II
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. III
1. Einleitung. 1
2. Die Merkmale der New Economy. 2
3. New Economy und Börse. 4
4. Unternehmensanalyse. 8
4.1 Gescheiterter Vertreter der New Economy: Brokat Infosystems AG. 8
4.2 Überlebender Vertreter der New Economy: OnVista AG. 12
4.3 Vergleichende Zusammenfassung. 16
4.3.1 Gemeinsamkeiten. 16
4.3.2 Erfolgsentscheidende Unterschiede. 19
5. Entmythisierung der New Economy. 22
6. Fazit und Ausblick. 24
Literaturverzeichnis. IV
Internetverzeichnis. VI
Anhang. IX
Ehrenw örtliche Erklärung XVI
III
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft
B2B Business-to-Business
B2C Business-to-Customer
BS Bilanzsumme
Dax Deutscher Aktienindex
E-Business Electronic Business
FuE Forschung und Entwicklung
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
IAS International Accounting Standards
IKT Informations- und Kommunikationstechnologie
IPO Initial Public Offering
IT Informationstechnologie
IuK Information und Kommunikation
SDax Smallcap Aktienindex
US-GAAP Generally Accepted Accounting Principles
1
1. Einleitung
Das Schlagwort New Economy, zu deutsch Neue Ökonomie, ist ein Begriff ohne klare und
allgemeingültige Definition. Dr. Oliver Hermes 1 „assoziier[t] mit New Economy die neuzeitliche Aufladung eines alten Naturgesetzes: Survival of the fittest.“ 2 . Doch wie lässt sich Charles Darwin - der Urheber des Naturgesetzes - in das Wirtschaftsgeschehen einordnen? Das Zitat und der Titel der Arbeit entsprechen der Schumpeterschen Denkweise und somit der evolutorischen Ökonomik. Wirtschaften wird hier als ein offener, evolutorischer Vorgang begriffen. Durch fortlaufende Entstehung und Ausbreitung von Neuerungen finden
Entwicklung und Wandel im Wirtschaftsgeschehen statt. 3 Da in der evolutorischen Ökonomie unter anderem Konzepte aus verschiedenen Evolutionstheorien verwendet werden, ist der Bezug zu Darwin durchaus gerechtfertigt. Die Untersuchungen des englischen Naturforschers bezogen sich auf den evolutionären Wandel von Lebewesen. Die Darwinsche Selektionstheorie besagt, dass der Kampf ums Dasein („struggle for life“) von Individuen ausgetragen wird. Die Umwelt wählt aus diesen die
Tauglichsten aus („survival of the fittest“), die Übrigen gehen zugrunde. 4
Wird in dieser Arbeit von der New Economy gesprochen, so ist die jüngste Evolution der Wirtschaftsgeschichte gemeint. Vertreter dieser Neuen Ökonomie sind Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen basierend auf modernen Informations- und Kommunikationstechnologien. Die kommerzielle Nutzung des Internets gilt als Ursprung für diese neue Ära der Wirtschaftsgeschichte, weswegen sie häufig auch als Internet-Ökonomie bezeichnet wird. 5 Den Gegenpart zur New Economy bilden Vertreter aus traditionellen Branchen des produzierenden und verarbeitenden Gewerbes, der Dienstleistungsbereiche und des Handels. Mit einer Spur Vermessenheit werden diese gern unter dem Begriff Old
Economy subsumiert. 6
Ziel der Arbeit ist es, Gründe für das Scheitern von zahlreichen Unternehmen aus dem neuen Wirtschaftssegment und das Überleben von einigen wenigen herauszuarbeiten und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Der Einstieg erfolgt durch das Aufzeigen von charakteristischen Merkmalen der New Economy. Eine markante Besonderheit, der Bezug zur Börse, wird
1 Dr. Oliver Hermes ist Geschäftsführer der Baader Hermes / Y&R.
2 Wippermann, Peter / Trendbüro (2001), Seite 151.
3 Vgl. Gabler Verlag (Hrsg.) (2000), Seite 1018.
4 Vgl. Bayrhuber, Horst und Kull, Ulrich (Hrsg.) (1998), Seite 384.
5 Vgl. Hickel, Rudolf (2001), Seite 31.
6 Vgl. Moldenhauer, Ralf (2004), Seite 69.
2
separat beleuchtet. Exemplarisch werden dann zwei Vertreter des Neuen Marktes, des inzwischen abgeschafften Börsensegmentes für Unternehmen der New Economy, untersucht. Übergreifende Gemeinsamkeiten und letztendlich erfolgsentscheidende Unterschiede werden im Anschluss an die Einzeluntersuchung hervorgehoben. Nach dem Widerlegen von verbreiteten Mythen der New Economy werden aktuelle Tendenzen beschrieben und ein Ausblick in die Zukunft gegeben. Überleben wirklich nur „the fittest“? Und: Wie ist „the fittest“ in diesem Zusammenhang überhaupt zu verstehen?
2. Die Merkmale der New Economy
Grundsätzlich ist der Begriff New Economy zu gebrauchen, wenn sich neuartige makro- und mikroökonomische Bedingungen deutlich von Vorangegangenen unterscheiden. Makroökonomische Aspekte - also die Betrachtung der Produktivität, der Arbeitslosenquote und Inflation als New Economy-Indikatoren - sollen in dieser Arbeit vernachlässigt werden. Der erst kurz zurückliegende Untersuchungszeitraum bietet keine ausreichende Sicherheit um Aussagen über die Nachhaltigkeit der Entwicklungen zu treffen. Festzustellen ist, dass die von den Befürwortern der New Economy proklamierten neuen wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten nicht existieren (vgl. 5. Entmythisierung der New Economy). Auf mikroökonomischer Ebene bilden Unternehmen und Branchen eine neue Form der Wertschöpfung oder von Geschäftsmodellen ab. Basistechnologien sind die zentrale Voraussetzung für derartige grundlegende strukturelle Veränderungen. Klassische Beispiele sind Dampfmaschine, Eisenbahn, Verbrennungs- und Elektromotor. Das Internet und damit die schnelle und kostengünstige Möglichkeit zum Austausch von Informationen und Daten ist die Basistechnologie der 1990er Jahre. Als solches wurde das Internet zwar schon in den 1960er Jahren entwickelt, doch erst durch die zivile und kommerzielle Nutzung stiegen Bedeutung und Anwendbarkeit in großem Maße an. Im Jahr 2004 betrug die Zahl der Internet User schätzungsweise 935 Millionen 7 . Sieben Jahre zuvor im Jahr 1997 waren es noch rund 100 Millionen. 8
1995 fällt mit der Einführung der Firma Netscape an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq symbolisch der Startschuss für rasante Entwicklungen im Bereich der New Economy. In Deutschland gibt es parallel ähnliche Entwicklungen. Greifbar wird eine deutsche New Economy allerdings erst mit der Einführung des Börsensegmentes Neuer Markt durch die Deutsche Börse AG im März 1997. Auf Abbildung 1 wird die zeitliche Entwicklung der
7 Vgl. Computer Industry Almanac Inc. (Hrsg.) (2004), 1. Absatz (Internetquelle).
8 Vgl. Computer Industry Almanac Ins. (Hrsg.) (1998), Tabelle (Internetquelle).
3
Internet-Ökonomie dargestellt. Da das Internet als Basisinnovation die treibende Kraft der New Economy ist, wird hiermit deren Verlauf beschrieben.
Abbildung 1: Zeitliche Entwicklung der Internet-Ökonomie
Quelle: Gartner Group (1999), entnommen aus Deinlein, Joachim (2003), Seite 34.
Seit 1995 versucht die Gartner Group durch so genannte Hype Cycles den typischerweise bei der Einführung von neuen Technologien auftretenden Hype bzw. Überenthusiasmus zu beschreiben. Im Herbst 1999 entwickelte Alex Drobik den oben abgebildeten E-Business 9 Hype Cycle, laut dem fünf Entwicklungsstufen durchlaufen werden: 10 „Technology Trigger“ zu Deutsch Technologieauslöser:
Der Durchbruch einer neuen Idee oder Technologie, die Produkteinführung oder ein anderes Event - hier die Möglichkeit der kommerziellen Nutzung des Internets - wird von Unternehmen und Analysten stark gepriesen. Presse und Medien wirken massiv unterstützend und generieren durch ihre Öffentlichkeitsarbeit Aufmerksamkeit. „Peak of Inflatet Expectations“ zu Deutsch Höhepunkt der übertriebenen Erwartungen: Auf positiven Prognosen aufbauend kommt es zur Entwicklung zahlreicher neuer
Geschäftsmodelle und Start-up 11 Unternehmensgründungen. Im Zeitraum von 1993 bis zum Höhepunkt des Internet-Ökonomie-Hypes im Frühjahr 2000 gab es in Deutschland rund
9 Gemeint sind alle Formen von elektronischen Geschäftsprozessen, insbesondere alle Unternehmen, deren Geschäft auf dem Internet basiert. Vgl. Wippermann, Peter / Trendbüro (Hrsg.) (2001), Seite 34.
10 Vgl. Gartner, Inc. (2005), What are the 5 phases of a Hype Cycle? (Internetquelle).
11 Start-ups sind neu gegründete Unternehmen, dessen Zukunft hoffnungsvoll, aber eher ungewiss ist. Vgl. Wippermann, Peter / Trendbüro (Hrsg.) (2001), Seite 141 f.
4
15.000 Neugründungen so genannter Internet-Start-Ups. 12 Die Phase ist geprägt von Überenthusiasmus und unrealistischen Erwartungen. In dieser Entwicklungsstufe festigten sich die heute als Mythen der New Economy bezeichneten Vorstellungen (vgl. 5. Entmythisierung der New Economy).
„Trough of Disillusionment“ zu Deutsch Talsohle der Ernüchterung: Die Technologie kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Die ersten Geschäftsmodelle scheitern. Am 15. September 2000 meldete mit dem Telekomunternehmen Gigabell das erste
am Neuen Markt gelistete Unternehmen Insolvenz an. 13 Es kommt zu einer Umkehrung der übertriebenen positiven Entwicklung in eine starke - auch übertriebene - Abwärtsbewegung. In Deutschland wurde diese Abwärtsbewegung durch einen massiven Kursverfall an der Wachstumsbörse Neuer Markt und etlichen Insolvenzen deutlich. „Slope of Enlightenment“ zu Deutsch Allmähliche „Aufklärung“: Erst nach einer Konsolidierung kommt es zur realistischen Einschätzung von Chancen und Möglichkeiten der neuen Technologie. Verdienstmöglichkeiten und praktische Anwendbarkeit werden von einigen Unternehmen erkannt. Von der Presse wird das Thema nicht mehr forciert.
„Plateau of Productivity“ zu Deutsch Rentabilitätserfüllungen:
Die Technologie wächst stabil und wird weiterentwickelt. Unternehmen können im Internet-Business produktiv arbeiten. Der Nutzen der neuen Technologie wird in großer Breite akzeptiert und es kommt zu einer normalen, routinemäßigen Anwendung von Internettechnologien (vgl. 6. Fazit und Ausblick).
Eine ganz ähnliche Entwicklung zeigt der Verlauf der entsprechenden Börsenindizes.
3. New Economy und Börse
Wie eingangs erwähnt spielt die Börse als Kapitalversorger im Zusammenhang mit der Neuen Ökonomie eine besondere Rolle. Die National Association of Securities Dealers Automated Quotation (Nasdaq) gilt als Vorbild für den Frankfurter Neuen Markt, als Inbegriff des Börsenbooms und der New Economy. An der 1971 gegründeten US-Amerikanischen Börse
sind primär Wachstums- und Hochtechnologieunternehmen notiert. 14 In dieser Arbeit liegt der Fokus auf dem deutschen Börsensegment für Wachstums- und Technologiewerte. Der Neue Markt wurde am 10.03.1997 eingeführt und „repräsentiert die
12 Vgl. Deinlein, Joachim (2003), Seite 35.
13 Vgl. Frentz, Clemens von (2003b), 5. Absatz (Internetquelle).
14 Vgl. Wippermann, Peter / Trendbüro (Hrsg.) (2001), Seite 135.
5
‚new economy’ Europas“ 15 . Vor allem für junge Unternehmen sollte über die Börse Kapitalbeschaffung alternativ zum aus Risikogründen oft verwehrten Bankkredit möglich sein. Für Wagniskapitalgeber bot das Segment eine gewinnbringende Ausstiegsmöglichkeit aus
Risikobeteiligungen. 16
Die Kursentwicklung der am Neuen Markt notierten Unternehmen wurde in zwei Neuer-Markt-Indizes (Nemax) abgebildet: im Nemax-All-Share, dem Gesamtindex, und im Nemax 50, dem Index mit den 50 größten Werten des Neuen Marktes. Auf Abbildung 2 wird der enge Zusammenhang zwischen dem Verlauf des E-Business Hype Cycles und der Kursentwicklung der Unternehmen an der Börse deutlich.
Abbildung 2: Entwicklung des Nemax von 1997 bis 2002
Quelle: Theilmeier, Andreas (2002), Grafik (Internetquelle).
Die New Economy ist in Hinblick auf die Kapitalversorgung strukturell stärker abhängig von Aktienbörsen als es Unternehmen der Old Economy sind. Der Einfluss auf die Börsendynamik ist daher auch erheblich intensiver. Auf- und Abschwünge werden bis hin zur Krise verstärkt. Spekulationen auf künftige Gewinne wirken sich anheizend auf die Kursentwicklung aus.
Alan Greenspan bezeichnet solch einen Spekulationswahn als irrationalen Überschwang. 17 Ökonomisch rationales Handeln verliert an Bedeutung und psychologische Einflüsse gewinnen mangels sicherer Daten und Herdentrieb die Oberhand. Ohne Psychologie kann das
15 Plötz, Werner (Hrsg.) (2001), Seite 6.
16 Vgl. Mühlhaus, Axel und Knop, Sönke (2001), Seite 38 f.
17 Vgl. Hirt, Walter (2005), 4. Absatz (Internetquelle).
Arbeit zitieren:
Sandra Lindemann, 2005, Survival of the fittest - Eine Analyse der Ursachen von Überleben und Scheitern der Vertreter der New Economy, München, GRIN Verlag GmbH
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