Inhaltsverzeichnis:
Einleitung Seite 1
Entstehungszeit Form und Inhalte der Harzreise Seite 2
Der erste Traum (Osterode) Seite 3
Der zweite Traum (Klausthal) Seite 6
Gespenstererscheinung in Goslar Seite 10
Zusammenfassung Seite 13
Literaturverzeichnis
Einleitung:
In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit einem der ersten Werke Heinrich Heines beschäftigen: Der „Harzreise“. Genauer genommen werde ich drei bestimmte Textstellen näher untersuchen; einmal den Traum, den Heine in der ersten Nacht träumte, nachdem er Göttingen verlassen hatte, in diesem wird er noch einmal von der Universität und der juristischen Wissenschaft eingeholt, die er im Grunde durch diese Wanderung durch den Harz hinter sich lassen wollte; mein Ziel wird hierbei sein, zu versuchen, den Traum mit Hilfe von Interpretationen aus der Sekundärliteratur und der verwendeten Sprache zu entschlüsseln und ihn auf Hinweise auf Heines Auffassungen bezüglich seines künftigen Berufs als Jurist zu untersuchen. Als nächstes folgt dann der zweite Traum dieses Reiseberichts, in welchem es um die Erlebnisse Heines in Klausthal bzw. in den dort beheimateten Silbergruben geht. Dieser Traum ist auf den ersten Blick eher kryptisch, ihn zu dechiffrieren und die in ihm beinhalteten Symbole auf ihre Bedeutung hin zu analysieren, ist Gegenstand dieses Abschnitts. Die dritte Textstelle ist die „höchst Seltsame“ 1 Nacht, die Heine in Goslar verbrachte, und wo er behauptet, eine Gespenstererscheinung gehabt zu haben. Vermutlich handelt es sich hierbei aber vielmehr um Satire und weniger um eine „echte“ übersinnliche Erscheinung. Tatsache ist, diese Textstelle könnte Aufschluß geben über Heinrich Heines Anschauungen in Bezug auf die Vernunft und das mit ihr im Widerstreit liegende Gefühl.
1 Heine, Heinrich: Reisebilder. Frankfurt am Main und Leipzig 1980, S. 45
-1-
Entstehungszeit, Form und Inhalte der „Harzreise“
Im Herbst 1824 unternahm der damals 26 Jahre alte Student Heinrich Heine von Göttingen aus eine Fußwanderung durch den Harz, die ihn letzten Endes nach Weimar führen sollte, wo er plante, mit Goethe zusammenzutreffen. Im Mai des selben Jahres hatte Heine sein Promotionsexamen in Jura bestanden, im Juni liess der Jude Heine sich zum Protestanten taufen und im Juli 1824 endlich verteidigte er erfolgreich seine Thesen in einer öffentlichen Disputation, hatte also von nun an den Titel eines Dr. jur. inne. Im September dann kehrte er Göttingen den Rücken, wobei die Stadt selbst ja „schön“ sei, einem aber am besten gefalle, wenn man sie eben „mit dem Rücken“ 2 ansehe. Heines Ziel bestand, von dem oben erwähnten Treffen mit Goethe abgesehen, sicherlich auch darin, sich sowohl räumlich wie auch innerlich von dem ihm verhassten Universitätsbetrieb zu entfernen und ganz nach romantischer Couleur aus der Stadt hinaus in die Natur zu gehen, so zumindest der Tenor des Eingangsgedichts (das der „Harzreise“ vorangestellt ist).
Die Erlebnisse auf dieser Wanderung inspirierten Heine nach seiner Rückkehr zur Niederschrift der „Harzreise“, die den Auftakt zu weiteren „Reisebildern“ darstellt, einer Ansammlung prosaischer Texte, Reiseberichte eben, die spätere Unternehmungen, u. a. nach Norderney und Italien thematisieren.
Neben mystifizierenden Schilderungen der Natur und den Menschen, die Heine während der Harz-Wanderung antrifft, finden sich Beschreibungen der Städte, die er passierte, sowie auch eingestreute Gedichte, Bezugnahmen auf Märchen und Sagen und eben erzählte Träume. Diese Inhalte machen den romantischen Charakter der „Harzreise“ aus. Weitere Themen sind die Wissenschaft, besonders die juristische, und die Gesellschaft im Angesicht der Restauration. Die Träume, die lose in den Text eingeflochten wurden, handeln sowohl von dieser als auch von jener und können Aufschluß geben über Heines Standpunkte gegenüber diesen Themenkomplexen.
2e b d . , S . 1 2
-2-
Der erste Traum (Osterode)
Den ersten Traum träumt Heine, nachdem er „müde wie ein Hund“ 3 in Osterode angekommen war, es ist ein Traum, der ihn wieder zurück ins eben verlassene Göttingen bringt, genauer: in den Lesesaal der juristischen Bibliothek. Dort stöbert er solange in alten Dissertationen herum, dass es zu seiner eigenen Verwunderung bereits Nacht wurde und die Turmuhr zwölf schlägt. Statt der zu dieser Zeit üblicherweise auftretenden Gespenster betreten ein „Riesenweib“ 4 , das sich als Themis, die griechische Göttin der Gerechtigkeit, entpuppt, zwei Heine bekannte juristische Gelehrte: einmal der Hofrat Rusticus sowie der geheime Justizrat Cujacius und weitere Juristen der göttinger juristischen Fakultät den Saal. Zunächst macht sich die Göttin der Gerechtigkeit bloß lustig über die Gelehrten, indem sie auf einen Rechtstreit anspielt, bei dem es um die Auslegung eines Artikel ging, der nicht genau definierte, ob das Beschneiden von Bäumen an Grundstücksgrenzen um 15 Fuß von oben oder von unten herab geschehen solle und somit offenbar Stoff für juristische Auseinandersetzungen hergab 5 . Im Anschluß jedoch wird es ernster: Die Wissenschaftler beginnen, eifrig und wild durcheinander zu „definieren und distinguieren und über jedes Titelchen eines Pandektentitels zu disputieren“, so eifrig, dass „das allgemeine Schwatzen und Schrillen und Schreien, das, wie Meeresbrandung immer verwirrter und lauter, die hohe Göttin umrauschte, bis diese die Geduld verlor“ 6 . Sie weist, wenn man es milde ausdrücken möchte, die Juristen darauf hin, dass ihr „Geschwätz und Gezänke“ dem Prometheus weder „seine Wunden kühlen“ noch „seine Fesseln zerbrechen“ 7 könne.
Daraufhin „heulte die ganze Versammlung wie von Todesangst ergriffen“ 8 , die Decke stürzt ein und Heine als Beobachter des Ganzen rettet sich in den historischen Saal hinüber, wo er Schutz findet bei einem Abbild der Venus, der griechischen Göttin der Liebe und des erotischen Verlangens und einem Bildnis des griechischen Gottes der Dichtkunst, Apollon. Dieser Traum, oder vielleicht besser Albtraum, dessen Schilderung so abrupt einsetzt wie auch endet, kann vor allem auf einer Ebene gedeutet werden, zumindest wenn vorausgesetzt
3e b d . , S . 1 9
4e b d . , S . 1 9 5 vgl.: Heinemann, Gerd: Heinrich Heine. Reisebilder. München: R. Oldenbourg Verlag 1981, S. 36 6 Heine: Reisebilder, S. 22 7e b d . , S . 2 2 8e b d . , S . 2 2 -3-
Quote paper:
Christoph Eyring, 2006, Untersuchung zweier Träume und einer Gespenstererscheinung in Heinrich Heines "Harzreise", Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Die Stellung der Traumerlebnisse Heinrich Heines in der 'Harzreise...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Heines ironische Kritik an der Göttinger Gelehrtenwelt - Funktion und ...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Sebastian Brants "Narrenschiff": "Fortuna" im Kapi...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 11 Pages
Bühnenrhethorik und Alltagsjargon - Sprache in "Papa Hamlet"
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 19 Pages
E.T.A. Hoffmann - Die Elixiere des Teufels
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 18 Pages
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Termpaper, 28 Pages
Die Figur des Narren im Mittelalter am Beispiel des Till Eulenspiegel
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Die Kreuzzugslieder Walthers zwischen dogmatischer Sinnbestimmung, pol...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Die Figur des Narren in Sebastian Brants "Narrenschiff"
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 31 Pages
Definition - Entstehung - Dese...
Geography / Earth Science - Physical Georgraphy, Geomorphology, Environmental Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Märchen der neuen Kindheit: E.T.A. Hoffmann "Das fremde Kind"...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 18 Pages
Mario und der Zauberer- eine politische Novelle?
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 15 Pages
Das Palästinalied von Walther von der Vogelweide
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Die Ritter Kalogrenant und Keie als Vertreter des ritterlichen Tugends...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Intermediate Examination Paper, 30 Pages
Die Mutter-Tochter-Beziehung in "L'Amant"
Romance Languages - French Literature
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Ein Kommentar zum Buch "La Colmena" von Camilo José Cela
Romance Languages - Spanish Studies
Essay, 17 Pages
Christoph Eyring's text Untersuchung zweier Träume und einer Gespenstererscheinung in Heinrich Heines "Harzreise" is now available as a printed book
Christoph Eyring has published the text Untersuchung zweier Träume und einer Gespenstererscheinung in Heinrich Heines "Harzreise"
Christoph Eyring has uploaded a new text
0 comments