Dass verschiedene Textsorten unterschiedliche Übersetzungsstrategien und -methoden erfordern ist an sich gesehen eine triviale Feststellung. Schließlich liegt es auf der Hand, dass eines der Sonette Shakespeares translatorisch anders anzugehen ist als beispielsweise die Gebrauchsanweisung einer Spülmaschine. Allerdings wäre es angesichts der Fülle verschiedener Textsorten sehr umständlich und vor allem unübersichtlich, für jede einzelne Textsorte eigene Übersetzungsstrategien und -methoden entwerfen und vermitteln zu wollen. Eine übergeordnete Kategorisierung ist von Nöten, wobei die weit verbreitete Unterscheidung zwischen fiktionalen und nichtfiktionalen Texten als für die Translation nicht ausreichend erscheint. Eine Zusammenfassung von Textsorten in translatorisch relevante Gruppen ist daher angebracht, um wiederum für diese Gruppen Übersetzungsanweisungen formulieren zu können. Eben dieser Aufgabe haben sich Katharina Reiß und nach ihr weitere Translationswissenschaftler gewidmet. Ihre Überlegungen zur translatorischen Texttypologie und die Ausprägungen derselben sollen im Folgenden ebenso dargestellt werden, wie ihre Empfehlungen oder Anweisungen zu Methodik und Strategie der Übersetzung verschiedener Textgattungen. Desweiteren wird auch auf andere, auf Reiß' aufbauende oder die Erkenntnisse Reiß' vertiefende translationswissenschaftliche Ansätze eingegangen werden. Hierbei wird der Schwerpunkt allerdings auf informativen und operativen Texten liegen, da diese in der Praxis der professionellen Translation aufgrund ihrer Verbreitung die bei weitem größte Rolle spielen. Die Liebhaber der Übersetzung expressiver Texte mögen diese Gewichtung verzeihen.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
0.1 Vorwort
0.2 Textsorten und Textsortenkonventionen.
0.3 Historische Grundlagen
0.3.1 Goethe.
0.3.2 Bühlers Organonmodell
1 Texttypen
1.1 Einleitung
1.2 Übersetzungsfunktion
2 Der informative Texttyp.
2.1 Textebene.
2.2 Textstufe und Übersetzungsstrategie.
3 Der operative Texttyp
3.1 Allgemeine textkonstituierende Merkmale operativer Texte
3.1.1 Sachappell
3.1.2 Sprachlicher Appell
3.1.3 Gestaltungsprinzipien
3.2 Appellverwirklichung
3.3 Übersetzungsmethode
3.4 Aspekte der Ausgangstextanalyse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die translatorische Texttypologie nach Katharina Reiß sowie darauf aufbauende Ansätze. Ziel ist es, die systematische Kategorisierung von Texten in informative, expressive und operative Typen darzulegen und entsprechende Übersetzungsstrategien für die Praxis abzuleiten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Analyse und Übersetzung operativer Texte liegt.
- Grundlagen der Textsorten und Textsortenkonventionen
- Historische Herleitung der Übersetzungsmethodik (Goethe, Bühler)
- Klassifikation und Funktionsbestimmung verschiedener Texttypen
- Strategien zur Übersetzung informativer und operativer Texte
- Analyse appellativer Strukturen in Werbung und Propaganda
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Gestaltungsprinzipien
Um die Appellfunktion des Textes zu gewährleisten werden verschiedenste, oder besser gesagt, alle verfügbaren sprachlichen und stilistischen Mittel verwendet. So ist bei operativen Texten stark auf Volkstümlichkeit und Verständlichkeit zu achten. Der Appell soll ja möglichst viele Empfänger erreichen und diese auf kürzestem Wege direkt ansprechen. Hierzu bedient man sich der „Sprache des Volkes“ oder der „Sprachstufe der Vielen“. Sie zeichnet sich unter anderem durch einen kurzen, einfachen Satzbau nach dem Motto „in der Kürze liegt die Würze“ aus. Weitere Merkmale dieses Stils sind starke Redundanzen und Wiederholungen (Anaphora), sowie die gehäufte Verwendung der aus Legende und Märchen bekannten Dreierfigur.
Eine knappe Syntax dient zudem der Einprägsamkeit eines Appells. Zur besseren Einprägsamkeit verwendet man zum Beispiel Antithesen, Endreime, Alliterationen, rhythmische Sprache, Wortspiele, Claims oder Slogans, Schlagwörter, Paradoxa oder die bereits erwähnte einprägsame Dreierfigur. Sie alle unterstützen gewissermaßen die „Langzeitwirkung“ des Appells durch eine leichte Gedächtnisaktivierung.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Notwendigkeit einer übergeordneten Texttypologie ein und stellt die theoretischen Vorarbeiten von Katharina Reiß vor.
1 Texttypen: Hier werden die vier grundlegenden Texttypen (informativ, expressiv, operativ, audio-/multimedial) definiert und ihre jeweilige Übersetzungsfunktion erläutert.
2 Der informative Texttyp.: Dieses Kapitel analysiert anhand der Arbeiten von Susanne Göpferich die Herausforderungen bei der Übersetzung technischer Texte und die Einschränkung des Invarianz-Prinzips.
3 Der operative Texttyp: Dieser Abschnitt widmet sich den Merkmalen operativer Texte, insbesondere der Appellfunktion, und untersucht Methoden zur psychologischen Beeinflussung der Empfänger.
Schlüsselwörter
Übersetzungswissenschaft, Texttypologie, Textsorten, Katharina Reiß, Operativer Text, Informativer Text, Übersetzungsmethode, Appellfunktion, Sprachmanipulation, Textsortenkonventionen, Äquivalenz, Translationswissenschaft, Kommunikationsfunktion, Rhetorik, Werbesprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die translatorische Klassifizierung von Texten in verschiedene Typen, um daraus effektive Übersetzungsstrategien für die professionelle Praxis abzuleiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Textsortendefinition, die Einordnung von Texten nach ihrer Funktion sowie die spezifische Methodik zur Übersetzung informativer und operativer Texte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis der Arbeiten von Katharina Reiß aufzuzeigen, wie unterschiedliche Textfunktionen die Wahl der Übersetzungsmethode zwingend beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung unter Einbeziehung von Modellen der Sprachwissenschaft (Goethe, Bühler) sowie eine analytische Untersuchung von Fallbeispielen aus der Übersetzungspraxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Strategien für informative Texte, insbesondere in technischen Kontexten, sowie auf die detaillierte Analyse operativer Texte in der Werbung und Propaganda.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Texttypologie, Übersetzungsmethode, Appellfunktion, Invarianz und Textsortenkonventionen.
Welche Rolle spielen die "Sprachattrappen" bei Pörksen?
Der Begriff beschreibt den Missbrauch von wissenschaftlichen Textsortenkonventionen, um bloßen Behauptungen in unseriöser Werbung einen Anschein von Seriösität zu verleihen.
Warum wird die Gebrauchsanweisung vom operativen Texttyp abgegrenzt?
Laut Reiß fehlt der Gebrauchsanweisung der für operative Texte notwendige Sachappell zur gezielten Verhaltensänderung; sie dient primär der reinen Anleitung, nicht der persuasiven Steuerung.
Wie unterscheidet sich die "identifizierende Methode" bei Goethe?
Sie gilt als höchste Form der Übersetzung, bei der der Übersetzer an die Stelle des Autors tritt und sich vollständig mit dessen Intentionen und Ausdruckswillen identifizieren muss.
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- Anonym (Author), 2004, Texttypologie, Textsorten, Texttypen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58062