Gliederung
I. Einleitung. 1
II. Hauptteil. 3
1. Der Punjab in seiner historischen Bedeutung für Britisch-Indien 3
a) Topographische Besonderheit des Punjabs. 3
aa) Der Punjab, das „Fünf-Strom-Land“ 3
bb) Bewässerungssysteme und Kolonisierung. 3
b) Verteilung der Bevölkerungsgruppen. 4
c) Einschätzung des Punjab. 5
2. Die Rolle Jinnahs und der Muslime League im Punjab. 6
a) Taktisches Vorgehen Jinnahs von 1940-1946. 6
b) Jinnah in der Auseinandersetzung mit dem INC und der UP. 7
c) Jinnah und Mountbatten. 8
3. Mountbatten und sein Taktieren zwischen den Parteien. 9
a) Machtstatus und Persönlichkeit Mountbattens. 9
b) Marschroute Mountbattens zur indisch/pakistanischen
Unabh ängigkeit 10
aa) Unnötiges Forcieren der Teilung. 10
bb) Rasche Teilung als Ergebnis innerindischer
Machtinteressen. 11
c) Die Punjab Boundary Commission und der Boundary Award 12
4. Versuch einer Klärung. 13
III. Schlussbetrachtung. 15
Literaturliste 16
1
I. Einleitung
Im Bundesstaat Gujarat kam es im Februar 2002 im Rahmen einer Vergeltungsmassnahme zu äußerst brutalen und blutigen Übergriffen von hinduistischen Indern auf ihre moslemischen Landsleute für ein Attentat auf einen vollbesetzten Zug mit hinduistischen Pilgern nur kurze Zeit vorher. Die spontane und plötzliche Gewalt, als auch ihre extremen Auswüchse lassen vor allem bei westlichen Beobachtern lediglich blankes Schaudern und Ratlosigkeit zurück. Das wirft die Frage auf: Wo liegen die Wurzeln für ein derart heftig ausschlagendes Pendel der Gewalt zwischen den Religionsgruppen auf dem indischen Subkontinent? Erfahrungsgemäß gehen derartige Streitigkeiten auf territoriale Machtkämpfe zurück, die aufgrund von vorschnellen Grenzziehungen zwischen Bevölkerungsgruppen entstanden. Im Zuge der indischen Teilung spielte besonders die Provinz Punjab bei den feindlichen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems die Hauptrolle, wurde sie doch zum „Cornerstone“ des moslemischen Pakistans erklärt, nicht nur aufgrund ihrer geographischen Lage und Beschaffenheit, sondern auch wegen ihrer Verteilung der Bevölkerungsschichten auf konfessioneller und ethnischer Ebene. Was aber lässt diesen Sezessionskonflikt aus der Masse Anderer herausragen? Herausragend in diesem Zusammenhang war ein Mächtetriumvirat, das in wechselnden Allianzen und taktischen Politikmanövern den Fortgang der Entwicklungen schwer durchschaubar machte. Als „Fürsprecher aller indischer Muslime“ lag es dem Führer der Muslime League (ML) Ali Mohammed Jinnah daran, auf der Grundlage seiner Zwei-Nationen-Theorie einen souveränen Staat Pakistan ins Leben zu rufen, was er mit großem Nachdruck vehement und unbeirrt durchzusetzen bereit war. Als „Counterpart“ stand ihm der hinduistische Indian National Congress (INC) gegenüber, die eine Einheit Indiens unter starker Zentralverwaltung wollten und Jinnahs Sezessionspläne zu verhindern suchten, wenn sie auch von Jinnahs „Machtpolitik“ des öfteren in die Defensive gedrängt wurden.
Ganz anders jedoch bei Verhandlungen Jinnahs mit dem Vertreter der englischen Krone und letzten Vizekönig (VK) in Britisch-Indien Lord Mountbatten. Dessen Rolle als unverzichtbarer Teilnehmer am Spiel um die Zukunft des „Kronjuwels“
2
erlaubte es auf beide Seiten Druck auszuüben und die ins Stocken geratenen Planungen durch neue Initiativen wieder ins Rollen zu bringen. Die diese Arbeit leitende Frage ergibt sich somit aus dem Zusammenspiel dieser Menage à Trois. Im folgenden ist nun darauf einzugehen, wer in diesem Prozess federführend war und wem das Resultat des Prozesses zugeschrieben werden kann, falls dies überhaupt eindeutig konstatiert werden kann.
Im Mittelpunkt der Überlegungen steht hierbei die Person Mountbattens als zentrale Figur zwischen den Parteien von der ausgehend Klarheit geschaffen werden kann, inwieweit der VK eine treibende Kraft der Verhandlungen oder vielleicht doch nur, wenn auch unbewusst, ein Spielball der großen beiden indischen Interessengruppen war. Besondere Gewichtung in der Erarbeitung der Thematik liegt dementsprechend auf dem Agieren Jinnahs und der ML, sowie auf der von Mountbatten vorgelegten „Marschroute“, die interessanterweise von einem hohem Tempo gekennzeichnet war. Die vergleichsweise passive Rolle des INC wird in Unterpunkten in das Wirken Mountbattens eingeflochten, um einerseits den Gegensatz zur ML zu verdeutliche und andererseits die diplomatische Nähe zum VK besser darstellen zu können.
3
1. Der Punjab in seiner historischen Bedeutung für Britisch-Indien
a) Topographische Besonderheit des Punjabs aa) Der Punjab, das „Fünf-Strom-Land“
Durchzogen von den nach Süd-Westen ablaufenden Indusflüssen Jhelum, Chenab, Ravi, Beas und Sutlej erwarb sich der Punjab seinen Namen als „Fünf Strom-Land, das nach Westen hin von den afghanischen Randgebirgen, nach Norden durch das Gebirge des Himalaja, im Süden durch die Tharrwüste und gen Osten durch das Gangestiefland begrenzt wird. Es ist vor allem der westliche (heute pakistanische) Teil des Punjabs, der von der Flussführung und dem subtropischkontinentalem Klima profitiert, das den Westpunjabis mit dem Sommermonsun erlaubte ausgiebig dem Regenfeldbau nachzugehen. Das Herzstück dieses Flussdeltas stellen die zwischen den Flüssen gelegenen Schwemmländer dar, die sogenannten Doabs, auf die sich der Grossteil des Ackerfeldbaus mit dem Anbau von Mais, Zuckerrohr Baumwolle und insbesondere Weizen konzentrierte. 1 Weitgehendst davon ausgeschlossen wurde der östliche (heute indische) Teil des Punjab, der geprägt war von einem eher trockenen Klima mit einzelnen Hügelketten dessen Topographie Ackerfeldbau nur mit Brunnenbewässerung zuließ und Viehzucht begünstigte.
bb) Bewässerungssysteme und Kolonisierung
Im Jahr 1885 begann die britische Regierung mit der Errichtung des damals größten Bewässerungssystems seiner Zeit, indem sie bis zum Ende ihrer Herrschaft 1947 Kanäle anlegten, die Teile des Wassers der fünf großen Flüsse auf die bis dahin für die ansässige Bevölkerung unkultivierbaren Landstriche ableitete und diese für den ganzjährigen Ackerfeldbau urbar machte. 2 Über die Jahre entwickelte sich somit die zur „hydraulic society“ aufgestiegene Bevölkerung des Punjabs zum Hauptgaranten der „Kornkammer Indiens“ und stieg dadurch in der Gunst der britischen Kolonialmacht an oberste Stelle. 3 Die mehr und mehr hinzugewonnen Anbauflächen verlangten aber auch nach neuen Siedlern und Arbeitern, dem die Briten nachkamen, indem sie entlang der Bewässerungskanäle sogenannte „canal colonies“ ins Leben riefen und durch ihre
1 Tietze, Wolfgang, Lexikon der Geographie, Band III L-R, Georg Westermann Verlag, S. 930.
2 E. M. Whitcombe, Agrarian Conditons in North India, Berkley, Los Angeles 1972, S. 123.
3 Imran Ali, The Punjab under Imperialism 1885-1947, Princeton NewJersey, 1988, S. 159.
4
Siedlungspolitik erheblich dazu beitrugen, dass sich Lebensstandard und technischer Entwicklungsstand der Punjabis auf ein überdurchschnittliches Niveau anstieg.
Dies geschah jedoch nicht ohne Hintergedanken und aus reinem guten Willen seitens der britischen Verwaltung. Parallel zum Anstieg der Ernteerträge im Punjab erhöhten sich auch die Steuereinnahmen der Kolonialherren, die durch die Kontrolle sämtlicher Abgaben und Landverkäufe einen großen finanziellen Nutzen daraus zogen. 4 Diese Umstände lassen es verständlich erscheinen, dass die Kolonialverwaltung darauf erpicht war das Wohlwollen und die Loyalität der Kleinbauern und Großgrundbesitzer zu pflegen und konstant zu halten. Die Folge dieser britischen Kolonialpolitik war eine ohnehin schon starke Spaltung der Punjabi Bevölkerung („entrenchment of Punjabi society“) in die, die im agrarischen Sektor tätig waren („agriculturale castes“) und die davon ausgeschlossen waren („non-agriculturale castes“). 5 Diese Entwicklung wurde wiederum weiter verstärkt, indem die britische Verwaltung in der Rekrutierung indischer Soldaten überwiegend auf Punjabis zurückgriff und ihnen aufgrund ihrer Loyalität in der „Mutiny“ im Jahre 1856 große Teile der Canal Colonies für ihren Lebensabend in Aussicht stellte. Dieses Privileg wirkte auf die Punjabis sehr anziehend und veranlasste zunehmend mehr von ihnen den Dienst an der Waffe für die britische Krone anzutreten. In den Augen der Briten stellten die Punjabis, über die Jahre auch als „martial race“ bezeichnet, eine unverzichtbare Stütze der britischen Militärpolitik in Indien dar.
b) Verteilung der Bevölkerungsgruppen
Ein zweiter Faktor, der den Punjab zu einem Sonderfall macht, ist seine dreigespaltene Bevölkerungsstruktur. Im westlichen Punjab konzentrierten sich die großen Muslimmehrheiten mit bis zu 90% Bevölkerungsanteil, wogegen sich im Ostteil die Verhältnisse exakt spiegelverkehrt zugunsten der Hindus verhielten. Zwischen den zwei Blöcken fand sich jedoch die mit 13% Gesamtbevölkerungsanteil zwar verhältnismäßig geringen, aber äußerst einflussreichen Sikhs. Sie waren es die im 18.Jahrhundert an politischer Macht im Punjab gewannen und die Region - dem Sikh Empire - bis 1849 beherrschten bis sie nach
4 Imran Ali, Punjab under Imperialism,, S. 158.
5 Imran Ali, Punjab under Imperialism, S. 62.
Arbeit zitieren:
M.A. Frank Walzel, 2002, Die Teilung des Punjab im Jahre 1947 - Lord Mountbatten als treibende Kraft oder Spielball der indischen Parteien?, München, GRIN Verlag GmbH
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