Seminararbeit zum Thema:
Ausgewählte jüngere Rechtsprechung der Vergabekammern und
Vergabesenate zu praxisrelevanten Fragen des Vergaberechts
im Rahmen der Seminar/Vertiefung Vergaberecht
Fachhochschule Trier
Standort Umwelt-Campus Birkenfeld, University of Applied Sciences
SS 2006
von
Janine Appel
Oliver Krause
8. Semester
7. Semester
Inhaltsverzeichnis
I. Fehler bei der Wahl der Verfahrensart (OLG Düsseldorf, 15. 10. 2003) ... 1
1. Sachverhalt ... 2
2. Entscheidung ... 2
3. Tenor ... 3
II. Das offene Verfahren ... 3
1. Tätigkeiten im Vorfeld der Ausschreibung ... 3
a) OLG Düsseldorf, 08.09.2004 ... 4
aa) Sachverhalt ... 4
bb) Entscheidung ... 4
cc) Tenor ... 6
b) OLG Düsseldorf, 04.03.2004 ... 6
aa) Sachverhalt ... 6
bb) Entscheidung ... 6
cc) Tenor ... 7
2. Veröffentlichung der Ausschreibung (OLG Nürnberg, 17.04.2002) ... 8
a) Sachverhalt ... 9
b) Entscheidung ... 10
c) Tenor ... 10
3. Versand der Ausschreibungsunterlagen (BayOblG, 16. 09. 2002) ... 11
a) Sachverhalt ... 11
b) Entscheidung ... 12
c) Tenor ... 12
4. Angebotsabgabe/ Eröffnungstermin ... 13
a) OLG Dresden, 01.07.2005 ... 13
aa) Sachverhalt ... 13
bb) Entscheidung ... 14
cc) Tenor ... 15
b) OLG Düsseldorf, 11.04.2003 ... 15
aa) Sachverhalt ... 15
bb) Entscheidung ... 16
cc) Tenor ... 17
5. Prüfung der Angebote ... 17
a) Prüfung von Ausschlussgründen nach § 25 Nr. 1 VOL/A ... 17
aa) OLG Brandenburg, 06.10.2005 ... 18
aa1) Sachverhalt ... 18
aa2) Entscheidung ... 18
aa3) Tenor ... 19
bb) OLG Düsseldorf, 14.09.2004 ... 20
bb1) Sachverhalt ... 20
bb2) Entscheidung ... 20
bb3) Tenor ... 21
b) Ausschluss von Bewerbern nach § 7 Nr. 5, 6 VOL/A (OLG Saarbrücken, 29.12.2003) ... 21
aa) Sachverhalt ... 21
bb) Entscheidung ... 22
cc) Tenor ... 23
c) Prüfung zugelassener Nebenangebote (OLG Koblenz, 05.09.2002) ... 23
aa) Sachverhalt ... 23
bb) Entscheidung ... 24
cc) Tenor ... 25
d) Aufklärungsgespräche i. S. v. § 24 VOL/A (BGH 06.02.2002) ... 25
aa) Sachverhalt ... 25
bb) Entscheidung ... 26
cc) Tenor ... 26
6. Wertung der Angebote / Wirtschaftlichkeitsprüfung ... 27
a) KG Berlin, 18.07.2002 ... 27
aa) Sachverhalt ... 27
bb) Entscheidung ... 27
cc) Tenor ... 28
b) OLG München, 15.07.2005 ... 28
aa) Sachverhalt ... 28
bb) Entscheidung ... 29
cc) Tenor ... 30
7. Vorabinformation (OLG Naumburg, 26.04.2004) ... 30
a) Sachverhalt ... 30
b) Entscheidung ... 31
c) Tenor ... 32
8. Zuschlagserteilung (BGH, 03.06.2004) ... 32
a) Sachverhalt ... 32
b) Entscheidung ... 33
c) Tenor ... 34
I. Fehler bei der Wahl der Verfahrensart
Dem öffentlichen AG ist es nicht möglich, uneingeschränkt zwischen den einzelnen Verfahrensarten zu wählen. Diese stehen vielmehr in einer bestimmten Rangfolge zueinander. Demnach ist die öffentliche Ausschreibung/ offenes Verfahren nach § 3a Nr. 1 I VOL/A1 grds. vorrangig.
In Ausnahmefällen ist es dem AG gestattet, auf die beschränkte Ausschreibung/ nicht offenes Verfahren zurückzugreifen, § 3a Nr. 1 I i. V. m. § 3 Nr. 3 VOL/A. Nur in seltenen Ausnahmefällen darf sich der AG der freihändigen Vergabe/ Verhandlungsverfahren nach § 3a Nr. 1 I i. V. m. § 3a Nr. 1 IV bzw. § 3a Nr. 2 VOL/A bedienen.
Weiterhin ist auch der wettbewerbliche Dialog als Verfahrensart zu nennen. Dieser siedelt sich zwischen dem förmlichen Verfahren und der freihändigen Vergabe an. Der Wettbewerb stellt sich als eine auf die Planungsleistungen reduzierte öffentliche Ausschreibung auf Basis einer funktionalen Leistungsbeschreibung dar.2
Jene Rangfolge erlangt jedoch für AG aus privaten Sektoren keine Geltung, da solchen nach § 98 Nr. 4 GWB3 eine freie Wahl zwischen den einzelnen Vergabearten eingeräumt wird. Die Wahl der falschen Verfahrensart führt dazu, dass die Vergabe fehlerhaft und rechtswidrig, also angreifbar ist, §§ 97 VII i. V. m. 101 GWB.4
Das OLG Düsseldorf beschäftigte sich im unten erläuterten Beschluss mit der Frage, ob ein bereits vergebener Auftrag für Müllentsorgung ein vergaberechtsfreies Eigengeschäft darstelle. Gem. gefestigter Rechtsprechung handelt es sich um ein solches vergabefreies Eigengeschäft (sog. Inhouse-Geschäft), wenn der öff. AG zum einen eine GmbH mit Dienstleistungen betraut, die er kontrolliert, als wäre es eine eigene Dienststelle und an welcher er alle Anteile hält. Zweite Voraussetzung ist, dass die beauftragte GmbH ihre Tätigkeit im Wesentlichen für diesen öff. AG verrichtet.5
OLG Düsseldorf, 15.10.2003; „Rekommunalisierung“ – AZ: Verg 50/036
1. Sachverhalt
Eine Kommune beauftragt seit Jahren das Privatunternehmen A mit Entsorgungsleistungen. Nun beabsichtigt sie, die Müllabfuhr zu rekommunalisieren. Die Abfuhrleistungen sollen vorerst an die Stadtwerke vergeben werden, welche sich im alleinigen Anteilsbesitz der Kommune befinden. Vorgesehen ist jedoch, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke in Form einer GmbH zu gründen, das neben anderen kommunalen Aufgaben auch die den Abfuhrarbeiten übernehmen soll. Der Entsorgungsvertrag soll nach Gründung des Tochterunternehmens durch Vertragsübernahme auf dieses übergehen. Die von A angerufene Vergabekammer entscheidet, dass die Abfuhrleistungen im Wege eines formellen Vergabeverfahrens zu vergeben sind. Die Kommune legt daraufhin sofortige Beschwerde beim OLG Düsseldorf ein.
2. Entscheidung
Der Vergabesenat hob den Beschluss mit folgender Begründung auf: Die Vergabe der Entsorgungsleistungen stellt auch in der vorliegenden Konstellation ein vergabefreies Eigengeschäft des öffentlichen AG dar. Dieses liegt vor, wenn der öffentliche AG ein Unternehmen mit Dienstleistungen betraut, das sich in seinem alleinigen Anteilsbesitz befindet, und über das er die Kontrolle wie über seine eigene Dienststelle ausübt. Des Weiteren muss der Beauftragte seine Tätigkeit im Wesentlichen für diesen öffentlichen AG verrichten. Nach Ansicht des Senats erfüllt der Vertrag zwischen der Kommune und dem zu gründenden Tochterunternehmen die vorgenannten Kriterien. Problematisch sei hier lediglich die Frage, ob die Kommune in umfassender Weise Einfluss auf das zu gründende Tochterunternehmen ausüben kann. Das sei im Ergebnis zu bejahen, obgleich die zu gründende GmbH nur mittelbar von der Kommune beherrscht werde, da die geplante Satzung nämlich vorsieht, dass die Kommune die Gesellschafterversammlung und den Aufsichtsrat des Tochterunternehmens besetzt und weiterhin über die Gesellschafterversammlung den Geschäftsführer des Tochterunternehmens bestellt und abberuft. Ein Entziehen dieser Einflussmöglichkeit durch die Stadtwerke ist überdies nicht möglich, da die Kommune deren alleinige Anteilseignerin ist. Liegen die Voraussetzungen für ein Eigengeschäft jedoch einmal vor, so ist es vergaberechtlich ohne Belang, ob sich der öffentliche AG zur Auftragserfüllung lediglich eines Tochter- oder sogar eines Enkelunternehmens bedient. Gleichgültig ist außerdem, ob jenes in kommunaler Hand stehende Unternehmen direkt oder durch Vertragsübernahme mit der Leistungserbringung beauftragt wird.
[....]
1 Verdingungsordnung für Leistungen Teil A, i. d. F. der Bekanntmachung vom 17.11.2002
2 K. H. Schonebeck/ H. C. Schwenker, Das Vergaberecht in der anwaltlichen und gerichtlichen Praxis, S. 41, Rdnr: 180
3 Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, i. d. F. der Bekanntmachung vom 01.09.2005, BGBl. I S. 2676
4 R. Noch, Vergaberecht kompakt, 3. Aufl. 2005, S. 61 ff.; D. B. Schütte/ M. Horstkotte, Vergaberecht bei öffentlichen Aufträgen 2001, S. 35 ff.
5 R. Weyand, Praxiskommentar: Vergaberecht, § 99 GWB, Rdnr. 610
6 OLG Düsseldorf, VergabeR 2004, S. 63 ff.
Quote paper:
Diplom Wirtschaftsjuristin (FH) Janine Appel, Oliver Krause, 2005, Ausgewählte jüngere Rechtsprechung der Vergabekammern und Vergabesenate zu praxisrelevanten Fragen des Vergaberechts, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Das Neue Steuerungsmodell der öffentlichen Verwaltung
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Dynamisch verhandelte Online-Ausschreibungen im Bereich der öffentlich...
Kommunale Ausschreibungen am B...
Organisation and Administration
Diploma Thesis, 100 Pages
Die Entwicklung und die Auswirkungen der Europäischen Vergaberichtlini...
Law - European and International Law, Intellectual Properties
Scholarly Essay, 28 Pages
Landes-Disziplinargesetz LDG NRW
Law - Public Law / Administrative Law
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Täter-Opfer-Ausgleich - Strafrechtliche Grundlagen und praktische Umse...
Scholarly Research Paper, 87 Pages
Arbeits- und disziplinarrechtliche Folgen von Alkoholmissbrauch
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholary Paper (Seminar), 52 Pages
Personalmarketing in Unternehmen
Darstellung an ausgewählten Pr...
Business economics - Personnel and Organisation
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Elektronische Beschaffung und Vergabe (Public E-Procurement) - eine Ch...
Business economics - Personnel and Organisation
Diploma Thesis, 92 Pages
eGovernment - Chance und Herausforderung für die Verwaltung am Beispie...
Organisation and Administration
Termpaper, 53 Pages
Vom Verwaltungsstaat zum dienstleistenden Staat. Umbau der klassischen...
Organisation and Administration
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 40 Pages
Formale Angebotsprüfung und Ausschluss von Angeboten (§§ 25 Nr. 1 VOB/...
Law - Civil / Private / Trade / Anti Trust Law / Business Law
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Einstweiliger Rechtsschutz im Schiedsverfahren gemäß § 1041 ZPO
Law - Civil Action / Lawsuit Law
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Chancen und Risiken der Einführung neuer Steuerungsmodelle in der öffe...
Organisation and Administration
Textbook, 36 Pages
Das öffentliche Vergabewesen - eine Analyse aus Sicht des Mittelstande...
Business economics - Economic Policy
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Schiedsrichterliche Verfahren nach §§ 1025 ff. ZPO
Law - Civil Action / Lawsuit Law
Termpaper, 27 Pages
Anwendung des Vergaberechts in Krankenhäusern und seine Grundzüge
Presentation (Elaboration), 14 Pages
Die Entwicklung der Flughäfen in Berlin - Brandenburg
Business economics - Economic and Social History
Termpaper, 28 Pages
Janine Appel has published the text Ausgewählte jüngere Rechtsprechung der Vergabekammern und Vergabesenate zu praxisrelevanten Fragen des Vergaberechts
Janine Appel has uploaded a new text
juris PraxisKommentar Vergaberecht
GWB - SektVO - VgV - VOB/A
Jörg Blaufuss, Wolfgang Heiermann, Christopher Zeiss
Die Richtlinie 2004/18/EG und das deutsche Vergaberecht
Ausgewählte Problembereiche un...
Barbara Buhr
Der Wettbewerbliche Dialog im Spannungsfeld der Grundsätze des Vergabe...
Tobias Helmut Schneider
0 comments