kognitive Bewältigungstechniken 36
8.1.5 Entspannungstechniken 37
8.2 Umgang mit Prüfungsangst aus LehrerInnenperspektive 37
8.2.1 Die eigene Angst erkennen 37
8.2.2 Angst der SchülerInnen erkennen und darauf reagieren 38
5
8.2.3 Eigenes Prüfungsverhalten reflektieren 38
8.2.4 Organisation, Aufbau und Ablauf von mündlichen Prüfungen 39 9. Zusammenfassung, Ausblick 40 Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Anhang
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„Wenn ich eine mündliche Prüfung ablegen muß, kann ich nur beten, an einen verständnisvollen Professor zu geraten. Ich brauche nämlich ungefähr eine Viertelstunde, um mich zu beruhigen und meinen Verstand wiederzufinden, und wenn er nicht das nötige Feingefühl hat, um das zu bemerken, und nicht die Geduld, mich erst einmal zur Ruhe kommen zu lassen, wird er mich entweder für den letzten Idioten halten und sich wirklich fragen, wie ich das Grundstudium bestehen konnte, oder aber er wird glauben, ich hätte das Jahr über gefaulenzt, für die Prüfung nicht gelernt und im letzten Moment Panik bekommen...“ (André/Légeron 1999, S. 74)
1. Einleitung
Während der mündlichen Abschlußprüfung in meiner Berufsausbildung zur Krankenschwester wurde ich Zeugin einer ähnlichen Situation. Eine Mitschülerin bekam einen Gedankenblock, stammelte, errötete und zitterte am ganzen Körper. Was war geschehen? Wir hatten uns zusammen auf die Prüfung vorbereitet und sie hatte sich ein enormes Wissen angeeignet. Und dennoch konnte sie nicht mehr auf ihr Wissen zurückgreifen. Mein Interesse am Thema Prüfungsangst wurde durch die Beobachtungen, die ich als Protokollantin in zwei mündlichen Prüfungen im Rahmen meines Praktikums machen konnte, verstärkt.
Am Beispiel der Krankenpflegeschule in Heide werde ich die Ausprägung der Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen feststellen, was dazu dienen soll, den Handlungsbedarf und Verbesserungsansätze für die LehrerInnen hinsichtlich Prüfungsvorbereitung und Prüfungssituation aufzuzeigen. Um die Ausprägung der Prüfungsangst festzustellen, habe ich mich für eine Fragebogenaktion entschieden, die auch die Ursachen der Prüfungsangst näher beleuchten soll. Interessant ist hier auch der Gedanke, wie die SchülerInnen über die Ursachen von Prüfungsangst denken und wie sie selbst die Prüfung verbessern würden. Dies werde ich in einem anschließendem Interview in Erfahrung bringen. Mir ist ebenfalls wichtig, zum Abschluß der Fragebogenaktion und des Interviews notwendige Konsequenzen, die sich daraus ergeben, in dem Kaptitel 8 „Umgang mit Prüfungsangst“ zu berücksichtigen.
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Da das Thema sehr umfassend und die Seitenzahl dieser Abschlußarbeit begrenzt ist, kann ich leider verschiedene Aspekte nicht mit einbeziehen. Dazu gehören unter anderem die verschiedenen Angstkonzepte, die ausführliche Behandlung des psychoanalytischen Ansatzes im Umgang mit der Angst und die Bearbeitung der Angstneigung.
Um den Lesefluss zu verbessern, habe ich mich außerhalb der Überschriften für die Formulierung „SchülerInnen“ entschieden. Damit sind grundsätzlich die KrankenpflegeschülerInnen gemeint.
2. Definition und Entstehung von Angst und Prüfungsangst
Angst gehört zu den Emotionen und ist als hypothetisches Konstrukt nicht leicht zu deuten, deshalb gibt es zur Angst unzählige Definitionen. Eine allgemein gültige Definition kann jedoch nicht festgelegt werden, da Emotionen immer individuell erlebt werden.
„Angst [ eigtl. „Enge, Beklemmung“ (urverwandt mit lat. angustus „eng“)], Reaktion auf eine unbestimmte Bedrohung im Ggs. zur Furcht, die sich auf eine bestimmte Bedrohung bezieht. ... In der Psychologie wird A. als unlustbetonter, mit Beklemmung (in der Brust und Herzgegend lokalisiert), Bedrückung, Erregung, oft auch quälender Verzweiflung einhergehender Gefühlszustand oder Affekt verstanden, hervorgerufen durch jede real erlebte oder auch bloß vorgestellte, häufig nicht einmal voll bewußte Lebensbeeinträchtigung oder - bedrohung“ (Meyers Grosses Taschenlexikon Band 1 1981, S. 352).
„Prüfungsangst, die Angst vor einer Prüfung, die deshalb häufig anzutreffen ist, weil zum einen vom Ergebnis der Prüfung i. d. R. weitreichende (insbes. soziale) Konsequenzen abhängen, zum anderen Prüfungen selten beliebig wiederholbar sind und schließl. weil Prüfungen seltene und deshalb unvertraute Situationen und meist einseitige Abhängigkeitsverhältnisse von Prüfer und Prüfling darstellen. P. kann zu anhaltenden vegetativen Störungen, Konzentrationsunfähigkeit bis zu totaler intellektueller Blockade lange vor oder während der Prüfung, zum mehrmaligen Verschieben des Examenstermins und zur Notwendigkeit psychotherapeut. Beratung führen“ (Meyers Grosses Taschenlexikon Band 17 1981, S. 333).
Die Ausprägung der Prüfungsangst ist folglich abhängig von der Bedeutung der jeweiligen Prüfung, der Form und Art der Prüfung, der Wiederholbarkeit und dem Abhängigkeitsverhältnis und somit von dem Verhalten der PrüferInnen in
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der Prüfungssituation. Dieser Aspekt wird im Laufe dieser Arbeit nochmals aufgegriffen.
In der Literatur finden sich verschiedene Angstkonzepte, in denen der Angstbegriff unterschiedlich behandelt wird; z. B. Angst und Furcht, Angst als Zustand und Persönlichkeitsmerkmal und Angst und Erregung (vgl. Sörensen 1996, S. 3).
Dieser Arbeit liegt das Konzept von Schwarzer zu Grunde; Angst als Zustand und Persönlichkeitsmerkmal. Auf die Angst als Zustand soll in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden. Die Angst als Persönlichkeitsmerkmal wird unter Punkt 3 bearbeitet. Zur Angstentstehung gibt es verschiedene Theorien, die zur Erklärung von der Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen von Bedeutung sind. Im folgenden findet sich eine Übersicht über diese Theorien, die unter dem Kapitel 4 noch einmal explizit auf die Ursachen der Prüfungsangst bezogen werden.
Zunächst erscheint es jedoch wichtig, die Auswirkungen der Angst auf den Organismus zu betrachten.
2.1 Biochemischer Vorgang
Die Angst löst im Körper einen biochemischen Vorgang aus, der vor allem durch die Wirkung von Hormonen dominiert wird. Im Zentralen Nervensystem (ZNS) werden durch psychische Belastungen wie z. B. Angst, zwei parallel verlaufende Reaktionsketten in Gang gesetzt, die auch als Stressreaktion bezeichnet werden.
In der ersten Reaktionskette wird der Hypothalamus aktiviert, der ein Hormon ausschüttet, das in der Hypophyse zur Freisetzung eines weiteren Hormons führt. Dies wiederum stimuliert die Ausschüttung von Glukokortikoiden in der Nebenniere.
Die zweite Reaktionskette bewirkt eine Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin über den Sympathikus in Sekundenschnelle. Die zweite Reaktionskette beeinflusst kurzfristig alle Organfunktionen, die für das Überleben wichtig sind, wie die Erhöhung der Herzschlagfrequenz und der Kontraktionskraft des Herzens, die Erweiterung der Bronchien, eine höhere Durchblutung der Skelettmuskulatur und die Freisetzung von Glukose in der Leber zur Energieversorgung. Denkvorgänge werden zugunsten vorprogrammierter Reflexhandlungen blockiert, welches das Phänomen des Gedankenblocks in einer Prüfung erklärt.
In einer realen Gefahrensituation sind diese körperlichen Vorgänge jedoch notwendig und lebenswichtig (vgl. Schäffler/Schmidt 1995, S. 186).
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2.2 Psychoanalytischer Ansatz
Unter diesem Punkt werden die beiden Angsttheorien von Sigmund Freud erläutert. Zunächst ist es jedoch wichtig, auf das von Freud entwickelte Strukturmodell der psychischen Instanzen einzugehen. Im Zentrum der Person steht das Ich, die Instanz, die Wahrnehmungen aus der Außenwelt aufnimmt, kategorisiert, speichert und die Reaktionen auf diese Reize oder spontane Handlungen plant. Das Ich hat aber nicht nur auf die Anforderungen der Außenwelt bzw. der Realität zu achten, sondern nimmt auch Impulse aus dem sogenannten Es auf, das die Triebseite vertritt, z. B. Bedürfnisse nach Zärtlichkeit, Nahrungsaufnahme oder sexuellem Kontakt. Eine dritte Instanz stellt das Über-Ich dar, das die im Verlauf der Sozialisation übernommenen Normen repräsentiert (vgl. Zimbardo 1995, S. 487). Theorie der Angstneurose
Die erste Angsttheorie von Freud wurde 1894 entwickelt. Sie besagt, daß durch eine Unterdrückung unbewusster sexueller Impulse eine Verdrängung entsteht, die sich in Angst umwandelt.
Da diese Angst aus der inneren Erregung entsteht und nicht von äußeren Reizen abhängig ist, wurde sie Angstneurose genannt. Im Ansatz ist die Unterscheidung zwischen der Angstneurose und der Affektzustand der Angst als Reaktion auf einen äußeren Reiz vergleichbar mit dem Konzept von Schwarzer; Angst als Zustand und Angst als Persönlichkeitsmerkmal (vgl. Sörensen 1996, S. 12). Signaltheorie der Angst
Mit dieser zweiten Angsttheorie von 1926 revidierte Freud die frühere Konzeption. Sie besagt, daß unbewältigte Konflikte des Ich mit dem Es, Über-Ich oder der Realität zu Angst und daraufhin zu Verdrängung führen. Die Angst fungiert als Signal für eine Gefährdung des Ich (vgl. Sörensen 1996, S. 12).
Im folgenden werden die Formen der Ängste nach Freuds Signaltheorie beschrieben:
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• Realängste
werden verstanden als emotionale Reaktion auf Bedrohungen aus der Umwelt, z. B. Verletzungsgefahr oder Existenzgefährdung. Realängste sind nicht nur als einschränkende, hemmende Prozesse anzusehen, sondern sie versetzen den Organismus in einen Erregungszustand, der ihn befähigt, Techniken für die Beseitigung drohender Gefahren zu entwickeln.
• Über-Ich-Ängste
lassen sich weniger eindeutig erkennen. Der Betroffene empfindet die eigene Unzulänglichkeit hinsichtlich der Anforderungen und Normen, die er für richtig und gültig hält. Die Bedrohung geht von dem inneren Gütemaßstab aus und manifestiert sich in Schuld - und Minderwertigkeitsgefühlen.
• Es-Ängste
sind ebenfalls schwer zu erkennen. Sie entstehen aus dem Konflikt zwischen Trieb - und Bedürfnisforderungen und den Erfordernissen der Lebensbewältigung, die das Ich zu leisten hat (vgl. Sörensen 1996, S. 13 - 14). In der Prüfungssituation wird das Ich geprüft und entscheidet über den Ausgang der Prüfung. Wenn sich das Es oder das Über-Ich eindrängen und bei der Bewältigung der Prüfungsaufgabe stören, muss man von einem neurotischen Verhalten in der Prüfungssituation sprechen. Dies sind aber Konflikte zwischen den Instanzen, die im eigentlichen Sinne wenig mit Prüfungsangst zu tun haben, sondern tiefer im Unterbewusstsein des Betroffenen verwurzelt sind und in der Prüfungssituation auftreten können (vgl. Singer 1970, 122ff).
2.3 Behavioristischer Ansatz
„Der Behaviorismus befaßt sich mit den objektiven und beobachtbaren Komponenten des menschlichen Verhaltens - d. h. mit den Reiz - und Reaktionsvorgängen, die Pawlow, Watson, Guthrie, Thorndike und Skinner bedeutsam erschienen“ (Lefrancois 1994, S. 15). Menschliches Verhalten, wie z. B. Angst wird folgendermaßen erlernt: Ein Reiz (Stimulus) löst eine Reaktion (Response) aus. Dieser Ablauf kann durch eine Verknüpfung eine Gewohnheit (Habit) bilden. Da Menschen aus Konsequenzen lernen, wird ihr Verhalten durch Erfolg/Mißerfolg und Belohnung/Bestrafung beeinflusst. Dieser Vorgang wird Verstärkung (reinforcement) genannt.
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Verallgemeinerungen (Generalisierungen) können ebenfalls entweder von auslösenden Reizen (Reiz - Generalisierung) oder von ängstlichen Reaktionen (Reaktions - Generalisierung) erlernt werden, die im folgenden kurz erläutert werden sollen.
• Reiz - Generalisierung
Wenn eine Person eine unangenehme Erfahrung mit einem Hund (Reiz) macht und daraufhin mit Angst reagiert (Reaktion), kann sich der Reiz auf andere Hunde, Hunderassen oder Tierarten ausweiten, die dann ebenfalls eine Reaktion verursachen. Möglich ist auch die sogenannte Reiz - Substitution, bei der sich der Reiz auf andere Reize ausweitet, die dem ursprünglichen Reiz nicht mehr ähnlich sind.
• Reaktions - Generalisierung
Eine anfangs auf den Reiz gezeigte Reaktion, wie z. B. Weglaufen, kann sich auf andere Reaktionen ausweiten, falls diese durch einen Erfolg (Angstreduzierung) verstärkt werden. Die generalisierten Reaktionen, auch Ersatz - Reaktionen genannt, sind der ursprünglichen Reaktion nicht mehr ähnlich (vgl. Sörensen 1996, S. 15/16). Die 2 - Phasen - Lerntheorie
In dieser Theorie von Mowrer, einer der ersten Lerntheoretiker, geht es um die Angst als eine innere Reaktion, die durch 2 Phasen gelernt wird. Klassische Konditionierung
In der ersten Phase wird ein ursprünglich neutraler Reiz (CS; konditionierter Stimulus z. B. Prüfung) mit einem unkonditionierten Reiz verbunden ( UCS; unkonditionierter Stimulus, z. B. Mißerfolg). Dies führt zu einer konditionierten Reaktion (CR; konditionierte Reaktion, z. B. Angst). CS (Prüfung) + UCS (Mißerfolg) = CR (Angst) Nach ein- oder mehrmaligen Zusammentreffen beider Reize wird die Angstreaktion erlernt. Von da an kann die Angstreaktion auch dann auftreten, wenn nur einer der beiden Reize vorhanden ist (Prüfung). CS (Prüfung) = CR (Angst)
Dieser Vorgang soll in der Befragung der KrankenpflegeschülerInnen (Kapitel 7) untersucht werden.
Instrumentelle Konditionierung
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Arbeit zitieren:
Maja Schendel, 2003, Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen im Hinblick auf mündliche Prüfungen, München, GRIN Verlag GmbH
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