INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
1. Konkurrenz
2. Gruppenleben „Die egoistische Herde“
2.1. Kooperation „Das egoistische Gen kooperiert“
2.2. Gesamteignung
2.2.1. Verwandtschaftselektion
2.3.1. Reziproker Altruismus
3. „Kultur und Natur“ - das Dilemma der Menschheit
3.1. Kulturelle Gruppenselektion
3.1.1. Bestrafungs- und Belohnungsprinzip
3.1.1.1. Moral
3.2 Gründe des Konformismus
3.2.1. „Der gute Ruf“
3.2.2. Emotionen
4. Auf der Suche nach evolutionärer Stabilität
4.1. Das Gefangenendilemma
5. Zusammenfassung
6. Literatur
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Einleitung
„Die Fähigkeit zur „Unmenschlichkeit“ ist ein Gattungsmerkmal des Menschen.“ 1 und Goethes beschrieb sein Idealbild folgendermaßen: „edel, hilfreich und gut sei der Mensch, denn das allein unterscheidet ihn von allen anderen Wesen, die wir kennen“.
Der ersten Aussage kann nicht widersprochen werden, denn in den Nachrichten ist täglich von Kriegen und Folter die Rede, aber auch die Todesstrafe, welche auch heute noch in vielen Ländern an der Tagesordnung ist, zeigen dem Menschen seine „Unmenschlichkeit“ auf. Aufgrund des rasanten Fortschrittes der Technologie fällt es dem Menschen leichter als jedem anderen Lebewesen, die eigene Art zu reduzieren. Ein Ergebnis der komplexen Kultur ist das Mitgefühl mit anderen, in vielen Ländern gelten jedoch unterschiedliche Regeln und Normen und überall werden diese auch gebrochen.
Die Möglichkeit, Altruismus aus der Perspektive der Religion zu erklären, welche einen großen Anteil an den heutigen ethischen Normen beinhaltet, werde ich verzichten, da es den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde. Doch wie weit ist die Forschung heute?
Ist die menschliche Spezies von Natur aus gut und nur die Gesellschaft macht sie böse, wie auch es schon Rousseau zu demonstrieren versuchte oder haben die Soziobiologen recht, nach denen „das Schlechte“ bereits in den Genen steckt?
In erster Linie handelt der Mensch nach seinen eigenen Interessen und unterscheidet sich dabei nicht vom Tier, dessen ungeachtet hat er die Fähigkeit, sein Handeln zu reflektieren und zu korrigieren.
Der Samariter ist das beste Beispiel, dass Menschen selbstlos handeln können, doch ist dies nur eine weitere Möglichkeit der egoistischen Gene an ihr Ziel zu kommen?
Gibt es den „echten“ Altruisten oder ist das eine idealisierte Vorstellung, damit sich der Mensch doch vom Tier abhebt?
1 Winkler und Schweikhardt, zit. nach Wuketits 2001, S.12.
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Auf den nachfolgenden Seiten beschäftige ich mich mit den Thesen der Soziobiologie über Altruismus. Sie vertritt die Auffassung, dass altruistisches Verhalten letztendlich fast immer der Antrieb des Egoismus ist, um die eigene Fitness zu stärken, wobei Gene natürlich nicht intentional handeln. Dabei ist es zunächst entscheidend, wie nah verwandt der Nutznießer mit dem Altruisten ist. (2.3.)
Beim reziproken Altruismus ist wichtig, wie groß die Aussicht ist, dass der Nutznießer sich revanchiert (2.4), die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn die Art in Gruppen zusammenlebt, in welcher Kooperation jederzeit möglich ist. (2.)
Im zweiten Teil der Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Sonderstellung des Menschen, der als einziges Wesen in der Lage ist, sich sein Handeln bewusst zu machen und gegebenenfalls zu ändern. Doch warum wird altruistisch gehandelt und welche Rolle spielt Kultur dabei? Schon Darwin wusste, dass die Moral den Menschen von der restlichen Tierwelt unterscheidet. (3.) Zum Schluss wende ich mich dem Gefangendilemma zu und seiner Entwicklung zu einer evolutionär stabilen Theorie (4.). Es ist der Versuch der Wissenschaften, erklären zu können, warum sich Altruismus durchsetzte und inwieweit Altruismus adaptiv ist.
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1. Konkurrenz
Den Aspekt des Altruismus konnte sich Charles Darwin (1859) schon nicht erklären, widersprach er doch seiner Theorie der natürlichen Selektion. Jedes Lebewesen denkt zuerst an das eigene Überleben, dann an das seiner Kinder und schließlich an seine Verwandten, so kann es sicher sein, dass genug Gene, die mit ihm verwandt sind, überleben. Folglich stehen alle Individuen miteinander in Konkurrenz, um potentielle Erzeuger, die besten Ressourcen, und um die oberen Plätze in der Hierarchie, aber auch in Überflusssituationen finden sich immer wieder Interessenkonflikte gleichgültig, ob unter Rivalen, Eltern und Kindern und Verwandten, denn „es gibt keine genetisch identischen Lebewesen, weshalb in den Lebensgemeinschaften grundsätzlich unterschiedliche Reproduktionsinteressen aufeinander treffen“ 2 . Die Begrenztheit der Ressourcen und die Konkurrenz, um den ihren Zugang und Nutzen, wenn mehrere dasselbe Ziel haben (Nahrung, Brutplätze, Geschlechtspartner) führt zu Wachstumsgrenzen und verhindert so u.a. die ungehinderte Ausbreitung einer Art, dabei helfen den Tieren Eigenschaften oder Merkmale, die ihnen einen Vorteil bei der Werbung um Geschlechtspartner verschaffen.
2 Voland 1993, S.60.
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2. Gruppenleben „Die egoistische Herde“
Lorenz Theorie der Tötungshemmung diente seiner Meinung nach der Arterhaltung, auch V. C. Wynne-Edwards sah in Kommentkämpfen den Sinn, den Gegner nicht lebensgefährlich zu verletzen und in der Zurückhaltung von Reproduktion, einen Hinweis auf Gruppenselektion.
Er folgerte daraus, dass Tiere dazu neigen, eine Überbevölkerung in ihren Habitaten zu vermeiden, indem sie sich in ihrer Fortpflanzungstätigkeit 3 (z.B. bei einigen Vogelarten) einschränken, denn Gruppenselektion hat nur das Beste der Gruppe „im Blick“, im Gegensatz zur Individualselektion, die dem einzelnen Individuum zugeneigt ist (klassische Evolutionstheorie). Die Frage ist nun, ob diese umstrittene Theorie der Gruppenselektion eine Erklärung für Altruismus sein kann?
Gegenargumente könnten erstens Letale Rivalenkämpfe sein, wenn man nur die eine Chance hat, dann geht es um alles oder nichts auch bis zur Tötung eines Artgenossen, zweitens sexuelle Gewalt z.B. bei Orang-Utans, drittens der Aspekt des Infantizides, z.B. nach der Übernahme eines Harems durch ein neues Männchen und letztendlich Zwischengruppenkonflikte, welche bis zur Auslöschung einer anderen Gruppe, der eigenen Art führen können, z.B. beobachtet bei Schimpansen (Ausrottungskampf) 4 .
Diese Beobachtungen legen die Vermutung nahe, dass Gruppenselektion hier keine Erklärung sein kann.
1964 prägte Richard Dawkins den Begriff des „egoistischen Gens“ und auch George Williams und William Hamilton vertraten die Ansicht, „dass das Handeln der Individuen nicht zwangsläufig mit dem höheren Interessen der Gemeinschaft, der Familie und sogar dem der Individuen selbst übereinstimmt“ 5 .
Ausgenommen von der menschlichen Spezies können drei Gründe dazu führen, dass sich Individuen zu einer Gruppe zusammenschließen können, zunächst die Kooperation, diese bietet einen Gesamtvorteil für alle Beteiligten ohne direkte Kosten, sie unterstützt die natürliche Selektion, da die Ziele leichter erreicht werden, als wenn solitär gehandelt wird. Zweitens der Nepotismus oder auch die Verwandtschaftselektion, bei der eigene Fitnesseinbußen, zugunsten der Verwandtschaft hingenommen werden, indirekter Fitnessgewinn. Beim reziproken Altruismus werden massive
3 vgl. Barash 1980, S.78f.
4 vgl. Barash 1980, S. 94.
5 Ridley 1999, S. 32.
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Arbeit zitieren:
Susanne Müller, 2006, Altruismus - "zwischen Natur und Kultur" - ein soziobiologischer Ansatz, München, GRIN Verlag GmbH
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